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Therapie-Tagebuch eines alkoholkranken Mannes:

Mein Weg vom Alkoholismus in eine zufriedene Abstinenz

Das Vorwort
Mein Name ist Peter B.. Dieses Buch schreibe und veröffentliche ich, weil ich Leuten die alkoholkrank sind mit diesem Beitrag Mut machen will, damit sie sich helfen lassen und ihren Weg in ein zufriedenes und trockenes Leben finden. Hierzu stelle ich mich etwas genauer vor.

Ich bin 47 Jahre alt, in zweiter Ehe verheiratet. Mein Beruf ist Handwerksmeister, ich war 17 Jahre selbstständig.  1955 wurde ich in Oberhausen geboren, meine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt 36 und 39 Jahre alt. Sie machten in meiner Erziehung  ziemlich viele Fehler, die ich allerdings nicht alleine für meinen späteren Alkoholismus  verantwortlich mache. Es gibt für mich auch keine anderen Verantwortlichen, außer mir selbst.

Die Schule besuchte ich von 1961 bis 1970, anschließend machte ich eine Ausbildung, von 1975 bis 1976 war ich 15 Monate wehrpflichtiger Soldat. Von 1978 bis 1981 neben meinem Beruf,  Meisterschule. Selbstständig  von 1980 bis 1997.

Meine Alkoholkrankheit entwickelte sich so harmlos wie bei den meisten Alkoholikern , mit 15 Jahren trank ich mit Freunden des abends eine Flasche Bier, obwohl sie mir nicht schmeckte, aber ich wollte doch auch erwachsen sein und zur Clique gehören.

Bereits nach kürzester Zeit schmeckte mir das Bier auch, den ersten Rausch hatte ich bereits mit 17 Jahren.

Bei der Bundeswehr tranken wir jeden Abend, wenn Geld vorhanden war. Ich wusste nicht warum ich dieses tägliche Trinken nicht später fortsetzen sollte, zumal ich ja sehr fleißig war und mir dieses ja auch jeder sagte. Während meiner Meisterschulzeit trank ich schon morgens auf der Arbeit, abends nach der Schule gingen wir mit vier Klassenkameraden in die gegenüber liegende Kneippe und tranken jeder vier Magenbitter und vier Altbier 0,3 Liter.

  Zu diesem Zeitpunkt dachte ich schon manchmal, ob die Trinkerei bei mir Sucht ist oder dazu wird. Weil ich ja über den Dingen stand, verwarf ich diesen Gedanken sofort, oder zog ihn ins Lächerliche. Später in meiner Selbstständigkeit trank ich ebenso täglich, wenn Kunden oder Mitarbeiter oder andere Bekannte es wagten sich dazu zu äußern (Der trinkende Meister) reagierte ich schroff mit der Bemerkung , dass ich nicht mich, sondern nur meine Produkte verkaufen wolle.

Zu diesem Zeitpunkt war nach meiner Meinung noch alles in Ordnung, weil ich ja meinen  Betrieb im Griff hatte und selbst auf grund meiner fachlichen Fähigkeiten das beste Pferd  im Stall war. Dass ich Alkohol jetzt schon nicht mehr nur des Geschmackes wegen trank, wollte ich nicht wahrhaben. Jetzt trank ich schon um  abzuschalten, um bessere Launen zu bekommen, um mich zu belohnen usw. Der Alkohol war für mich bereits das Mittel für alles.

Im Jahr 1995 stürzte ein Auszubildender von einer Leiter direkt vor meine Füße, er erlitt schwerste Verletzungen. Nachdem ich während meiner beruflichen Laufbahn selber zwei Mal abgestürzt  war , es aber verkraftet hatte, konnte ich diesen Unfall nicht verkraften oder verarbeiten. Da ich nicht mehr schlafen konnte und den Unfall auch nicht mehr vergessen konnte, griff ich zu meinem Hilfsmittel, dem Alkohol, und zwar so heftig,  dass ich nach Monaten jede Kontrolle über mich verlor .

Meinen Betrieb habe ich dann geschlossen. Ich selber hatte dann mal hier und mal dort einen Job, immer bis die Arbeitgeber merkten, was mit mir los war, oder ich den Anforderungen nicht gewachsen war.

In der Zeit von 1998 bis Ende 2000 hatte ich bestimmt acht mal versucht trocken zu werden, es gelang mir aber immer nur für wenige Tage oder Wochen, weil ich kein Alkoholiker nach meiner Meinung war und es ja auch manchmal gelang für kurze Zeit trocken zu sein. Mein Gesamtzustand wurde immer schlechter. Ich erlitt einen Gehirnkrampf und mehrere Schwächeanfälle, mehrmals kam ich so in verschiedene Krankenhäuser.

Alle Ärzte sagten mir das Gleiche, dass ich eine Therapie benötige und nie mehr Alkohol trinken dürfe. Obwohl ich mittlerweile genau wusste, wie es um mich stand, schlug ich diese Ratschläge in den Wind.  Außerdem konnte ich mich mit dem Gedanken mich Psychologen anzuvertrauen überhaupt nicht anfreunden, denn die hatten für meine Begriffe doch alle ein Semester zu viel studiert und waren nach meiner Meinung total verrückt. Angst an meiner Krankheit zu sterben, hatte ich nicht mehr, manchmal dachte ich, dass es bestimmt schnell geht.

Das, was mich am meisten störte und mir ein schlechtes Gewissen bereitete, war, dass die Frau, die ich innig liebte, darunter litt, anstatt sich an meiner Seite wohl zu fühlen. Als ich wieder meinen Hausarzt konsultieren musste, weil es mir  sehr schlecht ging, sagte dieser zu mir, dass ich unverantwortlich sei. Ich müsse doch merken wie meine Frau unter meinen Alkoholproblemen leide usw. Dieses war der Zeitpunkt an dem ich alle Arroganz  und Wiederworte aufgab. Am nächsten Tag leitete ich alle Schritte ein, um mich einer Therapie zu unterziehen.

Während meiner  Therapie und nachher führte ich ein Tagebuch  aus dem hervor geht, wie mein Weg in die zufriedene Trockenheit verlief, dieses werde ich ihnen vorstellen.

Tagebuch

23. 01. 2001

Ab 20 Uhr ferngesehen, geduscht und Abendessen. Vorher 1, 5 Stunden Tischtennis gespielt. Tagsüber Aufnahme und Gespräche sowie Untersuchungen. Ich habe ein gutes Gefühl und denke positiv.

Meine Anmerkung heute  Freitag, 6. September 2002

Ich war positiv überrascht von der Freundlichkeit des Personals der Klinik. Ich glaubte, dass man Süchtigen mit Strenge, Vorschriften und Regeln entgegentreten würde, was nicht so war. Ein gutes Gefühl hatte ich keineswegs.

24.01.2001

Von 15.30 Uhr bis16.40 Uhr Indikationsgruppe. Von 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr Gruppentherapie. Freizeit mit Sport überbrückt. Von 7.00 Uhr bis 8.00  Frühsport. Ich fühle mich wohl, denke jedoch an meiner Frau

Anmerkung Therapeutin :

Das kann ich mir gut vorstellen. Seien sie willkommen hier auf der EWO 4

Meine Anmerkung heute    Freitag, 6. September 2002

Indikation heißt Heilanzeige. Die Patienten wurden in die Gruppen, die für ihre Problematik zutreffend waren,  aufgeteilt. In der Klinik war für mich alles Neuland. Außer dass ich Hilfe brauchte und mich auf für mich fremde Dinge einlassen musste, verstand ich nichts.

25.01.2001

15.00 Uhr bis 16.00 Uhr Sport . Es war gut. Mir wurden meine Grenzen im Muskel- und Konditionsbereich schnell aufgezeigt. Zur eigenen Kontrolle mache ich im Tagebuch eine Eintragung für in 28 Tagen.

8.30 Uhr bis 12.00 Uhr Bewegungstherapie. Die erwünschten Erfolge konnten nicht erreicht werden. Es gab erst gar keinen Start. Wahrscheinlich bin ich dazu zu unsensibel, als ich dieses  erkannte, betrachtete ich  es als reine gymnastische  Übung, um wenigstens etwas Positives darin zu sehen. In dieser Länge ist die Bewegungstherapie nur ein Mal und das habe ich hinter mir.

Anmerkung Therapeutin :

Ich empfinde sie überhaupt nicht als unsensibel. Lassen sie sich Zeit hier anzukommen. Wie war die Indikationsgruppe für sie?

Meine Anmerkung heute  6. September 2002

Die Bewegungstherapie hatte den Sinn, sich und seine Gefühle besser kennen zu lernen. Sie soll zur Ausgeglichenheit und Entspannung führen. Ich dachte damals, die Gesundung von Körper und Geist seien unzertrennlich, deshalb wollte ich mich durch Sport fit machen und ging bis an die Grenzen meiner Kraft. Der Wille, meine Krankheit zu besiegen, war vorhanden. Gelassenheit und Entspannung habe ich durch die Bewegungstherapie leider nicht erlangen können.

26.01.2001

Zur Indikationsgruppe. Ich erklärte meine Angstprobleme und deren Herkunft. Nach einigem Zuhören meinte Frau Sch., dass sie sich überlegen müsse, ob es besser sei Einzelgespräche oder Gruppengespräche zu führen.

14.30 bis 16.00 Uhr  Skat

13.00 bis 13.45 Uhr Hausversammlung

10.45 bis 12.15 Uhr Gruppentherapie für mich war es interessant.

9.00 bis 10.00 Uhr Bewegungstherapie, kommt bei mir einfach nicht an

8.30 bis 9.00 Uhr Arzt.

Meine Anmerkung heute    Freitag, 6. September 2002

Ich war  einfach noch zu unsicher, andererseits zu oberflächlich, um mich klar auszudrücken. Im Kopf noch sehr  unklar.

 

27.01.2001

Nach dem  Frühstück den Tisch und Boden gereinigt, dann zwei Stunden Skat und Fernsehen. Mittags habe ich mit meinem Lebenslauf begonnen.  15.00 bis 17.00 Uhr Besuch meiner Frau, ab 17.00 Uhr Sport im Kraftraum, ich ging bis an die Grenzen meiner Möglichkeiten. Nach dem ich mich ausgeruht hatte, haben wir noch 90 Minuten Skat gespielt.  

Meine Anmerkung heute    Samstag, 7. September 2002

Meine Eintragungen ähneln immer noch einem Arbeitsbericht und sind  inhaltslos. Der Lebenslauf wurde gebraucht, um eine Suchtkurve zu erstellen.

28.01.2001

Die erste Nacht in der ich fest geschlafen habe, ich hatte sehr starken Muskelkater. Nach dem Frühstück ging es wieder um Sport, Tischtennis und Kraftraum, dann Mittagessen und zwei Stunden Ruhen.  Später noch mal Sport, Lauftraining auf dem Klinikgelände. Der Weg ist das Mittel zum Ziel.

Meine Anmerkung heute Samstag, 7. September 2002  

Zum ersten Mal schrieb ich über meine Schwierigkeiten (Muskelkater und Schlafstörungen) Die Schlafstörungen kamen nach meiner Meinung, weil mir in diesen Tagen so viel durch den Kopf ging und ich nicht abschalten konnte.

29.01.2001

Der Tag begann mit Frühsport, es war gut. In der Pause wurde dieser durch eine Krisensitzung  unterbrochen, Scheiße! Mittags wieder Sport und Stationsversammlung. In der Freizeit  noch ein bisschen Tischtennis. Von 19.00 Uhr bis 20.00 Uhr dann ein Gespräch mit Leuten der Anonymen Alkoholiker Selbsthilfegruppe. Ich rechne heute noch mit einem Alkoholtest, deshalb bleibe ich wach bis 22.15 Uhr, dann gehe ich schlafen.

Meine Anmerkung heute Samstag, 7. September 2002 

Ich schrieb noch immer nicht über Dinge, die mich bewegten und mit denen ich mich auseinander setzte. Es war schwer für mich  über meine Probleme und was ich fühlte und dachte zu schreiben Damals dachte ich noch, ich sei einer von wenigen, die so viel Probleme hatten , als ich merkte, dass andere genau so viele oder mehr Probleme hatten, konnte ich auch offener damit umgehen.

30.01.2001

10.45 bis 12.15  Gruppenpsychotherapie sehr interessant die Selbst-  und die Fremdeinschätzung, Gespräche 16.00 bis 19. 00 Uhr. Weitere Fragebögen zum  Einführungsgespräch. Bis 19.45 Fragebogen Therapieziele und Tagebuch .

31.01.2001

Heute musste ich den Sport ausfallen lassen, ich hatte Kopfschmerzen und eine Erkältung. Ich glaube, es wird wieder Ruhe in die EWO 4 einkehren. 14.30 bis 17.00 Gesundheitsinfo. Morgen gehe ich zum Arzt.

Anmerkung Therapeutin :

Vielleicht lesen sie noch mal die Anleitung zum Tagebuch schreiben durch und versuchen mehr zum Ausdruck zu bringen, was sie innerlich bewegt, beschäftigt , berührt.

Meine Anmerkung heute  Samstag, 7. September 2002

Auch  nach einer Woche konnte ich noch nicht über meine Gefühle und Empfindungen sprechen oder schreiben. Das Kribbeln ( Unruhe ) der Nerven und die geistige Verschwommenheit  ließen noch keine Gefühlsbeschreibung zu.

01.02.2001

Heute waren wir zum ersten Mal bei der Paargruppe, ich glaube sie kann sehr hilfreich sein, weil meine Frau im Bezug auf Alkohol härter mit mir umgehen muss. Jetzt fährt meine Frau nach Köln und ich weiß nicht, ob wir noch telefonieren können. Meine Grippe ärgert mich, ich möchte nicht soviel Therapieausfälle haben und es schmeißt mich im Sport zurück .Die Arbeit im offenen Atelier hat mir großen Spaß gemacht. Ich hoffe, in der nächsten Woche wieder  gesund zu sein und alles mitzumachen. Donnerstag in 2 Wochen ist wieder Paargruppe, dann soll meine Frau  freitags Urlaub nehmen.

Anmerkung Therapeutin :

Ich wünsche ihnen ein schönes Wochenende und das sie sich nicht so viel Sorgen um ihre Frau machen. Ich habe sie ja kurz gesehen und habe den Eindruck, dass sie eine gestandene Frau ist. Ich glaube, dass sie selber für sich sorgen kann. Kennen sie das, sich Sorgen um jemanden zu machen, vielleicht aus früheren Zeiten.

Meine Anmerkung heute Samstag, 7. September 2002  

Ich halte es auch heute noch für normal, dass man sich Sorgen um den Partner macht, wenn er alleine mitten in der Nacht durch die  Weltgeschichte fährt. Ich begann langsam über Dinge zu schreiben die mich bewegten. Die Arbeit im offenen Atelier und bei der  Arbeitstherapie waren handwerkliche  Arbeiten, mit denen man erreichen wollte und auch ereichte, dass Alkoholiker ihre zum Teil verloren gegangenen Fähigkeiten zurück entdeckten und durch ihr Schaffen zu Erfolgen und einem gesundem Selbstvertrauen zurück fanden.

02.02.2001

Antwort damals zum 01.02.2001.Wer 17 Jahre selbstständig war kennt Führsorgepflicht. Meine Frau hat Angst  alleine. Nach einem Arzt besuch habe ich das Programm mitgemacht. Außer ein bisschen Grippe fühle ich mich wohl und freue mich auf die Besuchszeit am Samstag.

Anmerkung Therapeutin :

Haben sie schon mal daran gedacht, so wie sie  jetzt was für ihr Alkoholproblem tun, ihre Frau auch was für sich tun könnte  -lernen mit ihrer Angst umzugehen?

Meine Anmerkung heute  Samstag, 7. September 2002

Trotzdem  es mir zu diesem Zeitpunkt nicht gut ging, versuchte ich  über die Mitleitschiene die Therapeutin zu einer  Bewilligung und Befürwortung zur Verlegung in die Tagesklinik zu bewegen.   In der Befriedigung  und Beschaffung von Alkoholikern ist es eine beliebte Variante über Umwegen und Täuschungen  zum Ziel zu kommen.

03.02.2001

Der Samstag war außer der Besuchszeit und zwei Alkoholtests langweilig. Mir wäre lieb, es wäre Montag

04.02.2001

Der Sonntag war langweilig! Zeit zum Nachdenken . Das letzte Wochenende ohne Ausgang. Ich habe begonnen ein Buch über einen Alkoholiker  und dessen Erlebnisse zu lesen. Wenn man ehrlich ist, gibt es viele Parallelen. Dieses Buch werde ich nicht flüchtig lesen, sondern  nehme mir Zeit.

Anmerkung Therapeutin :

Das ist eine gute Idee! Ebenso empfehle ich ihnen die Suchtfibel –können sie in der Pforte kaufen.

Meine Anmerkung heute  Samstag, 7. September 2002 

Ich war zu diesem Zeitpunkt zu allem was erforderlich war bereit, wenn es um die Bekämpfung meiner Sucht ging, Auch wenn es um Dinge ging, die ich eigentlich nicht gerne machte, wie z.B. lesen. Mit meinem Entschluss zum trockenen Leben  war auch die Bereitschaft zum Kampf und zur Disziplin gekoppelt.

05.01.2001

Heute hatte ich mein Gespräch mit Frau Sch., es war sehr aufschlussreich. Sie ist sich sicher, dass die Symptome nicht aus Angst, sondern auf ein posttraumatisches Ereignis hinweisen.

Ich habe es über Jahre gelernt, die Erinnerungen an den Unfall zu verdrängen. Jetzt muss ich lernen den Unfall zu verarbeiten .Ich werde nicht wie früher, bei Erinnerung umdenken, sondern mich gedanklich  stellen. Ich freue mich, dass sie die Veränderung zur Tagesklinik  befürworten Die für mich schwersten  Wochen, denke ich, habe ich hinter mir und bin recht zuversichtlich für den Rest der Therapie.

Anmerkung Therapeutin :

Ich habe vorhin den Antrag zum Schreibbüro weiter geschickt.

Meine Anmerkung heute   Sonntag, 8. September 2002

Die positive Nachricht freute mich, jetzt glaubte ich, dass ich es schaffen würde, trocken zu bleiben. Während ich bei einer Ablehnung zur Tagesklinik an einen Therapieabbruch dachte, war mir klar, dass ich jetzt die Therapie ordentlich zuende bringen würde. Posttraumatsch kommt aus dem Lateinischen und heißt Post =nach, traumatisch= in Folge einer Verletzung auftretend. Trauma =  die eine fortdauernde Störung des seelischen Gleichgewichts verursachende emotionale Erschütterung durch ein tief greifendes, schockierendes Erlebnis, beispielsweise der Angst, des Ekels oder des Schreckens.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung ist eine Angststörung, die durch ein überwältigendes traumatisches Erlebnis ausgelöst wird und bei der die Betroffenen das Ereignis wiederholt durchleben. Ein traumatisches Erlebnis kann beispielsweise ein Unfall oder ein Versagen in einer bestimmten Situation sein.

06.01.2001

Ein Tag ohne Höhen und Tiefen liegt hinter mir. Mir fällt nichts ein, mein Befinden ist  trotzdem gut.

06.01.2001

Ein Tag ohne Höhen und Tiefen liegt hinter mir. Mir fällt nichts ein, mein Befinden ist  trotzdem gut.

Meine Anmerkung heute Sonntag , 8. September 2002  

Ich wollte mitteilen, dass alles ohne Probleme bei mir lief und mein Gefühlszustand in Ordnung  war. Zugleich begriff ich, dass das Tagebuch nicht als Stundenplan gedacht war, sondern um sich und seine Gefühle mitzuteilen gedacht war.

07.02.2001

Am heutigen Tag ist mir aufgefallen, dass ich im Laufe der Therapie immer besser zuhören kann und mich Dinge beschäftigen, denen ich früher keine Bedeutung zugemessen hätte.

Die Sucht ! Teile der Herkunft schon im Kindesalter zu suchen, war mir früher nicht bekannt, Parallelen von mir zu anderen Alkoholikern zu analisieren ist mir wichtig, um Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Mir Gedanken zu machen , wann die Häufigkeit eines Rückfalles am höchsten ist und was ich ihm entgegen setzen kann , wie ich meine Interessen ändere, um mich zu beschäftigen,  um so das Risiko ein Rückfall zu erleben so gering wie möglich zu halten. Wo werde ich meine Freizeit, die ich sonst in Kneipen verbrachte, künftig verbringen, welche Hobbys werde ich mir zulegen? Jedenfalls steht fest, dass mein früherer Umgang nur im Suff zu ertragen ist und ich einen deutlichen Strich ziehen muss.

Anmerkung Therapeutin :

Das denke ich auch.

Meine Anmerkung heute  Sonntag, 8. September 2002 

Ich war geistig wieder in der Lage  mich mit Vielem auseinander zu setzen und auch bereit dazu. Ebenfalls hatte ich begriffen, dass der Wille zur Trockenheit alleine nicht ausreichte, sondern, dass ich vieles an meinen Lebensgewohnheiten und meinem Umgang ändern musste.

Heute weiß ich , je länger ich trocken war  und je weniger meine Abhängigkeit zum Alkohol  im Kopf eine Rolle spielte, desto mehr Interessen für Alkohol unabhängige Dinge wurden in mir wach .

08.02.2001

Der heutige Tag war überwiegend  durch Sport ausgefüllt. Ich habe mir  überlegt, dass ich mich in den ersten Wochen nach meiner Therapie auf den neusten Stand der Technik in meinem Handwerk bringe, um Abwechselung zu haben .Zum ersten Mal fand ich  heute die Bewegungstherapie gut.

Anmerkung Therapeutin :

Das habe ich nicht ganz verstanden, was sie nach Therapie beabsichtigen, bitte in der Gruppentherapie ansprechen. Offensichtlich lassen sie sich immer mehr auf die Therapie ein. Ein schönes Wochenende.

Meine Anmerkung heute  Dienstag, 10. September 2002 

Mir war klar, dass sich etwas gegenüber früher verändern musste, dass ich mich Dingen widmen musste, die mich interessieren und mich aus Kneipen fern hielten .Ich glaube auch heute noch, dass es für die erste Zeit nach der Therapie wichtig ist, beschäftigt zu sein.

Der Alkoholiker (ich) hat sich in seiner Suchtvergangenheit fast nur mit der Befriedigung seiner Sucht beschäftigt und muss  jetzt neu lernen sich ohne Alkohol sinnvoll, interessant zu beschäftigen, Interessen entwickeln  und Ziele anzustreben. Heute weiß ich wie schön es ist diese Dinge erreicht zu haben. Je länger ich trocken war und je weniger ich an Alkohol dachte, desto mehr  Interessen entwickelte ich für andere Dinge, das geht so weit, dass ich heute manchmal denke, ich habe zu wenig Zeit zu Verfügung.  

09.02.2001

In der Gruppentherapie wurde der Rückblick der letzten Wochen  besprochen, ich glaube, dass man ein besseres Erinnerungsvermögen entwickelt, als wenn man es alleine für sich macht. Ich hoffe und denke auf dem richtigen Weg zu sein und fühle mich ganz gut.

Anmerkung Therapeutin:

Das glaub ich auch. 

Meine Anmerkung heute Dienstag, 10. September 2002  

Ich hatte den Kopf frei und konnte an mir arbeiten.

10.02.2001

Posttraumatischer Stress hat mich heute beschäftigt. Viele in der Information beschriebene Merkmale sind bei mir vorhanden. Sodas die Diagnose von Frau Sch… wohl zutreffend ist.  Es beruhigt mich jedoch, dass die ganz schlimmen Symptome bei mir noch nicht vorhanden sind und ich glaube, dass wenn ich gut mitarbeite, wir die Dinge in den Griff bekommen.

Anmerkung Therapeutin :

Ganz bestimmt!

Meine Anmerkung heute    Dienstag, 10. September 2002

Wir haben sie in den Griff bekommen. Wie, werde ich noch schildern

11.02.2001

Heute Morgen waren wir Schwimmen. Später hatte ich Ausgang mit Ehefrau. Den ganzen Tag habe ich gefaulenzt. Ich bin locker, mir geht es gut.

Anmerkung Therapeutin :

Haben sie mit ihrer Frau über ihre Ängste gesprochen (Autofahren). Guten Wochenanfang . Meine Antwort damals: Meine Frau sagt, sie habe keine Angst, sei aber ein bisschen unsicher im Straßenverkehr. Das ist doch eine wichtige Info für sie.

Ihre Frau traut sich mehr zu, als sie ihr. Ich verstehe ihre Sorge so: Sie haben Angst ihre Frau zu verlieren –vertrauen kommt von sich trauen -trauen sie ihr zu, dass sie so gut sie kann, auf sich aufpasst. Ich denke, dass ihre Angst eng verknüpft ist mit ihrem Traumatischem Erlebnis, überprüfen sie in Ruhe, ob da was dran ist.

Meine Anmerkung heute  Dienstag, 10. September 2002 

Die Befürwortung zur Tagesklinik und die Feststellung, dass meine Frau gut alleine klar kam, beruhigte mich sehr. An einem Zusammenhang meiner damaligen  Sorgen und meinem Traumatischem Ereignis glaube ich heute auch .Angst, es könnte etwas passieren , was ich mir dann später anlasten würde, auch wenn es nicht meine Schuld währe.

12.02.2001

Heute fiel mir der Tag ziemlich schwer, mir schmerzten alle Knochen und Muskeln (Muskelkater). Die Gespräche mit Frau Sch… waren interessant, als nächstes werde ich eine Kassette aufzeichnen, damit ich sie abhören und vertiefen kann. Am Abend war ich alleine eine Stunde an der frischen Luft, der Regen störte mich nicht, ich wollte in Ruhe abschalten. Meine Alkoholkurve habe ich auch schon fertig. Feierabend !

13.02.2001.

Jetzt ist es 13 Uhr, meine Gedanken drehen sich wie ein Kreisel und die Gefühle kann ich nicht beschreiben. Die Vorstellung meiner Suchtkurve bewegt mich, ob ich will oder nicht.

Am liebsten würde ich jetzt verdrängen, aber das soll und werde ich nicht machen. Vielleicht bin ich doch angeschlagener von meinem Posttraumatischen Ereignis, als ich mir eingestehe. Ich muss die Leichen in meinem Keller sortieren, welche Fehler im Bezug meiner Kindheit und dem Unfall vom Azubi  habe ich gemacht, was kann ich von mir abweisen? War ich ein schwieriges Kind auf Grund der Umstände oder liegt es an meinem Naturel?

Bei dem Unfall trifft mich eine gewisse Schuld, das ist Fakt und kann ich mir auch nicht ausreden. Selbst wenn jeder weiß, das in unserem Beruf immer ein Risiko bleibt, rechtfertigt dieses nicht meine Fehler, andererseits muss ich mir die Fehler auch mal verzeihen, zumal der Betroffene dieses schon lange getan hat, bzw. keine Vorwürfe erhob. Ich weiß, dass das Tagebuch abends geschrieben werden soll, es war mir aber wichtig meine Gedanken jetzt zu Papier zu bringen.

Anmerkung Therapeutin :

Wir können gerne noch mal in der Gruppe sortieren. Für was sie verantwortlich, für was sie nicht verantwortlich sind. Damit sie Klarheit bekommen und Selbstvorwürfe beerdigen können.      

Meine Anmerkung heute  10. September 2002 

In diesen Tagen gingen mir viele in der Vergangenheit geschehene Dinge durch den Kopf, nie zuvor hatte ich so genau nach hinten gesehen. Ein Zeichen von meiner Bereitschaft mich auf die Therapie einzulassen. Damals war ich so zermürbt,  dass ich für alles was mal nicht gut war mich verantwortlich machte. Der Unfall des Auszubildenden und sogar für die Gewalt die mir  seitens  meines Vaters in meiner Kindheit angetan  wurde. Obwohl ich nie ein Kind so versucht hätte zu erziehen, entschuldigte ich Schläge,  Tritte usw. als seine Erziehungsmethode und suchte ein Verschulden bei mir,  weil ich glaubte, ein schwieriges Kind gewesen zu sein   

14.02.2001

Das Sortieren meiner Probleme währe in der Gruppe glaube ich nicht günstig, da die Situationen für die meisten recht unverständlich währen. Ich gebe ihnen Recht, dass die Autounfälle mit Aggressionen zu tun hatten, die einem zum Zeitpunkt nicht bewusst sind, denn sonst würde man sich zurück nehmen (kontrolliertes Verhalten).

In der Vergangenheit habe ich auch vielleicht zu viele Dinge auf mich einwirken lassen. Ich hoffe, dass ich in Zukunft durch ein alkoholfreies Leben auch ein gesünderes Abwegen der Dinge möglich sein wird. Das heißt nicht, dass ich die Vergangenheit aus den Augen verlieren darf oder will.   

Meine Anmerkung heute Dienstag, 10. September 2002

Ich hatte begriffen, dass ich mich durch äußere Einflüsse zu häufig beeinflussen lasse.  Daraus entstand dann häufig Aggression oder Leichtsinn oder es gab mir (nach meiner Meinung) die Berechtigung zum Saufen. Es wurde mir immer klarer, dass die Krankheit Alkoholismus durch viele Nebenerscheinungen beeinflusst und getragen wird, die es künftig durch Disziplin und Selbstkontrolle zu beherrschen gilt. 

15.01.2001

Ein ruhiger Tag liegt hinter mir, ich hatte nur offenes Atelier und Stationsreinigen, ganz gut so, nach zwei –drei bewegten Tagen mal ein wenig Ruhe zu bekommen. Ich bin wieder ziemlich ausgeglichen.  Ich habe meine Frau gebeten, wegen der langen Fahrt auf die Paargruppe zu verzichten.

Anmerkung Therapeutin :

Das ist schade! Wie war es für sie den Vater-Zettel auszufüllen?

Meine Anmerkung heute  Mittwoch, 11. September 2002 

Ich füllte einen Zettel aus, mit Fragen, Antworten, Feststellungen, einfach Dingen die zwischen meinem Vater und mir während seiner Lebenszeit offen geblieben sind. 

16.02.2001

Beim Ausfüllen des Vater-Zettels habe ich mich bemüht, gerecht zu sein. Ich bekam ein Fahrrad und eine Mofa geschenkt, dass vergaß  ich zu schreiben. Es hört sich unglaublich an,  wenn ich sage, ich kann keine Gefühle für ihn entwickeln, ist aber so! Wenn man ein Bilderrahmen ohne Bild sieht, misst man ihm keine Bedeutung zu. Richtig kann ich dieses, glaube ich, nicht erklären.

Hätte ich diesen Zettel über meine Mutter ausgefüllt, so währe dieser mit Tränen der Rührung befleckt und das liegt nicht an den unterschiedlichen Zeiten ihres Todes. Der Freitag war ohne Höhen und Tiefen.

Anmerkung Therapeutin :

Wenn sie möchten, dann füllen sie noch mal so einen Zettel über ihre Mutter aus.

Meine Anmerkung heute Mittwoch, 11. September 2002  

Heute weiß ich, dass mein Vater sich bemühte seiner Rolle als Ernährer gerecht zu werden, nur das Gefühl von ihm geliebt zu werden, konnte er mir nie oder nur äußerst selten vermitteln. Ob diese Kindheitserlebnisse später für meine Alkoholprobleme verantwortlich sind oder inwiefern sie es sind, vermag ich auch heute nicht zu beurteilen. Die Beschreibung  vom Bilderrahmen ohne Bild beschreibt das Gefühl von mir zu meinem Vater, dem kann ich auch heute nichts hinzufügen.

17.02.2001

Am heutigen Samstag habe ich viel mit meiner Frau unternommen, wir hatten viel Spaß und gute Laune. Es ist alles sehr schön ohne Alkohol und intensiver.

Anmerkung Therapeutin :

Das freut mich für sie beide!

Meine Anmerkung heute  Mittwoch, 11. September 2002 

Durch die für uns ungewohnte Situation, von einander getrennt zu sein, waren die wenigen Zeiten um so schöner und ich freute mich die ganze Woche auf das Treffen mit meiner Frau.

18.02.2001

Beim Schreiben des Mutter –Zettels wurde mir warm und kalt. Es kommt unwillkürlich der Gedanke, was hättest du anders machen sollen, warum hast du dieses oder jenes nicht zu ihr gesagt? Den richtigen Wert eines Menschen, den man liebt, kann man erst begreifen, wenn man ihn verloren hat. Doch dann kommt die Einsicht zu spät. Bestimmt werden Andere es ähnlich erlebt haben und wenn solche Gespräche sich entwickeln, werde ich mich beteiligen, um für mich gewisse Dinge aufzuarbeiten.  

Den Rest des Montags habe ich einfach abgespult, da mir die gemeinsame Vergangenheit von meiner Mutter und mir nicht aus den Kopf ging.

Anmerkung Therapeutin :

Das rührt mich an, was sie auf dem Zettel zu ihrer Mutter geschrieben haben - ich kann mir sehr gut vorstellen wie es ihnen ergangen ist. Wenn sie möchten, schreiben sie ihrer Mutter einen Abschiedsbrief – nur für sich! Gehen sie mit dem Brief zu ihrem Grab, lesen sie ihn am Grab noch einmal und als Abschiedsritual können sie ihn verbrennen. Die Asche verstreuen sie in alle Winde und ihr Herz wird sicher ein Stück freier.  

Meine Anmerkung heute  Donnerstag, 12. September 2002 

Die Geschichte mit dem Brief und dem Verbrennen war und ist für mich fragwürdig, die Therapeutin jedoch war auch in dieser Sache sehr einfühlsam und mitfühlend, diese Eigenschaft stellte ich bei den Therapeuten der Klinik häufig fest und vermittelte mir das Gefühl, dass ich mich ihnen anvertrauen konnte. Beim Schreiben des Zettels war ich tatsächlich den Tränen nahe.     

19.02.2001

Manchmal ist es interessant bei Gruppengesprächen Parallelen von sich zu anderen zu erkennen, manchmal sind die Probleme der Einzelnen aber auch grundverschieden, dann wägt man ab, ob die eigenen Probleme größer oder kleiner sind, als die der Anderen. So muss wohl jeder seine Schwachstellen erkennen und sorgfältig an einer Verbesserung arbeiten.  Es kommt zu Verbesserungen, die man selber nicht feststellt, aber andere merken. Ich hoffe, dass eine positive Normalität die negative Normalität verändert. Der Gruppenausflug war lustig, wir haben viel gelacht, niemand fiel aus der Rolle.

Meine Anmerkung heute Donnerstag, 12. September 2002  

Absolut unlustig empfanden wir es am nächsten Tag beim Gruppengespräch, als heraus kam, dass wir überhaupt gar keinen Gruppenausflug gemacht hatten. Es war wohl ziemlich naiv zu glauben, dass zehn vom Alkohol geschädigte Personen dicht halten würden. Hierbei zeigt sich ganz deutlich, dass Alkoholiker häufig meinen, andere Leute verarschen zu können. Ich glaube heute, diese Vorgehensweise bei Alkoholikern ist aus der Not geboren und diese Taktik ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Fällt die Lügerei auf, während er noch trinkt, ist es ihm noch nicht einmal peinlich, weil er es für normal hält, kommen solche Peinlichkeiten später, wenn er abstinent lebt vor, ist ihm das sehr peinlich und er überlegt drei Mal, bevor er sich eine solche Blöße gibt. Auch dieser Übergang zur Normalität ist ein langer Lernprozess.          

20.02.2001

Ich muss gestehen, dass es nicht schön war im Zusammenhang mit der Gruppenaktivität  zu tricksen, beteuere aber, dass ich sie weder kränken noch ihre Autorität untergraben wollte, ich habe es leichtfertig als Mittel zum Zweck angesehen zu lügen, was nichts entschuldigt oder rechtfertigt. Welche Erkrankungen falsche Ernährung verursachen, wurde bei der Gesundheitsinfo erklärt.

Ich konzentriere mich dennoch auf meine Alkoholprobleme. Bei der Angstgruppe hatte ich Konzertrationsprobleme, der Mittwoch ist lang und anstrengend.

Meine Anmerkung heute Donnerstag, 12. September 2002  

Ich denke, Frau B… machte keine Anmerkung, weil sie begriff, dass es sich bei meinen versuchten Entschuldigungen nur wieder um Einschleimerei handelte. In Wirklichkeit empfand ich die vorgefallene Geschichte gar nicht so schlimm, eher aufgeputscht. Im Umkehrfall hätte ich mich hintergangen und betrogen gefühlt. Unrichtigkeiten so unterschiedlich zu bewerten, ist sicher ein Zeichen von Realitätsverlust, der ohne Zweifel durch den Alkohol hervor gerufen ist.

Heute würde ich die damalige Geschichte (keine Person direkt geschädigt ) zwar nicht überbewerten, aber auch nicht als lächerlich darstellen, schließlich war es ein Vertrauensbruch. Ähnliche Dinge würde ich heute ausgeglichener, realistischer sehen, egal auf welcher Seite ich stünde.                  

21.02.2001

Heute  habe ich beim Einzelgespräch, ca. 30 Minuten den Unfallvorgang, der Auslöser für mein Posttraumatischen Stress ist, auf Band gesprochen. Es war für mich ein großer Stress, die Dinge wie in der Gegenwart an mich vorüber gehen zu lassen, dieses ist jedoch genau wichtig,  um mit der Sache später ruhig und sachlich leben zu können. In den nächsten 8 Tagen werde ich das Band täglich  abhören, bestimmt werden die Emotionen und der Stress immer mehr abkochen, jedoch sind dieses schwere Schritte. Ich glaube trotzdem an den gewünschten Erfolg und bleibe dran.      

Anmerkung Therapeutin :

Wenn es ihnen nicht gut geht – sie Angst bekommen mit der sie nicht alleine sein können – bzw.- wollen,  sprechen sie mich an – ich nehme mir Zeit für sie.

Meine Anmerkung heute Donnerstag, 12. September 2002  

Ich war gewillt auch steinige Wege zu gehen, weil ich in der Therapie gelernt hatte, dass viele Dinge mit einander verknüpft sind. Wie Alkoholismus, Posttraumatische- Ereignisse, Kindheits- Erlebnisse, usw. Da ich in meiner Kindheit väterlicherseits Härte, mütterlicherseits Zuneigung, Wärme und Liebe erhielt, kam es mir entgegen, dass beide Therapeuten weiblich waren, so viel es mir leichter über Gefühle, Probleme und Gedanken zu reden, es baute sich schnell ein Vertrauensverhältnis auf. Ich hatte nur wenige Probleme damit, meine Schwächen zu zeigen.            

22.02.2001

Wo sind meine sportlichen Grenzen heute? Der sportliche und konditionelle Erfolg ist nicht so groß wie erwünscht, dieses liegt an einer Grippe und an Schwierigkeiten mit den Aarchilisehnen. Wenn es aber, der einzige Misserfolg bleibt, kann ich damit leben, denn es gibt zurzeit Wichtigeres im Auge zu behalten.

Anmerkung Therapeutin :

Wenn sie sich mal in den Spiegel anschauen – auf jeden Fall sehen sie erholter aus, als wie sie gekommen sind. Finden sie nicht auch? Ein schönes Wochenende.

Meine Anmerkung heute  Donnerstag, 12. September 2002

Ich habe in den Spiegel geschaut und festgestellt, dass das Weiße in den Augen nicht mehr gelb, sondern weiß war und mein Gesicht nicht mehr so aufgedunsen war. Zu Beginn meiner Therapie hatte ich überhaupt keine Vorstellung wie Alkoholiker therapiert werden und wenn, dann falsche Vorstellungen. So dachte ich damals, dass ich wenigstens Geist und Körper durch Sport fit machen könne und machte einen Kontrollvortrag  am 25.01. für den 23.02. Mittlerweile habe ich aber am 23.02.begriffen, dass die Schwerpunkte in anderen Bereichen lagen, so war die körperliche Fitness  mir zwar nicht egal, aber hatte eine untergeordnete Stelle eingenommen. Nach ca. einem Monat gelang es mir immer besser mich auf die Therapie einzulassen, sie zu verstehen und die Dinge gedanklich aufzuarbeiten.               

23.02.2001

Ich habe mich nicht an unseren Vereinbarungen gehalten, meine Frau war krank. Ich versichere ihnen aber, dass ich die SHG (Paargruppe)mit meiner Frau besuchen werde. Das Abhören des von mir besprochenen Bandes ist nicht einfach, doch beim Besprechen hatte ich noch mehr Schwierigkeiten.

Anmerkung Therapeutin :

An welche Vereinbarungen haben sie sich nicht gehalten?

Meine Anmerkung heute Donnerstag, 12. September 2002  

Ich hatte mir wieder einen Wochenendurlaub erschlichen, indem ich sagte, ich würde mit meiner Frau zu einer SHG Gruppe gehen. Wenn ich gesagt hätte, ich brauche auf Grund der außergewöhnlichen Belastung, die durch diese Posttraumatischen Sache hatte, eine Erholungsphase, so glaube ich, hätte Frau B… mir dieses auch genehmigt, aber mein altes Muster, Leute zu verarschen, lag mir besser. Dabei wollte ich auch noch einen Zimmerkollegen benutzen. Als ich dann aber dachte, dass er sich verplappern könnte, lies ich lieber meine Frau in meiner Entschuldigung krank werden. Mein über so viele Jahre erprobtes Schema hatte wieder geklappt. Unmittelbar danach kam ich mir aber, nicht wie sonst klug vor, sondern begriff langsam, dass mein Muster bzw. Schema eigentlich nur anstrengend war, also versuchte ich diese dreimal Schlauen Sachen künftig zu vermeiden.       

24.02.2001

Heute habe ich eine gebuchte Reise in die Türkei rückgängig gemacht, weil dort 14 Tage Trinken angesagt ist und ich denke, dass es zu stressig und zu gefährlich ist, 14 Tage zwischen Betrunkenen auszuhalten. Den Freund, den ich informierte, habe ich die Wahrheit gesagt und ihn gebeten, sie für sich zu behalten. Da wir uns schon öfter gegenseitig geholfen haben, vertraue ich ihm, sollte sich jedoch herausstellen, dass er mit anderen über meine Probleme und meinen momentanen Aufenthalt spricht, so weiß ich, dass er zu den Freunden gehört,  die ich vergessen sollte. Viele Bekanntschaften werden sich durch meine Trockenheit von alleine lösen, denen ich aber nicht nachtrauern werde.

Anmerkung Therapeutin :

Das war sicher eine gute Entscheidung.          

Meine Anmerkung heute Freitag, 13. September 2002  

Ich wusste nach einem Monat, dass sich vieles ändern musste, vor allem mein Umgang. Ich dachte, ich müsste die Leute austauschen mit denen ich verkehre. In Wirklichkeit kam es  aber so,  dass sich im Laufe meiner abstinenten Zeit mein Horizont und meine Interessen veränderten. Es stimmt zwar, dass viele alte Bekannte von mir nicht mehr aufgesucht werden, Andere hinzugekommen sind. Dieses liegt daran, dass mir das Gelabere im Suff heute auf die Nerven geht. Die verschiedenen hinzu gekommenen Interessen haben sich mehr oder weniger von alleine ergeben. Über Dinge von denen ich früher sagte, dass würde ich auch gerne machen, rede ich heute nicht mehr, sondern mache sie ( z.B. die Renovierung der Wohnung, Motorradführerschein gemacht, jetzt schreibe ich dieses Buch, einen Computerkurs habe ich auch schon gemacht). Ich bin heute fest überzeugt, dass diese Lust auf Neues und mehr sich weiterhin fortsetzt. Als meine Therapie zu Ende war und der Schutzbereich der Camillus Klinik nicht mehr vorhanden war, hatte ich zwar eine Menge Tipps mit im Gepäck, aber die Verwirklichung braucht Zeit.

25.02.2001          

Am Tag kann ich den Stress, der sich beim Abhören des Bandes aufbaut, verarbeiten. In der Nacht habe ich kein Auge zugemacht, ob ich will oder nicht, meine Gedanken drehen sich sobald ich liege, um den Unfall. Ich habe keine Taktik mehr, um anders zu denken. Ich komme auf ihr Angebot zurück.

Anmerkung Therapeutin :

Okay

Meine Anmerkung heute Freitag, 13. September 2002  

Die Bearbeitung meines Posttraumatischen Problems war mit harter Arbeit und viel Energieaufwendung verbunden. Ich wollte auf das Angebot der Therapeutin vom 22.02, sich für mich Zeit zu nehmen, zurückkommen. Manchmal fühlte ich mich regelrecht überfordert, aber ich wollte gewinnen und ich habe gewonnen.

  26.02.2001

Die Karnevalsfeier war lustig, wir hatten Spaß. Ich ging um 19 Uhr zu Bett, mein Kreislauf spielte, auf Grund von Schlaflosigkeit, nicht mehr mit.  

Meine Anmerkung heute Freitag, 13. September 2002  

Es ist interessant festzustellen, dass einige Leute auch ohne Alkohol relativ lustig feiern konnten, wenn keiner trank  Ich währe gerne noch länger geblieben, aber meine Kraftreserven waren erschöpft. Da ich verbissen gegen meine Krankheiten, den Alkoholismus und meinem Posttraumatischem Problem ankämpfte, war ich erschöpft, dass ich sogar die Karnevalsfeier, auf die ich mich eigentlich gefreut hatte, vorzeitig beendete.

27.02.2001

Heute bin ich wieder fit, ich habe 11 Stunden geschlafen und auch keine Kreislaufprobleme mehr. Wenn ich mich nach ihrer Meinung falsch oder für die Therapie ungünstig verhalte, dann sagen sie es mir, damit ich mein Verhalten überdenke. Diese Gedanken kamen mir bei den heutigen Gruppengesprächen.

Die Arbeit im offenen Atelier macht mal wieder richtig Spaß. Ich möchte mich auch noch bei ihnen bedanken  weil sie an mein Wochenende dachten. Wenn ich die hinter mir liegende Zeit in der St. Camillus Klinik betrachte, so denke ich, dass ich schon viel gelernt habe, viele Dinge aus einer anderen Perspektive sehe.

 Mir kommen Gedanken, die ich noch vor wenigen Wochen für abwegig gehalten hätte, z.B. mich finanziell wieder sauber zu machen, damit ich wieder in die Arbeitsvollzeit zurückkehren kann. Damit will ich bezwecken, dass ich nicht auf die schiefe Bahn gerate (Alkohol) und auch selber zufrieden mit mir bin.

Anmerkung Therapeutin :

Ja, ich werde ihnen das sagen, wenn ich den Eindruck habe, dass sie gegen sich arbeiten        

Meine Anmerkung heute Freitag, 13. September 2002  

Kritik, war während meiner nassen Zeit ein Punkt, mit den ich nicht gut umzugehen wusste, jetzt nach dem ich 40 Tage trocken war, sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte und ich wusste, dass ich meine Alkoholprobleme nicht ohne professionelle  Hilfe in den Griff bekommen würde, bat ich sogar um Kritik, wenn Frau B.. sie für angebracht halten sollte.  

Die zuvor beschriebenen Gedanken kamen mir, weil ein  Mitpatient nach meiner Meinung im Begriff war dieses zu machen. Ich habe mich während meiner Therapie immer bemüht aus meinen und anderen Fehlern zu lernen. Da alle die gleiche Krankheit hatten, konnte man zum Teil aus Parallelen lernen. Wieder und immer wieder machte ich mir Gedanken wie geht es nach der Therapie weiter, ohne Alkohol.

28.02.2002

Der Mittwoch ist wohl für alle der schwerste Therapietag. Im Arbeitsleben ist jedoch ein acht Stunden Tag normal, vielleicht fällt es nur so schwer weil die Arbeit eine gewohnte Tätigkeit ist.

Meine Anmerkung heute Freitag, 13. September 2002   

Ich glaube, ich fand damals alles so schwer, weil ich ständig grübelte. z.B. was musst du ändern, wie bekommst du nach der Therapie schnellstmöglichst  Arbeit, wie gestaltest du deine Freizeit, wo ist die Rückfallgefahr am größten, wirst du wirklich dein Leben lang mit deiner  Sucht kämpfen müssen  u.s.w. ????

Zusätzlich kamen die normalen Therapiezeiten. Wenn ich heute sage, diese vielen Fragezeichen habe ich im Laufe der Zeit ganz gut beantwortet, so bin ich ein kleines bisschen stolz auf mich, ohne dabei arrogant zu sein.   

01.03.2001.

Die Zusage der BFA erleichtert mich enorm, sie macht eine Stelle im Kopf frei für andere wichtige Dinge. Ich bin gelassen ( locker ) und neugierig zugleich wie ich mich entwickeln werde. Vielleicht sollte ich aber nicht zu viele Dinge an mich heran lassen und nur eins nach dem anderen abarbeiten.

Meine Anmerkung heute Freitag, 13. September 2002  

Ich  war auf keinen Fall gelassen oder locker, sondern meine Gedanken drehten sich, wie im Blatt zuvor beschrieben, im Kreis. Nur weil eine Belastung, die Zusage der BFA, entfiel, glaubte ich locker zu sein.

Fehleinschätzungen zur eigenen Person, musste ich häufiger feststellen. Es kam auch nicht selten vor, dass ich meine Meinung revidierte, sicherlich auch eine der Zielsetzungen einer solchen Therapie, zu platte Kneipentheorien zu überdenken. Heute stelle ich bei Leuten die viel trinken oder sich häufig unter viel trinkenden Menschen aufhalten, fest, dass sie häufig im gleichem Schema denken, nicht über den eigenen Tellerrand hinaus sehen und vieles verallgemeinern  oder pauschalieren, z.B. die Ausländer haben…, Sozialhilfeempfänger sollten.., Frauen wollen.., Kinderreiche sind …usw. usw.

02.03.2001

Frau Sch…ist genau wie ich mit den Therapiefortschritten zufrieden. Wichtig ist jedoch, dass ich meine Alkoholprobleme nicht aus den Augen verliere und weiter in den dafür gedachten Therapien an mir arbeite. Jetzt freue ich mich auf das Wochenende.

Meine Anmerkung heute Freitag, 13. September 2002  

Die Therapie mit Frau Sch…bezüglich meines Posttraumatischen Problems war sehr aufwendig und nahm viel Energie in Anspruch. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt schon, dass beide Krankheiten bei mir verknüpft waren, dass ich bei aller Energieaufwendung für die eine, die andere Sache nicht vernachlässigen durfte. Heute glaube ich auch, dass das Aufzeichnen meiner Suchtkurve und des Lebenslaufes, sowie die Besprechung dazu, mich dazu brachten, vorrausschauender zu denken, mich nicht so einseitig zu orientieren, trotzdem in Details zu gehen. Wenn auch einige Dinge von mir falsch interpretiert wurden, so hatte ich keine Probleme damit, sie neu zu überdenken und meine Meinung zu ändern.      

03. und 04. 03. 2001

Das Wochenende war sehr schön, wir haben gut gefeiert, ich ohne Alkohol. Ich habe immer Ausreden benutzt, wenn man mich auf den Alkoholverzicht ansprach, aber keine Schwierigkeiten mit der Trockenheit gehabt. Meine Frau war rund um glücklich, sie glaubt an meinen Willen. Jetzt denke ich an die nächste und letzte Woche in der EWO4 die ich eigentlich nicht gerne verlasse, aber auch in der Tagesklinik werde ich wohl zu recht  kommen und die Unruhe, wenn meine Frau unterwegs ist, hört auch auf.

Anmerkung Therapeutin :

Ich denke auch, dass sie in der Tagesklinik gut zu recht kommen.

Meine Anmerkung heute  Samstag, 14. September 2002

Die Feier war zum 40sten Geburtstag meiner Frau, damals wunderte sich wohl jeder, dass ich keinen Alkohol trank und dachte, dass dieses bei mir nicht lange dauern würde.

Meiner Verlegung in die Tagesklinik sah ich gelassen entgegen, da ich den Therapeuten und einige Mitpatienten bereits aus einigen Therapiestunden kannte.

Während ich zur Zeit als mein Antrag zur Verlegung in die Tagesklinik lief ,bei Ablehnung, an Therapieabbruch dachte, wollte ich die Therapie jetzt auf jeden Fall ordentlich zu Ende bringen und mich für eine bessere und trockene Zukunft rüsten .Heute glaube ich, wenn ich die Therapie zu diesem Zeitpunkt abgebrochen hätte, währe ich nicht dauerhaft trocken geblieben.

05.03.2001     

Der Montag war ein langweiliger Tag, keine Höhen und Tiefen. Ich weiß nicht, was ich schreiben soll.

Anmerkung Therapeutin :

Was bedeutet für sie Langeweile und wie gehen sie damit um.

Meine Antwort damals

Langeweile ist, wenn man nichts mit sich anzufangen weiß, weil die Pausen zwischen den Therapiestunden zu groß sind oder Therapiestunden ausfallen. Die Zeitungen schreiben das was am Abend vorher in den Nachrichten war.

Meine Anmerkung heute Samstag, 14. September 2002  

Mit Langeweile ohne Alkohol umgehen, musste ich in den ersten Monaten nach meiner Therapie lernen. Langeweile ist für mich die größte Gefahr im Bezug auf einen Rückfall gewesen.

Darum wollte die Therapeutin Frau B…. wissen, was ich mir in solchen Situationen einfallen lasse.

06.03.2001

Heute waren wir Kegeln, es war schön, auch im offenen Atelier macht die Arbeit mir Spaß, man entdeckt Talente an sich, die im Verborgenen waren und entwickelt Kreativität. Auch sonst ist alles okay, ich bin gut drauf.

Meine Anmerkung heute  Samstag, 14. September 2002 

Ich schrieb man entwickelt Kreativität, eigentlich bekommt man die durch den Alkohol verloren gegangenen Fähigkeiten zurück. Ich entdeckte mich und meine Fähigkeiten neu.

07.03.2001

Heute war ein stressiger Tag, besonders in der Indikationsgruppe Angst. Es gibt Menschen, die wissen nicht, ob sie warm oder kalt sind, können keine Entscheidungen treffen, bezeichnen dieses als Angst, können sie aber nicht erklären. Eine ganze Gruppe dreht sich dann im Kreis, ohne auf einen Punkt zu kommen. Wenn dieses am Ende eines Tages passiert, ist es sehr ermüdend und nervig.

Die Gruppentherapie war auch nicht einfach, aber sicher sinnvoll für den Patienten K…. und auch für die anderen. Wenn man nicht gefühlskalt ist, bewegt einen ein solches Erlebnis. Mir geht es jedenfalls so, ich bekam einen Kloß im Hals. Wenn ich überlege vielleicht selbst so zu vereinsamen, wird mir angst und bange, ich würde bestimmt rückfällig. Darum ist es auch wichtig für mich eine gute Ehe zu führen.

Meine Anmerkung heute Sonntag, 15. September 2002  

Es stellte sich schnell heraus, dass ich in die Angstgruppe nicht hinein passe, da ich eigentlich ziemlich unängstlich bin.  Mein Problem war ein Posttraumatisches Ereignis (Nicht verarbeitetes Unfallgeschehen).

Die Vereinsamung eines anderen Patienten, er verlor jeglichen Kontakt zur Familie und Gesellschaft, bewegte mich stark und beängstigte mich zugleich. Jeder Alkoholiker ist zwar anders, so dass dieses bei mir wahrscheinlich so schnell nicht eintreten würde, dennoch zeigt es, wie tief die Abgründe des Alkoholkonsums sein können.            

08. und 09.03.2001

Über den heutigen Tag gibt es nichts zu berichten. Sport und offenes Atelier waren die Aktivitäten. Es ist alles in Ordnung, mir geht es gut.

Anmerkung Therapeutin :

Alles Gute für sie  in der Tagesklinik und gute Zusammenarbeit mit Herrn L…..

Mein letzter Tag auf der EWO4 liegt hinter mir. In der Gruppe wurde noch einmal über mich und worauf ich achten sollte gesprochen. Ich habe mich noch einmal bei Frau B…. und den Gruppenmitgliedern bedankt, für die gute Zusammenarbeit und ihnen gesagt, dass ich mich um vieles bereichern konnte. Man wünschte mir viel Glück und Erfolg in der Tagesklinik und für meinen weiteren Weg in Trockenheit.

Meine Anmerkung heute Sonntag, 15. September 2002  

Jetzt hatte ich die Zeit in der stationären Behandlung geschafft. Einerseits war ich ganz froh und freute mich auf die Gemeinsamkeiten mit meiner Frau, es würde so sein, als würde ich arbeiten gehen, morgens in die Tagesklinik und des  abends bei meiner Frau. Andererseits wusste ich, dass es zu den ersten Momenten kommen würde, wo ich ganz alleine den Versuchungen des Alkohols wiederstehen musste und ich war mir eben so unsicher wie sicher, dass ich es schaffen würde.

Ich hatte einen ganzen Rucksack voller Ratschläge und Hinweise, ich wusste aber auch, dass ich ein leichtsinniger Vogel bin, so habe ich mit aller Kraft, Energie und vor allem mit eiserner Disziplin gegen alles was für mich und nach meiner Meinung rückfallgefährlich war gekämpft. Jeder der einen solchen oder ähnlichen Weg zurückgelegt hat, kann nachvollziehen, wenn ich diese Phase als Kampf bezeichne.     

10.03.2001

Für heute hatte ich die Aufgabe mich mit dem Unfall, aus dem mein Posttraumatisches Problem entstand näher an der Unfall stelle zu befassen. Es ist die Stelle, an der sich mein Leben zum negativen veränderte. Nach so vielen Jahren dort zu stehen ist ein Scheiß Gefühl  ,ich mache es trotzdem, weil ich an den damit verbundenen Erfolg glaube, in dieser Sache habe ich in den letzten Wochen mehrere unangenehme Wege passiert. Der Erfolg gibt mir bis jetzt Recht.  Auch steinige Wege führen zum Ziel!

Meine Anmerkung heute Sonntag, 15. September 2002  

Ein Auszubildender fiel mir damals aus ca. 7 Metern Höhe direkt vor die Füße auf einen gepflasterten Gehweg. Da ich dieses Ereignis nicht verarbeitet hatte, habe ich mich, um Schlafen zu können, täglich restlos betrunken. Parallel zu meiner Alkoholtherapie musste ich jetzt den Unfall im Nachhehrein verarbeiten. Dieses machte ich, indem ich ein Tonband besprach und den Unfall schilderte, die Wege von damals noch einmal ging und mich mit der Situation von damals auseinandersetze.

Die Behandlung meines Posttraumatischen Ereignisses war für mich sehr wichtig, damals verlor ich die Kontrolle über meinen Alkoholkonsum. Da ich aber schon seit Jahren viel trank, denke ich heute, dass ich gegen den Alkohol irgendwann auch ohne den Unfall verloren hätte. Ich glaube, dass mein Umgang mit Alkohol immer höchst gefährlich war. Ich denke, wenn ich so weiter getrunken hätte wie vor dem Unfall, hätte ich auch eines Tages zu der Erkenntnis kommen müssen, Alkoholiker zu sein, nur etwas später.

11.03.2001          

Den Sonntag verbrachte ich mit meiner Frau und 6 Stunden Skat. Mit dem Alkohol hatte ich keine Probleme.

Anmerkung Therapeut :  

Herzlich willkommen in der Tagesklinik. Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit!

Meine Anmerkung heute Sonntag, 15. September 2002   

Damals wie heute dachte ich, wenn ich mich von allem zurückziehe bin ich erst recht rückfallgefährdet, vor allem langfristig. Deshalb stellte ich mich den Gefahren und hoffte, dass es mir mit zunehmender Zeit immer leichter fallen würde, mich in einer Alkohol trinkenden Gesellschaft zu bewegen. Für mich war dieses der richtige Weg, für viele andere währe er wohl falsch. Es gibt so wenig Patentrezepte, wie der eine Alkoholiker dem anderen gleich ist. Aus einem großen Wollknäuel  mit vielen Anfängen, Enden und Knoten den Weg an die Oberfläche zu finden, ist ein ähnlicher Weg wie der des Alkoholikers zur Abstinenz. Ich kannte damals nur wenige Leute, die keinen Alkohol tranken und hatte Angst vor einer Vereinsamung.

Heute brauche ich mir über eine eventuelle Einsamkeit keine Gedanken mehr zu machen, da ich ein viel größeres Interessengebiet habe als früher.

12.03.2001

Wie die Reaktionen auf Saufdruck oder geschmackliches Verlangen sind, weiß man wohl erst im Moment der Gegenwart. Ich versuche mir dann die Konsequenzen vorzustellen und überlege,  was ich dann aufgebe. Oft habe ich auch andere Getränke getrunken, wie z.B. kaltes Wasser, scharfen Sangrita, heißen Kaffee, um den Geschmack zu verändern.

  Anmerkung Therapeut :  

….. und gelingt das immer?

Meine Anmerkung heute Sonntag, 15. September 2002  

Man sagt, dass der körperliche Entzug nach wenigen Tagen abgeschlossen ist, der Geistige über Monate anhält. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon sieben Wochen trocken war, hatte ich häufig das Gefühl von Durst, Kribbeln oder Spannung im Bauch und Magengegend. Diese Symptome würde ich heute noch als körperlichen Entzug einordnen.  

13.03.2002

Ich hatte heute Schmerzen in der Leistenbeuge und war schon beim Hausarzt. Morgen muss ich zum Chirurg, hoffentlich ist es kein Leistenbruch. Wenn, dann werde ich versuchen eine Operation bis nach der Therapie hinauszuzögern.

Meine Anmerkung heute, Sonntag, 15. September 2002  

Die Therapie war mir so wichtig, dass ich sie unter Schmerzen versucht hätte zuende zu führen.   

14.03.2001

Die Geschichte des Mitpatienten in der Kunsttherapie hat mich sehr bewegt. Ich glaube, dass ich oder andere Patienten genau so rückfällig geworden wären wie er. Darum ist es umso erfreulicher, dass er wieder den richtigen Weg geht. Seinem Ziel ist dieser Patient viel näher als andere und ich. Es sagt mir aber auch, dass die Alkoholsucht gnadenlos und brutal ist, dieses will ich mir ständig vor Augen halten.

In der Gesundheitsinfo hatten wir heute das Thema Alkohol in Lebensmitteln. Damit hatte ich so meine Probleme, weil dieses für mich Einschränkung meiner Lebensqualität  heißt. Es ist schon schwer auf Alkohol zu verzichten, jetzt auch noch die Essgewohnheiten extrem zu verändern, stinkt mir ganz gewaltig. Ich weiß noch nicht, ob ich mir den Schuh in allen Bereichen anziehe.

Anmerkung Therapeut : Sonntag, 15. September 2002 

Darüber sollten wir uns noch in Ruhe unterhalten. Ansonsten ein schönes Wochenende.

Meine Anmerkung heute  Sonntag, 15. September 2002 

Der zuvor beschriebene Patient war sieben oder acht Jahre trocken, nach einer Krebsoperation und verschiedener anderer Schwierigkeiten hatte er einen Rückfall. Ob er den Kampf gegen den Krebs gewonnen hatte, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Trotzdem begab er sich nach kurzer Zeit in die Klinik, um zu Entgiften und sich einer Therapieauffrischung zu unterziehen, um weitere Jahre trocken zu leben.

Dieser Vorfall imponierte und bewegte mich damals so stark, dass ich mir einige Wochen später sicher war,  wenn sich bei mir die Krankheit Asbestose nach einer Untersuchung (Schichtröntgen) heraus stellen würde, ich trocken bliebe.  Zum Glück war mein Befund negativ. Die zweite Sache an diesem Tag war die Gesundheitsinfo, da ging es um die Vermeidung von Lebensmitteln in denen Alkohol zugesetzt wird, die Palette dieser Lebensmittel ist so groß, dass wenn ich darauf verzichte, ich fast keine Lebensqualität mehr hätte, dachte ich damals. Diese Situation deprimierte mich total und machte mich aggressiv zu gleich.

Heute brauche ich eigentlich keine Alternative mehr zum Alkohol, weil er nicht mehr Mittelpunkt meines Lebens ist, ich muss allerdings eingestehen, dass es mich heute noch manchmal stört, wenn ich essen gehe und ich ein anderes Gericht bestellen muss, als ich eigentlich wollte, weil in dem zuerst gewählten Gericht Alkohol ist oder ich es vermute. 

Wie reduziert meine Sichtweite damals war, sieht man daran, dass  ich meine Lebensqualität nur an Essen, Trinken und der Sexualität festmachte.

15. und 16.03. 2001 

Das offene Atelier macht mir immer mehr Spaß, ich entdecke bei mir Fähigkeiten, die früher im Verborgenen lagen, scheinbar war ich ein reiner Fachidiot.

In der Tagesklinik habe ich mich eingelebt und keine Probleme, ich hoffe die anderen auch nicht mit mir. Die Einzeltherapie mit Frau Sch… verläuft gut und hat Erfolg.

Leider konnte ich aus der Gruppentherapie in dieser Woche nicht so viel mitnehmen, aber auch das wird sich ändern, da ich bei Terminabsprachen darauf achten werde, dass für Gruppentherapie, Kunsttherapie, offenes Atelier und Einzeltherapie die Zeit vorhanden ist.     

Meine Anmerkung heute Sonntag, 15. September 2002 

Ich richtete Arzttermine nach meinen Therapien ein, weil ich merkte, dass mir die zuvor genanten Therapien wichtig waren und gut taten.  

19.03.2001.

Heute ist ein Mitpatient nicht zur Therapie erschienen, wahrscheinlich ist er rückfällig geworden, die Betroffenheit unter uns ist sehr groß, ich empfinde, Wut, Zorn, Mitleid und Hilflosigkeit. Ich nehme dieses als Warnung, es bestätigt das wir (ich) auf einer schmalen Kante laufen. Scheinbar sind die Gefühlsschwankungen bei Alkoholikern extrem hoch. Ich werde mich bemühen, kleinere Schwierigkeiten sofort zu bearbeiten und nichts auflaufen lassen, damit ich nicht vor großen Problemen in den Alkohol flüchte. Ich hoffe, dass der Kollege sich noch zeitig besinnt und der Schaden sich in Grenzen hält.

Anmerkung Therapeut :  Sonntag, 15. September 2002

Was verstehen sie eigentlich unter kleinste Schwierigkeiten?     

Meine Anmerkung heute Sonntag, 15. September 2002  

Wenn ich von einem Alkoholiker weiß, dass er rückfällig wurde, macht mich das auch heute noch betroffen. In der ersten Zeit nach meiner Therapie kam sofort der Gedanke, diese Person hat es nicht geschafft und wirst du es schaffen? Heute glaube ich werde ich keinen Rückfall mehr bauen, heute weiß ich allerdings auch, wenn mir ein Rückfall passieren sollte, ist es nicht das Ende eines trockenen Lebens. Ein Rückfall würde mir auch heute außerordentliche Schmerzen bereiten, aber ich bin mir sicher, dass ich spätestens am nächsten Tag, meine Absicht, abstinent zu leben, fortsetzen würde, wahrscheinlich mit Hilfe einer Fachklinik.

Zu dieser Erkenntnis bin ich erst nach meiner eigentlichen Therapie in der Nachsorge gekommen. Ich weiß auch von anderen, die eine solche Akzeptanz zu ihrer Krankheit nicht entwickeln konnten. Über diesen Punkt werde ich später noch schreiben. Diese Erkenntnis war einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur zufriedenen Abstinenz.

20.03.2001

Meine Stellungnahme zu ihrer Frage, was ich unter kleinen Schwierigkeiten verstehe und zur Gruppentherapie: Unter kleinen Schwierigkeiten verstehe ich Dinge, die gering belasten, aber nicht umwerfend sind, in der Addition jedoch zu großen Problemen führen können, z.B. sachliche Meinungsverschiedenheiten.

Große Probleme bereitet es mir, wenn ich von einem Therapeuten als zu dumm dargestellt werde, z.B. mit der Äußerung, dass verstehen sie nicht... Es stellt sich mir die Frage, ob ich mit meiner geringen Auffassungsgabe therapiefähig bin, oder der Therapieplatz nur für Akademiker geeignet ist, diese würden sie bestimmt verstehen.        

Anmerkung Therapeut :  

Jetzt verstehe ich nichts mehr – müssen sie etwas mit mir klären oder mit einem anderen Mitarbeiter, dann tun sie es bitte! Es scheint  sie sehr getroffen zu haben!

Meine Anmerkung heute  Montag, 16. September 2002   

Wie ich bereits am 14.03. schrieb, kam ich nicht mit der Situation  klar meine Lebensqualität durch den Verzicht auf Lebensmittel, die Alkohol enthalten, zu verringern. Auch ein Gruppengespräch konnte die mir so schlimm erscheinende Situation nicht ändern. Herr L…. sagte während des Gesprächs nur ein Mal (sie verstehen das nicht), womit  absolut nicht gemeint war, dass ich zu dumm sei, ich es aber so auslegte. Vermutlich weil ich einfach Druck abbauen musste oder wollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich damit abgefunden, dass ich keinen Alkohol mehr trinken durfte und wollte, wenn man dann wie bereits am 21.08. beschrieben bedenkt, dass ich zu diesem Zeitpunkt meine Lebensqualität von Essen, Trinken und  Sexualität  abhängig machte, kann man vielleicht nachvollziehen, wie hart dieses für mich war. Zwei Mal während meiner Therapie dachte ich an einen Therapieabbruch. Einmal, wenn die Verlegung in die Tagesklinik gescheitert wäre und zu diesem Zeitpunkt. Damals glaubte ich ein Leben mit diesen Einschränkungen nicht leben zu können.

22.03.2001

Ja die Angelegenheit hat mich getroffen. Jetzt ist die Angelegenheit aber für mich erledigt und ich werde mich meinen Therapiezielen widmen.

Meine Anmerkung heute Montag, 16. September 2002  

Ich glaube der Therapeut Herr L… hatte genau gemerkt, dass meine Aufregung nicht wegen des einen  (das können sie nicht verstehen…) entstand,  sondern weil ich mit der Geschichte Alkohol in Lebensmitteln nicht zu recht kam. Mir war auch lieb, dass die Aussprache nur kurz und knapp war und meine Attacke nicht aufgeputscht wurde, weil ich sie im nach hinein, selber für falsch hielt.

23.03.2001

In der Gruppentherapie haben wir im Gespräch Unklarheiten beseitigt, ich schaue positiv nach vorn. Das offene Atelier hat viel Spaß gemacht.

Meine Anmerkung heute Montag, 16. September 2002  

Wir hatten zwar die Unklarheiten zwischen uns beseitigt, mein Problem jedoch keineswegs. Zur Beseitigung dieses Problems war einfach Zeit von Nöten. Herr L… wusste, dass es mir nicht gut damit ging und empfahl mir deshalb, mich am Wochenende nur schönen Dingen zu widmen und vorübergehend nicht über die Dinge der letzten Woche zu grübeln.

24. und 25.03.2001  

Ich habe ihren Rat befolgt und mich nur schönen Dingen gewidmet, die neue Woche kann beginnen.

26.03.2001 

Ein Tag ohne Höhen und Tiefen mit viel Lehrlauf. Mir geht es gut, mit Alkohol kam ich drei Mal gedanklich in Berührung.

Anmerkung Therapeut :  

Wie sah das aus?

Meine Antwort damals:

Wenn Äußere Einflüsse an Alkohol erinnern, achte ich darauf, wie ich oder mein Körper darauf reagiert. Entsteht Unruhe, Nervosität, Geschmacksbedürfnis oder macht es mir nichts? Anlässe: Etwas Essen bei dem ich früher Bier trank, hören wie jemand Kölsch bestellt, beim Fernsehen von Alkoholwerbung, kommt es zu diesen Konfrontationen.

Meine Anmerkung heute Dienstag, 17. September 2002

Hier zeigte sich bei mir, wie stark ich nach über zwei Monaten noch geistig abhängig war, auch die geistige Unabhängigkeit kann nur durch Zeit erlangt werden. Früher waren Suchttherapien bis zu sechs Monaten, wahrscheinlich wegen der lange anhaltenden geistigen Abhängigkeit. Ich schätze die Erfolgsquote war damals größer.

27.03.2001

Heute war ein stressiger Tag, nach einer Nacht mit wenig Schlaf. Bei den Gesprächen mit den Leuten vom Kreuzbund wurden einige gute Aspekte angesprochen u. a. der falsche Gesichtspunkt, man muss mit allem schnell fertig werden, Dinge gelassen und in Ruhe anzugehen, ist richtiger als jede Hektik. Gedanken an Alkohol hatte ich heute nur einmal.

Meine Anmerkung heute    Dienstag, 17. September 2002

Abordnungen der verschiedenen SHG stellten sich den einzelnen Gruppen in der Klinik vor, SHG werden für wichtig gehalten, weil die Gespräche zwischen Betroffenen hilfreich sein können.

Ich versuchte genau zu überwachen, was mit mir passiert, wenn ich mit Alkohol in Berührung kam.

28.03.2001    

Heute  habe ich mich vom Arbeitsberater über meine Möglichkeiten aufklären lassen, ich glaube die Chancen für eine berufliche Rehabilitation sind nicht schlecht. Ich werde mich auf mein Posttraumatisches Problem berufen und den Leuten erklären, dass ich mich nicht im Stande sehe, meinen Beruf weiter auszuüben. Das ist nicht einmal gelogen!

29.03.2001          

Den körperlichen Teil der Bewegungstherapie habe ich heute mitgemacht. Vom Arbeitsamt bestätigte man mir, den Antrag auf berufliche Rehabilitation zuzusenden.

Die Stimmung in der Tagesklinik ist gut, es macht Spaß.

Mit Alkohol wurde ich heute nur einmal konfrontiert, hatte aber keine Probleme

Anmerkung Therapeut :  

Sehe ich auch so!

Meine Anmerkung heute Dienstag, 17. September 2002  

Mit der ständigen Kontrolle, wie und ob ich auf Alkoholkontakt reagiere, verfolgte ich den Zweck, mich für die Zeit nach meiner Therapie so einzustellen, dass ich keinen Rückfall erleben sollte. Ob diese Vorgehensweise letztendlich der Schlüssel zur langfristigen Trockenheit war, kann ich auch heute nicht beurteilen. Ich denke schon, dass es hilfreich war.

30.03.2001

Heute ist die Verabschiedung eines Mitpatienten, in fünf Wochen bin ich auch so weit und denke jetzt schon, dass die Therapie für mich erfolgreich  war, da ich in vielen Dingen heute anders denke und handele als vorher. Dinge gelassener zu sehen gehört dazu. Meine Trockenheit erfreut mich und meine Frau und macht mir relativ wenig Probleme.

31.03. und 01.04.2001   

Am Wochenende hatte ich einiges zu erledigen, meinen Antrag auf Rehabilitation haben wir gestellt. Ein Tonband vom Unfall, der mein Problem auslöste, habe ich abgehört und die Unfallstelle aufsucht. Den Abschiedsbrief an einen Tagesklinikpatienten habe ich auch geschrieben, ihm empfahl ich, sich an den  positiven Dinge des Lebens  zu orientieren, trocken zu bleiben  und nicht an Selbstmord zu denken, alles andere würde sich von alleine erledigen.

Zum EWO Rückblick fiel mir nicht viel ein, die Woche verlief glatt. Beim Skat hatte ich Erfolg, jetzt gibt es noch Formel 1, dann kann die neue Woche beginnen

Meine Anmerkung heute Dienstag, 17. September 2002 

Ein Mitpatient, der schon Selbstmordversuche hinter sich hatte, obwohl seine Frau hinter ihm stand, er vernünftige Kinder hatte und er selber auch relativ normal war, wurde entlassen. Er hatte wohl die Lust auf Leben verloren. Ob die Erkenntnis Alkoholiker zu sein oder kleinere körperliche Gebrechen ihn dazu brachten aus dem Leben scheiden zu wollen, weiß ich nicht. Beim Sommerfest 2002 traf ich diesen ehemaligen Mitpatienten wieder, er sagte mir, dass er einen Rückfall hatte, sich aber wieder gefangen hätte. Ob er auch Selbstmordgedanken hatte, fragte ich ihn nicht, weil seine Frau, die sicherlich schon genug zu leiden hat, dabei war. Da ich in der Fachklinik während meiner Therapie, von vielen Einzelschicksalen erfuhr, wurde mir klar, dass ich mich eigentlich auf der Sonnenseite des Lebens befand. Gemessen an den Problemen anderer, hatte ich doch kleinere Dinge zum Anlass genommen, um zu trinken, außer meinem Posttraumatischem Ereignis.       

02.04.2001    

Heute war ein Tag über den ich nichts zu berichten weiß, außer, dass das Wetter schön war.

03.04.200

Ein Mitpatient stellte heute seine Suchtkurve vor, ich konnte viele Parallelen zu ihm sehen. Beim Einzelgespräch konnte ich für mich einige interessante Dinge mitnehmen. Sonst ist alles im grünen Bereich.

Meine Anmerkung heute Dienstag, 17. September 2002  

Zu der Therapeutin, die die Urlaubsvertretung für Herrn L…. machte, hatte ich nicht den richtigen Draht, um ihr Dinge zu berichten, die mich bewegten oder was ich fühlte. 

 04.04.2001

Heute hatten wir in der Kunsttherapie einen neuen Therapeuten, es war ganz interessant. Die Indikationsgruppe ging bis 17.30 Uhr, war auch ganz gut. Die Kollegialität in der Tagesklinik ist Top.

Anmerkung Therapeut :  

Das freut mich! Was können sie dazu beitragen, dass es so bleibt.

Meine Antwort damals

Ich versuche meinen Beitrag in Form von Kollegialität, Zuhören und ehrlicher Meinungsäußerung zu erbringen

Anmerkung Therapeut :  

Das sind wichtige Beiträge.

Meine Anmerkung heute Dienstag, 17. September 2002  

Meine Ehrlichkeit und Offenheit verlieh mir Sympathien und Gehör in der Gruppe. Ehrlichkeit und Offenheit waren vor meiner Therapie nicht immer meine Stärken. 

05.04.2002

Ich hatte heute ein Einzelgespräch mit Frau Sch…, eine Übung, wobei es um die Bekämpfung meiner Höhenangst ging, es ist verdammt schwer, sich den geforderten Situationen auszusetzen, aber ich bleibe dran. Morgen habe ich leider wieder einen Arzttermin während der Gruppentherapie.

Anmerkung Therapeut :  

Ich wünsche ihnen für die nächste Zeit, dass sie es schaffen ihre Leistungen wert zu schätzen und nicht nur den Blick auf das werfen, was nicht so gut klappt. Viel Erfolg dabei und ein erholsames Wochenende.

Meine Anmerkung heute    Dienstag, 17. September 2002

Der Therapeut Herr L… merkte, dass ich verbissen an mir arbeitete, mir kleinsten Misserfolg verübelte, meine Leistungen weder honorierte noch achtete und mein Handeln mit enormer Energieleistung verbunden war. Genau so forderte die Therapeutin Frau Sch… von mir, dass ich mich über Erreichtes mal freuen und mich auch ruhig mal belohnen könne, öfter wurde mir gesagt, dass ich zu hart mit mir umgehe. Ich glaube heute, dass dieser Weg, der mit den Begriffen Härte, Disziplin und Arbeit gepflastert war, für mich der Weg zum Erfolg war.

Viele Alkoholiker würden wahrscheinlich scheitern, gingen sie so mit sich um. Gewichtsverlust und kleinere gesundheitliche Probleme resultierten aus meiner Verbissenheit. Herr L.... bemerkte dieses sehr wohl und unterstrich das Wort „erholsames“ und sagte auch, dass ich etwas ruhiger und gelassener sein sollte.

06.04.2001          

Heute habe ich mein Problem (Höhenangst und darüber zu reden) in der Gruppe angesprochen, die Reaktionen waren für mich positiver, als ich dachte. Ich habe diesen Schritt auch nur gemacht, weil ein gewisses Vertrauen es zuließ, in einer anderen Gruppe hätte ich es wohl nicht gemacht. Wenn ein Mitpatient Vorschläge macht, die mir seiner Meinung nach helfen können, zeigt mir dieses, dass man sich keineswegs lächerlich über meine Probleme macht. Es tut mir gut darüber geredet zu haben.

Meine Anmerkung heute    Mittwoch, 18. September 2002

Ich dachte damals, wenn Leute hören, dass ich 30 Jahre immer in größeren Höhen gearbeitet habe und jetzt nach einem Unfall von Höhenangst rede, auf Unverständnis stoße, nach dem Motto, der wusste doch vorher, welchen Beruf er ausübt und welche Gefahren es mit sich bringt!

07. und 08.04.2001       

Am Wochenende habe ich mich gut erholt, ich habe gekocht, Reparaturarbeiten an Haus und Gerät vorgenommen und Skat gespielt, alles Dinge die nur Spaß machen und nichts mit Arbeit zu tun haben. Jetzt höre ich wohl noch eine halbe Stunde mein Tonband ab. Ich bin fit für die nächste Woche.

Meine Anmerkung heute   Mittwoch, 18. September 2002

Ich hatte den Hinweis von Herrn L… befolgt und mich von allem abgelenkt. Es tat mir gut und mein Akku war wieder aufgeladen.

09. und 10.04.2001

Die Entscheidung mit öffentlichen  Verkehrsmitteln nach Köln zu fahren war richtig, obwohl die Fahrt von Köln nach Walsum drei Stunden dauerte. Meinem Fuß geht es schon besser.

Meine Anmerkung heute  Mittwoch, 18. September 2002 

Ich hatte einen Gichtanfall und auf Rat von Frau St… mein Auto an der Klinik stehen gelassen.

Wie ich bereits schon einmal schrieb, hatte ich während meiner Therapie mehrere kleine Krankheiten, die ich heute auf eine gewisse nervliche Überlastung führe, die Krankheiten wie Gichtanfall, Grippe, Leistenzehrung und Gewichtsabnahme usw.  kamen wie angeflogen und gingen entsprechend schnell. Außerdem glaube ich, dass ich meine Kraft komplett auf die Therapie verbrauchte und dadurch anfälliger war.

11.04.2002

Ich bin wieder fit. Die Kunsttherapie war nicht das Gelbe vom Ei, in den Bildern konnte man hinein interpretieren, was man wollte, es war viel Fantasie. Der Mittwoch war wie immer ein langer Tag.

Meine Anmerkung heute    Mittwoch, 18. September 2002

In der Kunsttherapie malten wir Bilder von uns selbst, dann wollten wir auf Grund der Bilder unsere Gefühle, Verfassung usw. analisieren. Dieses war damals wie heute für mich Quatsch, weil die meisten Patienten überhaupt schlecht malen konnten und schon gar nicht einem Bild einen Ausdruck ihrer Stimmung verleihen konnten. Obwohl ich mich grundsätzlich erst mal auf die Dinge, die in den einzelnen Therapien gemacht wurden, einließ, habe ich mich mit Dingen, die ich für unnütz hielt, nicht länger aufgehalten.

12.04.2001     

In der Tagesklinik ist die Stimmung leider nicht gut, einige haben persönliche Probleme, einige mit der Therapie und es schleicht sich Müdigkeit und Lustlosigkeit ein. Ich hoffe, dass die zuletzt gute Stimmung nach einigen Gesprächen und den Feiertagen zurückkommt. 

Meine Anmerkung heute    Mittwoch, 18. September 2002

Die Kunsttherapie kam in der Gruppe nicht an, aber niemand wollte dieses richtig sagen, da der Therapeut neu war und die meisten wohl dachten, dass der Therapeut es selber merkt. Er merkte es auch selber, sprach die Dinge kurz an und später war die Zusammenarbeit auch  okay.

Ostern 13.04 bis 16.04.2001

Die Osterfeiertage waren schön und erholsam, nur das Wetter hat nicht mitgespielt   

17.04.2001

Heute kam es in der Gruppe zu einem erwarteten  Problem mit einem Mitpatienten. Ich hatte bis kurz bevor Herr S… argumentierte noch versucht, Verständnis für seine Lage aufzubringen, wenn jedoch jegliches Verständnis und Entgegenkommen von Herrn S… abgelehnt wird, obwohl er sich in einer denkbar schlechten Lage befindet, kann ich dieses nicht mehr nachvollziehen. Ich glaube es geht wohl allen Gruppenmitgliedern so. Es würde mich freuen, wenn er seine Therapie trotz allem noch bis zu einem normalen Ende bringen würde und könnte, dieses erscheint mir doch sehr unwahrscheinlich. Obwohl mir einige Dinge in den letzten Tagen sehr nahe gegangen sind, versuche ich mich jetzt wieder auf das Wesentliche in der Therapie zu konzentrieren, dieses scheint vielleicht egoistisch, muss aber sein, um für mich das Maximale zu erreichen.   

Meine Anmerkung heute Mittwoch, 18. September 2002  

Der Mitpatient S… hatte vor Jahren eine schlimme Straftat begangen, für die er Jahre in Haft war und jetzt mit der Auflage einer Therapie seine Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Straftat hatte er unter Einfluss von Alkohol begangen. Ich glaube, er kam mit den Leben in Freiheit nicht mehr zurecht. Er beging immer wider Regelverstöße. Obwohl er eine Beziehung hatte, wäre er am liebsten wieder in den Knast gegangen, den er wohl unbewusst als sein zuhause betrachtete.

 Ich kann nicht beurteilen wie hoch der Schuldanteil des Alkohols an seiner Straftat gewesen ist. Er sagte jedoch, dass er sich mit nicht einmal 20 Jahren, früher so betrank, wie auch am Tag der Straftat, dass er sich oft an Dinge nicht mehr erinnern konnte. Mir sagt dieses heute, dass ich verdammt viel Glück in meinem Leben hatte, alleine wenn ich daran denke, wie oft ich betrunken Auto gefahren bin und was hätte passieren können Es war für mich eine weitere Warnung vor dem Alkohol. Dann konzentrierte ich mich aber weiter auf meine Therapie.       

18.04.2001

Ich hatte heute ein Problem! Beklemmung, Nervosität, Magendrücken. Die Gedanken an Alkohol habe ich aber sofort wieder verdrängt und mich intensiv auf andere Dinge konzentriert um meine Probleme zu überspielen. Abends war wieder alles gut.

Anmerkung Therapeut :  

Wie kam es? Wie haben sie wieder alles gut bekommen.

Meine Antwort damals:

Außer Nervosität habe ich keine Erklärung wie es kam.

Meine Anmerkung heute   Mittwoch, 18. September 2002

Der Therapeut Herr L… wollte mit seiner Frage erreichen, dass ich lerne in  solchen Fällen genau hinzusehen, was hebt dieses Gefühl hervor, wie vermeide ich solche Situationen und was mache ich, wenn sie eingetroffen sind. Mein Rezept ist heute, in den meisten Fällen reden und sich früh genug mit Dingen, die belasten, auseinander setzen. Ich denke, es kann nicht richtig sein Dinge zu verdrängen, weil sie wieder kommen. Ich weiß, dass mein Nervenkostüm durch den jahrelangen Alkoholmissbrauch dünner ist, als das von Leuten, die nicht zuviel getrunken haben. Darum ist es für mich wichtig unangenehme Dinge so früh wie möglich auszuräumen und nicht mit mir herum zu tragen.

Viele Alkoholiker haben über Jahre alles verdrängt und ertränkt, darum ist es wichtig neue Lebensgewohnheiten an zu nehmen. Im Übrigen glaube ich, dass ich als trockener Alkoholiker wesentlich sensibler auf äußere Einflüsse bin, als jemand, der nicht suchtkrank ist.

19.04.2001     

Ich empfand es als angenehme Überraschung, dass Herr S… wieder in der Tagesklinik war. Die Entscheidung ihres Teams halte ich für sehr tolerant und klug, da die Konsequenzen für Herrn S… und seiner Familie zu hart gewesen wären.

Vor dem heutigen offenen Atelier hatten wir ein positives Gespräch mit Herrn B… , über die Therapiestunden von Mittwoch und Donnerstag. Ich denke, dass die weiteren Therapiestunden ganz gut verlaufen werden.

20.04.2001

Mit Frau K… hat eine von mir geschätzte Persönlichkeit die Klinik verlassen. Ich habe unter ihrer Leitung schöne lehrreiche und erfolgreiche Therapiestunden gehabt.

Ich fühle mich gut und freue mich aufs Wochenende.

Meine Anmerkung heute    Mittwoch, 18. September 2002

Frau K…  war die Therapeutin des offenen Ateliers, sie wurde an diesem Freitag verabschiedet und ging in den Ruhestand. Sie war eine sehr einfühlsame ältere Dame, die von allen Patienten sehr geschätzt wurde, sie hatte immer ein offenes Ohr für uns. Fernab von allen Bosheiten und Neid  fühlte ich mich trotz meiner Probleme meistens richtig wohl in der Camillus Fachklinik. Vor Beginn dachte ich, dass man mit Alkoholikern sehr resolut und streng umgehen würde, dass Gegenteil war der Fall, die Therapeuten waren zugänglich und verständnisvoll, Menschlichkeit wurde unterstrichen.

21. und 22.04.2001

Im Skat war ich erfolgreich. Am Sonntag hatte mein Neffe Kommunion. Das Wochenende war rund um schön.

Meine Anmerkung heute Mittwoch, 18. September 2002

Meine zweite Familienfeier ohne Alkohol, Außer meiner Frau wusste keiner von meiner Therapie. Einige werden sich noch gewundert haben, dass ich keinen Alkohol trank, ich selber trat so auf als wäre es ganz normal, deshalb traute sich auch wohl keiner mich darauf anzusprechen.

23.04.2001

Auf dem Heimweg habe ich lange im Stau gestanden, bin jetzt zu faul um zu schreiben. Habe wohl den Abschiedsbrief an Herrn S… geschrieben.

Anmerkung Therapeut :  

Ist doch o.k.

Meine Anmerkung heute Mittwoch, 18. September 2002 

Ich hörte auf allen Leuten etwas vor zu machen, sagte und schrieb die Dinge so, wie sie waren, (bin zu faul.) hatte kein schlechtes Gewissen und benutzte niemand für ein Alibi und brauchte auch keine Angst zu haben, dass sich jemand verplappert. Ich begann damit die alten, während meiner Trinkerei angeeigneten Methoden abzulegen. Wäre meine jetzige Vorgehensweise auf Unverständnis gestoßen, hätte ich meine Vorgehensweise rechtfertigt und verteidigt. War aber nicht so, (ist doch o.k.) war die Reaktion.      

24.04.2001

Nach einer Untersuchung wurde mir heute mitgeteilt, dass  eine Operation noch nicht notwendig  ist. Dieses bedeutet für mich, dass ich mich intensiv um Arbeit kümmern kann, bzw. Bewerbungen schreiben kann. Von meiner beruflichen Rehabilitationsmaßnahme  habe ich noch nichts gehört, werde aber nicht locker lassen und strebe nach wie vor eine Weiterbildung im therapeutischen Bereich  an.

Anmerkung Therapeut :  

Schön!

25.04.2001

Der heutige Tag verlief reibungslos. Heute Abend haben wir mit drei Mann aus der Tagesklinik eine SHG in Re… besucht, Herr Bi… will sich am nächsten Mittwoch anschließen. Ich glaube, dass es Sinn macht, wenn wir gemeinsam die SHG besuchen. Es waren auch einige Camillus - Patienten dort anwesend.

Anmerkung Therapeut :  

Was beschäftigt sie im Moment so – was sind ihre Themen – wie weit sind sie von ihren Zielen entfernt?

Meine Anmerkung heute  Samstag, 21. September 2002

Dem Therapeut war es wichtig zu wissen ob ich Fortschritte mache, ob ich meine Linie weiter verfolge und mir den Hinweis zu geben, dieses zu tun. Scheinbar hatte er den Eindruck, dass ich mich von wichtigen Dingen ablenken lasse.

Außer einer der Tagesklinikpatienten haben alle später die SHG in Re… wieder verlassen, ich weiß nicht, wer außer mir von ihnen heute noch trocken ist. Heute habe ich eine andere SHG, in der ich mich bis jetzt wohl fühle und die Gespräche konstrukttief sind, ob dieses so bleibt, weiß ich nicht. Es ist nicht so einfach eine SHG zu finden, wo alles passt, weil man zu den anderen Mitgliedern Vertrauen, Sympathie und eine verständnisvolle Ebene finden muss.        

26.04.2001

Ich bin gedanklich in der Phase nach meiner Entlassung, es ist wichtig, so schnell wie möglich eine Beschäftigung (Arbeit) zu finden. Damit keine Langeweile oder gar Unzufriedenheit mich gefährden können.

Zu meinen Zielen ! Am Anfang meiner Therapie dachte ich, es sei sehr wichtig sportlich fit zu sein, durch gesundheitliche Schwierigkeiten bin ich gestoppt worden, sicher müssen Körper und Geist fit sein, doch die Wertigkeit meiner Ziele hat sich verschoben und es sind andere hinzugekommen. Über das Ziel Abstinenz, hoffe ich, werden später nur meine Hinterbliebenen berichten können.

Zu meinen neuen Zielen! Ich lerne im Moment Signale meines Körpers richtig zu empfangen, zu ordnen und richtig zu bearbeiten. Sicherlich ist dieses auch ein Ziel, dass man ein Leben lang vor Augen haben muss. In meiner Vergangenheit habe ich dieses nicht getan, sondern als unwichtig abgetan. Ein weiteres Ziel ist die zufriedene Trockenheit, die ich zurzeit lebe. Ich bin in meinem Leben noch nie so nahe daran gewesen wie jetzt

Meine Anmerkung heute Samstag, 21. September 2002   

Gefühle! Gefühle sind in der Therapie ein Punkt auf den man immer wieder hinweist und ich damals als Signale interpretierte. Tatsächlich ist es so, dass ich Gefühle über Jahre ertränkt hatte. Ich kannte im Grunde nur noch Gefühle körperlicher Art.

Wenn ich mich heute bei der Ausübung verschiedener Dinge schlecht fühle oder ich Dinge von anderen mitbekomme, die unschön sind, belastet mich das. Es bedurfte Zeit und einen Lernprozess mit solchen Dingen angemessen und ohne zu verdrängen umzugehen. Gefühle positiver Art, Freude, Liebe Vertrautheit, Wärme usw. verstehe ich heute intensiver zu genießen. Selbst heute nach über 20 Monaten trockenen Lebens muss ich mit meiner gesteigerten Sensibilität noch lernen umzugehen.           

Fr.27.04.2001.

Heute wurde Herr W. verabschiedet, für mich ein Sympathieträger. Die Arbeit im offenen Atelier hat Spaß gemacht. In der Gruppe wurden gute und wichtige Gespräche geführt. Ich bin gut drauf und freue mich aufs Wochenende.

Mo.30.04.2001

In der Gruppe wurde mir heute klargemacht, dass ich in meiner Vergangenheit zuviel Wert auf Arbeit und Beruf und zuwenig auf mich und meine persönlichen Bedürfnisse gelegt habe. So ging mir der Sinn für Hobbys, Sport und andere Betätigungen verloren, sodass ich viele Dinge nur noch als Überbrückung betrachtete. Ich werde mich anstrengen, ein gesundes Gleichgewicht in diesem Bereich wieder herzustellen. Der Suff hat wahrscheinlich seinen Beitrag zu dieser Verblödung geleistet.

Anmerkung Therapeut :  

Glaube ich nicht- es war das Gegengewicht zum Gleichgewicht- oder anders der Ausgleich zur Arbeit, ihre Freizeit, ihre Belohnung, ihr Hobby, und.....usw.- glaube ich.

Meine Anmerkung heute Samstag, 21. September 2002

Ich glaube das heute auch, besonders war der Alkohol eine Belohnung, bis er zur Gewohnheit wurde und schließlich zum Suchtmittel.

02.05.2001

Jetzt ist es 23.15 Uhr und ich komme gerade von der SHG, des halb bin ich müde und höre auf zu schreiben.

Anmerkung Therapeut :  

Kann ich gut  verstehen!

03. 05. 2001

Wir hatten heute zwei Therapieausfälle, deshalb war der Tag kurz, es gibt nichts zu berichten. Ich fühle mich gut.

Anmerkung Therapeut :  

Ich wünsche ihnen ein gutes Wochenende!

Meine Anmerkung heute 21. September 2002

Es wurde akzeptiert, wenn ich nichts schrieb, weil man wusste, dass ich mir allgemein die größte Mühe gab und die Dinge ernst nahm.

08. 05. 2001

Nach der heutigen Gruppe, sowie Vorstellung meiner Suchtkurve, komme ich zu folgenden Feststellungen.

1) Es stimmt, dass ich immer versuche Entschuldigungen für das Fehlverhalten meines Vaters zu finden. Dieses ist verrückt und ich werde es künftig weder gedanklich noch in meiner Argumentation zulassen.

2) Es ist auch richtig, dass ich mich häufig bemühe durch Arbeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und anderen Tugenden anderen Leuten gerecht zu werden.
Letzteres kann aus meiner Kindheit stammen oder aus meiner Tätigkeit als Ausbilder, weil ich immer daran gedacht habe, dass Autorität von unten nach oben erwachsen und sich entwickeln muss. Ich möchte aber nicht unbedingt allen Leuten gerecht werden.  Mein Verhalten betrachte ich nicht als Arschkriecherei. 

Anmerkung Therapeut :  

Sehe ich absolut nicht bei ihnen! Ansonsten wichtige Spuren denen sie folgen sollten!

Meine Anmerkung heute Sonntag, 22. September 2002

Durch die falsche Erziehungsweise meines Vaters habe ich mir Verhaltensweisen angeeignet,  die mich selber zum Teil unter Druck setzten. Mir wurde schon damals klar, dass es falsch ist, Gründe zu suchen, die Gewalt rechtfertigen.

Wenn sich zu den Therapeuten und zu der Gruppe nicht so ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hätte, wäre ich nicht in der Lage gewesen, mich so mitzuteilen. So ein Vertrauensverhältnis baut sich auch auf, weil alle Schwierigkeiten  mit sich  und anderen haben und ebenfalls darüber sprechen. Durch dieses entstandene Vertrauensverhältnis hatte ich zum Ende der Therapie manchmal den Gedanken, wenn die Therapie noch etwas andauern würde, hätte ich nichts dagegen. Aus diesem Grund und weil die Gespräche in Einzel- und Gruppentherapie immer konstruktiver wurden und ich glaubte noch mehr Sicherheit durch eine Nachsorgebehandlung zu erlangen, habe ich diese noch angehangen. Heute weiß ich,  dass diese Entscheidung für mich sehr richtig und wichtig war, weil ich während der Nachsorge meine Meinung in  einigen wichtigen Punkten neu überdachte und änderte.

09. 05. 2001.

Angesichts der Tatsache, dass sich meine Therapie dem Ende zuneigt, habe ich das Gefühl noch einmal jeden Hinweis aufsaugen zu müssen wie der Schwamm das Wasser.

Unsere Geduld in der SHG scheint sich auch auszuzahlen, da die Gespräche heute ganz sachdienlich waren.

Meine Anmerkung heute   Sonntag, 22. September 2002

Ich hatte das Gefühl und die Angst vielleicht etwas versäumt zu haben, was für ein trockenes Leben von Bedeutung sein könnte.

10. 05. 2001

Mein letzter Eintrag in diesem Tagebuch, dass ab sofort  ein Wochenbuch wird, jeden Sonntag  werde ich rückblickend einen Wochenbericht  eintragen, weil man beim Schreiben noch einmal alles überdenkt. Jetzt gehen mir so viele Dinge durch den Kopf, so dass ich Stunden schreiben könnte, wichtig ist mir aber noch einmal zu erwähnen, dass ich glaube, die Therapie hat mir gut getan und ich auf dem richtigen Weg bin.

Meine Anmerkung heute Sonntag, 22. September 2002

Obwohl ich ja noch jede Woche in die Camillus  Fachklinik zur Nachsorge ging, hatte ich ein ganz wehmütiges Gefühl. Ich verabschiedete mich von den Patienten und den Therapeuten.

Mir war klar geworden, hier hatte ich meine zweite Lebenschance erhalten und genutzt.

Zu der Verabschiedung eines Patienten gehörte es, dass alle anderen Gruppenmitglieder ihm einen Abschiedsbrief schrieben und der jenige der ging einen Abschiedsbrief  an den Alkohol  schrieb. Alls letzte Anlage des 1. Buchteils füge ich meinen Abschiedsbrief an den Alkohol bei.

Abschiedsbrief

Hiermit werde ich mich von dir für immer verabschieden. Diese Wortwahl habe ich dir gegenüber gewählt, um meinen Beschluss unmissverständlich deutlich zu machen, danach werde ich dir erklären,  warum dieses Fakt für mich ist. Du hast dich in vielen Jahren und allen Situationen mir und vielen anderen Menschen aufgezwungen, mit der Absicht mich zu zerstören. Wenn es mir schlecht ging, hast du mir Trost, Beruhigung und Hilfe vorgetäuscht.

Wenn es mir gut ging, warst du der Stimmungsmacher auf jeder Feier, im Urlaub, bei einfach allen schönen Dingen. Gelinde gesagt bist du die schmutzigste und gemeinste aller Huren, du präsentierst dich  als schillernde Figur im Glamourlicht um mich zu verführen. Anderen Huren reicht es, dass Geld ihrer Freier abzuzocken, dir aber nicht. Du möchtest mich  finanziell am Ende sehen, dass meine Freunde und Familie sich von mir abwenden und immer wieder bietest du dich  an, weil du noch meine Gesundheit möchtest. Es gab Situationen in denen du mich glücklich machtest, damit meine Gedanken mit deiner Hilfe nicht mehr geordnet waren, bei Erbrechen beruhigtes du meinen Magen, wenn ich zitterte und nicht mehr von A. nach B. konnte, dann wurden meine Nerven  durch dich beruhigt.

Dein Ziel wäre für dich erreicht, wenn ich wie eine verarmte, vereinsamte, verrückte, erkrankte Ratte mit dem Leben bezahlt hätte.  Doch zu meinem Glück und zu deinem Pech habe ich in einem lichtem Moment Menschen getroffen und gehabt,  die mir aufrichtig helfen wollten, deren Hilfe ich auch annahm.

 Diese Menschen haben meine Vermutung über dich bestätigt und mir unsere Trennung erleichtert. Dieses positive Umfeld und ich haben mir Abwehrmechanismen gegen dich und deinen schmutzigen Tricks ins Gehirn gemeißelt, wie das 1 x 1 beim Mathematiker.

Abschließend  möchte ich dir noch sagen, dass ich dich  abgrundtief hasse. 

Teil II

Einführung :

Wie bereits erwähnt, machte ich aus meinem Tagebuch ein Wochenbuch. Weder zur Zeit meiner Therapie, als ich Tagebuch führte, noch in der Zeit als ich Wochenbuch führte, hatte ich den Gedanken meinen Werdegang schriftlich fest zu halten, diese Idee kam mir erst, als  ich ca. 15 Monate nachdem die Therapie abgeschlossen war, ich in meinem Tagebuch blätterte und feststellte, dass ich meine damaligen Gedanken mit diesem Abstand noch ergänzen könnte.

Nach meiner Therapie hatte ich keine schriftlichen Hinweise und Denkanstösse von Therapeuten mehr zu Verfügung. Mir war schon damals klar, dass die ersten Monate nach meiner Therapie die schwersten und entscheidenden  Monate auf dem Weg zu einem langfristig trockenen Leben waren. In dieser Zeit glaube ich, ohne darüber eine Statistik zu kennen, werden die Meisten rückfällig.

In dem 2.Teil dieses Buches schreibe ich über Ängste, Nöte, Ärger und über meinen Kampf gegen den Alkohol, ich schreibe aber auch über Erfolge, Erleichterung, Stolz und die Freude zu merken und es bestätigt zu bekommen, dass ich meine Krankheit im Griff habe.

Ich will aber auch zeigen, dass einer wie ich, an den wohl keiner mehr so richtig glaubte, es schaffen kann, seine Sucht zu besiegen und andere, wenn sie den Willen haben und die richtige Hilfe in Anspruch nehmen, es ebenfalls schaffen können.          

20. KW. 2001

Diese Woche ist die erste Woche nach meiner Therapie. Die großen Schwierigkeiten im Bezug auf meine Sucht sind ausgeblieben. Ich hatte jeden Tag gut zu tun, am Montag hatte ich zwei Vorstellungsgespräche. An allen anderen Tagen habe ich gekocht. Meine Frau ist krank und tut mir sehr leid. An zwei Tagen habe ich Skat gespielt. Heute ist alles langweilig, mir fällt die Decke auf den Kopf und ich fühle mich total beschissen, zum ersten Mal würde ich am liebsten Saufen gehen, dieses sind die Momente, die ich als Prüfung betrachte und saufe deshalb nicht. Vielleicht bin ich morgen oder in ein paar Stunden wieder gut drauf.

Meine Anmerkung heute Sonntag, 22. September 2002

Zum ersten Mal nach meiner Therapie hatte ich mit der so schlimm befürchteten Langeweile zu tun, ich wusste, dass sie einer der gefährlichsten Momente für mich ist.

Ich glaubte damals und glaube heute, dass, wenn etwas Schlimmes  passieren wird, ich immer denken werde, jetzt erst recht nicht und wenn etwas Gutes passieren wird, verspiele nicht das, was du gewonnen hast.

Es liegt wohl daran, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so viele Interessen entwickelt hatte. Heute habe ich solche Probleme nicht mehr.

21. KW. 2001   

Die zweite Woche nach meiner Therapie ist um, den Kampf gegen den Alkohol habe ich bis jetzt noch gewonnen, ich achte aber darauf  nicht überheblich zu werden, weil ich dem Gegner keine Angriffsfläche bieten will. Meine Frau ist auch wieder gesund. Ich frage mich, wie schlecht es ihr gegangen wäre, wenn ich auch noch neben ihrer Krankheit gesoffen hätte.

Sie ist, glaube ich, richtig glücklich auch mal einen vernünftigen Mann an ihrer Seite zu haben. Ich muss mich noch ein bisschen bemühen ruhiger zu werden, aber sie weiß, dass

meine Ausraster nicht gegen sie gerichtet sind, sondern mit der Unruhe, die mit meiner Krankheit zusammen hängt. Alleine der Gedanke, dass ich meiner Frau noch so viel schulde, muss mir die Kraft geben, weiter trocken zu bleiben. Wenn ich noch einen Job habe und Geld verdiene, werden wir wohl eines der glücklichsten Pärchen überhaupt. Im Moment geht mir die Warterei auf einen Job mächtig auf die Eier.

Meine Anmerkung heute Sonntag, 22. September 2002

Gemischte Gefühle hatte ich in dieser Situation, einerseits war ich ganz glücklich meiner Frau ein Mann zu sein, wie es sich für meine Vorstellung gehörte, andererseits war mir auch klar, dass ich im Laufe meiner nassen Zeit viele Fehler gemacht hatte und sie oft mit Problemen alleine war, weil ich im Suff meinen Teil einer intakten Beziehung nicht im Stande war zu erfüllen.

Ich schrieb, dass ich darauf achtete nicht überheblich zu werden, der richtige Ausdruck wäre leichtsinnig gewesen. Leichtsinnigkeit liegt in meinem Naturel und musste unbedingt von mir unter Beobachtung gehalten werden.      

22. KW. 2001

Diese Woche war nicht ganz einfach für mich. Wir haben eine Reise nach Dresden  unternommen, dabei habe ich nicht bedacht, dass ich ständig mit Leuten in Kontakt stehe, die Alkohol trinken oder getrunken haben und es kaum Ausweichmöglichkeiten gibt. Ich bin trocken geblieben. Frau Sch… sagte mir,  dass wenn ich solche Prüfungen bestehe, ich ruhig stolz auf mich sein könne, dass bin ich auch, dass heißt nicht, dass ich mich häufig in solche Situationen begeben werde. Man müsste die Situation in einem Jahr noch einmal erleben, um zu vergleichen, ob oder welche Fortschritte ich gemacht habe. Jedenfalls bin ich noch trocken und freue mich darüber.

Meine Anmerkung heute    Sonntag, 22. September 2002

Die Reise nach Dresden war ein Familienausflug mit meinen Geschwistern, alle anderen Familienfeiern waren von Seiten meiner Frau, so dass meine Geschwister zum ersten Mal mit bekamen, dass ich keinen Alkohol mehr trank. Sie wussten nicht und ich sagte ihnen auch nicht, dass ich eine Therapie gemacht hatte. Ich war damals wie heute der Meinung, dass es erstens nicht jeden etwas an geht, dass ich eine Therapie gemacht habe und Alkoholprobleme habe und zweitens, dass ich nicht der Gesellschaft das Trinken verbieten kann und drittens, ich mich dazu erziehen musste mit einer trinkenden Gesellschaft zu leben.

Diese Vorgehensweise hatten alle Therapeuten für sehr bedenklich gehalten, ist sie wahrscheinlich auch, aber für mich und wahrscheinlich nur für wenige andere richtig.

Als eine meiner Schwestern mich fragte, ob ich denn Alkoholiker sei, nachdem ich gesagt hatte, dass ich keinen Alkohol trinke und nie mehr trinken wolle, antwortete ich mit der Frage, woran sie denn den Begriff Alkoholiker fest mache. Meine Schwester wollte, um nichts Falsches zu sagen, sich scheinbar nicht festlegen und wechselte das Thema.

Einige Monate später, als ich schon bewiesen hatte, dass es mir Ernst damit ist keinen Alkohol mehr zu trinken, beantwortete ich ihr im nach hinein die Frage und sagte, dass ich Alkoholiker bin und die Krankheit für meine Begriffe habe, seitdem ich Alkohol als Mittel einsetzte, z.B. um gute Laune zu bekommen oder Arger zu vergessen oder um mich zu belohnen usw.

Sehr viele Leute werden sehr nachdenklich, wenn ich mich als Alkoholiker bezeichne und erkläre, seit wann ich  Alkoholiker in meinen Augen bin. Wie viel Alkoholiker es in Deutschland gibt weiß ich nicht, aber es sterben jährlich 40.000 Menschen in Deutschland am Alkoholismus und dessen Folgen. Wahrscheinlich wären der Genuss und der Besitz von Alkohol in Deutschland schon längst verboten, wenn der Staat nicht so eine hohe Steuereinnahme durch Alkoholsteuer und Vergnügungssteuer hätte.                    

23. KW.2001

Meine vierte Woche nach der Therapie habe ich auch ohne Alkohol geschafft, Gedanklich war ich viel bei meinem Job. In Köln habe ich eine SHG besucht, es gibt jeden Tag ein Treffen. Wieder stellt sich mir die Frage, ob die Gruppe die Richtige für mich ist

 

1.)    Weil es sich bei denen um mehrfach Süchtige handelt, Alkohol, Tabletten, Rauschgift, u.s.w.

2.)    Weil diese Institution nach meiner Meinung von den Mitgliedern überbewertet wird 

3.)    Weil mach meiner Meinung viele der Mitglieder eine längerfristige professionelle    Hilfe brauchen. Ich werde trotzdem noch einige Male hingehen und dann für mich entscheiden, ob die Gruppe für mich Sinn macht oder nicht. Am letzten Sonntag hatte ich einige nervliche Probleme, habe sie aber trocken überstanden.

Meine Anmerkung heute   Sonntag, 22. September 2002

Ich glaube auch heute noch, dass die Probleme bei den verschiedenen Suchtmitteln auch verschieden sind.

Ich kann und werde nie zustimmen, wenn SHG für sich den Alleinanspruch erheben, dass man nur durch den ständigen Besuch ihrer Gruppe trocken bleiben kann und schon gar nicht wenn dieses bei mindestens jeder zweiten Wortmeldung  wiederholt wird. Wenn diese SHG das Allheilmittel wären, dann könnte doch alles andere gespart werden.

Wer merken würde, dass er ein Suchtproblem hat ginge dann zu einer Gruppe dieser Bezeichnung, setze sich an den sogenannten runden Tisch, dieses möglichst täglich und er hätte sich aller seiner Probleme entledigt. Ich habe nicht die Fähigkeit zu beurteilen, wer sich in psychologische Behandlung begeben sollte, darum schrieb ich auch, dass  nach meiner Meinung einige Mitglieder langfristig professionelle Hilfe brauchen.  

24.KW.2001

Nach einem Jahr ohne Arbeit habe ich jetzt wieder einen Job, der Einstig wurde durch einen Feiertag begünstigt, drei Tage arbeiten einen Tag frei, einen Tag arbeiten, dann Wochenende.

Ich glaube man ist mit meiner Leistung und mit meinem Auftreten zufrieden. Ich selber glaube im Wesentlichen ganz gut klar zu kommen. Außer bei der SHG war bei mir der Alkohol in dieser Woche nicht präsent im Kopf. Ich glaube, dass Leben ohne Alkohol wird langsam für mich zur Normalität und das ist gut so.

Meine Anmerkung heute   Sonntag, 22. September 2002

Ich glaubte, dass das Leben ohne Alkohol schon langsam zur Normalität wurde, musste aber erfahren, dass es wesentlich länger dauert und ich noch manche Höhen und Tiefen zu durch wandern hatte. Für mich waren die ersten acht Monate nach meiner Therapie gefühlsmäßig ein ständiges Auf und Ab. Es war gut, dass nach den Tiefs auch wieder ein Hoch kam, sonst hätte ich es wohl nicht geschafft, immer wenn es mir gut ging, nahm ich dieses als Zeichen dafür, dass alles mit dem Ergebnis zufriedener Abstinent enden würde. 

25. KW. 2001

In dieser Woche kam mir doch hin und wieder der Gedanke an Alkohol, ich bin aber trocken geblieben. Ob ich meinen Job lange mache, weiß ich noch nicht, Als Handwerksmeister habe ich auch wieder Kontakte geknüpft.

Manchmal bin ich ziemlich gereizt, so dass ich bei Kleinigkeiten, außer mir gerate, was ich eigentlich gar nicht will. Mir ist klar, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die ich ein Leben lang habe und die nicht heilbar ist. Ich hoffe, dass der Kampf gegen den Alkoholismus mit der Zeit immer einfacher wird, denn ich werde wohl nicht mein ganzes Leben so kämpfen können wie jetzt. Ich weiß, dass es Alkoholiker gibt, die schon viele Jahre trocken sind und weil es ihnen gelang, denke ich, habe auch ich meine Chance. An diesem Dienstag war ich nicht bei der SHG, nächste Woche gehe ich aber wieder hin. Ab Montag habe ich in 11 Tagen nur einen Tag frei, auch das wird nicht einfach. Ich werde mich auch arbeitsmäßig bemühen locker zu bleiben.

Meine Anmerkung heute  Sonntag, 22. September 2002 

Nervliche Anspannung, Hektik, Aggressionen, Unzufriedenheit, Neid, usw. usw. usw. waren die Auslöser für meine sogenannten Ausraster. Die wiederum machten sich bemerkbar indem ich öfter meckerte oder laut schimpfte. Mit der Krankheit Alkoholismus zu leben ist Kopfsache, man muss die richtige Einstellung zur Krankheit haben. Ich erlaube mir mal den Vergleich mit einem Diabetiker, wenn er ständig anderen Leuten neidet, dass sie Essen und Trinken können was sie wollen und sich bemitleidet, weil er sich spritzen muss, wird er mit seiner Krankheit nur schwer fertig. Wenn er die eben genanten Dinge für sich als kleineres Übel ansieht und sich der Dinge erfreut, die er erleben kann und hoch bewertet, dann setzt es ihn auch nicht so zu, dass eine Einschränkung bei ihm ein Leben lang eine kleinere Begleiterscheinung ist.

26.K.W.2001

Die siebte Kalenderwoche nach meiner Therapie habe ich hinter mir und sie war sehr belastend, ich hatte nervlich zu kämpfen. Am Mittwoch musste mir ein netter Kollege ( der sehr von sich eingenommen ist und viel Stuss erzählt ) erzählen, dass er vor Jahren von einem Ziegeldach gefallen wäre, dass 25 Meter hoch war ( so etwas gibt es nicht ). Ich hätte dem Arschloch am liebsten in die Zähne gehauen.

Am Donnerstag fuhr ich mit einer nahen Verwandten (die es so toll findet, dass ich trocken bin ) mit der Straßenbahn, in der Zeit von 20 Minuten erzählte sie mir drei Mal, dass sie sich auf ein kühles, perlendes Kölsch freue, selbstverständlich trank sie vor dem Essen einen Korn, als Aperitif  versteht sich natürlich.

Am Freitag dachte ich dann, gehe zu der SHG um Menschen zu treffen, die gleiche Probleme haben wie du und deine Sprache sprechen. Eine Dame erzählte dann, dass sie sich nach 28 Jahren von ihrer Ehelichen Gemeinschaft endlich gelöst habe, sie trinkt keine Getränke mehr mit Zucker, sie trinkt keinen Kaffe mehr,  sie raucht auch nicht mehr und sie esse auch keinen Kuchen mehr, alle diese Erkenntnisse habe sie in der SHG erlangt. Ich hoffe, dass ihr jemand erzählt, dass sie ganz schön bescheuert ist.

Ein weiterer Teilnehmer hatte ein spirituelles Erlebnis, er fuhr mit seinem Fahrrad, als er plötzlich einen großen gut gewachsenen Baum sah, er stieg von dem Rad und stieß sich mit den Händen in drückender Haltung vom Baum ab und entspannte seine Muskeln, dann lies er sich locker nach rechts und nach links fallen, durch dieses Loslassen erhielt er Erleichterung und Zufriedenheit und er war fasziniert. Nach dem Treffen lagen sich dann einige Teilnehmer tuntenhaft in den Armen.

Nachdem ich dann meine Frau traf, wollte ich eigentlich in einer Kneipe noch ein kaltes Wasser trinken, worauf ich dann aber verzichtete, weil ich befürchtete von irgend welchen Besoffenen zugelabert zu werden und dann selber Alkohol zu trinken. In unserer Wohnung trank ich mein Wasser und duschte mich, meine Frau und ich hatten später noch einen schöner Abend…. Mein Fazit ist, dass ich wohl ein anders denkender und lebender Mensch bin, als die, die mich in dieser Woche beschäftigten, außer meiner Frau. Wenn ich jetzt weiter schreiben würde, käme nur noch Zynismus und Ironie zu Stande, darum höre ich jetzt auf.   

Meine Anmerkung heute    Sonntag, 22. September 2002

Ich selber bin zwei Mal während meiner beruflichen Ausübung aus größeren Höhen abgestürzt, und mein Posttraumatisches Problem  hatte ich durch einen Unfall, bei dem mir ein Mitarbeiter aus ca. 7 Metern vor die Füße auf einen gepflasterten Gehweg fiel.

Wenn dann jemand kommt und meint, sich mit so einer Sache interessant machen zu können, hat er bei mir direkt verschissen. Wohnhäuser die 25 Meter hoch sind werden mit anderen Materialien abgedichtet als Ziegel. Zudem erzählte er auch noch, dass er die Dachfläche bei Schnee begangen hätte, um eine Antenne auszurichten. Als ich ihm sagte er müsse aber schon vor seinem Unfall verrückt gewesen sein, war er beleidigt und sprach nie mehr mit mir.

Der Besuch in der SHG in Köln an diesem Freitag war mein letzter Besuch dort und meine Suche nach einer SHG, in der ich mich wohl fühlte, ging weiter. Ich habe diese SHG bewusst nicht namentlich benannt, weil es bestimmt auch andere Gruppen mit diesem Namen gibt, die vielleicht ganz sinnvoll sind. Außerdem waren in dieser Gruppe auch Betroffene, die schon sehr lange trocken waren. Unter diesen Gesichtspunkt sage ich, dass die Gruppe für mich nicht die Richtige war, für andere scheinbar wohl.       

In diesen Tagen kam mir zu gute, eine harmonische Ehe zu führen, weil ich mich zuhause mitteilen konnte.

27.KW.2001

Nach der letzten Woche (Katastrophenwoche) war ich Mittwoch zur Nachsorge und zum Ehemaligen-Treffen in der Camillus Fachklinik. Diese Gespräche haben für mich eine andere Qualität. Es ist also tatsächlich so, dass ich in der Woche gedanklich die Gespräche verarbeite und positive Dinge auf mich einwirken lasse.

Das Gefühl etwas zu vermissen oder eingeschränkt zu sein, habe ich nur selten. Ich belohne und lasse mich für meine Trockenheit belohnen. Auch wenn ich manchmal ein bisschen ungehalten bin, ist unsere Ehe sehr gut und das empfinde nicht nur ich so. Arbeitsmäßig habe ich zwei harte Wochen hinter mir, jetzt kommen zwei ruhige Wochen.

28.KW.2001     

An 10.07. hatten wir Hochzeitstag, da wir beide arbeiten mussten sind wir nur abends Essen gegangen. Eine Peson von uns beiden trank keinen Alkohol, die war ich. Die Woche war außer Freitag ruhig (arbeitsmäßig ). Jetzt freue ich mich über das lange Wochenende. Es ist für mich nur noch selten ein Hindernis, dass auf meinem Klavier eine Taste klemmt, weil ich mich an den anderen Tönen erfreue.

Meine Anmerkung heute    Montag, 23. September 2002

In der Nachsorgegruppe hatte der Therapeut Herr Dr. Kr…. ,  einen Vergleich angestellt. Er meinte, wenn ein Komponist auf einem Klavier auf dem eine Taste klemmt schöne Lieder spielen kann, ohne das er oder das Publikum es merken, dass ihm eine Taste weniger zu Verfügung steht  ist es ein Vergleich mit dem Leben eines Alkoholikers der ein zufriedenes abstinentes Leben führt. Weil er und andere es nicht mehr merken, dass ihm sein Suchtmittel nicht zu Verfügung steht. Dieses Beispiel machte mir in Situationen in denen es mir nicht so gut ging Mut, weil ich dann dachte, die schwere Zeit geht vorbei und irgendwann merkst du gar nicht mehr oder ganz selten, dass du Alkoholiker bist.

29. KW.2001  

Ein halbes Jahr lebe ich abstinent, es macht mich glücklich und stolz. Der erwünschte Vorgang im Bezug auf Arbeit, Lebensrhythmus und Tagesabläufe ist auch weitgehend eingetreten.

Mittlerweile sind wir genau so viel in Köln wie am Niederrhein, ob hüben oder drüben, ich bin immer trockengeblieben, darum glaube ich an mein Ziel, ein trockenes und zufriedenes Leben führen zu können. 

Meine Anmerkung heute    Montag, 23. September 2002

Während meiner Therapie dachte ich oft, wenn du schon einmal ein  Jahr trocken überstanden hättest, hättest du das Schlimmste geschafft, war auch so. Trotzdem war es auch ein Erfolg ein halbes Jahr geschafft zu haben, denn so lange war ich noch nie Trocken geblieben.     

30.KW.2001

Ich bin immer noch trocken, eigentlich ist es normal geworden und ich brauchte  es nicht mehr zu erwähnen, dennoch muss ich in der Sache immer wach bleiben. Als es gestern zu regnen begann, habe ich die Autoscheiben besprüht, in dem Spritzmittel befindet sich Alkohol, der sehr stark roch, der Geruch erschreckte mich und löste ein eigenartiges Gefühl aus. Dieses macht mir wieder klar wie empfindlich ich bin. Wenn ich darauf gefasst bin, dass ich mit Alkohol konfrontiert werde, beherrsche ich, glaube ich, die Situation. Gefährlich sind die unverhofften Situationen. Sonst fühle ich mich gut und locker.

Meine Anmerkung heute    Montag, 23. September 2002 

Selbst ungenießbarer Alkohol hinterlies bei mir durch seinen Geruch ein komisches Gefühl in der Magengegend

32. und 31. KW. 2001.

In der letzten Woche bin ich nicht dazu gekommen in dieses Buch meine Erlebnisse, Gefühle, Sorgen und Erfreuliches zu schreiben. Deshalb schreibe ich jetzt für zwei Wochen.

Meine Frau sagte mir, dass sie mich wieder heiraten würde, dieses sagt mir, dass in der Vergangenheit nicht alles schlecht gewesen sein kann und es macht mich glücklich. Ich habe mich auf eine Meisterstelle beworben, die ich auch bekommen würde, werde sie aber nicht nehmen, wegen der Gefahr und der körperlichen Anstrengungen.

Im September fliegen wir 10 Tage nach Kreta, im Bezug auf Alkohol werde ich dort besonders auf mich aufpassen müssen, aber mit ein bisschen Disziplin und der Obhut meiner Frau, glaube ich, bleibe ich trocken. Eigentlich kann ich zufrieden sein, ich habe keine Sorgen, bin gesund, habe eine liebe Frau und bin Trocken.

Meine Anmerkung heute    Montag, 23. September 2002

Ich hatte schon eine große Portion Angst, dass ich in diesem ersten Urlaub nach meiner Therapie rückfällig werden könnte, bin ich aber nicht.

33. KW. 2001

Eigentlich gibt es nichts Besonderes zu schreiben. Mein Leben läuft in ganz normalen Bahnen, (Stink normalen Bahnen) will ich das? Ich meine es müsste mehr Höhen und Tiefen geben um leben zu spüren. Leute die unter Spannung stehen und so etwas lesen halten mich wahrscheinlich für einen Spinner. Wenn man über viele Jahre unnormal lebt, dann in die Normalität zurückkehrt, kommen einen wohl solche  Gedanken. Ich darf dabei nicht vergessen, dass sich die ganze Sichtweite durch den Verzicht auf Alkohol verändert. Trotzdem bin ich mir sicher, dass dieses sich letztlich für meine Frau und mich lohnt und gelohnt hat.

Ich freue mich auf den Urlaub.           

34.KW.2001

Am gestrigen Freitag wollte man mich sehr gemein reinlegen. Ein Skatfreund bestellte mir ein Bier, als ich dieses mit der Begründung „keinen Alkohol“ ablehnte, gab man mir ein Texas, obwohl ich Wasser bestellt hatte. Als ich später erneut ein Wasser bestellte, bekam ich Cola, nachdem ich einen Schluck getrunken hatte, musste ich feststellen, dass der Cola ein Korn beigefügt war. Sofort reklamierte ich das Getränk und bestand auf Wasser. Meine daraus resultierende Nervosität lies ich mir nicht anmerken, fuhr dann 30 Minuten später nach hause und rief sofort im Camillus an, um mich zu vergewissern, dass meine Ängste in Bezug auf einen  Rückfall unberechtigt sind.

Obwohl ich müde war, konnte ich nicht einschlafen, weil ich ständig und über vieles grübelte.

Welche Motive haben Leute, die so etwas machen? Ist es der pure Neid? Ist es Neugierde, um zu sehen was mit einem passiert? Wirke ich in ihren Augen zu stabil? Die Motive sind egal, es ist eine riesige Sauerei. Jedenfalls glaube ich habe ich mich richtig und souverän verhalten.

Diesen Vorfall betrachte ich nicht als Unterbrechung meiner Abstinenz. Ich glaube ich habe mir und anderen und sowie meiner Frau einmal mehr bewiesen, wie ernsthaft ich mit meinen Alkoholproblemen umgehe, und das soll so bleiben.

Meine Anmerkung heute   Montag, 23. September 2002

„Der B….. hat doch früher immer mit gesoffen, jetzt trinkt er seit Wochen nur noch Wasser. Dem schieben wir mal einen Schnaps unter, dann bestellt er sich eine ganze Flasche. Der trinkt in kürzester Zeit so oder so wieder. Was glaubst du wie gerne der jetzt mit uns Saufen würde. Der hat bestimmt Druck von der Alten gekriegt…“. So stelle ich mir das Gespräch der vier Leute an der Theke, die nach meiner Meinung für den Vorfall verantwortlich waren, vor. Im Nachhehrein schätze ich haben sie sich noch geärgert, weil sie hofften, dass ich jetzt ein Riesen-Theater machen würde, ich aber äußerlich ruhig und bestimmend das Getränk zurück schickte. Heute spüre ich häufig am Verhalten von Leuten, dass sie mir Achtung entgegen bringen und es als eine große Leistung einstufen, dass ich den Absprung vom Alkohol geschafft habe. Öfter sagen es mir Bekannte und im Umgang mit mir verhalten sich viele respektvoll, viele Leute, die mich früher mieden, ist heute ein Gespräch mit mir oder der Kontakt angenehm. Gespräch und Kontakte zu den vier Herren von damals, die mir den Korn unterjubeln wollten, unterhalte ich allerdings nicht.                        

  35.KW.2001

Ich  hatte eine arbeitsreiche Woche, mein Arbeitskollege kommt mir immer weiter entgegen. Ohne dass ich gefragt hatte, bot er mir an montags erst mittags zu arbeiten, im ganzen Markt ist man nett zu mir, es scheint, dass man mit meiner Arbeit zufrieden ist. Auch das man mir den Urlaub genehmigte, der mir ja eigentlich noch gar nicht zustünde, ist ein Zeichen von ihrer Zufriedenheit mit meiner Arbeit. Mit Alkohol habe ich keine Probleme gehabt.

In drei Wochen geht’s nach Kreta, ich freue mich darauf.

36.KW.2001

Mir –uns geht es gut. Es gibt nichts zu schreiben.

37.KW.2001

Jetzt geht es, glaube ich, niemanden mehr gut, es gibt viel zu schreiben. Angesichts dessen was in den USA geschehen ist, hält die Welt den Atem an. Vieles was man sich vorher überlegte und was einem wichtig erschien, ist nun so nichtig und klein. Ich fühle in der Sache nur Hilflosigkeit und Ohmacht. Jetzt beneide ich Menschen, die auf Grund ihrer Einfältigkeit  sich keine oder wenig Gedanken machen und einfach meinen, es gehe sie nichts an, weil das Geschehen ja so weit weg ist. Aber auch die sogenannten klugen Köpfe müssen ihre Machtlosigkeit mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen. Möge Gott uns schützen und uns richtige Wege zeigen. Ich glaube, es werden viele Menschen begreifen, dass wir schwach und zerbrechlich sind und sich an Gott und sein Wort erinnern. Es ist auch jetzt in der Partnerschaft wichtig zusammen zuhalten und auf den Partner zu achten, wenn Angst und Sorgen ihn (sie ) überwältigen, um ihn (sie ) nötigenfalls aufzurichten. Im Bezug auf mein Alkoholproblem sehe ich positive Fortschritte, ich glaube ziemlich stabil zu sein.

Meine Anmerkung heute    Montag, 23. September 2002

Damals glaubte ich, die USA würde alleine um ihrer Position als Weltmacht Nr.1 gerecht zu werden, mit allen ihnen zu Verfügung stehenden Mitteln, auf  brutalster Weise den Gegner und sein Volk ausrotten. Auch heute glaube ich ist noch nichts ausgestanden, der Missmut und das Vertrauen entwickeln sich auch in den USA bei den Bürgern negativ. Alleine die Tatsache, dass die USA in den Konflikten mit dem Irak und jetzt auch noch von den Terroristen  gedemütigt und verhöhnt werden und würden, setzt die USA immer mehr unter Erfolgszwang. Ich glaube auch die momentane Vorgehensweise gegen den Irak ist von einem gewissen Erfolgszwang  geprägt, wenn man schon keine richtigen Erfolge gegen die Verantwortlichen des 11. September vorweisen kann, müssen wenigstens, des Ansehens zuliebe, Erfolge gegen den Irak vorgewiesen werden.

38.K.W.2001

Ich bin immer noch trocken. Meine körperliche und psychische Verfassung ist sehr gut. Es gelingt mir immer besser ohne Alkohol zu leben und mich zu beschäftigen.

Die Welt ist immer noch in Aufregung und Angst, wegen eines bevorstehenden Krieges. Einige Politiker versuchen den Menschen glaubhaft zu machen, dass man dem Terrorismus bei kommen könne, ohne unschuldiges Blut zu vergießen. Jeder der zwei und zwei zusammen zählen kann weiß, dass dieses realitätsfremd ist. Meine Hoffnung ist, dass einige Politiker, die mit bestimmen einen emotionsfreien Kopf  bewahren  und den Einsatz von chemischen und atomaren Waffen verhindern. Wenn berichtet wird, dass Sympathisanten festgenommen wurden oder man Drahtzier des Terrorismus kenne, so dient dieses nur, die Bevölkerung zu beruhigen. Ich glaube, dass man es nie schaffen wird Terrorismus gänzlich zu vernichten, weil diese Seuche im Menschen selber seinen Nährboden hat. Leider wird man häufig um einen Terroristen unschädlich zu machen, dass Risiko eingehen müssen, andere Menschen zu gefährden. Dieses ist meine persönliche Meinung und ich hoffe Unrecht zu haben.

Meine Anmerkung heute  Montag, 23. September 2002 

Heute über ein Jahr nach dem schrecklichen Attentat von New York ist der Terroristenring noch lange nicht gesprengt und die vereinzelten Festnahmen bestenfalls als kleine Erfolge zu bezeichnen.  Morde und Verbrechen, die aus fanatischer Überzeugung oder religiöser Überzeugung  oder aus Hass der Gesellschaft gegenüber ausgeübt wurden, gab es schon immer.

Heute nennt man das Terrorismus. Ich schrieb, dass die Seuche Terrorismus seinen Nährboden im Menschen selber hat, Ich glaube tatsächlich, dass diese Unverhältnismäßigkeiten, diese Radikalität, dieser Wahn und die Selbstwertüberschätzung im menschlichen Naturel zu finden sind.           

41.KW.2001

In den letzten zwei Wochen habe ich keine Eintragung in dieses Buch vorgenommen, da ich im Urlaub war. Am Tag, an dem unser Urlaub zu Ende war, hat der Krieg begonnen, schon auf dem Bahnhof wurden die erlebten Urlaubsfreuden mit den Sorgen des Krieges und den eventuellen Konsequenzen, soweit man sie ich vorstellen kann, gemischt.

Unser Urlaub war wunderschön, wir waren unbeschwert und glücklich, es passte einfach alles, was nicht zuletzt mit meiner Abstinenz zu tun hatte. Ich war immer fit, unbeschwert, lustig und bestens gelaunt. Meine Frau und ich wurden für die Aufwendungen, die wir im Kampf gegen meinen Alkoholismus betrieben haben, großzügig belohnt.

Meine Angst gegen meine Sucht im Urlaub besonders kämpfen zu müssen, erwies sich als unberechtigt. Jetzt hat uns der Alltag wieder, wir sind aber gut drauf und ich glaube immer mehr den sich lohnenden Kampf gegen den Alkohol zu gewinnen.

Meine Frau kämpft gegen das Rauchen.

Meine Anmerkung heute    Dienstag, 24. September 2002

Es war der erste Urlaub nach meiner Therapie. Einerseits freute ich mich auf den Urlaub, andererseits hatte ich auch einen Riesenrespekt und dachte, du musst immer auf einen Rückfall vorbereitet sein. Tage vorher überlegte ich schon was in diesem Urlaub anders als in den früheren Urlauben sein würde. Es war klar, dass ich keinen Alkohol trinken dürfte und wollte, also überlegte ich, wann und wo mir der Verzicht auf  mein Suchtmittel am schwersten fallen würde. Im Flugzeug trank ich früher mindestens vier Longdrinks und dort gibt es vier Stunden kein Ausweichen, auch wenn andere Alkohol trinken. Also dachte ich, ich werde ich viel Lesen, Kaffe trinken, Wasser trinken und naschen, damit ich so wenig wie möglich merke, dass mir etwas fehlt. Auf dem Hin- und Rückflug blieben die erwarteten Probleme aus.

Beim Essen pflegte ich früher einen guten kühlen Wein zu trinken, kannte aber nur die Alternative Wasser, auch dieses machte mir nichts aus. Des Abends an der Poolbar hatte ich mich früher immer richtig betrunken. Dieses Mal gingen wir des Abends meistens spazieren und wenn wir an der Bar waren verwöhnte ich mich mit leckerem Eis und Naschen. Obwohl es unser vierter Aufenthalt auf Kreta war, sind wir noch nie so weit auf der Insel umhergefahren wie dieses Mal. So wie diesen Urlaub stellt man sich eigentlich Flitterwochen vor. Nach dem Urlaub hatte ich das Gefühl, meiner Frau ein bisschen von der Schuld, die ich während meiner schlimmen Saufzeit auf mich geladen hatte, zurückgezahlt zu haben. Den Gewichtsverlust, den ich durch meinen verbissenen Kampf gegen den Alkohol hatte, habe ich in diesem Urlaub auch wieder wettgemacht.

Die Ereignisse des 11.September hatten wir im Urlaub bewusst verdrängt. Als wir im Hauptbahnhof von Düsseldorf umsteigen mussten, sahen wir, dass sich große Menschenmengen vor einer Leinwand versammelten, um die Ansprache vom Amerikanischen Präsidenten zu verfolgen. Wir waren wieder zurück im realen und ernsten Leben.

42.K.W.2001 

In meinem Job habe ich immer 10 lockere Tage und 10 stressige Tage nacheinander, die letzten waren Stress und das merke ich auch.

Ich habe meine Einstellung zu meiner Krankheit geändert. Bis jetzt war ich der Meinung, ich schaffe es trocken zu bleiben oder ich saufe mich kaputt. Als ich dieses Frau Sch… erzählte, meinte sie, ich würde mit anderen Krankheiten doch auch nicht so umgehen. Nachdem ich Nächte darüber grübelte, verstand ich auch, was ich schon öfter gehört hatte, dass Rückfälle zur Krankheit Alkoholismus gehören. Ich entschloss mich mir fest vorzunehmen, dass wenn mir ein Rückfall passieren sollte, ich professionelle Hilfe in Anspruch nehme und anschließend weiter an meinem Vorhaben, ein trockenes Leben zu führen, arbeiten werde.

Immer wenn man in den Medien liest, hört, oder sieht wird man an die USA oder Afghanistan erinnert, ich stelle bei mir fest, dass ich den Krieg immer beiläufiger verfolge, als ob ich mich an die Besorgnis und Angst gewöhnt hätte.

Im Kampf gegen den Alkohol bin ich immer noch auf der Siegerstraße. Gerade war ich in mehreren Gaststätten, ich trank immer ein Getränk und ging gelangweilt zur nächsten. Die Kneipengänger haben wohl immer die gleichen Themen, die mir zum Hals heraus hängen. Im Moment fühle ich mich gelangweilt, früher ging ich in solchen Situationen saufen und genau dieses werde ich jetzt nicht tun. Es ist vielleicht immer noch gewöhnungsbedürftig Lehrlaufzeiten ohne den Suff  zu überbrücken, aber ich werde es schaffen.

Meine Anmerkung heute  Dienstag, 24. September 2002 

Dieses Gespräch mit der Therapeutin Frau Sch…  brachte eines der wichtigsten Erkenntnisse überhaupt. Wenn ich ständig mit der Angst vor einem Rückfall leben müsste, könnte ich wohl kaum das Ziel der zufriedenen Abstinenz erreichen. Was nicht heißt, dass man leichtsinnig werden darf. Bei unserem nächsten Einzelgespräch vergewisserte Frau Sch… sich noch, ob ich einen Rückfall eingeplant hatte. Bei späteren Gruppengesprächen stellte ich fest, dass auch andere so dachten wie ich vorher. Heute glaube ich auch, dass diese Erkenntnis zum richtigen Zeitpunkt kam. Wäre ich früher darauf gekommen, als ich noch nicht so gefestigt war, hätte ich vielleicht gedacht, dass ich mir einen Rückfall ruhig mal leisten könnte. Frau Sch… hatte mir die Sache ganz clever beigebracht, sie redete sich den Mund nicht fusselig, oder sagte meine Einstellung sei falsch, sondern gab mir den Denkanstoß. Als ich meine Meinung geändert hatte, sagte sie, jetzt haben sie die richtige Akzeptanz zu ihrer Krankheit.

Es steht mir nicht zu, über Leute (Kneipengänger) zu urteilen oder sie zu titulieren, weil ich selber über Jahre zu ihnen gehörte. Es fällt mir heute aber trotzdem auf, dass an den Theken häufig die gleichen Themen besprochen werden und die Meinungen sich sehr ähnlich sind. Besonders fällt mir auf, dass man häufig Menschen in Gruppen einsortiert und allgemein aburteilt. Zu einer Gruppe gehöre ich auch. Die Alkoholiker !

43.KW.2001

Es wird immer einfacher ohne Alkohol zu leben, Ich denke es ist einfach so, dass der Lebensabschnitt mit Alkohol beendet ist. Obwohl es ein großer Lebensabschnitt war.

In meinem Job fühle ich mich eigentlich unterfordert und es ist mir alles scheiß egal.

Es ist an der Zeit andere Ziele zu verfolgen, mir fallen nur keine ein, dennoch kann ich mit meiner Situation im Vergleich zu anderen, die ähnliche Wege wie ich gegangen sind, zufrieden sein und es kommen bestimmt auch andere Zeiten, in denen das Stimmungsbarometer besser steht.

Meine Anmerkung heute   Dienstag, 24. September 2002

Ich glaubte damals, dass ich die schwerste Zeit auf dem Weg zur zufriedenen Abstinenz hinter mir hatte und es war auch so. Die Therapeuten waren immer sehr vorsichtig mit Prognosen in Bezug auf den Stand der Patienten. Ich persönlich wollte auch nicht sagen, ich bin über den Berg. Weil ich schon manchmal Dinge während der Therapie und danach falsch eingeschätzt hatte. Außerdem waren die Gefühlsschwankungen oft zu hoch, nach dem Motto, Himmelhoch jauchzend -  zu Tode betrübt. Das ist glaube ich bei vielen Alkoholikern so!     

44.KW. 2001

In dieser Woche hatte ich ein Einzelgespräch im Camillus mit Frau Sch…. In diesem Gespräch, erwähnte ich, dass es mir immer sehr nahe geht, wenn ich höre, dass jemand einen Rückfall hatte. Auf einmal sagte Frau Sch…,,aber sie haben es geschafft“. Diese Aussage bedeutete mir unglaublich viel, der Tag wurde zum schönsten Tag, seit ich trocken war. Auf dem Weg nach Hause, konnte ich nur langsam fahren, weil meine Sicht durch Freudentränen beeinträchtigt war. Am nächsten Tag machte ich die Dame an der Pforte der Klinik verrückt, weil ich so lange anrief, bis man mich mit Frau Sch… verbinden konnte. Der Grund war nur, dass ich ihr noch mal sagen wollte, wie groß die Freude bei mir über diese Aussage war. Ich schätze die Dame am Telefon, die mich immer wieder versuchte zu verbinden, dachte da hat  wieder einer einen Rückfall gebaut.

Gleich werde ich ein Gespräch mit einer nahestehenden Person über das Alkoholproblem dieser Person haben und hoffe, sie zu Maßnahmen zu überzeugen. Ich werde zugeben, dass ich auch Hilfe in Anspruch nehmen musste, um langfristig trocken zu bleiben und das Alkoholismus eine Krankheit ist. Eine Krankheit die zum Tode führt. Weiter versuche ich ihr zu erklären, dass sie in einer Klinik wie das Camillus  als ganz normaler Patient mit einer Krankheit behandelt wird und nicht als Abschaum der Menschheit angesehen wird. Ich werde versuchen, dass die Person ein Vorgespräch mit einem Therapeuten bekommt. Des Weiteren hoffe ich, dass sie an meiner Ernsthaftigkeit in Sachen Alkoholismus merkt, wie wichtig es ist etwas gegen diese Krankheit zu tun. Ich hatte der Person dieses Gespräch nicht aufgezwungen, sondern sie hatte mich über meine Frau gebeten, mich mit ihr darüber zu unterhalten.  

Meine Anmerkung heute    Dienstag, 24. September 2002

Heute ist mir klar, warum die Therapeuten mit Prognosen sehr vorsichtig sind, weil die Rückfallquote so hoch ist. Es war für mich umso schöner von einer Therapeutin, Diplompsychologin, zu hören ,,Aber sie haben es geschafft.“  Ich glaube nur wer so einen Weg wie ich gegangen ist, kann verstehen, was dieser Satz für mich bedeutet hat. Hätte man vor mir auf einem Tisch zwei Schachteln gelegt, die  rechte gefüllt mit 10.000 DM, die linke mit dem Satz, „aber sie haben es geschafft“, und dann gesagt, ich kann mich für eine entscheiden, ohne zu zögern hätte ich mich für die linke Schachtel entschieden. Die Aussage von Frau Sch… kam auch nicht, weil ich versuchte sie da hin zu bewegen, sondern aus ihrer vollen Überzeugung. Selbst heute bin ich noch gerührt, wenn ich an diesen Tag denke. 

45.KW.2001

Die von mir erwähnte nahestehende Person ist seit einer Woche trocken. Sie versucht es alleine mit Medikamenten zu schaffen. Ich für meine Person glaube nicht, dass ich so lange trocken geblieben wäre, wenn ich nicht die erforderliche Unterstützung bekommen hätte. Ich versuche ihr die Dinge, die ich in meiner Therapie lernte und für wichtig halte, zu erklären, wie z. B. Reden, sich belohnen, ein bisschen stolz auf sich zu sein, wenn man etwas länger trocken ist und wahrzunehmen, wie die Lebensqualität sich steigert. Ich glaube trotz alledem nicht, dass man es ohne professionelle Hilfe schafft. Diese Erkenntnis habe ich aber auch erst erlangt, nachdem ich selber mit meinen Alleingängen gescheitert bin. Wenn der Versuch meiner bekanten Person ebenfalls scheitert und sie dann entsprechende Hilfe annimmt, ist es wohl der typische Krankheitsverlauf. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn die Person es schaffen würde. Die Möglichkeit  sich in eine Fachklinik zu begeben, hat die Person ja immer noch.

Meine Anmerkung heute Mittwoch, 25. September 2002

Die von mir beschriebene Person hat es geschafft ihren Alkoholkonsum zu verringern und man sieht es ihr auch an. Nach eigenen Angaben trinkt sie noch gelegentlich und dann keine hochprozentigen Sachen mehr.

Seit einiger Zeit gibt es den Begriff „Kontrolliertes Trinken“. In der Bildzeitung vom 22.09.2002 steht ein Bericht darüber, dazu möchte ich einige Anmerkungen machen:

Eine  Frage von Bild: Für wen ist kontrolliertes Trinken geeignet?

Antwort: Für Menschen, die zuviel trinken, aber nicht ohne Alkohol leben wollen oder können. Eine weitere Frage: Für wen ist diese Therapie ungeeignet?

Antwort: Für schwerst Alkoholkranke und für Menschen die nach dem ersten Glas die Kontrolle über ihre Trinkmenge verlieren.        

Es sollte jeder für sich entscheiden, ob er Alkoholiker ist oder nicht, nur wenn von Menschen die Rede ist, die ohne Alkohol nicht leben können, sind diese sicherlich schwerst alkoholkrank. Eigentlich redet man dann über die eine Selbstkontrolle der eigenen Ohnmacht.

An so etwas glaube ich nicht. Trotzdem hat dieser Artikel nach meiner Meinung auch eine gute Seite, und zwar diese: Jeder Alkoholiker kann sich daran erinnern, wie schwer man sich damit im Anfang tut zu sagen, ich bin Alkoholiker, wenn man jetzt diese Tatsache umgeht, könnte der eine oder der andere eher gewillt sein, sich überhaupt mit einem Alkoholproblem auseinander zu setzen.

Ich wusste bis ich den Artikel gelesen hatte nicht, dass jeder fünfte Erwachsene –zehn Mio. Menschen-  Risiko-Trinker ist. Ich wusste wohl, dass jährlich 40.000 Menschen in Deutschland an Alkoholmissbrauch und dessen Folgen sterben. Unter Berücksichtigung dieser Zahlen, kann man wohl kaum noch von Randgruppen oder Minderheiten reden, wenn man von Leuten mit Alkoholproblemen spricht.             

46.KW.2001

In der letzten Woche hatte ich Kreislaufprobleme und habe mich eine Woche krankschreiben lassen. Meine Arbeit ist mir nicht so wichtig, dass ich meine Gesundheit für sie gefährden würde. Manchmal, wenn ich Beklemmungen in der Brust hatte, dachte ich, dass mir ein bisschen Alkohol helfen würde, dachte aber sofort, eher würde ich verrecken.

Jetzt muss ich dauerhaft Tabletten einnehmen, scheinbar muss ich meinem Lebenswandel der Vergangenheit doch ein bisschen Tribut zollen, andererseits geht es vielen Leuten, obwohl sie nicht gesoffen haben, schlechter als mir. Hin und wieder denke ich noch an Alkohol, dass ist laut Herr L… ganz normal. Gewackelt oder gezweifelt an meiner Absicht abstinent leben zu wollen, habe ich keinen Moment.

Meine Anmerkung heute   Mittwoch, 25. September 2002

Die Tabletten, die ich für den Kreislauf dauerhaft nehmen sollte, habe ich einfach wieder abgesetzt und es geht auch ohne. Das ich medikamentenabhängig werden könnte ist höchst unwahrscheinlich, weil ich, sobald es mir etwas besser geht, auf die Einnahme verzichte oder sie vergesse. Der Gedanke an Alkohol, weil ich Brustbeklemmungen hatte, ist, wenn man ganz kritisch hin schaut, noch ein bisschen ein Zeichen von geistiger Abhängigkeit.

47.KW.2001

In meinen Gedanken habe ich in diesem Jahr viel in meiner Vergangenheit gewühlt und bin häufig zu der Feststellung gekommen,  dass ich zu großen Teilen an meiner Erkrankung selbst Schuld habe. Jetzt habe ich meine Krankheit akzeptiert und versuche richtig mit ihr umzugehen, dass heißt zu sagen, ich bin alkoholkrank, Punkt.

Ohne weil…  oder Selbstvorwürfe. Jetzt gehen meine Gedanken nach vorne und nicht nach hinten, dass heißt, an eine glücklichen Zukunft mit meiner Frau und ohne Alkohol zu schmieden. Gemessen an den Problemen anderer Alkoholiker habe ich die besten Vorraussetzungen für eine gute Zukunft und dieses Glück werde ich nicht mit Füssen treten.

Meine Anmerkung heute  25. September 2002 

Ich gebe niemandem die Schuld an meiner Alkoholkrankheit, aber mir selber auch nur im geringen Maße. Gäbe es ein von Sachverständigen durchgeführtes  Beweissicherungsverfahren, glaube ich nicht, dass mich eine hohe Schuldzuweisung träfe. Im Übrigen fragt man bei anderweitig erkrankten Menschen ja auch nicht nach dem Schuldanteil. Nur bei Suchtkrankheiten, die ja in den Augen der Gesellschaft mit Charakterschwäche   zu tun haben, wird dann gesagt: ist er oder sie ja selber schuld, hätte er oder sie nicht so viel gesoffen, wäre er oder sie heute nicht krank. Auch solche Äußerungen sind oft in Kneipen von trinkenden Leuten zu hören.

48.KW.2001

In dieser Woche habe ich meine Arbeitszeit auf künftig 28 Stunden heruntersetzen lassen, dieses haben wir immer im Auge gehabt. Jetzt werden wir beide nur noch montags und dienstags  sowie donnerstags und freitags arbeiten. Wir werden mehr Zeit für einander haben und viele Dinge ruhiger angehen lassen. Unsere Situation in zwei Wohnungen und zwei Orten zu leben ist ohne Zweifel interessant, aber auch mit einigen Mühen verbunden.

Mit dem freien Mittwoch werde ich auch die anderen Tage bewältigen, in einem Job der mir nicht gerade Spaß macht. Im Übrigen gehe ich davon aus, dass nicht alles Spaß machen kann und ich muss auch mal etwas aushalten, bin aber sonst mit meinem Leben zufrieden.

49.K.W.2001

Die letzte Woche war nicht einfach für mich! In drei Nächten habe ich nur sieben Stunden geschlafen, weil ich ständig über irgendwelche Dinge gegrübelt habe. Eigenartigerweise gab es gar keine Probleme, außer in meinem blöden Job, den ich sowieso nicht für voll nehme. Als ich in der vierten Nacht wieder nicht einschlafen konnte und am Ende meiner Kraft war, habe ich entgegen den Vereinbarungen mit meiner Therapiestelle eine Schlaftablette genommen und am nächsten Abend noch eine halbe. Jetzt habe ich überlegt, ob ich die Sache mit der Tablette bei Frau Sch… sage oder nicht, habe mich aber für Ehrlichkeit und Offenheit entschlossen, da ich glaube, dass eine Therapie nur fruchtet, wenn man mit offenen Karten spielt.

Außerdem glaube ich, dass in mir zwar ein riesiges Suchtpotenzial steckt, ich aber im Bereich von Medikamentenabhängigkeit  aufgrund der Tatsache, dass ich sie meide, nicht gefährdet bin. Ich hatte auch ziemliche Gliederschmerzen. Manchmal habe ich in den letzten elf  Monaten gedacht, dass ich trocken gesundheitsanfälliger bin als zurzeit, als ich noch trank. In Wirklichkeit ist es nur so, dass mir mein Schmerzmittel Alkohol fehlt und das wird so bleiben.

Im Übrigen gehört es nach meiner Meinung zum Leben gewisse Empfindsamkeiten auszuhalten.    

Meine Anmerkung heute Mittwoch, 25. September 2002

Unruhe, Schlaflosigkeit und Nervosität hatte ich in der ersten Zeit nach meiner Therapie häufig. Früher in der Zeit, in der ich noch trank, sind viele Dinge erst gar nicht an mich heran gekommen oder ich habe sie unbewusst nicht wahrgenommen. Zu lernen, sich wieder mit allem auseinander zu setzen und ohne Alkohol zu verarbeiten braucht Zeit.

52.K.W.2001

Wir haben das Weihnachtsfest hinter uns, es war sehr ruhig, wir haben bestens gegessen und den Sohn meiner Nichte habe ich auch zum ersten Mal gesehen, ein leckerer Drops! Am Ende eines Jahres soll man Bilanz ziehen.  

Meine Anmerkung heute    25. September 2002

Das ich das Weihnachtsfest trocken überstand und ich auch vorher keine Angst davor hatte lag daran, dass ich die beiden Weihnachtsfeste vorher auch trocken war. Es war Zufall, dass ich beide Male zum Ende eines Jahres meine Trockenphasen hatte. Es war sehr schön für mich den zwei Monate alten Sohn meiner Nichte zu sehen.

Die Bilanz, die ich erstellte, hatte zum ersten Mal nichts mit Zahlen zu tun, sondern mit meinen Alkoholproblemen, meiner Therapie und meiner persönlichen Entwicklung im Jahr 2001. Der letzte Satz dieser Bilanz lautete: Ich muss die Bilanz 2001 als positiv bewerten. In dieser Bilanz habe ich die einzelnen Monate noch einmal nach dem Tagebuch nachvollzogen. Da ich mein Tagebuch hier vorstellte, wiederhole ich die Bilanz jetzt nicht.

01.KW.2002 

Die Feiertage sind vorbei und ich bin trocken ins Jahr 2002 gekommen. Heute habe ich auf der Straße einen Bekannten getroffen, eine ehemals gut und kräftig aussehende Person, mit guten beruflichen Perspektiven. Heute ein Wrack, in Begleitung einer ebenso heruntergekommenen Frau. Zuerst habe ich mich erschreckt, Ekel und Abneigung kamen in mir auf, andererseits Mitleid. Dann wurde mir klar, dass ich noch vor einem Jahr mit solchen Leuten bestens befreundet war und ich im gleichen Zustand mich mit ihnen im Suff stundenlang unterhielt. Nur hatte ich immer eine Frau die ordentlich, intelligent und liebend war, die mein totales Abrutschen mit stoppte.  Einmal mehr wurde mir klar, dass ich nie wieder in den Alkoholismus zurückfallen darf und will. Angesichts dieses Bildes des Bekannten, kann ich verstehen, wenn mich früher manche Leute lieber von hinten als von vorne sahen.   

Meine Anmerkung heute    Donnerstag, 26. September 2002

Es geht mir auch heute noch so, dass ich, wenn ich stark Betrunkene oder Leute die durch den Alkohol abgerutscht sind sehe, als erstes denke, was wäre aus dir geworden? Die Antwort, die ich mir dann gebe, ist : du würdest nicht mehr leben! Es wäre mir so ergangen, wie ich es in meinem Abschiedsbrief an den Alkohol beschrieb.

02.K.W.2002

In der Gruppentherapie haben wir über den Unterschied von Trockenheit und Abstinenz gesprochen, nach meinem Verständnis liegt der Unterschied darin, dass man während der Trockenheit im Kopf noch gegen den Alkohol kämpfen muss, bei einem abstinenten Leben hingegen der Alkohol keinen gedanklichen Platz mehr hat. Würde ich an Hand einer Skala, die von 0 gleich Trockenheit bis 100 gleich Abstinenz geht, mich einschätzen, dann würde ich zwischen 80 -90 liegen. Ich weiß aber auch, dass Selbsteinschätzungen bei suchtkranken Menschen oft falsch sind.

Zum Frühschoppen war ich in einem Lokal, wo ich wusste Bekannte zu treffen, sie tranken Bier! Am Samstag hatten sie auf einem Geburtstag gesoffen, Freitag war kegeln, was an den anderen Tagen war, wusste ich auch ohne es erzählt zu bekommen, sie brauchten mir auch nicht zu sagen, dass sie keine Alkoholprobleme haben. Bei der Verabschiedung sagte einer, komm doch Samstag mal vorbei, richtig einen Trinken. Obwohl diese Bekannten nicht zu einer niveaulosen Gesellschaft gehören, fühlte ich mich doch als Fremdkörper zwischen ihnen. Es ist einerseits ein bisschen bedauerlich, aber andererseits gut so. Mir ist klar, dass ich meinen Weg in Richtung Abstinenz weiter verfolge.

Meine Anmerkung heute 26. September 2002

Der Unterschied zwischen Trockenheit und Abstinenz war schon richtig beschrieben, es geht im Wesentlichen um die psychische Abhängigkeit, die bei jedem verschieden lange andauert. Ich kenne vom Erzählen her einen Fall, da ist Jemand zehn Jahre trocken gewesen und hat dann angekündigt, dass er zum Tage seiner Pensionierung einen mittrinken wird und hat es auch gemacht. Diese Person ist zehn Jahre Trocken gewesen, aber hat nie ein abstinentes Leben geführt, weil er immer noch geistig abhängig war und sich zehn Jahre beherrscht hat.

Ich glaube, ich würde heute weder bei Freude noch bei Leid Alkohol einsetzen, trotzdem bleibe ich auch heute noch vorsichtig, die Vorsicht schränkt mich allerdings nicht in meiner Lebensfreude ein.

03.KW.2002

Ich bin ein Jahr trocken, deshalb sind wir mit vier Personen Essen gewesen, es war erste Klasse.

Die Person von der ich schrieb, dass sie auch Alkoholprobleme hat, war dabei und trank Bier und Wein, keine harten Sachen wie Schnaps oder Weinbrand. Sie glaubt, dass so beihalten zu können. Ich habe ihr nicht widersprochen, weil ich befürchtete, überheblich zu wirken. Alkoholismus ist eine Krankheit, die zum Tode führt, wenn sie aber noch 10 bis 15 Jahre mit dem auf und ab der Krankheit lebt, hat sie mehr als das Durchschnittsalter erreicht. Ihr war aber anzusehen, dass der Verzicht auf harte Sachen gut tat.

Außer das, dass alte Ehepaar B…. eine Grippe hat, geht es uns gut. Suchtprobleme hatte ich keine, auch nicht das Gefühl gedanklich abhängig zu sein.

In der Gruppe sprachen wir über den gesellschaftlichen Rückzug und über Vereinsamung trockener Alkoholiker. Dieses ist bei mir nicht so schlimm, wie bei vielen anderen Betroffenen, dennoch komme ich nicht klar, mich mit Leuten zu unterhalten, wenn sie besoffen sind und ziehe mich dann auch zurück. Dieses hängt aber glaube ich nicht mit meinem Alkoholproblem zusammen, sondern es ist grundsätzlich unangenehm als Nüchterner zwischen Besoffenen zu sein und sich den Stuss anzuhören.

Meine Anmerkung heute   Donnerstag, 26. September 2002

In einer Therapie wird sehr viel von Zielen gesprochen. Ich glaube, jeder kann sich vorstellen, dass während dieser Zeit ein Ziel ist, ein Jahr trocken zu sein. Ich persönlich bewertete das Erreichen dieses Zieles höher als beispielsweise meinen Geburtstag. Deshalb feierte ich ihn auch entsprechend, für mich ohne Alkohol. Jeder Alkoholiker, der dieses Ziel erreicht hat, sollte den ihn nahestehenden Menschen sagen, wie wichtig dieser Tag für ihn ist und es ruhig  mit seinen Lieben feiern.

Viele Alkoholiker haben ein Problem damit, dass sie meinen zu vereinsamen. Wenn sie sich in ihrer vertrauten Umgebung begeben, sind sie unter Alkohol trinkenden Menschen und selber gefährdet Wenn sie ihre Bekannten meiden, sind sie alleine. Ich bin von Anfang an weiter zu Feiern, zum Skat, in Gaststätten und vielen anderen Dingen gegangen. Heute gehe ich zu vielen Dingen nicht mehr, dass liegt daran, dass sich meine Interessen und somit auch mein Umgang geändert hat. Ich möchte aber jeden, bei dem die Wunden des Alkohols noch frisch sind warnen.

Dieser Weg ist außerordentlich gefährlich, aber für mich war er wohl der Richtige. Wenn ich mich anfänglich in solchen Situationen begab, hatte ich mir immer ein Argument zu recht gelegt, dass ich angeben würde, wenn ich mich plötzlich  zurückziehen würde. Während der Zeit als ich noch trank und es mir schlecht ging, sagt ich immer, ich habe Kreislaufschwierigkeiten, da mir dieses einige auch glaubten, hatte ich mir diesen Spruch auch zu recht gelegt, für den Fall, dass ich Saufdruck oder andere Probleme in der Öffentlichkeit bekommen +++++++++++++++++++++++würde.     

 04.KW.2002

Ich hatte die letzte Einzeltherapiestunde bei Frau Sch… hinter mir, sie verabschiedete sich von mir mit besten Wünschen und sagte, sie sind austherapiert, weiter sagte sie, sie glaube, dass ich meine erworbene Trockenheit – Abstinenz  nicht leichtfertig aufs Spiel setzen würde.

Am Freitag hatte ich noch ein Abschlussgespräch  mit Herrn Dr. K…, das eigentlich auch gut verlief. Ich selber glaube auch genügend gerüstet zu sein, für ein glückliches abstinentes Leben. Jetzt wird sich heraus stellen, ob der Patient auch ohne Krücken gut läuft. Zurzeit fühle ich mich wohl und mir fehlt nichts, schon gar kein Alkohol.  

Meine Anmerkung heute  Donnerstag, 26. September 2002 

Es ist schon schön, wenn man von der Therapeutin gesagt bekommt: sie sind austherapiert, Fast so schön wie der Satz: aber sie haben es geschafft.

Bei Herrn Dr. K…  sagte ich bei der Verabschiedung, ich denke, dass ich auf meinem Klavier 

Lieder komponieren kann und niemand - einschließlich mir -  selbst wird noch merken, dass ich eine Taste weniger benutzen kann.

Ich werde jetzt auch nicht mehr weiter aus meinem Tagebuch berichten, weil ich glaube, dass es den meisten Sinn macht, die Dinge und die Anmerkungen mit einem gewissen Abstand noch einmal zu betrachten. Einige Dinge, die ich erlebte und mich bewegten und was ich dazu dachte, werde ich noch mitteilen :

Nach meiner Therapie hatte ich immer noch einen Gewichtsverlust, der mir Sorge bereitete, weil ich im Verhältnis zu meiner Größe ohnehin zu leicht bin. Deshalb entschloss ich mich dazu mich komplett durchchecken zu lassen. Als die Ärzte nichts Negatives feststellten, wurde vermutet, dass ich Asbestose haben könnte und man machte eine Tomografie. Als ich dann ca. eine Stunde auf das Ergebnis warten musste, überlegte ich mir, was ich machen würde, wenn der Befund positiv wäre. Der erste Gedanke war, dass ich nicht in eine Kneipe gehe und mich nicht besaufen werde. Der zweite Gedanke war, dass ich die mir dann noch zur Verfügung  stehende Zeit mit meiner Frau so intensiv wie möglich nutzen werde. Der dritte Gedanke war, wenn in meinem Leben durch meine Suchtkrankheit schon nicht alles richtig war, dann werde ich wenigstens in Würde sterben.

Einmal musste ich einen Notarzt konsultieren, sein Verdacht war, dass ich einen Herzinfarkt

erlitten hätte. Da dieser Arzt mich von früher kannte, fragte er drei Mal ob ich Alkohol getrunken hätte und ging dann noch zu meiner Frau in den Warteraum und meinte, er vermute, dass ich Alkohol getrunken habe. Als sich herausstellte, dass ich keinen Herzinfarkt hatte, habe ich ihn spüren lassen, dass er ein Arschloch in meinen Augen war und er nahm das Wort

Alkohol nicht mehr in den Mund. Hier konnte ich mal wieder sehen, wie es um die Lobby von Alkoholikern steht. Wer in seinem Leben immer gesoffen hat, dem glaubt man nie und wenn er auch nicht mehr säuft und die Wahrheit spricht.

Es gab aber auch viele schöne Dinge während der Zeit in der ich keinen Alkohol mehr trinke, wie z.B. wir haben unsere ganze Wohnung renoviert und zwar ohne Protest meinerseits, sondern es hat Spaß gemacht. Ich habe im Alter von 46 Jahren mir meinen lange geträumten  Traum erfüllt und den Führerschein für ein Motorrad gemacht, ein Motorrad haben wir anschließend auch gekauft, mit dem ich bereits in 10 Wochen über 10.000 Kilometer gefahren bin. Dann habe ich noch einen Computerkurs mitgemacht, zwei  Mal waren wir in dieser Zeit im Urlaub auf Kreta, jetzt schreibe ich dieses Buch. Vereinsamt oder vergrämt bin ich nicht.

Was wäre, wenn ich weiter getrunken hätte und was wäre heute nicht so? Ich hätte die Wohnung nie renoviert, weil ich gar nicht in der körperlichen Lage dazu gewesen wäre.

Ich hätte auch keinen Motorradführerschein gemacht, weil man in Fahrschulen nicht trinkt, hätte ich gesagt, ich habe keine Lust  in meinem Alter mit Jugendlichen die Schulbank zu drücken. Ein Motorrad hätten wir auch nicht gekauft und folglich auch nicht die schönen Touren gemacht. Die Urlaube wären für meine Frau eine Katastrophe gewesen, weil sie Angst gehabt hätte,  ohne mich, aber dafür mit meinem Totenschein zurück zukommen. Mein geistiger Zustand hätte nicht zugelassen, dass ich auch nur eine Seite am Computer geschrieben hätte.

Schlusswort

Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich mir noch nicht ganz im Klaren, ob ich das hier Geschriebene veröffentlichen werde. Sollte ich dieses Buch veröffentlichen und einige Leute aus meinem Umfeld erkennen, dass es sich hier um meine Person handelt, werde ich auch dazu stehen.

Ich glaube, dass jeder, der dieses Buch liest, begreift, dass mein Weg ein schwerer und steiniger Weg war. Ich glaube aber auch, dass jeder, der dieses Buch gelesen hat, begreift, was ich meine, wenn ich von meiner zufriedenen Abstinenz rede. Ich kann nur jedem sagen, dass es sich lohnt, einen solchen Weg zu gehen.

Das meine Frau heute nicht mehr an meiner Seite leidet, sondern glücklich ist und sich wohl fühlt, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen.

Obwohl ich weiß, dass Alkoholismus eine chronische Krankheit ist, die immer noch mal ausbrechen kann, bin ich mir sicher, dass ich nie mehr so tief fallen werde, wie ich mal gefallen bin. Wenn ich mit diesem Buch einem oder mehreren alkoholkranken Menschen gezeigt habe, dass ein Licht am Ende des Tunnels ist und er oder sie ihre Chance nutzen, dann habe ich erreicht, was ich erreichen wollte. 
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Zuletzt aktualisiert am: 19.05.2017




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