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Therapiebericht . . .

Immer wieder bekommen wir Anfragen, was eigentlich in einer Therapie passiert. Viele Betroffene haben völlig falsche Vorstellungen unter dem, was sie dort erwartet. Es ist ganz normal, auf die neuen Dinge, die da auf einen zukommen, mit einer gewissen Angst und Skepsis zu reagieren.

Wie eine Therapie ablaufen kann, soll der folgende Bericht zeigen. Wir danken Frank an dieser Stelle für die Mühe. Übrigens wir freuen uns auch über weitere Berichte, die wir gerne an dieser Stelle veröffentlichen.

Möchten auch Sie über Ihre Therapie berichten? Sie helfen damit anderen alkoholkranken Menschen, die sich noch nicht dafür entscheiden konnten. Schreiben Sie uns Ihren Bericht per Mail (Kennwort Therapiebericht info@a-connect.de) und wir werden ihn an dieser Stelle veröffentlichen.


Dietmar:
In meiner letzten Therapiewoche möchte ich meine Eindrücke von der Langzeittherapie auf der Kamillusstation (Alexianerklinik Neuss) wiedergeben. Diese Station hat den Vorteil das man aus den Entgiftungsstationen dieses Krankenhauses einen Eilantrag auf die Therapie stellen kann,der - sofern man bei der LVA ist - auch ohne Probleme bewilligt wird.
Gut, oder für einige schlecht, man hat relativ viel Freizeit. Die Station (max.20 Leute) wird von 2 Therapeuten und einem Sozialarbeiter betreut. Therapieeinheiten sind Klein,-Groß,- und Literaturgruppe sowie Kreativtherapie und Sport, Einzelgespräche in der Regel 1 mal die Woche, Paargespärche nach Absprache. Nach der 4ten Woche muss man vor der Großgruppe seinen Zwischenbericht (Lebenslauf, Suchtgeschichte, Ziele der Therapie)halten, wird dieser angenommen gilt die Probezeit als beendet und man darf am WE auch zuhause übernachten. Zur Ausgangsregelung....die ersten 2 Wochen nur auf dem Klinikgelände, danach auch ausserhalb, Wochentags von Therapieende bis 22 Uhr, Fr und Sa bis 24 Uhr. Die Kreativtherapie dauert 8 Wochen, in dieser Zeit sollte eine Kollage der gegenwärtigen Situation, ein Specksteinwürfel sowie ein Selbstbildniss aus Ton erstellt werden. Nach diesen 8 Wochen kommt man in die AT (Arbeitstherapie) Holz. Ausserdem kann man in der Therapie einen Antrag auf Nachsorge stellen. Die Nachsorge wird vom selben Sozialarbeiter betreut der auch auf der Station ist.
Ich denke das war das wichtigste über die Therapie.


Volker:
Mit sehr gemischten Gefühlen bin ich am 4. August 2003 zur Langzeittherapie in die Berghofklinik nach Bad Essen gefahren. Was wird mich dort erwarten?

In der ersten Woche auf der Aufnahmestation wurden die Abläufe in der Klinik erklärt und wir "Neuen" hatten genug Zeit, um uns einzuleben. Dann wurden wir auf die einzelnen Gruppen (insgesamt 9 mit jeweils 10-12 Patienten) verteilt. Die Therapie bestand aus 3 Einheiten pro Tag: Gruppentherapie, Sporttherapie oder Arbeitstherapie/Funktionsdienst (im Wechsel), Kunst- oder Beschäftigungstherapie (im Wechsel). Hinzu kamen bei Bedarf oder nach Absprache Einzelgespräche mit dem Therapeuten.

Die Gruppentherapie war anstrengend. Hier ging es ans Eingemachte und es war eine offene Gruppe, also ein Kommen und Gehen. Aber je mehr Neue kamen und Alte gingen, desto angenehmer wurde die Therapie. Es hat lange gedauert, bis ich offen wurde, mich nicht mehr versteckt habe und auch die Hilfe meiner Gruppe und meiner Therapeutin annehmen konnte. Daher habe ich meine Therapie auch um vier Wochen verlängert und war insgesamt 20 Wochen in der Berghofklinik.

Insgesamt verging die Zeit wie im Flug und ich habe viele nette Menschen kennen gelernt, zu denen ich teilweise immer noch Kontakt habe.

Rückblickend war die Therapie für mich eine anstrengende Zeit, die sich aber gelohnt hat. Ich habe Verantwortung für mich übernommen, achte auf meine Gefühle und bin an meine Grenzen gestoßen, ohne zu trinken. 


Olaf:
Ich bin dank meiner Therapie nun schon über vier Jahre trocken und Drogenfrei. Meine stationäre Entwöhnungsbehandlung fand in der Fachklinik īSt. Marienstift in Neuenkirchen Vörden statt. Die BfA hatte mir zunächst vier Monate Aufenthalt bewilligt, im späteren Verlauf der Therapie habe ich dann noch einen Monat drangehängt. Eigentlich wollte ich da gar nicht hin, die Ausrede war für mich damals die Entfernung, immerhin ca. 300 km von meiner Heimatstadt entfernt glaubte ich nichts regeln zu können, was ich aber ohne Therapie ja sowieso nicht tat.

Der erste Tag dort kam mir wie die Hölle vor. Ich fühlte mich so klein und ausgeliefert und ich wusste überhaupt nicht was ich da machen soll. Ich kam zunächst, wie alle anderen Männer, die Klinik ist eine reine Männerklinik, in die Aufnahmegruppe. Hier sollte ich die ersten zwei Wochen verbringen. Es stand Gesprächstherapie, Freizeit und sehr leichte Gartenarbeit auf der Tagesordnung. Die Gesprächstherapie war schon nach kurzer Zeit nicht mehr beängstigend für mich und ich habe auch schnell Anschluss an einige Mitpatienten gefunden. Wir Patienten in der Aufnahmegruppe waren alle so verschieden und hatten doch irgendwie die gleichen Fragen. Der Psychologe, der uns dort betreut hat, war sehr einfühlsam und ist recht offen auf unsere Fragen eingegangen, ebenso auf die Geschichten und Erlebnisse von denen jeder berichtet hat.

Dann kam eine für mich sehr schwere Zeit. Nach der Aufnahmegruppe bin ich in eine Gruppe gekommen, in der keine Arbeitstherapie statt fand. In dieser Gruppe sollten die Probleme und Zielsetzungen auf kognitiver Ebene bearbeitet werden. Wir haben also nur Gesprächstherapie gemacht, Filme gesehen und unsere Gedanken dazu niedergeschrieben und besprochen und wir haben Tagesberichte geführt und mit den beiden Gruppentherapeuten besprochen, sowohl in Einzel als auch in Gruppengesprächen. Anders als in der Aufnahmegruppe fand ich nur sehr schwer Anschluss, sowohl zu Mitpatienten als auch zu den Therapeuten. Hier ging es "zur Sache" und wenn man nicht mitmachen wollte, dann hat das die Gruppe dort reflektiert. Ich hatte in den ersten Wochen jeden Tag Angst vor den Gruppengesprächen, Angst davor etwas von mir mitteilen zu müssen und dann von der Gruppe "auseinandergenommen" zu werden. 
Es war eine offene Gruppe, das heißt, ein kommen und gehen. Je mehr "Neue" kamen und je mehr "Alte" gingen, desto angenehmer wurde der Therapiealltag für mich aber über mich habe ich noch immer nicht viel gesagt. 

Vier Wochen vor Therapie-Ende war mir klar das ich meine ablehnende Haltung ändern muss wenn sich in meinem Leben etwas ändern soll und von da an teilte ich mich mit, ich schrieb viel, sprach über mich soviel ich konnte und ging dabei sehr oft an meine Grenzen. Ich verlängerte die Therapiedauer, wie am Anfang erwähnt, um einen Monat und nun fing ich auch an mich wohl zu fühlen. Ich wollte nichts mehr von der Hilfe verkommen lassen, die ich dort haben könnte. Es war die maximale Hilfe für einen süchtigen Menschen wie mich und wenn das nicht geholfen hätte, was dann?
Damals habe ich begonnen offen zu werden, mich nicht zu verstecken und mich nicht mehr so oft zu drücken wenn ich Angst hatte.
Auch unsere beiden Therapeuten konnten jetzt etwas mit mir anfangen und haben mich mit einbezogen. Sie haben mir eine Tür geöffnet. Darüber bin ich sehr dankbar und glücklich. 

Im ganzen war meine Therapie für mich eine sehr schwere Zeit. Aber es hat sich gelohnt. Ich habe dort angefangen zu lernen, Verantwortung für mich zu übernehmen und mein Leben bewusst zu führen. Ich bin dort an meine Grenzen gestoßen ohne zu trinken und ich fing dort an auf meine Gefühle zu achten.
Der Abschied fiel mir schwer und ich denke noch jeden Tag an die Zeit dort.
Heute bin ich stolz darauf, über vier Jahre trocken zu sein und es war gar nicht so schwer wie ich vorher gedacht habe. Das verdanke ich meiner Therapie und ganz besonders meinen beiden Therapeuten dort. Ich habe auch heute noch Probleme aber ich gehe ganz gut damit um und entscheide mich für oder auch gegen eine Lösung. 
Aber ich tue das heute bewusst und ich bin dafür dann auch zum Glück selbst verantwortlich. 

Marienstift in Neuenkirchen


Frank:
Ich habe meine Langzeittherapie in Friedrichsdorf/Taunus gemacht. Das ist eine riesige Suchtklinik mit ungefähr 250 Patienten, die in Wohngruppen zu jeweils 10-12 Patienten aufgeteilt sind, die einer Art Zweck-WG zusammenwohnen und gemeinsam Ihre Therapie machen. Es sind offene Gruppen, das heißt man ist nicht die ganze Zeit mit denselben Leuten zusammen, je nach Aufnahmetermin verlassen einzelne Mitglieder die Gruppen und neue Patienten werden in die Gruppen integriert. Es ist aber nicht so das man sich jeden Tag an neue Leute gewöhnen muss. Bei uns kam so alle zwei, drei Wochen ein Neuer und einer von den Alten ging. Das fand ich gar nicht schlecht. Man gewöhnt sich ja doch an die Gruppenmitglieder und man musste die, zu denen man Vertrauen gefasst hatte nicht alle auf einmal von dannen ziehen lassen.

Das Herzstück der Therapie war die Gruppentherapie. Dreimal die Woche anderthalb Stunden in denen es auch mal ans "Eingemachte" ging, aber letztendlich habe ich in diesen Stunden viel über mich gelernt. Das hat manchmal ganz schön weh getan. Im nachhinein fand ich es allerdings sehr gut. Ich habe dort auch gelernt das ich mit meinen Problemen und Schwierigkeiten nicht alleine bin. Zu Therapiebeginn hielt ich mich für den einzigen Idiot dem so was passiert und war voll von Scham- und Schuldgefühlen. In der Gruppentherapie habe ich gemerkt, dass ich nicht der Exot bin dem so was passiert. Wir hatten alle so unsere Erfahrungen gemacht und jeder von uns hat im Grunde Fehler gemacht. Jetzt saßen wir eben im selben Boot und haben versucht die Suppe auszulöffeln die wir uns eingebrockt hatten. Ich habe mich jedenfalls nicht mehr so alleine gefühlt.

Werktherapie war ebenfalls dreimal die Woche. Das hat mir riesigen Spaß gebracht. Ich habe wieder gelernt kreativ zu arbeiten. In der Werkstatt gab es alle möglichen Materialien - Speckstein, Seidentücher, Farben und Papier in jeglicher Form und Art, Ton und vieles mehr. Ich habe alles mögliche ausprobiert und dadurch eigentlich wieder neu gelernt was ich alles mit meinen Händen anfangen kann und was für tolle Sachen ich damit machen kann. Das Malen ist für mich zu einem schönen Hobby geworden mit dem ich mich heute noch beschäftige. Außerdem wurde Sporttherapie angeboten. Ich war nie sportlich, werde es wahrscheinlich nie sein und dementsprechend "viel Spaß" hat mir das gemacht. Ich habe mich gedrückt, wo ich nur konnte. Aber für diejenigen, denen Sport zusagte, gab es wirklich reichlich Auswahl. Es gab einen Fitnessraum, ein Schwimmbad und jede Menge Kurse (Fußball, Volleyball, Badminton und vieles mehr). Viele sind da auch wirklich gerne hingegangen. Für mich war es halt nix. Mit Gruppen -, Werk und Sporttherapie war eigentlich jeder Vormittag abgedeckt und man hatte genug zu tun. Jedenfalls waren wir beschäftigt und freuten uns auf unsere Mittagspausen.

Nachmittags waren indikative Gruppen angesagt. Die wurden individuell für jeden einzelnen Patienten festgelegt. Zusammen mit der Therapeutin wurde entschieden welche Gruppen man besucht. Ich habe in dieser Zeit ein Selbstsicherheitsseminar, ein Stressbewältigungsseminar und noch einen zusätzlichen Werkkurs besucht. Ich habe an diesen Nachmittagen auch Entspannungsübungen gelernt und mir Vorträge über die Alkoholkrankheit angehört. Das war auf freiwilliger Basis. Die Nachmittage waren jedenfalls weniger stressig und ich hatte auch die Zeit, mit mir selbst wenigstens ein bisschen "ins Reine" zu kommen. Ich habe zum Beispiel meine Bewerbungsunterlagen auf Vordermann gebracht (ich war zu der Zeit arbeitslos), fing an mich um meinen Schuldenberg zu kümmern . Aber wir sind auch einfach mal mit anderen Patienten Kaffee trinken gegangen und haben uns unseren Spaß gegönnt. Das war auch wichtig.

Die Abende standen zur freien Verfügung. Wir haben innerhalb der Gruppe viel Zeit zusammen verbracht, mal gemeinsam im Gruppenraum gesessen, mal gespielt, mal fern gesehen, manchmal auch zusammen ausgegangen - was leckeres essen oder so. Und vor allem: Wir haben viel miteinander geredet. Über uns und unsere Probleme. Was mir gut gefallen hat, war das wir alle offen und ehrlich miteinander umgegangen sind. Das hat mir sehr geholfen. Ich hatte viele Schwierigkeiten mir einzugestehen Alkoholiker zu sein. Für mich waren das die Leute an der Trinkhalle die, wenn sie endgültig abgestürzt sind unter Brücken schlafen um tagsüber in den Fußgängerzonen für den Nachschub zu betteln. Bei diesen Gesprächen habe ich gelernt, dass es jeden treffen kann. Den Hilfsarbeiter genau so wie den Hochschulprofessor. Nachmittags hatte ich auch so ca. einmal in der Woche ein Einzelgespräch mit meiner Therapeutin. In diesen Gesprächen habe ich sehr viel gelernt. Insgesamt möchte ich sagen, das die Therapie für mich ein hartes Stück Arbeit war, das ich möglichst in meinem Leben in der Form nicht noch mal erleben muss. Aber es gab auch viele schöne Momente die mir Spaß gemacht haben und die ich genau so wenig missen möchte. Und ich bin froh, dass ich die Therapie gemacht habe. So wie ich mich gefühlt habe, als ich die Therapie begann, möchte ich mich nie mehr in meinem Leben fühlen. Die Therapie hat mich wieder auf die Beine gebracht und ich bin den Therapeuten dankbar für all das, was sie für mich getan haben. Das meine ich übrigens ganz ehrlich. Durch die Therapie bin ich wieder ein Mensch geworden der weiß, dass das Leben lebenswert ist, auch wenn ich heute noch so meine Schwierigkeiten habe.

Die Salus-Klinik in Friedrichsdorf

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Zuletzt aktualisiert am: 05.10.2016




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