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Bunt ausgesucht

In dieser Rubrik veröffentlichen wir Geschichten und Gedichte von unseren Besuchern. Vielleicht haben auch Sie ein paar Zeilen geschrieben, an denen Sie andere Menschen teilhaben lassen möchten. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail und hängen Ihr geschriebenes Werk mit dran - unsere Besucher und wir freuen sich schon darauf.
Veröffentlichung jederzeit unter Pseudonym möglich -
* Name auf Wunsch geändert.

Hier mein Abschied an den Alkohol!, eingesandt von Tristan Bamberger:

Abschied

Nun ist es soweit Servus zu sagen. Du warst mir ein treuer Begleiter seit nunmehr 35 Jahren. Anfangs musste ich mich noch an Dich gewöhnen. Mein Körper hat sich gewehrt, doch ich habe Ihn nach und nach von Dir überzeugt. Schöne Stunden haben wir miteinander verbracht rauschende Feste gefeiert, oft tagelang. Auch in einsamen Stunden warst Du stets für mich da, mit Deiner Wärme und Deinen Farben. Es war immer verlass auf Dich und Deine Treue. Feierabend – Dieses Wort wird durch dich erst richtig schön.

Doch von nun an gehen wir getrennt Wege. Hatte unsere Beziehung von Anfang an nicht auch etwas Einseitiges? Ich habe dich gebraucht, nicht Du mich. Du hast mich nie vor Dir gewarnt, vor Deiner Verlogenheit. Kommst in schönen Gläsern daher und Karaffen. Kann etwas schlecht sein, was in schönen Gläsern serviert wird? Genuss? Ja das hast Du mir vorgegaukelt. Genuss bis zum Absturz. Geh Du weiter Deinen Weg durch Kneipen, Sterne Restaurants, Bahnhöfe, Parkbänke, Büros, Lehrerzimmer, Küchen, Wohnzimmer. Doch von nun an ohne mich.

Es wird nicht leicht, da mache ich mir nichts vor. Zu lange und zu intensiv war unsere Beziehung. Es wird ein Kampf mit ungleichen Waffen. Zu präsent, zu gesellschaftlich akzeptiert bist Du. Stigmatisiert sind jene, die mit Dir nicht umgehen können. Man rümpft die Nase über uns und sagt mit vorgehaltener Hand „Der hat ein Alkoholproblem“ und prostet sich zu „Wie gut dass wir das im Griff haben“. Dann lachst Du mit, über uns und unser tägliches anstemmen gegen Deine Macht „Ich will heute nüchtern bleiben“.

Dein Triumph ist unser Untergang. Und du lässt Dir Zeit – Der schnelle Tod, der Genickschuss ist nicht Deine Sache. Langsam führt der Weg hinab. Langsam nimmst Du Besitz von Gehirn und Organ. Oft merken Deine Opfer erst was los ist, wenn es zu spät ist.

Soll ich mich am Ende bei Dir bedanken. Für die Depression, die Filmrisse, die unechten Gefühle und Emotionen, die verkaterten Vormittage, den Bierbauch?

Nein – Am Ende bleibt mein Stolz, meine Selbstachtung die Du mir noch nicht genommen hast, nicht nehmen kannst und nicht nehmen wirst.

So kann ich am Ende Dir nur eines entgegenschreien: “Hau ab, verschwinde aus meinem Leben und lass dich nie wieder blicken“




Charly Chaplin - Selbstliebe, eingesandt von Jürgen Schwebke:

Das folgende Gedicht hat Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag (am 16. April 1959) geschrieben. Ich lege es Euch ans Herz.

Als ich mich wirklich
... selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich , das nennt man
"Authentisch-Sein".

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
wie sehr es jemanden beschämt,
ihm meine Wünsche aufzuzwingen,
obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif,
noch der Mensch dazu bereit war,
auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß, das nennt man
"Selbstachtung".

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen,
und konnte sehen, dass alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man
"Reife".

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist
-- von da konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt sich
"Selbstachtung".

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte
für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das,
was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe
und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise
und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man
"Ehrlichkeit".

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das "gesunden Egoismus",
aber heute weiß ich, das ist "Selbstliebe".

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt,
das nennt man "Einfach-Sein".

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner,
diese Verbindung nenne ich heute
"Herzensweisheit".

Wir brauchen uns nicht weiter
vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen
manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.

Heute weiß ich,
das ist das Leben!



Interview, eingesandt von Jürgen Schwebke:

Interview

Ich nehme mir das Leben, solange ich noch am Leben bin

Mit Jürgen Heckel, Alkoholiker, über 24 Jahre trocken, Suchtberater, Buchautor, Kommunikationstrainer und Diplom-Bibliothekar, der von sich hofft, auf dem Weg zur Nüchternheit zu sein, sprach Hans-Jürgen Schwebke über Trinker in der Arbeitswelt.

Herr Heckel, wie funktionierten Sie als Trinker in der Arbeitswelt?
Dreißig Jahre war ich Gefangener eines alkoholischen Systems. Alle meine Interessen, alle meine Begabungen, alle meine menschlichen Eigenschaften wurden dem Suchtsystem untergeordnet. Zug um Zug brach ich meine nicht alkoholischen Außenbeziehungen ab. Eines Tages waren infolgedessen dann auch meine kommunikativen Fähigkeiten erloschen. Jeglicher Zugang zu mir selbst war verbaut - auch der Zugang zu den Kolleginnen und Kollegen. Denn wer zu sich selbst keinen Kontakt mehr findet, findet ihn auch nicht zu seinem Umfeld.

Somit vereinsamt der Trinker zunehmend, er wird isoliert und isoliert sich selbst. Wie haben Sie diesen Zustand erlebt?
Die "Erfahrung dieses Abgetrenntseins erregt Angst", schrieb Erich Fromm. Ich halte "Abgetrenntsein" für die Quelle aller Ängste, denn losgetrennt bedeutet, abgeschnitten zu sein. Im gleichen Zusammenhang wies Erich Fromm darauf hin, dass "Abgetrenntsein Scham und Schuldgefühle produziert". Das entspricht meinen Erfahrungen. Ich war nicht nur ständig voller Alkohol. Ich war immer auch voller Scham. Scham ist eine der grundlegendsten Dynamiken aller Süchte. Scham verursacht Sucht und Scham entsteht aus Sucht. Dieser Prozess zerstörte meinen menschlichen Kern: Verlust der Selbstachtung, Isolation und Einsamkeit, denn Kommunikation ist nicht nur Mittel, sondern auch Selbstzweck. Wer nicht trinkt verdurstet, wer nicht isst verhungert, wer nicht kommuniziert verdorrt. Gleichzeitig schwindet auch im Arbeitsprozess das Bewusstsein für Ethik und Moral.

Das Gefährlichste am Alkohol ist, dass sich die Sucht für den Betroffenen unbemerkt einschleicht.
Je abhängiger ein Mensch wird, desto weniger kann er seine Lage realisieren. Dieser Wahrnehmungsdefekt ersparte mir in meiner beruflichen Tätigkeit einen sofortigen Zusammenbruch und eröffnete der Sucht ungehinderte Entfaltung. Im Endstadium erkannte mein ganzes Umfeld die Abhängigkeit, nur ich als Betroffener selbst realisierte es nicht.
Das Paradox: Weil im Endstadion das ganze Leben von der Krankheit Alkoholismus geprägt ist, kann der Betroffene die Krankheit nicht mehr wahrnehmen. Ein Selbsterkennen der Krankheit ist nicht mehr möglich. Ich wurde von einem alkoholischen Denkmodell beherrscht und verlor die Fähigkeit, mich selber wahrzunehmen und zu kritisieren. Ich wurde blind für die eigenen Defizite. Ständig hatte ich ein schlechtes Gewissen.

Konnte Ihnen Ihr Arbeitsumfeld nicht helfen? War es nicht möglich, wirklich im positivsten Sinne einzugreifen?
Rückmeldungen aus dem Kollegenkreis ließ ich nicht zu und Aufklärung war nicht möglich. Rationalen Argumenten ist ein Betroffener nicht zugänglich. Ein Betroffener verbraucht ungeheure Energien, um vor sich selbst und anderen zu verbergen, dass er dem Alkohol gegenüber machtlos ist. Es sind sinnlos verpulverte Energien, die ihm zur Lebensgestaltung schmerzlich fehlen. Der Alkoholiker verharmlost, verdrängt, verzerrt. Das Leugnen der Krankheit ist ein Teil der Krankheit. Lügen stehen im Zentrum des süchtigen Denkens. Alkoholiker sind Meister der Halbwahrheiten und entwickeln sich im Laufe der Jahre zu genialen Lügnern, denen es gelingt, sich selbst und ihr Umfeld über die wahre Lage zu täuschen. Hätte ich auch nur eine Lüge aus dem Gebäude herausgenommen, das ganze Kartenhaus wäre zusammengebrochen. Jede Lüge zog eine weitere Lüge nach sich, eines Tages fehlte mir dann die Anschlusslüge.

Wie haben Sie diese Defizite und Scham in Ihrer beruflichen Tätigkeit auszugleichen versucht?
Zeitweise habe ich mich im Arbeitsprozess auch ausnutzen lassen. Eilfertig war ich stets bereit, Extraaufgaben zu übernehmen. Ich war Meister im Erkennen, was anderen gefällt. Sich um meine eigenen Bedürfnisse zu kümmern, fiel mir ausgesprochen schwer. "Nicht verzagen, Jürgen fragen" war mein Motto. Mein Glaubenssatz: Mir geht es schlecht, wem kann ich helfen. Es war keine uneigennützige Hilfe, sondern "Gutscheinesammeln", wie ich es nenne. Diese "Gutscheine" habe ich dann in "Krisenzeiten" bei den Kolleginnen und Kollegen eingeklagt.

Was taten die Kolleginnen und Kollegen um Sie herum? Wird nicht sehr lange weggeschaut?
Wo ein Abhängiger ist, da ist auch ein krankes Umfeld. Alkoholiker können so stark sein, dass selbst ein gesundes Umfeld in Richtung Suchtsystembestätigung gedrängt wird. Wir Süchtigen beeinflussen unser Umfeld auf äußerst wirksame Weise. Nicht nur Familienmitglieder, auch Kolleginnen und Kollegen gehen häufig eine Symbiose mit einem Alkoholiker ein. Sie tragen das alkoholische Lügengebäude mit und übernehmen auch für hoffnungslose Fälle die Verantwortung. Sie ermöglichen es dem Alkoholiker, seine Sucht aufrecht zu halten. Ihre Verhaltensweisen sind in unserer Gesellschaft hochgeschätzt. Sie sind häufig der Inbegriff der liebenden, sich hingebenden und kümmernden Person. Obwohl sie aufrichtig helfen wollen, schaden sie den Abhängigen. Immer hoffen sie auf Besserung, doch nie wird es besser, sondern immer schlimmer. Alkoholische Systeme verlangen von allen Beteiligten, die in dem System leben, alkoholische Denkmuster und Verhaltensweisen. Sie werden dafür, je nach Verhalten, entweder belohnt oder bestraft. Wer in diesem Beziehungsnetz lebt oder damit in Berührung kommt, infiziert sich.

Alkoholiker infizieren andere in ihrem Umfeld?
In Co-Abhängigen Gruppen kursiert folgende kleine Geschichte: " Eine Frau küsste einen Frosch. Sie hoffte, er werde sich in einen Prinzen verwandeln. Das tat er nicht. Sie verwandelte sich auch in einen Frosch." Im Laufe der Zeit entwickeln sich bei der infizierten Person dieselben Muster wie beim Süchtigen. Alkoholiker sind daher nicht nur im eigenen Wachstum gehemmt, sie blockieren auch das Wachstum anderer Menschen. Es kommt zu einer wechselseitigen Blockierung von Entwicklungschancen. Alkoholiker und Co-Abhängige gehen in diesem Netz eine Symbiose ein.Einer ist von dem anderen abhängig.

  • Jeder braucht und missbraucht den anderen.
  • Jeder glaubt die Lügen des anderen.
  • Jeder liebt und hasst den anderen.
  • Jeder zieht den anderen weiter nach unten.
Von einem gewissen Zeitpunkt an gibt es in diesem System keine Schuldigen und Unschuldigen mehr. Alle sind beteiligt. Alle übernehmen bestimmte Rollen, um das Gleichgewicht im System zu erhalten. Alle leiden, aber alle "profitieren" auch davon. Ein Suchtsystem ohne "Mitwirkende" würde austrocknen.

Wie wirkt sich das auf das Betriebsklima aus?
Es hat große Auswirkungen. Alkoholiker sind kräftezerrend im Umgang. Sie sind darüber hinaus begabte Manipulatoren. Mühelos halten sie ganze Kompanien auf Trab. Es gelingt ihnen immer wieder, auch dort Rücksichtnahme, Mitleid und persönliche Anteilnahme zu erzeugen, wo es nicht angebracht ist. Kolleginnen und Kollegen müssen höllisch aufpassen, dass sie sich nicht einspannen lassen und zu Komplizen werden.

Offen über Alkoholprobleme zu reden ist so schwierig. Wie kommt das?
Viele Jahre haben wir weggeschaut, wir sind dafür mitverantwortlich, dass es so weit gekommen ist. Es fehlt der entsprechende Mut. Wir wissen zu wenig über das Krankheitsbild Alkoholismus. Wir sind unsicher, ob der Betroffene wirklich abhängig ist.
Wir halten Verständnis und Toleranz fälschlicherweise für Hilfe. Der Grundsatz der Suchthilfe "Hilfe durch Nichthilfe" ist uns fremd. Die Erreichbarkeit von Alkoholkranken liegt jenseits der Ebene des logischen Argumentierens. Man kennt nur nasse Alkoholiker. Erfahrungsaustausch mit langfristig Genesenden findet kaum statt. Vor einer Fortbildungsveranstaltung über Alkoholismus haben wir uns gedrückt.
Es gehört Zivilcourage dazu, eine Kollegin oder einen Kollegen ruhig und bestimmt auf den Umgang mit Alkohol anzusprechen. Für die meisten Menschen ist das ungewohnt, es gehört zu den unangenehmsten und schwierigsten Dingen. Die Betroffenen üben ungeheuren Druck aus. Deshalb gilt die goldene Regel: Niemals allein diese Gespräche führen - sondern immer zu zweit.

Aus Ihren Äußerungen ergibt sich, dass häufig Alkoholiker am Arbeitsplatz von Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen auch ausgenutzt werden.
Ja. Weil sie trinken, haben sie permanent ein schlechtes Gewissen und leisten weitaus mehr, als man ihnen abverlangen dürfte. Über einen sehr langen Zeitraum - obwohl ständig unter "Strom" - sind sie fleißige Mitarbeiter. Eilfertig sind sie bereit, Überstunden zu machen und Extraarbeiten zu erledigen. Sie werden oft schamlos ausgenutzt. Kommt die Krankheit offen zum Ausbruch, ist die fristlose Kündigung nur noch eine Frage der Zeit.

Und wie verhalten sich Vorgesetzte und Führungskräfte?
In der Regel nicht sehr viel anders als die anderen. Auch sie sind häufig beklagenswert uninformiert über Süchte. Auch Führungskräfte neigen dazu, Alkoholismus im Betrieb zu tabuisieren. Auch sie drücken sich gern vor Fortbildungsveranstaltungen. In der Regel wird viel zu lange gewartet, um offen mit einem Mitarbeiter über Sucht zu reden. Wenn in einem Betrieb der Verdacht auf Alkoholmissbrauch geäußert wird, ist es meistens schon sehr spät. Immer wieder habe ich in Beratungsfällen gehofft, dass der Klient vielleicht doch nicht abhängig ist. Ich hoffte, dass seine Kolleginnen oder Kollegen sich irrten. Bedauerlicherweise war das in all den Jahren nicht ein einziges Mal der Fall.

Was kann ein Gespräch ausgerechnet im Betrieb beim Abhängigen bewirken?
Der Arbeitsplatz ist der geeignetste Ort, einen Abhängigen konstruktiv unter Druck zu setzen mit dem Ziel, ihm Veränderungschancen zu eröffnen. Es ist der wirksamste Ort, es gibt keinen besseren. Um weitertrinken zu können, ist ein Alkoholiker bereit, alles aufzugeben: seine Ersparnisse, seine Familie, seinen Freundeskreis, alles lässt er fallen, an seinen Arbeitsplatz klammert er sich. Hier kommt den Führungskräften eine besondere Verantwortung zu. Betriebsvereinbarungen helfen ihnen dabei. Als Betroffener plädiere ich ausdrücklich für Suchtvereinbarungen, wo Führungskräfte und Betriebs- und Personalräte zusammenarbeiten. Sie sind dann wirksam, wenn sie für alle gelten. Das größte Problem bei Betriebsvereinbarungen: Nach "unten" werden Führungskräfte aktiv, bei sich "oben" schweigen sie weiter. Diese Ungerechtigkeit zerstört die Glaubwürdigkeit jeder Vereinbarung. Wo immer es möglich ist, sollten Führungskräfte dafür sorgen, dass in die Suchtberatung auch Familienmitglieder mit einbezogen werden.

Was ist die "richtige" Hilfe? Was benötigt der oder die Betroffene für den "Ausstieg"? Welcher betrieblichen Unterstützungen bedarf es?
Den Sumpf aus Leugnen, Vertuschen und Schweigen trocken zu legen, ist aus meiner Sicht die Hauptaufgabe betrieblicher Suchthilfe. Das ist das Wichtigste, was getan werden muss: Das Thema enttabuisieren, darüber sprechen, es nicht mehr leugnen, es nicht mehr vertuschen, es nicht mehr totschweigen. Tabuisiert wird, dass in den Betrieben und Verwaltungen - quer durch alle Etagen - gesoffen wird. In der Regel wird nur verdeckt darüber gesprochen. Offiziell gibt es so etwas gar nicht. Doch Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzte wissen meistens genau, wer in ihrem Betrieb dem Alkohol verfallen ist. Sie decken den Betroffenen, oft genug in bester Absicht.
Wir sollten uns immer wieder ins Bewusstsein holen, dass es sich bei Alkoholismus um eine tödliche Krankheit handelt, es glaubt nur kaum einer, weil es in der Regel Jahrzehnte dauert, bis der Tod eintritt. Hier liegt die Verantwortung bei allen Betriebsmitgliedern. Alle haben einen kleinen Anteil an der "Suchtkarriere" der Kolleginnen und Kollegen. Auch die, die gar nichts tun. Wir sind auch verantwortlich für unser Nichthandeln. Enttabuisierung ist nicht von Mehrheitsentscheidungen oder Betriebsvereinbarungen abhängig, jeder kann damit anfangen. Heute!

Was hat der Betrieb davon, sich dem Thema Sucht zu stellen?
Diese Form des Umgangs mit Süchtigen enthält große Chancen für jeden Betrieb, weit über die Suchtproblematik hinaus. Es würde nicht nur den Betroffenen helfen, sondern gleichzeitig zu einem deutlich verbesserten Arbeitsklima führen. Ich wundere mich schon seit vielen Jahren, dass sich professionelle Suchttherapeuten statt auf Einzelbehandlung nicht auf Betriebstherapie konzentrieren.

Welche Gefahren enthält die Suchtberatung?
Entscheidend ist, Chancen und Möglichkeiten der Suchtberatung realistisch einzuschätzen. Es kann gar nicht oft genug wiederholt werden: Grundlage jeder Suchthilfe ist Hilfe durch Nichthilfe. Niemals Unselbstständigkeit fördern, nichts für den Süchtigen erledigen, was er besser selber machen sollte. "Ich muss lernen, dass neben den Rauschmitteln du und ich als helfende Komplizen das größte Problem der Abhängigen sind. Weil wir sie nicht verstehen, schaden wir ihnen oft mehr als wir nützen, und das in allerbester Absicht", schreibt der bekannte amerikanische Suchtforscher Joseph Pursh. Dieses Zitat gehört meiner Ansicht nach in das Büro eines jeden Suchtberaters.
Nicht nur der Alkoholiker muss vor seiner Sucht kapitulieren, auch der Helfer. Es ist die Einsicht, niemanden trockenlegen zu können. Die Verantwortung für das Leben einer Kollegin oder eines Kollegen liegt nicht in unserer Hand. Wenn einer wirklich sterben will, kann niemand ihn daran hindern.

Was können trockene Alkoholiker im Beratungsprozess leisten?
Auch als Betroffener kann ich nicht sehr viel mehr tun, als ein trockenes Leben in zufriedener Nüchternheit vorleben. Ich kann ein Beispiel geben, dass es sich gewaltig lohnt, den Suchtkäfig zu verlassen. Sich das lebendige Leben nehmen ist die Alternative zur Sucht. Das ist die beste Hilfe, manchmal - in Stunden der Enttäuschung - glaube ich sogar, dass es die einzige Hilfe ist. Ich kann nur den Weg zu den Gruppen und professionellen Helfern aufzeigen. Was die Betroffenen daraus machen liegt nicht in meiner, sondern in ihrer Hand.

Wie begegnen Sie als Alkoholiker einem Menschen, von dem der Verdacht ausgeht, dass er Alkoholprobleme hat?
Oft werde ich von den Betroffenen gefragt: "Du bist doch Fachmann, du musst mir sagen ob ich Alkoholiker bin. Mein Chef behauptet es, meine Frau auch, ich zweifle..."
Dann antworte ich: "Ich kann es gar nicht wissen, das muss du selbst herausfinden, lieber Freund. Ein anderer kann es nicht für dich tun. Ich stempele niemanden zum Alkoholiker, das wäre eine Anmaßung."
Ich trete ihm weder mit falsch verstandener Toleranz noch mit Feindseligkeit gegenüber, sondern mit zwei Tugenden: Ich höre ihm aufmerksam und hilfreich zu und konfrontiere ihn mit meinem Verdacht. Ich akzeptiere den anderen so, wie er ist. Ich versuche erst gar nicht, ihn durchschauen zu wollen. Ich spioniere ihm nicht hinterher. Ich verzichte auf alle Kontrollversuche. Empathie bedeutet, in der Lage zu sein, sich in den anderen einzufühlen, aber auch sich selbst mit seinen Augen sehen zu können. Hilfreiches Zuhören ist ein großartiges Geschenk, das ich meinen Mitmenschen mache.

Empathie und Konfrontation - wie geht das zusammen?
Unter Konfrontation verstehe ich die Fähigkeit, mit kommunikativer Klarheit den eigenen Standpunkt zu vertreten. Ich sage dem Betroffenen: "Ich habe in letzter Zeit den Eindruck gewonnen, dass Du ein Problem mit Alkohol hast. Im Betrieb wird auch schon hinter deinem Rücken darüber geredet. Ich möchte heute offen darüber mit Dir sprechen. Ich weiß nicht, ob du Alkoholiker bist, das kannst nur du selbst herausfinden. Doch ab sofort werde ich dein Verhalten nicht länger tabuisieren. Selbst wenn alle anderen es weiterhin tun, ich nicht. Ich werde dich dem Chef gegenüber nicht mehr in Schutz nehmen. Auch deine Arbeit werde ich in Zukunft nicht mehr erledigen. Dafür bist du zuständig. Dass du Hilfe suchst, verlange ich von dir. Es gibt vielfältige Hilfen, psychosoziale Beratungsstellen, Suchtberatung, Selbsthilfegruppen, die du in Anspruch nehmen kannst. Sie helfen dir dabei herauszufinden, was mit dir los ist. Und sollte sich herausstellen, dass du Alkoholiker bist: Es ist keine Schande, ein Alkoholiker zu sein, es ist aber eine Schande, nichts dagegen zu unternehmen. Wenn du willst und du von dir aus auf mich zukommst, dann werde ich dir zu jeder Zeit dabei helfen. Ich habe es auch durchlebt, ich weiß, was so schrecklich wehtut."
Es ist doch so: Du hast zwei Möglichkeiten. Dir immer wieder, Tag für Tag, eine flüssige Kugel in den Kopf zu schießen oder du nimmst dir das Leben in all seiner Fülle. Das lebendige, erfüllte Leben ist die Alternative zur Sucht. Ich habe mich vor 24 Jahren fürs Leben entschieden, und ich nehme mir das Leben, solange ich noch am Leben bin.

Herr Heckel, vielen Dank für das Gespräch.

Hans-Jürgen Schwebke, trockener Alkoholiker, freier Journalist
juergenschwebke@arcor.de


Mein Weg, eingesandt von Thomas Michaelis:

Ich ging diese Straße lang und die Straße führte zu mir.
Die Worte, die Gedanken - sie sprachen nur zu mir.
Noch ein paar Schritte und dann fand ich den Schlüssel zu dieser Tür.

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht leicht wird er für mich sein, doch dieses Leben bietet noch so viel mehr.

Es war kein kleiner Augenblick, eine Weile war ich nicht da. Doch ich ging einen kleinen Schritt und dann wurde es mir klar - Diesen Weg kann nur ich alleine gehen. Doch es gibt Menschen, die mir zur Seite stehen.

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht leicht wird er für mich sein, doch dieses Leben bietet noch so viel mehr.

Vieles in meinem Leben und in mir ging kaputt Doch Gespräche mit anderen, denen es ging wie mir, machen Mut. Manche verachten dich, manche lieben dich, manche geben sich für dich auf. Leicht wird es nicht, doch gibt es auch Hilfe zu Hauf'.

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht leicht wird er für mich sein, doch dieses Leben bietet noch so viel mehr.

Manchmal scheint es leicht, und manchmal verzweifelst Du. Doch Rückschläge gehören leider manchmal dazu. Ein Stück bin ich nun gegangen - es war wirklich steinig und schwer. Doch zurück ins alte Leben will ich nicht mehr.

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht leicht wird er für mich sein, doch dieses Leben bietet noch so viel mehr.

Vieles muss ich über den Umgang mit mir und meiner Sucht noch lernen. Doch auch andere sind ihn gegangen - ich habe den Weg gesehen! Steinig ist er und schwer - aber ich will ihn gehen. Denn ich habe ihn wieder, den Traum von den Sternen!

Dieser Weg war kein leichter - nein, dieser Weg war steinig und schwer. Nicht leicht wird er weiter sein, doch dieses Leben bietet noch so viel mehr.

Dieser Weg … dieser Weg ist steinig und schwer. Nicht leicht wird er für mich sein, doch dieses Leben bedeutet mir wieder mehr. Dieser Weg.

 

Th. Michaelis (nach "Dieser Weg" von Xavier Naidoo)


Rückfallgrund?
eingesandt von Oparolf:


Im Oktober 2012

Kurz was zu meiner Person:

Ich bin 65 J. alt geworden und lebe nun ca. 24 j. ohne Alkohol, habe alle Höhen und Tiefen eines Alkoholikerlebens hinter mir. Ich glaube nicht, dass mir noch einer was vor machen kann. Im Dezember bin ich 45 J. verheiratet (mit der gleichen Frau), wir haben einen Sohn, der leider auch dem Alkohol verfallen ist (er will es nicht wissen)
Zum Jahreswechsel 1988 - 89 machte ich nach unzähligen Entgiftungen eine Langzeit (½ J.), um den richtigen Weg zu finden. Ich besuche keine Gruppe oder sonstiges (es gibt welche die schwören darauf), das soll jeder für sich entscheiden. Ich habe nur mein privates Umfeld "gesäubert" und die Fahnenträger entsorgt.
Nach der Therapie fand ich sofort wieder Arbeit als Bagger - Raupenfahrer. Da ich mich als Alki zu erkennen gab, dachte meine Chefin, sie hat einen "willigen" Arbeiter gefunden und es gab erst Überstunden nach der 45 Std., auch andere Sachen liefen falsch. So wurde mir gekündigt, da ich keinerlei Schuld hatte, musste sie mir Abfindung und entgangene Überstunden zahlen. Nebenbei gesagt, bin ich froh, im Rausch keinen Tod gefahren zu haben, denn mir wurde 3 x der "Lappen" entzogen, die Alkoholzeit hat eine Menge gekostet und hat mich auch anders krank gemacht. Lunge - Rücken usw. waren zerstört.
Die nächste Firma wusste auch von meinem trockenen Alkileben und dort ging ich 1996 nach 3 normalen Kuren mit 48 J. in Frührente. (recht früh für normal)
2007 im März stellte ich auch noch nach 45 J. das Rauchen ein.
Seit Juni 2008 besuche ich regelmäßig diesen Chat und habe einige kommen und gehen sehen, manche nur für Minuten, andere sind auch schon Jahre da. Anfangs war ich guter Dinge und wollte jeden auf den richtigen Weg bringen, denn ich hatte die Hürde Alkohol ja auch gemeistert. Aber mit der Zeit lernte ich, dass nicht jeder bereit war, die Hilfe anzunehmen oder konnte diese nicht umsetzen.
Heute bin ich so, dass ich meistens nur noch lese und mich im Hintergrund halte.

Nun das Rückfall - Thema:

Im Mai 2011 ging ich in die Uni - Klinik - Köln, da wurde mir nach 3 Prostata OP verkündet, dass sich dort unten ein Krebsherd befindet.
Das war wie ein Schlag in den Nacken.
Nach weiteren CT Röntgen vom Körper und Skelett stellten die Ärzte 3 weitere Krebsherde in der Lunge fest, der Lungenkrebs sei bösartig und könnte andere Organe befallen.
Vom Lungenkrebs sollten Proben genommen werden (CT gesteuerte Punktion); bei dieser OP ging etwas schief und ich kollabierte, Luftröhrenschnitt, Beatmungsgerät und 4 Wochen Intensivstation waren das Ergebnis (ich muss dabei sagen, mir fehlen einige Tage oder Wochen) nach 6 Wochen Klinik bin ich wieder zu Hause und alle Muskeln sind so schwach, dass ich nicht mehr richtig laufen kann, ich komme die Treppe nur mit größtem Kraftaufwand hoch.
Am 1. und 4.8.2011 folgen weitere Untersuchungen, weil meine Lunge zu schlecht für eine Vollnarkose ist. Die letzte Info die ich habe, der Lungenkrebs soll mit Laser behandelt werden.
Nach den Besprechungen wurde die Lungenoperation auf den 17.08.2011 gelegt und ich hatte am 16.08.2011 Aufnahme im Herzzentrum Uni-Klinik Köln. Drei Untersuchungen wurden noch am gleichen Tag gemacht, Bluttest auch. Am späten Nachmittag wurde mir gesagt, dass wegen einem Notfall meine OP auf den 18.08.2011 verschoben würde. Gut dachte ich, da hab ich das Wochenende zum erholen.
Wenig später sagte mir ein anderer Arzt, dass die OP nicht ausgeführt werden kann, weil meine Lungenwerte so schlecht sind ich solle noch Atemübungen machen. Klipp und klar sagte ich, dass ich sofort nach Hause fahre, falls die OP nicht stattfindet. Kurz darauf stand der Professor im Zimmer und stellte mir einige Fragen bezüglich meiner Leistung im Treppensteigen. Da ich Treppen vermeide, ging er mit mir zusammen ins Treppenhaus und wir gingen 2 Stockwerke runter und wieder rauf. Oben angekommen war ich fertig mit der Welt und hatte bestimmt einen Puls von 180. Aber diese Leistung überzeugte ihn, die OP durchzuführen.
Der Narkosearzt klärte mich vorher auf und ich würde eine Rückensonde kriegen (für die Schmerzen nach der OP) Über diese würde ständig ein Schmerzmittel gegeben. Die Wirkung war aber gleich Null.
Die OP verlief ohne Pannen und ich war nur eine Nacht auf der Intensiv.
Am 18.8.2011 war die OP, am 24.8.2011 wurde der Schlauch gezogen. Das war so wie ein Messer, das mehrmals zwischen den Rippen gedreht wird. Nach Luft anhalten war das aber ausgestanden.
Was blieb waren die Schmerzen, ich zweifelte schon an mir selbst und klingelte mehrmals am Tag nach Schmerzmittel, die ich auch bekam. Weil die Sonde nichts brachte, wurde die entfernt und ich kriegte Tabs, Tropfen und über die Vene ein Mittel.
Und alles habe ich ohne Alkohol bewältigt, auch wenn ich weiß, dass er betäubt und gut schlafen lässt, aber am anderen Tag ist alles beim alten.
Erst mein Hausarzt und auch der Lungenarzt machten dass anders. Sie setzten die Dosis der Tabs kurzfristig hoch und ich sollte sie später ausschleichen lassen. Die Hauptschmerzen kommen vom Rippenfell, das verklebt mit der Lunge und wenn sich das durch eine falsche Bewegung löst, heißt es nur noch Luft anhalten. Auch beim schlafen werde ich wach durch dieses Reißen im Brustkorb und frage mich, wann ist das vorbei?
Wir schreiben den 5.9.2011 und ich habe seit 19 Tagen Schmerzen, mal mehr mal weniger, es ist schon schwer, das alles zu bewältigen, auch weil es noch nicht ausgestanden ist.
Stand der Dinge ist, für die Prostata gibt es Hormonspritzen, die Lunge wird auf jeden Fall mit Chemo behandelt, dies wird am 6.9.2011 mit einem Onkologen besprochen. Die Besprechung mit dem Onkologen ergab, dass eine Chemo Therapie gemacht würde. Das hatte mir der Professor schon vor der OP gesagt.
Nach allen Berichten und Befunden wurde die erste Sitzung für den 19.09.2011 festgelegt, es waren immer zwei Sitzungen Chemo und zweimal Blutabnahme 14 Mal jeweils Montags. Die Chemo dauert von 8:00 Uhr bis gegen 13:00 Uhr, 1 x sogar bis 14:15, ganz schön lang. Die Medikamente wurden in einer Apotheke gemischt und in die Praxis gebracht wegen der Haltbarkeit, daher konnte es schon mal Wartezeit geben bis der Bote kam. Alles war in Flaschen und ging über eine Nadel direkt ins Blut, also den ganzen Morgen den Arm ruhig halten.
Einmal im Monat gab es eine Rechnung über die Zuzahlung, Gesamtkosten fast 400 €, die ich nun bei der AOK mit den anderen Kosten geltend mache, das sind auch wieder Wege, die ich machen muss, weil alles nur über Anträge läuft und der Hausarzt muss noch (welch ein Witz) bescheinigen, das ich "chronisch" Krank bin. (nach langem hin und her mit der AOK gab es eine Rückzahlung). Aber ist Lungenkrebs und COPD 4 chronisch Krank? Ich liebe meinen Humor.
Zur Chemo gab es Tropfen gegen Übelkeit, die musste ich in der Zeit 3 x nehmen.
Es waren fast immer die gleichen Leute da und man kam so ins Gespräch, bei manchen lief die Chemo schon über zwei Jahre und es war kein Ende in Sicht, dass macht schon etwas nachdenklich wie es mit einem selber weiter geht.
Die Blutentnahme ging schnell, da hatte ich einen Spielraum von 8:00 - 11:00 Uhr. Für den Transport hatte ich einen Taxischein, weil ich nach der Chemo nicht selber fahren durfte; in dieser Richtung lief mit der AOK alles recht gut. Ich fand einen Taxifahrer der mich vertragsgemäß zur Chemo und nach Hause fuhr, jeden Montag bis zum 19.12.2011. Das war der letzte Chemotermin, danach war Pause bis Mitte Januar (die Chemo sollte erst mal verarbeitet werden) 18.01.12 Termin zur Blutabnahme weil sich die Nierenwerte verschlechtert hatten und aus diesem Grund wurden die Medikamente geändert. Das wiederum schlug mir auf den Magen und ich musste die Tropfen nehmen.
Am 23.01.12 sollte eine CT der Lunge gemacht werden um zu sehen, ob die Chemo Erfolg hatte, da kam der 13.01.12 mit der Einweisung ins Krankenhaus wegen einer Lungenentzündung. Schon seit ca. 14 Tagen ging es mir richtig mies und die Luft wurde immer knapper, ich schob alles auf die Chemo (wer denkt an eine Lungenentzündung)?
Zwischendurch feierten wir beide gemütlich Weihnachten und Silvester, in der Hoffnung, dass mit der Chemo alles an Krebs beseitigt sei, es war ja auch ein Riesenteil bei der OP entfernt worden (ca. 5 cm, in etwa so groß wie ein Tennisball, nur nicht zum Spielen).
Ich hatte immer noch Schmerzen von der OP und ich nahm die Pillen auf Opiumbasis, alles andere half nicht. Nur die machten richtig dusselig im Kopf und ich konnte nicht aus dem Haus.
Jetzt zur Lungenentzündung, sofort ins Krankenhaus und an den Tropf mit Antibiotika, 39,9 Fieber, am anderen Morgen 36,7 (das verstehe wer will) am Abend kamen Herzschmerzen und Atemnot. EKG zeigte Herzrhytmusstörung an, Blutwerte deuteten auf einen Herzinfarkt, das bedeutete, sofort Intensiv (und auch hier meine Devise, alle Weißkittel werden von meiner Abstinenz informiert), bei einigen rief es echt Erstaunen auf, warum auch immer, aber alle gratulierten mir.
Der Infarkt war zum Glück ein falscher Alarm, aber trotzdem ging es mir schlecht und die Blutwerte waren ja auch da. Das wird nun weiter erforscht, am 15.2.2012 wird ein Stress Echo gemacht, weil ich Herzrhythmusstörung habe, meine Info ist, dabei wird ein Mittel gespritzt und das Herz per Ultraschall beobachtet, wie es auf den "Stress" reagiert, danach werde ich sicher neue Medikamente kriegen, die das abstellen sollen. Ich bin mal gespannt.
Einige Untersuchungen konnten auf Grund meiner schlechten Lunge nicht gemacht werden und dieses Stress Echo soll da etwas Klarheit bringen. Am 26.01.12 konnte ich nach Hause, aber seit dem brauche ich fast 24 Std. Sauerstoff, jede kleine Belastung ist zu viel, ich hoffe es gibt sich wieder, wird Zeit, dass Sommer kommt, damit ich Spazieren gehen kann, noch ist mir zu kalt (die Kälte schlägt auch sofort auf die Bronchien).
Zwischendurch war ich beim Orthopäden wegen dem re. Fuß, da wurde MRT angeordnet das ergab, 5. Lendenwirbel halber Vorfall, nicht zu operieren, 10 Massagen sollten helfen, war natürlich ein frommer Wunsch. So füllte sich aber mal wieder der Terminkalender.
Es war ein hin und her, Chemo, Blutabnahme, Massage, Röntgen, Hormonspritze, in der Uni-Klinik wurde mir ein Bauchdecken - Katheder in die Blase gelegt, damit ich den Restharn ablassen konnte, der musste auch alle 4 Wochen erneuert werden, das konnte aber der Urologe hier am Ort machen und ich hatte den Weg zur Uni nicht. Trotz allem musste ich im März 2012 noch mal an der Prostata operiert werden, weil die schon wieder größer geworden war, das heißt, wieder OP mit Rückenmark-spritze und paar Tage Bettruhe in der Uni-Klinik. Vorher hatte ich dieses Stressecho und anschließend die Herzkatheder Untersuchung, dabei stellte sich heraus, keine Herz - OP nötig.
Mai 2012 Lungenklinik Merheim wegen einer Atemtherapie, die Blutgaswerte sind zu hoch, das sollte 3-4 Tage dauern, es wurden 16. Dabei wurde mir ein Beatmungsgerät verordnet, mit dem muss ich schlafen. Alles nur Stress, weil die Maske nicht richtig passt. Es wurde eine neue bestellt, aber die will die AOK nicht zahlen, schon wieder Theater mit Einspruch einlegen, mittlerweile ist sie bewilligt, (nach gut 2 Monaten).
Irgendwann wurde mir die Pflegestufe 1 anerkannt, das war wenigstens ein Lichtblick im ganzen Wirrwarr.
Nach der Chemo wurde eine Lungen CT geplant (alle 1/4 Jahr) um zu sehen, ob der Krebs wieder wächst oder Metastasen bildet. Bisher ist alles im grünen Bereich. Die Hormonspritzen wirken auch richtig.

Mittlerweile ist Oktober 2012 und ich bin immer noch alkoholfrei.

Ich hoffe mit meinen Zeilen einige zum Nachdenken zu bringen, denn die Krankheiten, ob groß oder klein, werden nur kurzfristig verdrängt, im Nüchternen sind sie immer noch da und das Alkohol- Problem kommt noch dazu.

In diesem Sinne grüßt Oparolf


Lebenslauf, eingesandt von Carsten:

Mein Lebenslauf ist einer von vielen .........aber es ist meiner! und ich möchte ihn teilen.

Am 5. Februar 1969 bin ich in Lüneburg / Niedersachsen geboren. Meine Eltern sind die gelernte Krankenschwester Doris und der inzwischen verstorbene gelernte Tischler Herbert.
Mein älterer Bruder Jörg ist ebenso wie mein Vater in einem 50-Seelendorf in dem ich, dem Gefühl nach, die meiste Zeit meiner Kindheit bei meiner Großmutter verbracht habe, geboren.
Da mein Vater alkoholkrank war, was ich als junger Knirps nicht wirklich realisiert habe, trennte sich meine Mutter zum Wohle der Kinder von ihm.
( Meine schlimmste Erinnerung, mein Bruder und ich zogen meinem Vater, nachdem er betrunken in eine Glaslampe gefallen war, die Splitter aus dem Rücken.)
Wann sich meine Eltern haben scheiden lassen entzieht sich meiner Erinnerung für den Moment. Fest steht, es ist nach meiner Einschulung in die Grundschule Kaltenmoor (Stadtteil von Lüneburg) gewesen, denn ich erinnere mich daran, das meine Mutter mir sagte „ Papa kommt noch, um dich mit der Schultüte zu sehen, er kommt aus dem Nachtdienst.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Vater bereits umgeschult auf den Beruf des Krankenpflegers den er dann durch seine Abhängigkeit irgendwann verlor.
Aus den Jahren davor sind mir nur wenige Dinge noch bewusst.
Aus der Zeit in Kaltenmoor einem Stadtteil von Lüneburg etwa, was man heut zu Tage als Plattenbausiedlung bezeichnen würde:
Es gab dort einen Nachbarsjungen zu dem ich oft Kontakt hatte, und zum Spielen raus ging, die Situation, das mein Vater, für uns alle völlig überraschend plötzlich mit einem Dackel nach hause kam und meine Mutter total entsetzt sagte „bring doch gleich ein Kamel mit.“
Ich weiß, dass wir vor Kaltenmoor in einem 8- Parteien Mietshaus in der Gneisenaustrasse wohnten, wo mir mein damals bester Freund, wir waren wohl beide so 3 ½ Jahre alt, laut Erzählung meiner Mutter, mit einem Krocketschläger beim Spielen ein Loch in den Schädel gehauen hatte. Meine Mutter fuhr dann mit mir in einem Taxi ins Krankenhaus, da mein Vater noch zur Arbeit war und mehr oder weniger ging es wohl um Leben und Tod da ich sehr viel Blut verloren haben soll.
In der Gneisenaustrasse gab es einen Mieter, der sich immer darüber aufregte, wenn mein Bruder Jörg und ich zu laut spielten. Er schlug dann mit einem Besenstiel oder ähnliches an seine Decke und dann hieß es immer, „pssst Stichnote kommt.“ Na ja, wie anfangs erwähnt verbrachte ich viel Zeit bei meiner Großmutter in Mücklingen, wo ich auch den Großteil meiner damaligen Freunde hatte, bis die Schulzeit anfing und ich nur noch in den Ferien dorthin konnte.
Ich glaube, kurz vor Ende des 1. Halbjahres der 1. Klasse kam es zum Bruch bei meinen Eltern, denn im 2. Halbjahr ging ich zur Grundschule Hasenburg und wir Jungs sind mit unserer Mutter ins Schwesternheim vom Lüneburger Krankenhaus gezogen.
Mein Vater zog wieder in sein Elternhaus meiner Erinnerung nach, wobei aus dieser Zeit nur Bruchstücke in mir hängen geblieben sind.
So z.B. das ich nach der Schule direkt auf die Station meiner Mutter ging und dort Hausaufgaben machte und Mittagessen bekam, oder meine Mutter brachte Essen mit nach Hause, wo ich mit meinem Bruder dann schon wartete. An Freunde in der Zeit im Schwesternheim kann ich mich nicht erinnern, ein paar Klassenkameraden für den Schulweg, mehr aber nicht.

Dann kam eine Zeit, die für mich bis heute nicht nachvollziehbar ist.
Meine Mutter lernte einen neuen Mann kennen.
Nicht die Tatsache das sie ihn kennen lernte, sondern im Nachschauen die Schnelligkeit des Umzuges in eine neue Familie mit 3 neuen Brüdern, einer kranken Oma und die völlig neue Umgebung mit dem großen Haus und dem riesigen Grundstück ist es was es für mich nicht erklärbar macht.
Nun waren wir ein zusammengewürfelter Haufen mit zwei von alkoholkranken Partnern getrennten Eltern, 5 Brüder die sich lange Zeit nicht als solche sahen, denn ich meine, das es so war, dass ich meine Brüder erst am Tag des Umzuges kennen gelernt habe.
Da war Rainer 2 Jahre älter als ich, Bernd 4 Jahre älter und Jens, der 7 Jahre älter als ich war, - ein eingespieltes Team in dem Jörg und ich uns versuchen mussten zu integrieren.
Mein neuer Vater hieß nun Rudolf. Anfangs durfte ich ihn noch Rudi nennen aber das war irgendwann vorbei und er hörte einfach auf bei diesem Namen zu reagieren, also blieb mir nichts anderes übrig als Papa zu sagen ( widerwillig ).
Noch heute ist es so das ich ihn Vattern nenne wenn ich ihn anspreche, aber mittlerweile versteht er meine Unterscheidung: Vater und Stiefvater.
Es dauerte mehrere Wochen oder Monate bis sich auch unter uns Brüdern alles eingespielt hatte, aber eine gewisse Differenzierung der beiden Familien ist noch heute zu spüren.
Es gab Dinge die sich in der Familie abspielten die spotten jeder Beschreibung. So waren eines Tages z.B. 2 Löcher im Holz des Treppengeländers zu finden, wovon ich genau wusste das diese von einem meiner Brüder mit einer Luftpistole verursacht wurden, aber der „Schuldige“ musste unter Androhung von Polizei und Spurensicherung gesucht werden und so stellte ich mich dann, aus Angst als „Schuldiger“ zur Verfügung und gab zu die Löcher mit einem Schraubendreher ins Geländer gebohrt zu haben. Ein verbrannter Sessel ging ebenso auf mein Konto wie ein zerbrochener Spiegel im Badezimmer, wobei jeweils der Familienrat einberufen wurde und der Verursacher ( meine Wenigkeit ) ermittelt wurde. Nach diversen Einschüchterungen gab ich mich meist geschlagen, wohl wissend, nun Ärger für nicht begangene Fehler zu bekommen, aber „verpetzen“ wollte ich ja nun auch keinen, auch im Hinblick auf die Probleme mit meinen Brüdern die hätten folgen können.
Schulmäßig ging es ab der 2. Klasse auf der Grundschule Bardowick für mich weiter, wo ich auch bald neue Freunde kennen lernte, die zum Teil auch bis zum Ende der Schulzeit erhalten blieben. Man traf sich, bildete Cliquen und irgendwann lernte ich meine erste Freundin Nicole kennen.
Nach ca. einem Jahr der Freundschaft musste sie eine OP am Herzen über sich ergehen lassen die sie leider nicht überstand. Ich habe gelitten wie ein Hund wie man so sagt, aber meinen Eltern konnte ich mich damals nicht anvertrauen, da beide voll im Krankenhaus arbeiteten und bei meinen Brüdern brauchte ich nicht ankommen, weil diese „Liebe“ eh Kinderkram war und sie zudem mit sich selber beschäftigt waren. So hängte ich mich an meine Freunde, was sich später als Fehler herausstellte, da meine schulischen Leistungen mehr und mehr den Bach runter gingen. (Eintrag in einem Zeugnis: Carsten fertigt seine Hausaufgaben nur gelegentlich an und arbeitet sehr unkonzentriert ).
Das war für meinen Stiefvater scheinbar der Ausschlag gebende Punkt zu handeln.
Es hagelte Hausarreste, Repressalien in Form von Diktaten oder Matheaufgaben, die von meinen Brüdern diktiert oder gestellt wurden und mehrmals wiederholt werden mussten wenn, es nicht ordentlich genug aussah. War es nicht zufriedenstellend, gab es was an die Ohren, oder so Sprüche wie „Timotheus, Timotheus“, wobei dann am Haaransatz oder an den Ohren gezogen wurde.
Besser wurde dadurch natürlich nichts, eher habe ich mich noch mehr zurückgezogen, bin bei Freunden gewesen, habe angefangen zu rauchen mit ca.12 Jahren ( Protest? ) und fing mir dadurch weiteren Ärger ein, denn meine großen Brüder wurden sozusagen als Aufpasser abgestellt ( mit Vollzugsgewalt ). Wurde ich beim Rauchen erwischt, gab es einen „Schlach in Nacken“.
Aus meiner heutigen Sicht der Dinge waren meine Eltern schlicht überfordert, denn oft genug bekamen wir 5 Jungs in der oberen Etage mit, wie sich unsere Eltern heftigst stritten.
Am Schluss war es fast immer das gleiche; mein Stiefvater brüllte, meine Mutter weinte und die Türen flogen. Ruhe war erst wenn der Satz meines Stiefvaters „ Ich bin ja doch das größte A........ hier, du kannst auch gern mit deinen Kindern wieder ausziehen“ gefallen war. Das war dann meist der Punkt, wo dann jeder auf sein Zimmer ging und für sich selber hoffte, das der übrig gebliebene Frust nicht an ihm ausgelassen wurde was sich dann darin äußerte, dass nach der Ordnung im Kleiderschrank geschaut wurde, pauschal die Anzahl der Poster im Zimmer kritisiert und das Abreißen angeordnet wurde, zum wiederholten mal die Hausaufgaben nachgesehen wurden, wobei diverse Dinge zum verbessern gefunden wurden. Letztlich lief es darauf hinaus, dass kollektive Schelte verteilt wurde und jeder im Haus auf seine Art „geladen“ war.
Eine familiäre Aussprache danach gab es nicht.
Ich für meinen Teil reagierte mehr und mehr mit Widerworten und sturem „auf Durchzug stellen“ was wiederum den Zorn meines Stiefvaters noch mehr auf mich fixierte. Wobei noch festzuhalten wäre, dass Jörg und ich häufig mit NICHTACHTUNG verwöhnt wurden.
Mein leiblicher Vater hat in etwa zu dieser Zeit eine Entziehungskur hinter sich gebracht und wohnte nun in einer kleinen Mansardenwohnung in Lüneburg, wo ich ihn so oft ich konnte besucht habe, was mir auch nicht verwehrt wurde.
Die Entwöhnung hat allerdings nicht lange vorgehalten, denn es kam oft vor das mein Vater, selbst wenn er wusste das ich ihn besuchen komme, betrunken war, oder zumindest nach Alkohol roch.
Meine Großmutter besuchte ihn ebenso regelmäßig mindestens einmal in der Woche und meistens trafen wir uns dann dort. Diese Momente nutzte ich dann dazu, von „zu Hause“ zu erzählen.
Irgendwann in dieser Zeit lernte ich dann meine langjährige Freundin Manon kennen, ich meine das ich zu dem Zeitpunkt so Ende 13 und sie 11 Jahre alt war und ich im Rückblick bei ihr Halt und Hilfe gefunden habe, was ich nicht zuletzt auch ihrer Familie zu verdanken habe, denn dort wurde ich herzlich aufgenommen und ich konnte mich zeitweise bei Problemen zuhause dorthin zurückziehen und mit ihnen über manche Dinge sprechen. Allerdings sprach ich nicht, oder nur selten über meinen Vater, denn trotz seiner Alkoholabhängigkeit wollte ich nichts auf ihn kommen lassen. Eine Zeit lang hatte er sogar in Bardowick einen Arbeitsplatz gefunden, was mir ermöglichte ihn nach der Schule, während seiner Mittagspause kurz zu besuchen, aber irgendwann ging es wieder bergab und verlor durch seine Abhängigkeit auch diese Arbeitstelle. Dieser Umstand hat ihm denke ich, „das Genick gebrochen“ denn wenn ich ihn nun in seiner Wohnung besuchen kam, war er grundsätzlich betrunken, oder es kam auch vor das er mich gar nicht reinließ, bzw. die Klingel nicht hörte.
Am 14. April 1984 kam mir meine Mutter zur Bushaltestelle entgegen (ich machte zu der Zeit ein Berufsgrundbildungsjahr) und sagte mir, „ Junge etwas trauriges ist passiert, dein Vater ist heute morgen gestorben“. Ich weiß es noch, als ob es gestern war, : Meine erste Frage war, ! Welcher? Als sie mir sagte: „Dein Papa“, konnte ich nur ein „mmh“ rausbringen, ich habe nicht eine Träne vergossen.
Ich weiß heute nicht mehr, ob ich zu diesem Zeitpunkt anders reagiert hätte, aber insgeheim gehofft habe, dass sie mir etwas anderes sagt als „Dein Papa“. Den Tag der Beerdigung kann ich nicht mehr bestimmen, aber es müssen 4 oder 5 Tage dazwischen gelegen haben, in denen ich weiter zur Schule ging, mich aber auch zu meiner zwischenzeitlich neuen Freundin, Manon und ich hatten uns nach einem Jahr getrennt, zurückzog.
Auf der Fahrt zum Friedhof in Nahrendorf ca. 30 km von Lüneburg, aber nur 3 km von Mücklingen entfernt, war Schweigen meine Devise. Den Gang in die Kapelle habe ich wie ferngesteuert wahrgenommen, und geweint hatte ich bis dahin auch noch nicht, selbst die Trauerrede des Pastors ließ mich kalt. Was mich in dem Moment bewegte war, dass Manon „meine Ex“ auch da war.
Weder der Trauerzug zur Grabstätte, die letzten Worte des Pastors, die Blumen, noch die Schaufel voll Sand auf den Sarg regte in mir bis dahin eine Emotion, keine Träne, nichts!
Erst als die Schwester meiner Mutter, mich von Herzen in den Arm genommen hatte, ohne ein Wort zu sagen, brach ich zusammen bzw. konnte ich meiner Trauer endlich Ausdruck verleihen und freien Lauf lassen. Der Rest des Tages ist mir bis heute verborgen.
Meine nächsten Tage waren von Weinkrämpfen und „Ruhe haben wollen“ geprägt, womit meine Freundin auch nicht umgehen konnte und sich von mir trennte. War mir auch egal in dem Moment.
Ich brachte die letzten Monate meines Grundbildungsjahres zu Ende und machte dann die letzten großen Ferien vor der Lehre zum Kfz-Mechaniker bei meiner Großmutter in Mücklingen, wo ich mir 2 Wochen vor Lehrbeginn beim Skateboardfahren den linken Unterarm brach, was meinem damaligen Lehrmeister glücklicherweise nicht davon abhielt, mich einzustellen bzw. die Lehre beginnen zu lassen, das war im August 1985. Meine Ausbildungszeit brachte ich mit befriedigendem Ergebnis hinter mich. In dieser Zeit bin ich dann auch wieder mit Manon zusammengekommen und wir versuchten es wieder miteinander. Ihr Großvater war schwer an Krebs erkrankt, und sie half ihrer Großmutter und ihrer Mutter, wo sie nur konnte, und das belastete von Zeit zu Zeit unsere Beziehung doch sehr, so dass es ein ständiges auf und ab der Gefühle bei uns war. Wir trennten uns, kamen zusammen usw. bis wir uns 1987, den Monat weiß ich nicht mehr, verlobt haben und ich quasi mit meinen 7-Sachen aus Bardowick, bei ihren Eltern mit in ihr Zimmer zog. Sie begann eine Ausbildung zur Schneiderin und ich beendete meine zum Kfz .- Mechaniker. Da ich nach der Lehre nicht im Betrieb übernommen wurde, wusste ich nicht genau wie mein beruflicher Werdegang weitergehen sollte und half mir mit Jobs auf Tankstellen oder mit Lagertätigkeiten, sowie als Kurierdienst – und Bierfahrer bis zur Bundeswehrzeit weiter.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich bei meiner Freundin eine grundlose, krankhafte Eifersucht, die es mir nach heftigen, hysterischen Momenten, die immer häufiger wurden, unmöglich machten, eine harmonische Beziehung aufrecht zuhalten oder gar zu festigen. Im Januar oder Februar 1991 trennten wir uns endgültig voneinander, und ich zog wieder zu meinen „Eltern“ nach Bardowick.
Im April 1990 hatte ich meinen Bundeswehrdienst angetreten und wohnte zwischenzeitlich die meiste Zeit in der Kaserne. Endlich hatte ich etwas gefunden, worin ich voll aufgehen konnte und ich entschloss mich zu einer Verpflichtungszeit von erst mal 4 Jahren, auch vor dem Hintergrund, bei der Bundeswehr im zweiten Bildungsweg eine zukunftssichere Ausbildung zu machen (ich wollte Kaufmann werden). Diese wurde mir dann nach der Grundausbildung versagt, weil ich ja die Ausbildung zum Mechaniker hatte. Nach 3 Jahren in Lüneburg als Soldat wurde die Kaserne aufgrund der Truppenreduzierungen geschlossen. Ich ließ mich nach Fassberg bei Celle versetzen.
Kontakt mit Alkohol hatte ich bis dahin eher wenig, mal beim Skatabend Zuhause, einen Cola-Rum oder 2-3 Bier. Nie mehr als das. Mein erstes Bier „durfte“ ich mit 14 Jahren zu meiner Konfirmation trinken. Danach war, bis ich 16 Jahre alt war, Schluss. Dann war es nicht mehr verboten. Es kam danach keine Regelmäßigkeit auf, aber es wurde langsam häufiger.
Erst beim Bund wurde es dann auch von den Mengen mehr. Da brauchte ich aber noch keinen Pegel, das Betrunkensein war zu der Zeit noch eher aus Versehen.
Das erste Mal ist mir „mit ein paar Bier besser einschlafen zu können“ aufgefallen bei einem Auslandseinsatz in Afrika vom August bis November 1993. Dort gab es Bier aus sogenannten „Nato-Beständen“ zu Dumpingpreisen, und es wurden abends schon mal 6 – 7 0,33-Liter-Dosen, nach denen ich selbst bei den hohen Temperaturen gut schlafen konnte.
Zu der Zeit hatte ich meine jetzige Frau Heike schon kennen gelernt bzw. wir waren schon gut 1 ½ Jahre zusammen, genau gesagt seit dem 15. März 1992. Wir schmiedeten gemeinsame Pläne für die Zukunft, nur war mein Problem, dass ich sie dabei belogen habe, was ich ihr erst viel später (fast zu spät) offenbaren konnte. Ich hatte Schulden, durch unüberlegtes Geldausgeben. Autos-/Teile, Musikanlage usw. Insgesamt ca. 22.000,00 DM.
Trotzdem war Heike bereit, nach diesem Vertrauensmissbrauch weiter zu mir zu halten. Während der Zeit in Somalia bekamen wir über die Bundeswehr eine günstige 60 qm - Wohnung gestellt, die meine noch Verlobte und ihr Bruder fast im Alleingang renovierten. Nur die letzten kleinen Arbeiten brauchte ich nach meiner Rückkehr noch erledigen, wobei fast alles aus ihrer Tasche finanziert wurde, denn das Geld, welches ich für den Auslandseinsatz bekam, ging in voller Höhe für die Schulden drauf.
Mein Bierkonsum war so meine ich heute im Grenzbereich, wurde aber langsam mehr.
Im Winter gab es Grog, im Sommer halt Bier, noch aber ohne regelmäßigem Pegel, den hatte ich nach Somalia wieder runtergeschraubt.
Am 27. Mai 1994 haben wir geheiratet und am 22. September 1996 kam unser Sohn unter schwierigsten Umständen zur Welt. Er hatte die Nabelschnur 3 x um den Hals, war 19 Tage übertragen, hatte Neugeborenenkrämpfe, musste künstlich ernährt und 2 – 3 x reanimiert werden. Er leidet heute unter einer Entwicklungsverzögerung und ist grob gesagt „nicht der Norm entsprechend“, was uns bis zum heutigen Tag sehr zu schaffen macht.
Während der Schwangerschaft sprach mich meine Frau, wenn ich zurückdenke, immer häufiger an, dass ich zuviel trinke, es gab auch Streit deswegen, nur hörte ich darüber hinweg oder ich nahm es nicht ernst.
Im April 1996 endete meine Dienstzeit bei der Bundeswehr, trotz des Versuches die Verpflichtungszeit auf 12 Jahre zu verlängern. Das dass nicht genehmigt wurde schreibe ich einer verbalen Entgleisung aus Wut gegenüber einem Vorgesetzten zu. Ich titulierte ihn als Arschloch, weil er mir zustehenden Zeitausgleich nach einer 5-tägigen Übung als Ausbilder nicht genehmigte.
Anfang Mai 96 bekam ich eine Arbeit als Auslieferungsfahrer bei einer Brauerei. Natürlich waren Heike und ich sehr froh, dass ich nicht in die Arbeitslosigkeit abgerutscht bin, sondern praktisch übergangslos weiter Geld verdient habe. Die Kollegen waren nett, der Niederlassungsleiter ließ uns bei der Tourenplanung freie Hand. Was Montag nicht geschafft wurde, musste halt Dienstag oder Mittwoch nachgefahren werden.
Als Beifahrer (man wurde vom Kunden vorher gefragt), bekam man teilweise schon vormittags den einen oder anderen Schnaps, oder ein Glas Bier und ich hatte damals das Gefühl, nein zu sagen wäre nicht nett und nach Feierabend gab es in der Firma angekommen das obligatorische Feierabendbier, oder zwei. Trotzdem kann ich mich nicht erinnern, mehr als 2 oder 3 mal in dieser Zeit angetrunken nach Hause gekommen zu sein. Zudem bekamen wir als Fahrer pro Tag und Mann 2 Liter sogenannten Haustrunk, und statt Brause oder Wasser, ließ ich es mir grundsätzlich in Bier ausrechnen. So sind pro Monat gute 6 Kisten dabei rausgekommen, die auch so ziemlich immer leer wurden.
Im Laufe der Zeit steigerte sich mein „Verbrauch“ aber, so musste ich von Zeit zu Zeit auch noch „Personalbier“ dazu kaufen, um die ausreichende Menge Bier zu Hause zu haben!
Trotz anfänglicher, gesundheitlicher Probleme hatte ich bis dahin noch nicht begriffen, alkoholkrank zu sein!
Die Rückenprobleme die ich schon seit meiner Jugendzeit hatte wurden immer heftiger und es kamen nun noch des öfteren Magenprobleme dazu, was letztlich dazu führte, das ich im Okt/Nov 1999 an einer Reha- Maßnahme teilnehmen musste.
Dort wurde mir das erste Mal bewusst, wohl in der letzten Zeit zuviel getrunken zu haben und ich entschloss mich während der 3 Wochen in Bad Eilsen nichts zu trinken, was allerdings nur 5 Tage anhielt.
Auch während dieser Zeit meiner Abwesenheit, kam es wie schon 1993 wieder dazu das meine Frau etwas alleine fertig bringen musste, dieses mal war es die Planung und der Umzug in die neugebaute Dachwohnung über dem Haus meiner Schwiegermutter.
Zum Oktober 2000 wurde zu dem noch die Niederlassung der Brauerei in unserem Ort geschlossen. Laut Firmenleitung wegen Unwirtschaftlichkeit. Schon bald stellte sich raus, dass der NL-Leiter in Uelzen gegen uns „umgesetzte“ arbeitete und bei der Firmenleitung erreichte, dass uns der Firmenwagen zum Pendeln zwischen altem und neuem Standort gestrichen wurde. Da wir dann auch noch auf unterschiedlichen Touren eingesetzt wurden und somit auseinanderklaffende Feierabendzeiten hatten, war ich gezwungen, mir ein zusätzliches Auto zu finanzieren, was verständlicherweise zu Missstimmungen zwischen mir und meiner Frau führte, da wir ja auch die Umzugskosten noch zu tragen hatten.
Auch in der neuen Kundschaft war ich ein beliebter und gern gesehener Fahrer, ich konnte meine Probleme und meine Introvertiertheit während der Arbeit gut ablegen und hatte immer gute Laune. Nur sobald es an den Feierabend ging, wurden vor dem Weg nach Hause schon hin und wieder 2 – 3 Bier getrunken, und zu Hause angekommen „erst mal ein Feierabendbier“.
Darauf folgte dann das Trinken bis zum Müde sein, meist 14 bis 15 Flaschen Bier.
In den letzten zwei drei Jahren begann das Trinken am Wochenende oder an freien Tagen schon morgens und zog sich über den ganzen Tag. Hinzu kam, das ich jetzt auch schon zusätzlich Jägermeister oder Weinbrand brauchte um die richtige Bettschwere zu bekommen. Letztlich achtete ich peinlichst genau darauf das am Vorabend genug Vorrat für den nächsten Tag im Keller stehen zu haben, war dies nicht der Fall fuhr ich zum Supermarkt oder an die Tankstelle um Nachschub zu holen und mein Gewissen zu beruhigen.
Ich möchte festhalten das ich mir aufgrund meines Suff´s diverse Rippen, Zehen und sonst was alles geprellt oder ähnliches habe, was ich meist erst am nächsten morgen vollgepisst auf dem Boden vor dem Bett oder im Bad liegend bemerkt habe.
Die gesundheitlichen Probleme führten nun dazu, dass ich mich häufiger krank melden musste, wobei ich der Meinung war das käme in der Hauptsache vom Ärger mit meinem Chef.
Die schwere körperliche Arbeit hinterließ allerdings auch ihre Spuren: Wirbelsäulenprobleme ebenso wie geklemmte Nerven in den Armen die operiert werden mussten, sowie eine angerissene Sehne usw. Ab Juni 2004 war ich ca. 4 Monate krank ( nicht alkoholbedingt ) zu Hause. Zum 01.Nov.2004 wurde mir durch meinen Arbeitgeber gekündigt und seitdem war ich arbeitslos.
Durch Gespräche (mit Pistole auf der Brust ) zum einen mit meiner Frau, sowie die Erkenntnis, bei weiterem Alkoholkonsum meine Gesundheit noch mehr zu ruinieren und meine sozialen Bindungen zu gefährden bin ich zu dem Entschluss gekommen, eine Entgiftung vom Alkohol zu machen.
Meinem Sohn bin ich im übrigen nie betrunken gegenübergetreten, nur ist mir bewusst geworden, dass durch den Alkohol meine Toleranzgrenze bei Übertretungen seinerseits schon sehr nach unten gegangen war und diese Veränderung an ihm nicht spurlos vorbeigegangen sein wird.
Im großen und ganzen hat sich meine Sucht innerhalb von gut 12 – 14 Jahren herausgebildet.
Es hat mich sehr große Überwindung gekostet, den ersten Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe herzustellen, da die Erkenntnis alkoholkrank zu sein noch sehr frisch war und ich es mir erst noch eingestehen musste.
Zwischenzeitlich hatte ich davor schon mehrere nicht wirklich ernst gemeinte Versuche unternommen, vom Alkohol wegzukommen, in dem ich einfach nichts trank, nur die Nächte wurden dann unerträglich, und so fing ich spätestens am 2. Tag wieder an mir meine Bettschwere anzutrinken, was meine Frau dann natürlich wieder traurig machte.
Nur war das Problem, dass wir meist nicht redeten, sondern uns anschwiegen oder gegenseitig mit Vorwürfen zuschütteten, wohl auch begründet dadurch, dass ich mich in altbewährter Weise, wohl wissend um die Probleme, in meine eigene Welt zurückzog mit dem Gedanken, „es wird schon“!
Anfang Dezember 2004 bin ich dann endlich zum Arzt gegangen und habe mich „geoutet“, wo ich dann überraschenderweise enttäuscht wurde. Ich hatte mir prompte Hilfe versprochen in meiner Ahnungslosigkeit, in Form von Tabletten oder so was, aber das Einzige was ich zu hören bekam war, „nehmen sie erst mal Kontakt zu diversen Gruppen auf“, Teestube, Guttempler usw.
So bin ich erst mal nach Hause gefahren und habe letztlich Frust geschoben, aber an dem Abend meinen Pegel zum schlafen durch Saufen nicht erreichen wollen. Am nächsten Tag ließ ich mir eine Einweisung zur Entgiftung geben, weil mir klar wurde, dass mir nur professionelle Hilfe etwas bringen konnte, zumal ich in Erfahrung brachte, dass eine trockene Entgiftung zu Hause zu nicht unerheblichen gesundheitlichen Problemen führen kann.
Am 6. Dezember 2004 fuhr ich dann mit gemischten Gefühlen in die Klinik, um einen Schlussstrich unter meine Abhängigkeit zu machen, wobei mir im Laufe der 14 Tage klar wurde, dass bei dieser Maßnahme nur der Körper vom Alkohol befreit wird, die psychische Abhängigkeit aber erst herausgearbeitet werden muss.
Bis zum heutigen Tag habe ich es geschafft trocken zu bleiben nicht zuletzt durch den Kontakt zur Selbsthilfegruppe und der Hilfe und Unterstützung meiner Familie insbesondere meiner geliebten Frau.
Festzuhalten ist sicher die Unvollständigkeit der Erlebnisse innerhalb der Familie.
Geschrieben Donnerstag, 24. Februar 2005
Gepostet 05.12.2010 / 6 Jahre nach dem letzten Bier am 6.12.2004
Gruß Carsten

Gedicht, eingesandt von Jennifer(15):


Innerer Kampf


Ich bin einsam und allein
Muss es soweit gekommen sein?

Komm und gib mir deine Hand
Siehst du wo du dich hingebracht hast? -Nun stehst du am Klippenrand!

Papa sei für mich da
so wie es früher einmal war

Lässt du dir helfen von mir?
Ich stehe egal was auch kommen mag immer zu dir!

Ich helfe dir,hab nur Mut...
Und nach einem langem Kampf und Weg wird alles gut.

Jennifer
2 Gedichte, eingesandt von Arnim Schubring:

Strom des Lebens

Hoch oben auf dem Berg, da sprudelt etwas,
es ist feucht,
sehr nass.

Ich wandere hinauf,
Schritt für Schritt,
immer bergauf.

Heftiges Atmen zwingt mich zur Rast,
Zeit zum ausruhen,
ich setze mich nieder auf einen dicken Ast.

Unten im Tal,
ich erkenne die Straßen,
sie wirken klein, sehr schmal.

Klares Wasser neben mir im Bächlein,
schön anzusehen,
lädt mich ein zum Stelldichein.

Es ist ein weiter Weg bis oben,
ich gehe weiter,
muss mich nicht mehr schonen.

Die Sonne steht am höchsten Punkt,
ich fühle angenehmes,
es ist gesund.

Ich erkenne Wald und Flur,
bleibe stehen,
mächtig ist die Natur.

Habe mir viel vorgenommen,
ich habe es geschafft,
bin oben angekommen.

Ich sehe den Sonnenschein,
den Weitblick,
ich atme es ein.

Ich habe sie erreicht die Quelle,
schaue nach unten
und höre den Wasserfall im Gefälle.

Es war ein Muss,
ich habe ihn gesehen, gehört,
zuerst den Bach und dann den Fluss.

Ich stieg hinauf zur Quelle,
also gegen den Strom,
ich spürs, in mir ist es helle.

Bin unten angekommen,
stehe unterm Wasserfall und bin trocken.


Die sieben Stufen

Werde ich hinaufgehen …
sind sie wichtig, die sieben Stufen ?
ich betrete sie und werde es sehn`.

Auf der zweiten Stufe,
ich überlege lange,
fühle noch Schmerz,
mir ist bange.

Auf der Dritten,
Gestalten sind zu sehen,
sie unterhalten sich,
ich kann sie gut verstehen.

Die Vierte,
ich halte mich fest am Geländer,
sehe über mir Wolken,
sie haben dunkle Ränder.

Auf der Fünften,
ich fühle Mut,
vor mir der Horizont,
es atmet mich, tut gut.

Die Sechste,
vor mir kleine Lichter,
ich höre schöne Stimmen ...
nur noch eine Stufe, die Letzte.

Geschafft, ich möchte nicht mehr zurück,
fühle neue Kraft
und ich denke …
ich hatte Glück.

www.arnim-schubring.de
Jugend und Alkohol, eingesandt von Reinhold Brust:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin durch zufall auf Ihrer Seite gelangt und habe den Artikel gelesen. Jugend und Alkohol
Erst vor einiger Zeit, habe ich mich selbst mit dem Thema Jugend und Alkohol auseinandergesetzt und diesen Artikel darüber geschrieben. Ich dachte mir vielleicht passt er ganz gut auf eure Seite.
Ich jedenfalls würde mich freuen mit diesem von mir geschriebenen Artikel helfen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhold Brust

„Der Alkoholmissbrauch“ Akte 08 !
Und plötzlich bist du gefangen in deiner Sucht. Es ist keine Schande ein Alkoholproblem zu haben, jedoch sehr wohl, nichts dagegen zu unternehmen. Die heutigen Alkoholkonsumenten werden immer jünger, der Alkohol fließt in Strömen. So ist es täglich auf den Straßen, in Berufen und sogar schon in den Schulen. Niemand möchte dafür verantwortlich sein, lieber schaut die Gesellschaft darüber hinweg, wenn es in den Medien heißt „Komasaufen“. Bis auf wenige Ausnahmen wie Selbsthilfegruppen, die sich dem Kampf gegen die Sucht zu stellen. Ansonsten werden Unannehmlichkeiten betreffend Fehlverhalten mit Alkohol verschwiegen, geheimgehalten oder ganz gern mal übersehen.
Es stellt sich die Frage, warum eigentlich ist kaum jemand bereit gegen die Sucht etwas zu unternehmen? Aus Bequemlichkeit oder ist es die persönliche Hemmschwelle? Ich glaube, es ist eher die Angst vor Kritik. Niemand möchte in die Kritik geraten, weil der eigene Sohn oder die Tochter ein Drogenproblem/Alkoholproblem hat.
Als Jugendlicher befand ich mich selbst in einer solchen Situation, immer wieder wurde gesoffen was das Zeug hergab. Ich kann nachvollziehen, wie sich Jugendliche fühlen, die Mitglied einer solchen Clique sind, Abgrenzung bedeutet ausgeschlossen werden, man wird zum "Looser". Daheim stehen die Eltern vor einem Rätsel und fragen sich, weshalb ihr Kind so oft betrunken nach Hause kommt... Die Frage "warum nur" wird immer häufiger gestellt.
Die Gründe, die zu vermehrtem Trinken führen, sind vielschichtet. Oft fehlt es dem Jugendlichen an Selbstsicherheit, Anerkennung oder an Elternliebe.
Bei Problemen fehlt der Zuhörer, sie fühlen sich allein, das Gespräch wird abgeblockt, den Eltern fehlt die Zeit und Kraft, da sie sehr oft viel arbeiten müssen, selbst Sorgen und Nöte haben und keine Energie mehr, sich mit den Wehwehchen ihrer Nachkommen zu beschäftigen., sie fühlen sich überfordert, ohne dies zuzugeben. Das Kind lernt nicht, sich seinen Problemen zu stellen, als Erwachsener fehlt die gesunde Einstellung zum Leben, es zu meistern, will gelernt sein, es braucht Vorbilder, die in unserer heutigen Konsumgesellschaft sehr selten geworden sind. Erwachsen werden ist ein langer, steiniger Weg.
Die Gefahr, süchtig zu werden, wird unterschätzt. Zuviel Drogen und Alkohol, das Widerstehen wird immer schwieriger.
Kummer, persönliche Probleme werden mit vermehrtem Konsum verdrängt. wenig Geld, Gruppendruck führt zu Leichtsinnigkeit und diese wiederum kann zu kriminellem Fehlverhalten führen.

Kontakt: reinhold-brust@t-online.de
2 Gedichte, eingesandt Ingrid Drapala:

Feind Alkohol von Ingrid Drapala

Ich geh in die Kneipe--- und bestell mir ein Bier
Und nehme mir vor--- ich bleib nicht lange hier

Die Zeit verrinnt--- hab nicht mehr dran gedacht
Da stehen auf dem Deckel--- mittlerweile schon acht

Der Wirt schmeißt gerade--- nen Besoffenen raus
Und mir ist ganz klar--- ich geh gleich nach Haus

Ein einziges noch--- dann werde ich gehen
Auf meinem Deckel--- da stehen bereits zehn

Ich muss aufs Klo--- find dort eine Frau
Sie liegt auf dem Boden--- ist sternhagelblau

Ich stell mir die Frage--- nach dem Sinn des Lebens
Doch ich find keine Antwort ---völlig vergebens

Natürlich bleibe ich nun--- noch etwas hier
Und auf dem Tresen steht schon--- ein neues Bier

Es folgen noch--- so zwei bis zehn
Und wieder nehme ich mir vor--- jetzt langsam zu gehen

Ein Kerl betritt die Kneipe--- in einer Leder-Kombi
Sein Gesicht erinnert--- an das eines Zombie

Er fragt mich gleich--- bist du schon lange hier
Und ich trinke mit ihm--- so mein dreißigstes Bier

Ich spüre--- wie meine Sinne schwinden
Und nehme mir vor--- noch einen zu trinken

Der Wirt steht gebeugt--- über der Kasse
Und zählt schon--- die eingenommene Asche

Gerne würde ich noch--- ein letztes Bier bestellen
Doch der Wirt beschließt--- die Stühle hochzustellen

Dann wank ich nach Hause ---und fühl mich allein
Und nehme mir vor ab morgen--- lass ich das Saufen sein

Mittags werde ich wach--- noch etwas benommen
Und frag mich--- wie bin ich hier hingekommen

War ich etwa ---schon im Delier
Am besten ich trinke--- erst mal ein Bier

Warum geht es mir--- so beschissen
Will ich--- von meinem Hausarzt wissen

Er schreibt mir ne Überweisung--- in eine Klinik
Und meint mein Problem--- sei wirklich schon riesig

Für die Klinik muss ich noch--- ein paar Sachen kaufen
Doch erst geh ich mir--- mal einen saufen

Wach werde ich--- auf der Intensivstation
Bin ich--- bei den Engeln schon?

Wie komm ich hier her--- will ich vom Pfleger wissen
Doch der drückt mich zurück--- in meine Kissen

An Händen und Füßen--- bin ich feste fixiert
Was ist denn--- um Gottes Willen passiert

Auf meiner Decke--- seh ich Spinnen laufen
Und wünschte mir--- ich hätte was zum Saufen

In der Infusion ---schwimmen große Fische
Doch meine Hände sind fest--- so dass ich keine erwische

Ich bin wütend und tobe---beginne zu schreien
Dann schlaf ich auch schon ---von der Sedierung ein

Wieder wach spüre ich--- mein Mund ist ganz trocken
Die Ärzte erzählen mir--- ich hätte erbrochen

Mein Körper schmerzt mir--- ich kann's nicht verstehen
Wie gerne würde ich ---jetzt einen trinken gehen

Die Ärzte stehen vor mir--- mit ernster Miene
Meine Atmung übernimmt nun--- eine Maschine

In meiner Harnröhre ---steckt ein Schlauch
Voll aufgetrieben--- ist mein Bauch

Sie sprechen--- von einer Leberzirrhose
Und die hätte ---eine schlechte Prognose

Ich hör schon wie um mich ---die Englein tanzen
Und mein Körper beginnt wieder mal--- sich zu verkrampfen

Wieder bei Sinnen ---sehe ich Blut auf meinen Kissen
Man sagt ich hätte mir--- im Krampf auf die Zunge gebissen

Sie haben mir einen Keil--- zwischen die Zähne geschoben
Mein Körper ist zu schwach--- um deshalb zu toben

Ich fühle mich--- wie in einem Rausch
Mein Herz schlägt schwach--- dann hört es auf

Meine Augen blicken starr--- wie eingefroren
Ich habe--- gegen den Alkohol verloren


_______________________________________________


Ein Neubeginn von Ingrid Drapala
Heute lass ich--- mein erstes Glas stehen
Aber wie --- wird es morgen weitergehen

Die Antwort auf die Frage--- was wird morgen
Bereitet mir schon heute--- große Sorgen

Doch plötzlich--- wird mir vieles klar
Da gestern--- auch mal heute war

Ich trotze--- der noch ungläubigen Meute
Aus morgen mach ich--- auch" mein Heute"

Und aus übermorgen wird--- wie wunderbar
Auch mal" mein Heute"--- sonnenklar

Möge mein Körper--- die Kraft mir geben
Noch sehr sehr viele "Heute"--- zu erleben

Ich mag wieder--- selbst entscheiden
Nicht mehr unter--- dem Verlangen leiden

Mein Verlangen--- das soll sich beschränken
Auf "mein Heute" ---und ein anderes Denken

Mein Körper wird mir ---für diese Entscheidung danken
Er und ich sind es satt--- nur durchs Leben zu Wanken

Die Konfrontation--- vor der ich bisher scheute
Verlege ich kurzerhand--- auf "mein Heute"

eingesandt von Schnulli:
*Mahnungen von einem trockenen Alkoholiker(ICH)an alle,die dieses Suchmittel nehmen und glauben,es kontrollieren zu können.*

Ich trank vor Glück
- und wurde unglücklich.

Ich trank vor Freude
- und fühlte mich miserabel.

Ich trank aus Geselligkeit
- und bekam Streit.

Ich trank aus Freundschaft
- und schuf mir Feinde.

Ich trank um schlafen zu können
- und wachte übernächtigt auf.

Ich trank um leichter sprechen zu können
- und stammelte nur.

Ich trank um mich himmlisch zu fühlen
- und hatte die Hölle.

Ich trank um zu vergessen
- aber die Gedanken holten mich ein.

Ich trank um frei zu werden
- und wurde abhängig.

Ich trank um Probleme zu lösen
- aber Sie wurden immer mehr.

Ich trank um mit dem Leben fertig zu werden
- und lud den Tod ein.



*Ich bin jetzt seit 11 Jahren absolut trocken und darauf bin ich stolz.*
eingesandt von Ernst:

GESTERN - HEUTE - MORGEN

Es gibt in jeder Woche zwei Tage, über die wir uns keine Sorgen machen sollten. Zwei Tage, die wir frei halten sollten von Angst und Sorgen.
Einer dieser Tage ist Gestern mit all seinen Fehlern und Sorgen, seelischen und körperlichen Schmerzen. Das Gestern ist nicht mehr unter unserer Kontrolle! Alles Geld dieser Welt kann uns das Gestern nicht zurückbringen, wir können keine einzige Tat, die wir getan haben, ungeschehen machen. Wir können kein Wort zurücknehmen, das wir gesagt haben.
Das Gestern ist vorbei !!!

Der andere Tag, über den wir uns keine Sorgen machen sollten, ist das Morgen mit all seinen möglichen Gefahren, Lasten, großen Versprechungen und weniger guten Leistungen.
Auch das Morgen haben wir nicht unter unserer sofortigen Kontrolle.

Morgen wird die Sonne aufgehen, entweder in ihrem vollen Glanz, oder hinter einer Wolkenwand. Aber eines ist sicher, sie w i r d aufgehen ! Bis sie aufgeht, sollten wir uns über das Morgen keine Sorgen machen, weil Morgen noch nicht geboren ist.
Da bleibt nur ein Tag übrig.
HEUTE !

Jeder Mensch kann nur die Schlacht von einem Tag schlagen. Dass wir zusammenbrechen geschieht nur, wenn Du und Ich die Last dieser zwei fürchterlichen Ewigkeiten –gestern und morgen – zusammenfügen. Es ist nicht die Erfahrung von heute, die die Menschen verrückt macht; es ist die Reue und Verbitterung für etwas, was gestern geschehen ist, oder die Furcht vor dem, was das Morgen uns bringen wird.

(Autor unbekannt)
eingesandt von Sissi:
Der böse Traum…..

Ich wollte träumen und ging in mein Bett hinein
konnte nicht schlafen doch mir viel vieles wieder ein.

Ein großer See mit Sonnenuntergang
Stille…., an meiner Seite mein Mann

Es war ein Augenblick der in meinem Leben stand.
doch worauf ich baute, war auf Sand.

Das Beste erfuhr ich erst nach Jahren,
denn 2 Kinder und 2 Herzen das Glück für mich waren.

Nach langer Zeit kehrte ich an den Strand zurück,
es war anders als damals….wo war das Glück?

Da plötzlich kam aus dem Wasser eine Hand…
Ich ging zu ihr und verlies das Land.

So warm und sicher schwamm ich noch nie…
bis ich nur noch merkte wie ich schrie!

Eine Kette mit einem Anker groß und schwer
riss mich in ein großes Meer.

Ganz unten mit einem kleinen Mensch der leben will
saß ich viele Jahre und hielt still.

Dann kam ein Tag, wo ich die Sonne verschwommen sah
Da muss ich hin….mit meinem Kind….doch der Weg war fern und nicht nah.

Ich erkannte erst jetzt, was an mir hing
es war diese Kette mit diesem Ding.

Mit aller Kraft wollt ich nach oben
es war so schwer und hab es immer verschoben

So verschwommen wie damals die Sonne war
Sah ich Gesichter und hörte Stimmen so wunderbar….

Ich riss an dem Anker mit aller Kraft
Ich musste nach oben, um mich wurde es Nacht

Mit Sand in der Hand und Tränen in den Augen
spürte ich das Leben und konnte es nicht glauben.

Die Kette bleibt für immer bei mir
Sie soll mich erinnern an diese Zeit und an hier.

Den See gibt es noch heute und er bleibt Realität
Er sagt mir nur eins: Kämpfe immer im Leben es ist nie zu spät

eingesandt von Ernst:

lebe jeden tag so als wär es dein letzter.......


mal so am rande erwähnt …
ich bin abhängigkeitserkrankt…schwerpunkt alk…lebe seit einiger zeit ohne alk , habe klassisch meinen weg ins alkfreie leben bestritten nach fast 27 jahren im tran…und werde alles für mich mögliche tun um diesen zustand zu erhalten

mein weg war/ist … beratung…entgiftung und das für mich im rückblick wichtigste... selbsthilfegruppen sowie alkfreie treffs zum austausch mit betroffenen … mir klarem suchtmittelfreiem kopf konnte ich dann meinen "scherbenhaufen" sichten und stück für stück abarbeiten … womit ich bis heute noch beschäftigt bin … ich habe dann auch noch nach mehreren jahren der abstinenz noch 1.5 jahre therapie in form von einzelgesprächen für mich genutzt.

in den gruppen wurde mir mal gesagt ... " bewege deinen vorsoffenen "arsch" in die gruppen egal wie sie heißen und unter welcher fahne sie stehen … hinsetzen zuhören und glauben ist erst mal angesagt … höre dir verschiedene meinungen in den gruppen an … suche das für dich wichtigste raus … bilde dir eine eigenen meinung darüber und fange dann an zu handeln …deinen weg zu gehen … so habe ich es einfach gemacht … und bis heute mit erfolg …

bin aber immer wieder betroffen…wenn ich so zurückschaue…wie wir abhängigkeitserkrankten…wenn wir drauf sind….das thema z.b. alkoholismus in eine richtung interpretieren…. die schon an verharmlosung bis verherrlichung grenzt….war bei mir aber nicht anders als ich noch drauf war…finde es nur sehr bedenklich… wenn in einem alkchat diese meinung noch von vielen chattern unterstützt wird in dem das ganze verharmlost wird mit "kleiner rückfall" …"kleiner fehltritt" …bisschen ausgerutscht usw. ...kommt mir vor wie bisschen schwanger…was ja auch nicht geht …

ich meine jeder rückfall ist ein schritt weiter da hin nicht mehr aus dem teufelskreis heraus zu kommen… für mich ist rückfall schlimm… verdammt schlimm… aber selbstverständlich noch schlimmer ist es dann nichts dagegen zu tun … es ist zwar oft zu früh …denke aber niemals zu spät …

ich finde jeder rückfall aus dem man vermeintlich ja wieder herauskommt täuscht einem vor ich kann es ja, komm doch wieder raus…also kann ich es ja weiter so machen ….

wer wie ich einmal seinen persönlichen"tiefpunkt" ...seine persönliche "gosse" erreicht hat…sich "reif gesoffen" hat für den einstieg in ein alkfreies leben wird garantiert nicht "schönes" mehr am zustand unter alkohol für sich finden können… .letztendlich gilt für einen abhängigkeitserkrankten aus meiner sicht nur eines…"kapieren oder krepieren"….also konsequent ein suchtmittelfreies leben versuchen zu gehen…

ich habe mal am anfang in den gruppen gehört….der sicherste einstieg sei sich eine suchtmittelfreie zone zu hause zu schaffen ohne rücksicht auf den partner oder freunde ...denn es ginge um mein leben…wenn mein partner oder meine freunde mich mögen und selber nicht abhängig sind…werden sie ohne probleme auf suchtmittel in meinem beisein verzichten können …das habe ich für mich so übernommen … außerdem verabschiedete ich mich von saufenden "freunden" aus meinem alten umfeld oder einige verabschiedeten sich freiwillig weil sie mit mir alkfei nicht mehr klar kamen…

genauso finde ich die diskussion fatal um alkohol im essen bzw. zubereitung von soßen mit wein oder ähnliches….als ich noch drauf war habe ich für ne rotweinsoße ne kiste wein und für einen bierbraten ne kiste bier geholt….und der stoff ist bestimmt nicht alles in der soße gelandet …und so würde ich auch meine alkfreie zone nicht mehr aufrecht erhalten … gelegenheit soll ja bekanntlich diebe machen …

ich sehen meine abhängigkeitserkrankung ähnlich einer allergie … wenn ich gegen etwas allergisch bin … werde ich dieses meiden wenn ich weiß wogegen ich allergisch bin … mich aber nicht absichtlich der gefahr aussetzen und leichtsinnig handeln … es könnte ja um mein leben gehen …

nun habe ich fertig
wünsche g24h ernst …

eingesandt von Anette:

Du steckst im Sumpf,
das ist Dein Trumpf
ich steh daneben,
rette Dein Leben.

Du hältst Dich fest, an meinen Beinen,
Du hältst Dich fest, ich muss oft weinen,
Du hältst Dich fest, es tut so weh,
weil ich schon lang daneben steh.

Du steckst im Sumpf,
das ist Dein Trumpf!
Ich steh daneben,
mein ganzes Leben?

So gerne würd’ ich wieder laufen,
so gerne würd’ ich wieder schnaufen,
so gerne würd’ ich wieder springen,
tanzen, lachen, hüpfen, singen.

Du steckst im Sumpf,
das ist Dein Trumpf,
ich steh daneben,
muß ICH Dich heben?

Hätt’ ich die Kraft, Dich zu verlassen,
hätt’ ich die Kraft, Dich mal zu hassen,
Hätt’ ich die Kraft, von Dir zu geh’n,
würdest Du klanglos untergeh’n.

Ich steh daneben,
mein ganzes Leben?
Du steckst im Sumpf,
DAS IST DEIN TRUMPF!!!!

eingesandt von Christa H.:

Alkoholkrankheit wie damit fertig werden???

Vorwort

Ich bin kein Autor, sondern eine Frau die jahrelang gegen den Alkohol gekämpft hat. Seit 7 Jahren bin ich trockene Alkoholikerin mit den Spätfolgen meiner jahrelangen Droge dem Alkohol.
Dies ist ein Wahrheitsbericht und sollte allen Betroffenen, sowie deren Familienangehörigen ein wenig Mut machen mit dieser Krankheit fertig zu werden.

In der Alkoholsucht gibt es noch sehr viele Vorurteile der Gesellschaft die endlich einmal abgebaut werden sollte, denn es sind nicht nur die Erwachsenen welche von dieser Krankheit betroffen sind, sondern bereits sehr viele Jugendliche.
Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit die weltweit verbreitet und die Dunkelziffer aus Scham sehr hoch liegt, da sich die Betreffenden einfach nicht zu ihrem Problem stellen möchten und da muss ich sagen teilweise mit Recht, da man von der Familie, Freunden und der gesamten Gesellschaft entweder verurteilt oder aber mit Ratschlägen bombardiert wird, statt viel Verständnis und Liebe welch ein solch kranker Mensch unbedingt benötigt gegeben wird.

Die Krankheit kommt nicht urplötzlich sondern schleicht sich ganz langsam über viele Jahre bei uns ein. Der genaue Grund weshalb Leute am Alkohol erkranken und andere nicht ist bis heute noch nicht eindeutig nachgewiesen.
Es können aber familiäre Probleme in der Familie, Stress eine sehr große Rolle spielen, weshalb ich auch meine eigene Geschichte später noch hier erzählen werde.
Der Alkoholismus kommt schleichend und wird meist erst wahrgenommen wenn der Körper sich bereits an das Suchtmittel Alkohol gewöhnt hat oder es Außenstehende auffällt das der Alkoholkonsum immer stärker zunimmt. Aber dann ist es meistens bereits zu spät!

Ein Leben ohne Alkohol ist dann sehr schwer und nur von wenigen Menschen erfolgreich zu schaffen, da es immer wieder zu Rückfällen kommt welche in den meisten Fällen auch zum Tod führen kann.
Grund für die Rückfälle ist meist wenn man nur einen Entzug in der Klinik jedoch keine Therapie zu Ende geführt hat, ist der kleinste Anlass von Unzufriedenheit oder Trauer, wieder nur einen Schluck zu Trinken und schon ist man wieder vor dem Entzug angelangt. Es nützt nur eine mehrmonatige Therapie bei der man aber Vertrauen zum Therapeuten haben sollte und auch über die Probleme sprechen kann, denn meiner Ansicht nach hat jeder Alkoholiker irgendwelche Probleme mit denen er bis zur Therapie aus Scham mit noch keinem Menschen gesprochen hat.

Auch die Familie sollte hinter einem Alkoholkranken stehen und mit diesem viele Gespräche ohne jegliche Vorwürfe führen. Ich weiß es ist für die Familie nicht einfach, aber wenn jemand dem Alkoholkranken mit Vorwürfen oder Ratschlägen kommt die sicherlich auch gut gemeint, so entsteht bei dem Kranken eine regelrechte Trotzreaktion und er geht noch mehr in sich und spricht nicht mehr über seine Probleme. Sollte der Kranke im Moment von seinem Suchtverhalten nichts hören wollen, so sollte man ihn eine Weile lassen und wieder eine gute Gelegenheit nehmen mit ihm darüber zu sprechen, jedoch nicht in einem volltrunkenem Zustand, denn da wird er meist sehr Aggressiv und lässt niemanden an sich heran.

Der Kranke selbst hat da auch bereits schon selbst gemerkt das er Hilfe braucht, will es aber nicht Einsehen weshalb hierbei auch ein guter Freund sehr gut helfen kann.
Meistens jedoch kommt die Einsicht sehr spät oder gar nicht, deshalb habe ich auch diesen Angriff gestartet um vielen Betroffenen die Augen zu öffnen. Ich war monatelang in der Psychiatrie und habe sehr viele Fälle gesehen.
Das größte Problem eines Alkoholkranken ist das er nicht zu seiner Krankheit steht und immer wieder Ausflüchte und Lügen erfindet um seinen Trinkkonsum zu rechtfertigen. Um ihm dies Bewusst zu machen braucht man sehr viel Einfühlvermögen, Geduld und stundenlange Gespräche und sollte auch zu jeder Tages- und Nachtzeit bei Problemen des Betroffenen zu sprechen sein, denn hat er erst einmal Vertrauen gefasst ist bereits ein kleines Stückchen an Arbeit erledigt.

Das hört sich alles sehr leicht an, ist es aber leider nicht denn ich war in so manchen Foren im Internet mit dem Thema Alkohol, wo ich so manch einen welcher ja schon ein Stückchen weiter war und sein Problem dort geschildert hat, konnte aber teilweise genau herauslesen wenn sich dort jemand selbst etwas vorgemacht hat. Wenn ich dann darauf geantwortet habe, dann habe ich mein eigenes „ich“ während meiner Alkoholsucht erkannt, denn alle Alkoholiker haben die gleichen Reaktionen da sie alle in Selbstmitleid zerfließen, denn alle anderen sind Schuld nur sie selber nicht, was vielleicht teilweise auch zutreffend sein kann.
Die Alkoholkrankheit gibt es unter Armen wie auch Reichen gleich und wird auch teilweise durch unsere Gesellschaft verursacht, denn egal wo wir gehen und stehen der Alkohol ist überall, obwohl die schädlichen Wirkungen bereits seit Jahren bekannt sind. Deshalb ist Alkoholismus auch eine sehr schwere Krankheit bei der man viel Geduld aufbringen sollte.
Wenn man einen alkoholkranken Menschen vor sich hat mit dem man bereits über die Sucht sprechen kann, sollte man so schnell wie möglich eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, damit der Kranke an einer Selbsthilfegruppe teilnimmt und die Erfahrungen austauscht. Selbst gehe ich seit Jahren in solch eine Gruppe welche ich am Anfang auch abgelehnt habe, da ich nicht zu meiner Krankheit gestanden bin, man findet aber Gleichgesinnte mit denen man auch unter der Woche etwas Unternehmen kann und findet mit Sicherheit zahlreiche neue Freunde, ohne Alkohol und das sind teilweise die besten Freunde.

Wenn die Familie mit dem erkrankten nicht fertig werden sollte und es immer wieder zu Rückschlägen kommt und er alle Behandlungen abbricht so gibt es noch als letzten Ausweg ein Betreuungsverfahren welches man mit der Suchtberatung, den Ärzten und den Familienangehörigen einleiten kann. Dann wird richterlichseits eine Einweisung in eine psychologische Klinik bestimmt und der Kranke muss an der Therapie teilnehmen und darf diese nicht unterbrechen, was auch für viele welche überhaupt nicht zur Einsicht kommen wollen oder auch können manchmal der letzte Weg vor dem Tod bedeutet.

Das war jetzt eine kurze Einleitung über den Alkoholismus und ich muss noch einmal wirklich darauf hinweisen, dass ein Betroffener unbedingt Vertrauen und Geduld, jedoch auf keinen Fall Vorwürfe braucht denn er kann wirklich nichts für diese Krankheit.

Meine Geschichte (in abgekürzter Form)

Es ist sehr schwer vom Alkoholismus wegzukommen um überhaupt keinen Alkohol mehr im täglichen Leben zu brauchen, jedoch ist niemand von einem Rückschlag bei dieser Krankheit gefeit.
Als Kind hatte ich bereits mitbekommen wie es ist wenn man eine Mutter hat welche trinkt. Meine Mutter war morgens immer eine sehr gute Mutter und wenn nach dem Mittagessen wenn die Küche in Ordnung war, so hat sie sich dann an den Tisch gesetzt und eine ganze Flasche Wein getrunken. Als Kind habe ich das abscheulich gefunden und mir geschworen dass ich so etwas niemals machen würde.
Meine Mutter muss ich aber sagen hatte es auch nicht leicht, vielleicht war ja auch dass bei ihr der Grund weshalb sie getrunken hat ich weiß es nicht ich konnte nie mit ihr darüber sprechen, selbst das letzte Jahr kurz vor ihrem Tod habe ich es noch einmal versucht, aber sie hat es immer noch verleugnet.
Ich nehme aber an das es an meinem Vater war, er war ein sehr sehr strenger Vater der die Familie nur terrorsiert hat und seinem Vergnügen im Casino nachgegangen ist und seine Kurschatten nach Hause gebracht hatte. Für uns Kinder hat er nie Zeit gehabt, nein Schläge waren an der Tagesordnung. Mit dieser Einlage möchte ich aber nicht sagen das meine Eltern an meiner Krankheit eine Schuld tragen ich weiß es bis heute nicht nehme aber an das es der Stress bei mir war.
Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich keinen Tropfen Alkohol getrunken, aber auch dann fing ich weil wenn man in Gesellschaft war zwischendurch mit einem Gläschen Wein an um nicht als Außenseiter dazustehen wenn die anderen etwas getrunken haben und ich muss sagen ich habe den Geschmack daran gefunden.
Dazwischen lagen dann viele Jahre in denen ich mehrmals die Woche des Abends mal ein Gläschen getrunken habe und mir keine Vorstellung gemacht habe wie schädlich das sein kann. Mittlerweile hatte ich zwei Kinder auf die Welt gebracht und meine Welt war in Ordnung, meine Blutwerte auch denn sonst hätte sicherlich ein Arzt mich mal auf meinen Alkoholkonsum angesprochen.
Als die Kinder in den Kindergarten gingen fing ich wieder an den halben Tag zu arbeiten und ich habe weiterhin meine Weingläser zu mir genommen. Die Kinder kamen in die Schule und ich habe aus meinem Teilzeitjob einen Ganztagesjob gemacht und der Beruf hat mir sehr viel Freude bereitet, ich bin gerne gegangen, musste aber dort sehr viel leisten und habe auch von meinem Chef viele Lobe für die gute Arbeit bekommen.
Irgendwann hat dann die Alkoholkrankheit begonnen, aber ich wollte es einfach nicht wahrhaben. Wenn ich abends nach Hause kam war meine Arbeit ja noch nicht fertig, nein ich musste mich noch um meine Kinder kümmern und auch sehen das diese am nächsten Tage etwas Warmes zum Essen auf dem Tisch hatten, da habe ich also nachts bis Mitternacht vorgekocht und nebenher das Haus und die Wäsche sauber gemacht.
Das ging eine Weile, aber irgendwann kam bei mir ein Zustand wo ich ausgelaugt und total kaputt war und doch an meine Pflichterfüllung als gute Mutter dachte, denn als Kind hatte ich mir doch geschworen das meine Kinder es einmal besser haben sollte als ich es gehabt habe. Und da fing ich abends nach der Arbeit zu Hause an mir ein Glas Wein einzuschenken und das aber jeden Tag und die Arbeit lief mir super von der Hand, nur blieb es später nicht mehr bei diesem einen Glas, da die Wirkung nachgelassen hatte und ich eben mehr brauchte um mich als leistungsfähig anzusehen. Am Wochenende mit Freunden konnte es auch einmal sein das ich von mittags bis in die Nacht eine ganze Flasche Wein alleine getrunken hatte, vergessen waren meine Kindheitserlebnisse wo ich mir geschworen habe niemals das zu machen was meine Mama gemacht hatte. Meinen Freunden ist niemand etwas aufgefallen denn sie haben ja mitgetrunken und ich habe mir keine Gedanken gemacht das ich da wohl Krank sein muss, vielleicht hätte mich jemand angesprochen aber es war nicht so. Während der Arbeitszeit habe ich aber keinen Tropfen Alkohol getrunken und dieser Zustand mit dem abendlichen Alkohol ging über Jahre hinweg ohne das es jemand gemerkt oder mich angesprochen hätte das ich Alkoholkrank wäre.
Eines Morgens als ich zum Arbeiten gehen wollte wurde es mir urplötzlich furchtbar schlecht und ich muss weiß gewesen sein wie die Wand. Auf jedenfall haben meine Kinder mittlerweile im Alter von 13 und 17 Jahren einfach einen Krankenwagen gerufen weil sie ihre Mama noch nie in einem solchen Zustand gesehen haben.
Im Krankenhaus wurde dann bei mir eine Magenspiegelung gemacht und dabei wurde festgestellt das ich bereits Varizen (blutende Krampfadern) in der Speiseröhre durch den jahrelangen Alkoholmissbrauch hatte. Die Ärzte teilten das Ergebnis dann auch meiner Familie in meinem Beisein mit und haben auch gesagt das ich den Alkohol absolut meiden sollte. Also habe ich gedacht ja ich möchte ja Leben und kann dies auch ohne Alkohol. Aber so einfach ist auch dieses nicht ich wurde sehr unruhig und konnte nicht mehr schlafen.
Wirklich wollte ich keinen Alkohol mehr trinken aber so einfach wie ich mir das vorgenommen hatte war es nicht und dann kam noch etwas dazu was mich ganz verrückt gemacht hat, das mein Ehemann und die gesamten Freunden anfingen mir gute Ratschläge zu geben und selbst Alkohol weitergetrunken haben. Man hat den gesamten Alkohol aus unserem Haus geräumt (da war ich sehr zornig, denn ich kam mir wie ein kleines Kind vor). Am Wochenende haben mein Mann, die Geschwister und die Freunde weitergefeiert, und gedacht das ich das nicht mitbekomme wenn sie heimlich in der Garage den Wein und das Bier trinken. Ich musste einfach ansehen wie alle lustig waren und ich selbst durfte ja nichts trinken.
Irgendwann ist dann bei mir so etwas wie Frust hochgestiegen, denn mein Mann hat sich wieder Bier zugelegt, Wein für die Freunde wenn wir Besuch hatten, und wenn ich dann sagte wenn diese getrunken haben das ich auch nur einen kleinen Schluck möchte, dann haben sie es mir verboten, aber auch der Ton macht die Musik. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind vor, alle haben in meiner Gegenwart getrunken und ich war nur zum Arbeiten, Haushalt machen da und das hat mir sehr wehgetan. Hätte ich vielleicht zu diesem Zeitpunkt eine Suchtberatung aufgesucht oder eine gute Freundin gehabt wäre ich vielleicht niemals so weit abgestürzt, dass soll aber keine Entschuldigung für mein weiteres tun sein.
Dann habe ich den größten Fehler meines Lebens gemacht, denn ich habe mir dann heimlich Alkohol besorgt weil mein Ehemann ja alle im Haus befindlichen Flaschen abgezählt hatte. Da kam dann das nächste Problem, wohin mit den geöffneten Flaschen, also leer trinken und in den Glascontainer. Auch dies blieb meiner Familie natürlich nicht verborgen und es hat ein riesiges Theater gegeben. Danach ist es nicht mehr so gewesen wie es in einer Familie sein sollte. Sehr großes Misstrauen und Schnüffeleien überall von meiner Familie.
Ich fing an Schnaps zu trinken da ich ja nur eine kleinere Menge brauchte um wieder aktiv zu werden und mich Wohlzufühlen, obwohl mir dieser gar nicht geschmeckt hat, aber ich habe den Alkohol einfach gebraucht. Ich habe einen supertollen Job und einen verständnisvollen Arbeitgeber gehabt, der aber auch nichts von meiner Alkoholabhängigkeit gemerkt hat. Doch eines Tages sagte er zu mir, Mädchen du gefällst mir nicht und siehst todkrank aus, gehe einmal in richtige ärztliche Behandlung, ob er zu diesem Zeitpunkt dann etwas ahnte weiß ich bis heute nicht!
Mit seiner angeratenen ärztlichen Behandlung sollte es so nicht kommen, ich habe zu Hause einen Blutsturz bekommen und kann froh sein das gerade eine Freundin von mir bei mir zu Hause war, denn sonst wäre ich verblutet. Ich wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren und man hat mich dort in das künstliche Koma gelegt. Nachts hat man meine Familie angerufen das sie Abschied von mir nehmen sollten, das ich die Nacht nicht überleben würde.
Selbst habe ich von alle dem nichts mitbekommen.
Aber ich habe überlebt und dann kam die allerschwerste Zeit meines Lebens, denn ich kam nach Hause war so schwach das ich nicht mehr laufen konnte und ein Pflegefall war. Ich war so hilflos und so traurig und habe nur geweint. Wie oft ich vom Sofa gefallen und nicht aufstehen konnte und mein Mann mich geschüttelt hat das ich mich nicht so anstellen soll kann ich hier nicht mehr aufzählen, es tat verdammt weh denn ich konnte wirklich nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen. Ich war am verzweifeln! Soweit unten zu sein, dass war die Hölle für mich!
Ich habe den Chefarzt in unserem Krankenhaus angerufen und gesagt das ich so nicht mehr leben will und kann, ich war ein anderer Mensch und er sollte mir helfen. Er hat mir geholfen und mich in ein Phsy. Krankenhaus für 9 Monate getan. Ich habe Aufbauspritzen bekommen und wieder laufen gelernt und von Tag zu Tag ist etwas mehr Kraft in meinen Körper zurück gekommen. Danach habe ich 3 Jahre lang die Selbsthilfegruppe besucht und mich dort sehr wohl gefühlt, denn das erste Mal konnte ich auch über meine familiäre Probleme sprechen und das hat mir sehr gut getan. Was mich nur schockierte war das so viele wieder rückfällig geworden sind.

Nun bin ich das 7 Jahr ohne einen Tropfen Alkohol und habe aber keinerlei Bedürfnis nach Alkohol. Noch einmal so hilflos und abhängig möchte ich nie wieder sein, zudem wäre es mit Sicherheit auch mein Todesurteil. Bei mir hat der lange Alkoholkonsum schwere körperliche Schäden hinterlassen unter denen ich heute sehr leide und ich bin mir sicher, wenn ich gewusst hätte wie schädlich der Alkohol ist und ich rechtzeitig in eine Suchtberatung gegangen wäre es soweit niemals gekommen wäre.
Mit meiner Familie habe ich jedoch auch heute noch Probleme komme aber ganz gut klar damit, nur bin ich jetzt Co-abhängig da mein Mann ja auch ein Alkoholproblem hat mit sich aber darüber nicht sprechen lässt, weil ja ich eben darüber nichts sagen darf da ich ja selber abhängig war. Bin aber am arbeiten das er auch bald zur Einsicht kommt, bevor es zu Spät ist.
Aber auch ich kann immer wieder rückfällig werden, versuche aber gegen den Alkohol anzukommen, denn wir haben ja seit Jahren das Haus voll und das ist laut Suchtberatung sehr gefährlich. Leider denke ich da etwas anderes, denn ich muss mich doch mit dem Problem Alkohol befassen, ich kann doch nicht mein ganzes Leben vor dem Alkohol davonlaufen sondern muss mich dem Problem stellen, sonst dürfte ich auch keine öffentlichen Veranstaltungen mehr besuchen.

eingesandt von Frank:

Im Moment holt mich meine Vergangenheit grad wieder ein und da ich ausgesprochen einsam bin habe ich niemanden, der mir zuhört, deshalb dachte ich mir ich schreibe ein wenig, also kurz gesagt: Ich will einfach nur endlich mal Teile meiner Geschichte erzählen bevor sie mich auffrisst, und da ich niemanden habe, erzähle ich sie euch:

Dortmund

Die Dunkelheit ist schon hereingebrochen. Oder ist es nur noch nicht hell geworden?
Fuck, ich weiß es nicht, habe nicht die geringste Ahnung wo ich bin. Welcher Tag ist heute?
Ich höre in der Nähe ein paar Züge und diese typischen Bahnhofsdurchsagen.

Ich gehe rüber zum Bahnhof, das heißt ich schleiche dahin, nicht dass mich noch jemand sieht. Ich will nicht, dass irgendjemand diesen grenzenlosen Hass in mir sieht, den Hass auf mich selbst, den Hass auf diese ganze, beschissene Welt, die alles und jeden frisst, der es wagt an Ihrer Richtigkeit zu zweifeln. Ich will nicht gesehen werden, nicht gehört werden, einfach für alle anderen nicht existent sein. Niemand soll mich wahrnehmen, sehen, hören, riechen, kennen und schon gar nicht ansprechen.

Ich bin am Bahnhof, schleiche mich um die Ecke. Gott sei Dank ist da niemand, außer ein paar Junkies, meinesgleichen, und die haben an mir genauso wenig Interesse wie ich an ihnen.
Ich bin jetzt auf dem Bahnsteig, Dortmund steht da. Wie bin ich hierher gekommen? Wieso bin ich hierher gekommen? Wie komm ich wieder hier weg?

Ich spüre, dass ich wieder runterkomme, weiß nicht wovon, ist diesmal nicht nur Alkohol.
Ich muss wieder was nachlegen, ich hab sogar noch ein paar Euro in der Tasche.

Gut dass das hier ein großer Bahnhof ist, da gibt’s immer Suff und um die Zeit ist auch niemand von denen hier, die ich so sehr dafür hasse, dass sie glücklich sein dürfen, oder wenigstens so tun können.

Okay, ich hab Bier gefunden, hole mir gleich zehn Flaschen, muss ja ein paar Stunden reichen.
Ich gehe weiter, auf der Suche nach meinem Platz für die nächsten Stunden, für die nächsten paar Bier, für den nächsten Panikanfall, für den nächsten Weinkrampf, für den nächsten Sterbewunsch.
Da ist eine dunkle Unterführung. Das ist gut, keiner sieht mich, ich muss keinen sehen.
Ich mache das erste Bier auf, es ist verdammt gut, für einen kurzen Moment kann ich vergessen. Alles fällt von mir ab, der Hass, die Wut, die Verzweiflung, die Angst.
Beim nächsten Bier ist es schon vorbei, alles wieder da, das ganze, beschissene Trümmerfeld meiner Gefühle.

Ich merke, dass es wieder mit mir durchgeht, zerschlage eine Flasche auf dem kalten Beton, auf dem ich sitze, nicht weil ich sie unbedingt zerstören wollte. Ich brauche etwas scharfes damit ich mich bearbeiten kann. Scherben sind gut geeignet, kenne mich damit mittlerweile aus. Ich will etwas anderes spüren als diesen immer präsenten Schmerz aus Verlust, Wut.

Auch wenn es nur ein anderer Schmerz ist. Egal, ich brauche das jetzt, ich muss bluten, vielleicht lässt sich so wenigstens ein wenig meiner beschissen Persönlichkeit töten.

Scheiße, ich bin hier nicht alleine. Zu spät zum abhauen. Eine Frau kommt auf mich zu, nicht wirklich schön. Ich hoffe, sie geht einfach nur an mir vorbei.
Tut sie nicht.
Sie sieht mich an, spricht aber nicht. Dann setzt sie sich zu mir!! Ich kann nur staunen, denn normalerweise versucht jeder der an mir vorbeikommt, so schnell wie möglich weg zu kommen. Sie sagt immer noch kein Wort, sieht mich an, sieht auf die Scherbe in meiner Hand, sieht auf meine blutenden Arme. Dann sieht sie mir in die Augen, greift nach meiner Hand und nimmt mir die Scherbe ab.
Ich weiß nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll.
Wir sitzen einige Minuten nur so da und sehen uns in die Augen, und dann bricht es aus mir heraus, ich fange an zu weinen wie ein Kind. Diese wenigen Minuten, in denen ich erlebt habe, dass doch jemanden gibt, dem es nicht egal ist, wie armselig ich bin, haben mich derartig berührt, dass es für meine Tränen kein Halten mehr gibt.
Wer bist du? Alexandra.
Warum gehst du nicht an mir vorbei wie alle anderen? Weiß ich nicht. Ist das wichtig?
Nein. Du bist ziemlich im Arsch.
Ich weiß. Willst du sterben?
Manchmal. Warum?
Warum nicht? Warum?
Ich will nicht reden. Okay.

Wir sitzen noch lange nur so schweigend da, dann kann ich nicht mehr. Endlich ist jemand da, der mir zuhören will. Ich fange an zu erzählen, von meinem Schmerz, meiner Wut, meiner Verzweiflung.

Du brauchst Hilfe. Mir hilft keiner.
Ich bin hier. Ich weiß.
Wo wohnst du? Nirgends.
Obdachlos? ja.
Scheiße. Ja.
Du bist nicht von hier, oder? Berlin.
Was treibt dich her? Keine Ahnung, weiß nicht mal was für’n Tag heute ist.
Samstag. Fuck, dann fehlt mir mal wieder ne Woche.
Willst du zurück? Nach Berlin?
Ja. Weiß nicht wie, hab kaum noch Kohle.
Geh zur Bahnhofsmission. Die leihen dir ein Ticket. Ok.
Ich muss jetzt gehen. Ok.
Kann ich dir meine Nummer geben? Ja.

Alex gibt mir ihre Nummer, sie steht auf und will gehen.
Ich halte Sie am Arm: Danke.
Kein Problem. Trotzdem danke, für alles.
Ich will dass du mich anrufst, in ein paar Monaten, dann will ich hören, dass es dir besser geht, dass du clean bist. Mal schauen.
Du bist zu jung dafür. Ich kann es dir nicht versprechen.
Dann verrate mir wenigstens noch deinen Namen. Ich bin Frank.
Ok Frank, ich höre von dir. Ciao Ciao, und danke.

Tja, ich bin also Frank, und ich bin süchtig. Süchtig nach Alkohol, süchtig nach Drogen und süchtig danach neue Wege zu finden, mich aus dem Leben zu werfen. Immer das Ende vor den Augen und den Wahnsinn im Genick.

Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her, und fast genauso lange bin ich jetzt clean. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mich zu entdecken, herauszufinden, wer ich bin, was ich will, was ich kann und was nicht. Inzwischen weiß ich das meistens ziemlich genau.

Ich telefoniere auch heute noch jede Woche mit Alex.

 

eingesandt von H.P. Schulzke:

-- Boxkampf mit Gegner Alkohol -- von © Hans Peter Schulzke

Für mich war es ein täglicher Kampf, immer gegen meinen Feind,
der früher mal mein Freund.

Weil ich gerne Boxen sehe, habe ich mein Kampf gegen den Alkohol
als Boxkampf angesehen, und möchte es nie Vergessen.......................

Anfänglich konnte ich mal einen Kampf gewinnen,
weil mein Gegner Alkohol ein ganz gerissener Bursche ist.

Er tat so, als wenn er ganz Unerfahren im Boxsport sei,
und ich fiel natürlich darauf herein.

Das heißt, ich habe einige Male den Boxring als Sieger verlassen.
Also heute nicht getrunken, konnte es mal stehen lassen.

Doch dann kam das Wochenende, wollte nur - einen - Heben.
Auf keinen Fall wollte ich so viel trinken,
daß ich wieder den Kontrollverlust erlebe.

Also wieder in den Boxring gestiegen,
die ersten Runden war ich klar im Vorteil,
weil ich langsam mein Bier getrunken habe.

Ab der fünften Runde bot mein Gegner dann,
mir einen Schnaps mit den schmeichelnden Worten:
" Einer kann doch nicht schaden. "
- Ich nahm ihn an. -

Prompt kam der erste Tiefschlag, den ich aber noch gut wegstecken konnte.

Nächste Runde die Frage: " Darf es denn auch ein Doppelter sein " ?
- Ich sagte nicht nein. -
Doch das hätte ich nicht machen sollen,
denn nun bekam ich was auf die Ohren.

Hörte meine innere Stimme nicht,
die immer Recht hatte, wenn sie zu mir spricht:
-- Hans Peter laß das Saufen sein,
der Gegner schlägt dich kurz und klein. --

In der nächsten Runde kam der Schnaps im Wasserglas,
ich wurde immer mutiger,
Mensch was macht das Boxen Spaß.

Bums ein Schwinger, ich ging zu Boden,
doch der Gegner hat mich wieder hochgezogen.

Ich war ein guter Boxer, über zwölf Runden wollte ich ja gehen,
doch konnte ich jetzt kaum noch stehen.

In der zehnten Runde, ich glaub es nicht, bekam ich soviel ins Gesicht.
Meine Deckung war ganz offen,
denk noch, boh bin ich besoffen.

Den nächsten Schlag,
sah ich mit geschwollenen Augen nicht mal kommen.
Der hat mir aber die Füße von den Brettern genommen.

Mein Gegner sagt: " Halb so schlimm, steh wieder auf. "
Und ich Arsch, ich hör´ noch drauf.

Rappel mich noch einmal hoch, war doch wieder mal so Doof.
Den letzten Schlag, habe ich gar nicht mehr gemerkt,
ich lag langgestreckt auf den Brettern,
im Boxring ist das verkehrt.

Als ich wieder wach geworden,
war es Mittag, nicht mal Morgen.
Alle Knochen taten weh,
vom Kopfe bis zum großen Zeh.

Nein, ich trinke - nie mehr - nicht,
und wenn die Welt zusammen bricht.

Zwei Tage später, sagte dann der Gegner:
" Der letzte Kampf ist unglücklich gelaufen,
versuch es noch einmal,
mit weniger Saufen. "

Ich Blödmann steige wieder in den Ring,
und denke - Heute ist es dein Ding. -

Die ersten Runden waren auch sehr gut,
denn heute war ich auf der Hut.
Die vorletzte Runde fing nun an,
bin doch ein guter Boxersmann.

Auch die Runde, nach Punkten ich gewonnen,
meine Brust vor Stolz geschwollen.
Doch bevor es in die Letzte ging,
hielt ER
mir wieder das mit Schnaps gefüllte Wasserglas hin.

Ich nahm es, und auf EX getrunken.
Was kann denn jetzt noch passieren, fing ich an zu Unken,
und habe noch eins nachgetrunken.

Leicht schwankend ging ich auf meinen Gegner los,
doch der täuschte mich, und lachte bloß.

Der entscheidende Schlag kam im nächsten Moment,
und wieder auf den Boden, die Nacht verpennt.

So wurde aus dem guten Boxer langsam ein Penner dann,
und jeden Tag, fing das Boxen von vorne an.

Doch gewonnen habe ich keine Runde mehr,
nur in Gedanken, war ich der große Meister,
und nicht gemerkt............................

- IM KOPF WAR NUR NOCH KLEISTER -

Doch eines Tages hörte ich von A A
und ein ganz kleines bißchen Verstand war noch da.

Die Freunde sagten:

" Laß Das Erste Glas Nur Stehen, und N I E mehr in den Ring rein gehen. "

Ich habe KAPITULIERT vor dem Gegner Alkohol,
und fühl mich O H N E seitdem Pudelwohl.

Kein Kampf mehr, und kein Geschrei,
das mit dem - in den Ring gehen, - ist vorbei.

Sicher kam der Gegner noch öfter,
und fragte, ob ich ein Feigling sei ?

" Nein mein Lieber, du bist mir nur zu Stark,
und ich nicht bis zum Tode mit dir Kämpfen mag. "

Immer wieder klopft er noch manchmal an, um mir zu sagen:

- Ich wäre doch kein Mann -

Das kümmert mich nicht, weil ich genau weiß,
Box ich wieder, es mich erneut nur auf die Bretter reißt.

Darum schau ich mir Boxen nur noch am Fernseher an,
trink mein Kaffee, und weiß,
- - alle A A´s sind besser dran. - -

 

Anmerkung von A-Connect e.V.:
Es ist nicht entscheidend welche Gruppe Du besuchst, sondern das Du eine besuchst!

 

2 Gedichte von Mieke:

Dankbar

Wenn ich denke an die Jahre,
Wo ich tablettensüchtig war.
Und den Alkohol ich schluckte,
Meine Gedanken nicht mehr klar.
Wo ich voller Depressionen,
Lebte in den Tag hinein,
Wo ich nicht mehr weinen konnte,
Und auch nicht mehr glücklich sein.
Wo ich kein Gefühl mehr hatte,
Und der Tag dann näher kam,
Wo ich nicht mehr leben wollte,
Schlaftabletten zu mir nahm.
Wo ich Gott sei Dank erwachte,
Nächsten Tag auf Intensiv.
Denn ich liebe jetzt das Leben,
Denke heute positiv.

 

Stolz

Immer wenn ich in Gedanken
Vor meine frühere Mauer steh
Bin ich dankbar das ich im Herzen
Schon oft durch diese Mauer geh.

Immer wenn ich in Gedanken
Gehen darf durch meine "Tür"
Bin ich dankbar das ich im Herzen
Wieder Freude und Trauer spür.

Immer wenn ich in Gedanken
Mein ganzes Leben überseh
Bin ich dankbar das ich im Herzen
Jetzt ganz andere Wege geh.

Immer wenn ich in Gedanken
In meines Lebens Spiegel schau
Bin ich dankbar das ich im Herzen
Stolz sein kann auf diese Frau.

 

Ein Gedicht Peter (pce t+):

Wiedergeburt

Ich habe wieder Spaß am Leben:
Neues zu sehen, Neues zu wagen.
Ich versuche mal wieder, mein Bestes zu geben,
doch diesmal für mich, in persönlichen Fragen.

Was will ich, was kann ich, was erwart' ich von mir,
was will ich mir selber beweisen?
Ich bin so gut, wie jeder Andere hier!
Wer's nicht glaubt, der soll sich 'was scheißen.

Ich bin durch ein tiefes Tal gegangen,
ich hab' nicht mehr an mich geglaubt,
das Hirn war im Alkohol gefangen.
Er hätte mir fast das Leben geraubt.

Ich hab' eine neue Freiheit gewonnen.
Ich hänge nicht mehr am Tropf.
Illusionen durch Alk sind gottlob zerronnen.
Ich hab einen klaren Kopf.

Ich sehe die Umwelt mit nüchternem Blick
im wahresten Sinn sozusagen.
Ich bestimme wieder selbst mein Geschick,
ich erlaube mir, niemand zu fragen,

wie ich leben soll, ob's genehm, was ich tue,
solang ich nur trocken darf leben.
Ich habe gefunden ein innere Ruhe,
die kein anderer Mensch mir kann geben.

Ich habe Freunde, die zu mir halten,
die mich akzeptieren, so wie ich bin.
So kann ich mein Leben neu gestalten.
Danke, es macht wieder Sinn.

Das Märchen von der Traurigkeit
ausgesucht von Udo
Ein Gedicht von Gerda:

bester freund
lange zeit gabst du mir
wärme und kraft.
durch dich ging es
leicht, das leben.
spielerisch.
bis zu
jenem moment
in dem ich mir entglitt.
rien ne vas plus
verloren das spiel.

ohne dich glaubte ich
nicht leben zu können.
mit dir schon gar nicht.
denn die kälte
kroch jetzt immer öfter
in mein selbst.
auch als ich deine
flüssige menge erhöhte
und trinkend, leere
goldfarben auffüllte,
dunkle seiten deckte,
mir von dir schmeicheln ließ,
im gaumen im bauch im kopf -
im blut: nichts als die wahrheit.
machtest du mir was vor
oder betrog ich mich selbst?

ich schick dich fort,
mein „freund“.
mit dem wind
über die wasser.
zurückgeworfen
will ich
nach vorne sehen,
noch im trüben
allein -
aber am trockenen ufer,
mich selbst spüren
bei tag und bei nacht.
auch auf des messers schneide...

©GJ
Eine Geschichte ausgesucht von Ernst:

Die Parabel vom Adler
Einst fand ein Mann bei einem Gang durch den Wald einen jungen Adler. Er nahm ihn mit nach Hause auf seinen Hühnerhof, wo der Adler bald lernte, Hühnerfutter zu fressen und sich wie ein Huhn zu verhalten.
Eines Tages kam ein Zoologe des Weges und fragte den Eigentümer, warum er einen Adler, den König aller Vögel, zu einem Leben auf dem Hühnerhof zwinge.
"Da ich ihm Hühnerfutter gegeben und ihm gelehrt habe, ein Huhn zu sein, hat er nie das fliegen gelernt" antwortete der Eigentümer. "Er verhält sich genau wie ein Huhn, also ist er kein Adler mehr".
"Dennoch", sagte der Zoologe, "hat er ein Herz eines Adlers und kann sicher das fliegen lernen". Nachdem sie die Sache beredet hatten, kamen die beiden Männer überein, zu ergründen, ob es möglich sei.
Behutsam nahm der Zoologe den Adler in die Arme und sagte: "Du gehörst den Lüften und nicht der Erde. Breite deine Flügel aus und fliege".
Doch der Adler war verwirrt, er wusste nicht, wer er war und als er sah wie die Hühner ihre Körner pickten sprang er hinab um wieder zu ihnen zu gehören.

Unverzagt nahm der Zoologe den Adler am nächsten Tag mit auf das Dach des Hauses und drängte ihn wieder: "Du bist ein Adler. Breite deine Flügel aus und fliege". Doch der Adler fürchtete sich vor seinem unbekannten Selbst und der Welt und sprang wieder hinunter zu dem Hühnerfutter.
Am dritten Tage machte sich der Zoologe früh auf und nahm den Adler aus dem Hühnerhof mit auf einem hohen Berg. Dort hielt er den König der Vögel hoch in die Luft und ermunterte ihn wieder: "Du bist ein Adler. Du gehörst ebenso den Lüften wie der Erde. Breite deine Flügel aus und fliege".
Der Adler schaute sich um, sah zurück zum Hühnerhof und hinauf zum Himmel. Noch immer flog er nicht. Da hielt ihn der Zoologe direkt gegen die Sonne und da geschah es, dass der Adler zu zittern begann und langsam seine Flügel ausbreitete. Endlich schwang er sich mit einem triumphierenden Schrei hinauf gen Himmel.
Es mag sein, dass der Adler noch immer mit Heimweh an die Hühner denkt, es mag sein, dass er hin und wieder den Hühnerhof besucht. Doch soweit irgend jemand weiß, ist er nie zurückgekehrt und hat das Leben eines Huhnes wieder aufgenommen.
Es war ein Adler, obwohl er wie ein Huhn gehalten und gezähmt worden war.
Ein Gedicht ausgesucht von Ernst:

Ich Wünsche Dir Zeit.

Ich wünsche Dir nicht alle möglichen Gaben,
ich wünsche Dir nur, was die meisten nicht haben.
Ich wünsche Dir Zeit, Dich zu freun und zu lachen,
und wenn Du sie nützt, kannst du was draus machen

Ich wünsche Dir Zeit für Dein Tun und Dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedensein können

Ich wünsche Dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge Dir übrig bleiben,
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun
anstatt nach der Zeit auf die Uhr zu schaun.

Ich wünsche Dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt um zu reifen.
Ich wünsche Dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben,
es hat keinen Sinn diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit zu dir selber zu finden
jeden Tag jede Stunde als Glück zu empfinden,
ich wünsche Dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben
ich wünsche Dir :

ZEIT HABEN ZU LEBEN
Ein Gedicht von Rene...

Flieg kleine Taube, flieg!

Hast dir die Flügel gebrochen
dein schönes Federkleid verdorben
Hast dich im dunklen Loch verkrochen
verfluchtest den Tag an dem du geboren

Nun flieg kleine Taube, flieg!

Das eigene Mitleid hat dich gestützt
Den Glauben an die Zukunft hast du verloren
Blind bist du deshalb abgestürzt
und dabei beinahe gestorben

Nun flieg doch kleine Taube, flieg!

Das einzige was du geliebt hast
hat dich beinahe umgebracht
Vergiss nun was du einmal warst
vorbei ist deine dunkle Nacht

Drum flieg kleine Taube, flieg!

Die Wunden heilen mit der Zeit
dein erster Tag fängt heute an
Oh doch du bist jetzt schon soweit
hab Mut und glaube fest daran

Und jetzt flieg kleine Taube. Flieg
Ein Gedicht von Carola...

Auswege

Wirklich wollen wirklich
aufhören wollen
Hilfe fordern
Hilfe annehmen
lernen
Geduld
viel Geduld es wird leichter später
Glück gehört auch dazu
Glück haben die richtigen Leute finden
das erste Mal Glück spüren
ohne
ja das geht irgendwann versprochen
Wege sehen
Ziele haben kleine erst mal
manchmal nur den Tag überstehen
die nächste Stunde die nächsten zehn Minuten
wie ist am Anfang egal
Hauptsache ohne
Und die Zeit läuft weiter........
Ein Gedicht von Michael


Da haben wir uns gesehen.......getroffen.....verliebt.....
Es gab nur uns.....
Schmetterlinge im Bauch... Liebe im Herzen....Vertrauen zueinander
Waren nur für uns da...
Sahen keinen anderen....
Und siehe da....Kinder der Liebe erblickten das Licht der Erde
Und staune.....auch ein Häuschen wurde gebaut.....
Alles auf der Säule der Liebe und des Vertrauens.....
Aber-Was das????
Das anfängliche Bierchen beim Feiern.....
Das plötzlich auch abends da war.....
Und gegen Wein getauscht wurde.....
War auf einmal auch schon morgens da......
Zuviel gefordert? Zuviel Stress? Vergangenheit?
Oh Frau - was ist passiert?
Hilfesuchende, matte Augen blicken mir entgegen....
Mutlosigkeit hat sich ein Plätzchen gesucht .....
Gestammelte Worte lassen mich schaudern...
Eine neue Liebe hat die Frau gefunden....
Nicht körperlich....nicht geistig......
Flüssig!!!
Der schlimmste Feind kam durch die Hintertür.....
Schleichend, nicht sichtbar, erbarmungslos, auf Liebe nicht achtend.... 
Hat sich in meinem Weib breit gemacht......
Hat sie uns weggenommen.......
Und zeigt mir seine Fratze.....
Und gibt mir zu verstehen - du bist machtlos.....
Leiden sollst du....lange Jahre. und immer Angst haben.....
Mich kannst du zwar verscheuchen... 
Aber hüte dich......
Ich komme wieder....
Brauche nur ein Glas....
Und bin wieder da.....
Ich - der Alkohol!!!!!!
Ja - Alkohol, du hast es geschafft....
Angst habe ich.....
Um meine geliebte Frau.....
Nun ein Leben lang.....
Denn wer liebt verlässt nicht....
Aber bitte gib mir noch ein paar Jahre....
Nur ein paar Jahre....
Ohne dich, Alkohol...
Die ich mit meiner Frau verbringen kann....
Ohne in ein eingefallendes Gesicht blicken zu müssen....
Hilfesuchende Blicke.....

Falls euch mein Gedicht gefällt oder Ihr euch in der gleichen Situation befindet wie ich,
Mailt mir unter engel.alice@freenet.de (Ist die E-Mail Adresse von mir und meiner Frau)

Gruß
Michael
Simone schrieb uns folgendes Gedicht:

Nun ist es geschehen

Nun ist es geschehen, ich habe sie verloren.
Die Frau, die mich vor 28 Jahren hat geboren. 
Was soll nun geschehen was soll ich machen ?
Wer bringt uns Kinder denn jetzt zum lachen ?

Die Frau die ich meine Mutter nannt' 
ihr "Freund" hat mich aus Ihrem Leben gebannt
"Er" hat Sie mir gestohlen mir geraubt 
was dieser Alkohol sich alles erlaubt. 

Einst war Sie stark und so lebensfroh 
Und dieser Alkohol hat Sie gestohlen.... einfach so.
Nun sitze ich hier und schreibe alles nieder 
In der Hoffnung andere Menschen "finden" sich wieder.

Ihre Angehörigen müssen nicht dieses Leid ertragen 
Wie ich es nun zu tragen habe
Hört alle, was ich sage !! 

Dieses Zeug macht Euch krank und schwach 
Mein Gott werdet doch wach.
Oder wollt' Ihr das selbe Leid erleben wie meine Mutter es tat ??
Das Leben ist sinnlos ohne die Person die es geschaffen hat !! 

Ich liebe Sie und habe alles versucht 
Doch diese Macht ist einfach verflucht.
Ich hatte keine Chance zu helfen war so machtlos
Nun ist Sie gegangen und ich muss lassen los. 

Es tut so weh , was soll ich machen 
Kann nicht einfach so leben und wieder lachen.
Es ist erst am 10.07.2002 passiert ich weis 
Ich werde wieder Leben um jeden Preis.

Aber ohne meine geliebte Mutter mein Herz
Wie groß ist doch dieser verdammter Schmerz.
So jung, so schön, so stark, so lieb 
Dass ist alles was mir blieb.

In Bildern und Erinnerungen 
Ich habe Sie die letzten Tagen verschlungen
Und so schöne Gedanken erlebt 
Das alles in mir hat gebebt. 

So werde ich Sie behalten so stark und schön 
Und werde immer wieder an ihr Grab hingeh'n
Sie nie vergessen Sie für immer lieben 
Denn das ist alles was ist mir geblieben. 

Ein Kreuz auf dem Ihr Namen steht geschrieben.

Rene schrieb uns:

Nach meinem letzten Rückfall vor drei Wochen habe ich stationär vierzehn Tage entzogen. Bei einem Gruppengespräch wurde ich gefragt wie ich mich jetzt fühle. Ich habe seit dem ein Bild im Kopf und zu "Papier" gebracht, welches mich nicht mehr los lässt: Ich sitze an einem frühen Sommermorgen in einem Boot ohne Ruder, den Kopf in die Hände gestützt und grübelnd, auf einem einsamen See. Im Hintergrund das Ufer, nur schwach im Nebel zu sehen.



Das Bild beschreibt meine momentane Situation, gibt aber auch Hoffnung:
Der Tag ist noch jung. Trotz Nebel ist das Ufer in Sicht und eigentlich auch gar nicht so weit. Ich muss aufhören über m
eine jetzige Situation zu grübeln, Initiative ergreifen und zum Ufer schwimmen. Hinter dem Wald gibt es sicher eine Siedlung in der ich Menschen kennen lernen werde mit denen ich eine bessere Zeit haben werde als meine Vergangene war. Ich muss es nur machen!
Ein Gedicht von Helmut geschrieben:

Die Zeit des Trinkers

Die Zeit war still
mein Mut war groß.
Als ich in vielen frohen Stunden
bei Bier und Brandy schien gefunden
die sogenannten Freundesrunden.

Die Zeit war still
mein Mut noch groß.
Als ich den Fluss durchquerte,
das andere Ufer dann erschloss
und mich dagegen gar nicht wehrte.

Die Zeit war still
mein Mut lies nach.
Ich sah auf einmal mit Erschrecken
dass ich den Rückweg nicht mehr fand,
Das sich're Ufer konnt' ich nicht entdecken.

Die Zeit war schrill
mein Mut ganz klein.
Ich tanzte jetzt den Tanz der Sucht,
fand keinen Ausweg, keine Flucht.
Und wollte doch ein Meister sein.

Die Zeit verging.
Mut wich Verzweiflung.
An einem Glas mein Leben hing,
Alkohol - das war mein Ding. 
Er nahm mir jede Hoffnung.

Die Zeit zerbrach.
Hochmut begann.
Du meisterst doch dein Leben!
Kleinigkeit! Ein Gläschen nur!
Hoch soll jetzt alles leben!

Die Zeit zerrann.
Der Übermut trug Frucht.
Er trieb mich tiefer in die Sucht.
Ich fing an Freunde zu verlieren.
Konnt's Trinken nicht mehr kontrollieren.

Die Zeit zerlief.
Und ich fiel tief.
Der Job, er ward zu einer Qual, 
weil ich, um meinen Zustand zu kaschieren, 
zur Lüge griff als einz'ger Wahl.
Die Zeit blieb steh'n
begann sich zu genieren.
Doch ich trank weiter
bis Liebe, Frau und Kind
vergangen und vergessen sind.

Die Zeit zersprang.
Und schädeldröhnender Gesang
bestimmte jetzt mein Dasein.
Denn Leben war es nicht,
was mir noch blieb, nur Schein.

Die Zeit sie schwand.
Lies mich am Rand.
Bis ich an Herz und Geiste krank
Gemeinschaft in der Gruppe fand.
AA erweckte mich zum Leben.

Die Zeit ist schrill.
In mir ist's still.
Seit ich vor langer, langer Zeit
die Chance meines Lebens fand
mein Trinkerdasein überwand.

Die Zeit ist kurz.
Lang war der Wahn,
dem ich anheim gefallen war.
Ich weiß, dass ich mit Gott und Glück
im Leben wieder bin zurück.

Die Zeit ist klar.
Klar wie der Weg,
den ich mit vielen Freunden heute
und mit AA zum Ziel beschreite.
Bescheiden wurde ich zum Schluss.

Die Zeit vergeht.
Der Mut mir wächst,
dass ich in der Gemeinschaft dann
im wöchentlichen Gruppenmeeting
mein Leben doch noch meistern kann.


Helmut. 11.12.2001
Ein Gedicht von Ingo ausgesucht:

Ich bin mächtiger als alle
Armeen der Welt.
Ich habe mehr Menschen kaputtgemacht
als alle Kriege.

Ich habe Millionen von Verkehrsunfällen
verursacht und mehr Heime und Familien
zerstört als alle Sturmfluten und
Überschwemmungen zusammen.

Ich bin der gemeinste
Dieb der Welt.
Ich stehle jedes Jahr
Milliarden.

Ich finde meine Opfer sowohl unter den
Reichen als auch unter den Armen,
unter jungen ebenso unter den alten Menschen,
unter Starken und Schwachen.

Ich bin ruhelos, heimtückisch 
und unvorhersehbar.
Ich bin überall zu hause, auf der Straße,,
in der Fabrik, im Büro, auf der See
und in der Luft.

Ich gebe nichts und
nehme alles.
ich bin dein ärgster
Feind.

Ich bin der Alkohol
Eine Geschichte von Anja geschrieben:

Karussell

Ich möchte so gern ein Gedicht schreiben von dem Karussellpferd, als das ich mich so oft fühlte. Einem Pferd, das alle Voraussetzungen besitzt, glücklich zu sein. Liebevoll angefertigt, reich verziert und von allen bewundert und geachtet. Mit stolzem Kopfschmuck, klaren Augen wie Saphire, einem hohen Rücken, an den sich weich ein kostbarer Sattel schmiegt. Die Beine sehnig, sprungbereit, voller Ungeduld und Unternehmungslust. Der Schweif schlingt sich im Galopp um die Hüften, die Mähne flattert im Fahrtwind. Stolz sprengt es im Kreis. Vorbei an den gaffenden Menschen. Unnahbar und ruhelos imaginären Zielen entgegen. Vor lauter Stolz bemerkt es nicht, daß es sich immer im Kreise dreht. Erst als die Hufe in der durch den eigenen Galopp getrampelten Rinne mehr und mehr an ihrer Jagd gehindert werden, wird das Pferd irritiert und spürt, daß etwas nicht stimmt. Es hetzt weiter und im Schwindel werden die Gaffenden zu einer gesichtslosen, verzerrten Masse und es spürt das Kind nicht mehr, das sich froh auf seinen Rücken setzte. Das ehemals glänzende Fell wird stumpf und matt wie auch die einstmals glänzenden Augen. Der Sattel beginnt zu scheuern, zu drücken, die Beine werden kraftlos und der Schweif verfilzt. Es macht Versuche, aus dem ewigen Kreis auszubrechen. Es spürt, daß dieses ewige sich-um-den-einen-Punkt-drehen sinnlos ist. doch jedesmal, wenn einer der Hufe einen Schritt aus der vorgetrampelten, vertrauten Bahn heraustritt und das Pferd Auge um Auge den Menschen gegenübersteht, schreckt 3es zurück und fällt in den Trott der alten Bahn zurück. Immer müder wird es. Fühlt sich mehr und mehr gezerrt und getrieben von der schonungslosen Maschinerie des Mittelpunktes, um das es schicksalhaft kreist, ein Kadaver, willenlos. Und doch: Es gab etwas, ein unbestimmtes Gefühl von Hoffnung, das es den Gedanken daran nicht aufgeben ließ, irgendwann den Weg der Verzweiflung verlassen zu können. An einem trüben Tag, als niemand mehr da war, der seinen Sattel besteigen oder es auch nur betrachten wollte und es eine Einsamkeit verspürte, die schmerzhaft war wie nie zuvor, da wußte es, das es keine Zeit, keinen anderen Ausweg mehr gab. Es senkte den Kopf, horchte tief in sich hinein, spürte noch einmal das Vibrieren der Maschinerie, die sein Leben bestimmt hatte hart und zwingend an seiner Seite und war innerlich so weit davon entfernt , daß das Neue, Unbekannte seinen Schrecken verlor. Mit einer neuen, plötzlich auflodernden Kraft, riß es sich los, setzte über den Graben hinweg, der sein Gefängnis war und sprengte mit zitternden Schenkeln in das Grau einer Landschaft, die den Namen Zuversicht trug.

Ein Lied von Garry neu getextet:

Melodie nach "Timmy der Hamster" (Polygamie, Polygamo...)

Akkorde: C & G oder E & H7

Refrain der immer wieder wiederholt wird:

Noch ein Schnaps, noch ein Bier
Diese Freude gönn ich mir
Noch ein Schnaps noch ein Bier 
Was wollt Ihr denn von mir

Es war einmal ein Säufer
Der saß allein` zu Haus
Es war einmal ein Säufer
Der sah ganz furchtbar aus

Refrain

Ich trink doch schon seit Jahren 
Und es gefällt mir gut
Ich trink doch schon seit Jahren
War immer auf der Hut

Refrain

Hab immer schwer geschuftet
Und jeder war mein Freund
Hab immer schwer geschuftet 
Und hab`s nur gut gemeint

Refrain

Nun sagt mein Chef "verschwinde"
Du säufst mir doch zuviel
Nun sagt mein Chef "verschwinde"
Und änd`re Dein Profil

Refrain

Zu Haus bei der Familie
Das gleiche blöde Spiel
Zu Haus bei der Familie 
Sie sagt ich sauf zuviel

Refrain

Jetzt sitz ich hier und saufe
Was woll`n die all von mir
Jetzt sitz ich hier und saufe
Ich hol mir noch`n Bier

Refrain

Schon Monate alleine
Die Leber spiel verrückt
Schon Monate alleine
Ich bin der Welt entrückt

Refrain

Keiner gibt mir Hilfe
Alle laufen weg
Keiner gibt mir Hilfe
Hat alles keinen Zweck

Refrain

Ich glaub ich muss was machen
Sonst ist es mit mir aus
Ich glaub ich muss was machen
Ich halt das nicht mehr aus

Refrain

Da gibt es eine Klinik
Da geh ich morgen hin
Da gibt es eine Klinik
Ich glaube das macht Sinn

Refrain

Jetzt nach 16 Wochen
Es geht mir richtig gut
Jetzt nach 16 Wochen
Ich habe frischen Mut

Neuer Refrain !!

Nie mehr Schnaps, nie mehr Bier
So ein Leben wünsch ich mir
Nie mehr Schnaps, nie mehr Bier
Das wünsch ich mir und Dir


Meine Frau sitzt bei mir
Und hält mir mein Hand
Mein Chef hat angerufen
Und reicht mir auch die Hand

Neuer Refrain

Im folgenden die Akkorde langsam angespielt, mehr Sprechgesang

Die Moral von der Geschichte
Ich lebe wieder auf
Die Moral von der Geschichte
Es geht wieder Bergauf

Normaler Akkordschlag

Schnäpschen hin, Bierchen her
Dieses Zeug brauch ich nicht mehr
Schnäpschen hin Bierchen her
Auch ohne tanzt der Bär.

Ein Gedicht von Claudia:

Wirre Gedanken und Gefühle der Nacht

Es ist der Schmerz, den man in sich trägt,
es ist die Nacht, die man nur noch sieht,
es ist die Zeit, die man nicht mehr spürt,
es ist die Einsamkeit, die einen umgibt,
es ist die Kälte, die man auf der Haut wahrnimmt,
es ist die Hilflosigkeit, der man erlegen ist...

Die Welt scheint mir manchmal fremd,
ungewohnt und einfach anders,
so dass ich mich nicht in ihr zurechtfinden kann,
dass ich mich selbst fühle wie fehl am Platz,
gemacht, um so zu sein, wie ich bin:
eine andere.

Die Nacht schreibt die Regeln,
sie bestimmt wann es Tag wird
und wann sie diesen wieder in sich aufnimmt,
sie ist das Schwarz zu dem Weiß,
sie ist die Ruhe der Lebenden
und das Leben der anderen....

Die Traurigkeit ist mein Begleiter,
verflucht und doch gepriesen,
weggeworfen und wieder aufgehoben,
immer wiederkehrend,
aber auch vergänglich,
sie ist gehasst und doch geliebt,
denn, wenn sie vergangen ist,
bin ich wieder glücklich...

Mit viel Nachdenklichkeit verstreicht meine Zeit,
manchmal mich nicht in Ruhe lassend,
die ganze Nacht,
mir meinen Schlaf raubend
und meine Träume störend...

Gedanken umgeben mich,
schwirren in meinem Kopf umher,
verwirren mich manchmal sehr,
machen es mir schwer zu sehen,
was direkt vor mir ist,
gehüllt in Dunkelheit...

Das kleine Licht scheint flackernd, schwach,
es droht bald auszugehen,
die Hoffnung ist seine Energie,
gegen den starken Wind scheint diese doch nur zerbrechlich
und löst sich auf in Luft...

Das was ich will, bekomm ich nicht,
egal wie sehr es mich verzehrt, es scheint mein Schicksal zu sein,
zu verweilen allein...

Eine Geschichte von Paul*

Wie immer...
Aus dem Tagebuch der Deutsch-Langhaarhündin Tessa

Mein Herrchen und ich lebten zusammen mit Frauchen in einem kleinen, gemütlichen Häuschen mit Garten, das in einem kleinen Ort stand. Frauchen fuhr 6 Uhr morgens zur Arbeit, Herrchen und ich gingen Gassi. Tagein - Tagaus, immer die gleiche Tour. Zunächst einen kleinen Weg entlang zur großen Wiese. Keine Katzen da, na egal, jetzt machen wir erst mal unser morgendliches Geschäft. Wie immer.

Wie immer marschieren wir zu unserem Weiher, ich muss aber ganz leise sein, denn gleich um die Ecke schlafen am Ufer die Wildenten. Ich blicke angespannt zu ihnen hinüber und schleiche mich vorsichtig an. In der klassischen Körperhaltung eines Jagdhundes verharre ich einen Moment und fixiere mich auf eines dieser laufenden und schwimmenden Flugtiere. Attacke, los geht’s, die Vögel scheuchen auf, die einen springen ins Wasser, die anderen fliegen davon. Wieder nichts, wie immer.

Jetzt aber kommt die Aktion meines Herrchens, zielstrebig gehen wir auf einen Kramerladen zu. Ich muss hier warten und setze mich neben meinen stummen Freund, den Hydranten. Herrchen betritt den Laden und verlässt diesen nach kurzer Zeit wieder. War er erfolgreich ? Hurra, er hat die weiße Tüte in der Hand und die Zeitung unter dem Arm! Eilig gehen wir jetzt nach Hause. Teller, Messer und Wurst auf den Tisch, Tüte mit den frischen Semmeln ausgepackt. Herrchen schneidet eines dieser Backwunder in zwei Hälften und belegt Sie jeweils mit Wurst. Wir teilen brüderlich unser Frühstück. Jetzt die Zeitung fürs Studium ausgebreitet, je ein Griff in die linke und rechte Hosentasche und da sind sie wieder. Die von Herrchen so begehrten, kleinen, flachen und mit brauner Flüssigkeit gefüllten Fläschlein. Zwei Stück, wie immer. Nach drei Schlücken war das erste geleert.

Während Herrchen die Zeitung las und gelegentlich einen Schluck aus dem zweiten Fläschlein nahm, ist für mich ein kleines Nickerchen angesagt. Die Zeitung ausgelesen, das zweite Fläschchen ausgetrunken, so begibt sich Herrchen jetzt eine Etage höher in sein Büro. Computer eingeschaltet, ab ins Internet. Jetzt werden Texte geschrieben und gedruckt, Telefonate geführt während aus dem Radio angenehme Musik spielt. Ich bin jetzt ganz brav und lege mich auf Herrchens Füße, denn Körperkontakt ist für mich sehr wichtig. Ich bemerke jede Bewegung und kann somit nicht versäumen ihm nachzugehen, wenn er das Zimmer verlässt. Die Zeit vergeht, aber er bewegt sich nicht. Soll ich ihn darauf aufmerksam machen, dass es Zeit für die zweite Runde ist?

Ich versuch’s, packe ihn sanft am Bein und zerre etwas daran. Er reagiert und fragt, was ich denn wolle. Er versteht meine Mimik und sagt „geh’ma“. Ich spring auf und laufe zur Treppe. Mit freudigem Gebell eile ich hinunter und warte sitzend an der Türe. Herrchen kommt mir nach, greift meine Leine und steckt die Haustürschlüssel ein. Ich darf die Türe öffnen und hinaus mit uns. Am offenen Gartentor muss ich aufpassen, ob eines dieser fahrenden Automobile vorbeifahren will. Nichts kommt! Den Weg hinauf zu den Feldern, ich kenne den Weg auswendig und brauche auf Herrchen nicht zu warten. Plötzlich eine Katze, sie liegt im Gras und putzt sich, ich erstarre, der Wind steht günstig und sie bemerkt mich nicht. Nun aber los mit den jungen Hunden, Katzenjagen ist angesagt. Jetzt hat sie mich bemerkt, springt auf und rennt davon. Oh Gott! Was nun, sie überschlägt sich, läuft aber weiter. Bloß nicht der Baum, schießt es mir durch den Kopf. Ich hole auf, aber schon ist sie oben, das feige Luder. Ich umkreise den Baum und verhindere damit ihre weitere Flucht. Jetzt kommt auch Herrchen dazu und ruft „Tessa sitz“ und ich sitze. Er legt mir die Leine an, schimpft aber nicht. Ich bin ja ein Jagdhund. Wir gehen weiter, blicke noch ein paar mal zum Baum zurück, kann die Katze jedoch nicht mehr sehen.

Er löst die Leine wieder und ich stürme über die Wiese, zwischendurch buddle ich einen Maulwurfhaufen um und nehme im Bächlein ein Fußbad. Weiter geht’s jetzt, wie immer zum Getränkemarkt. Vor der offenen Tür warte ich geduldig, während jetzt wieder Herrchen seinem Jagdtrieb nachkommt. Ich begrüße kurz einen kleinen Buben, der mit seiner Mutter ebenfalls in den Markt geht. Auch Jagen, denke ich. Schon steht Herrchen wieder vor mir. War er erfolgreich ? Zu Hause angekommen packt er seine Beute aus. Eins, zwei, sogar drei Fläschchen zieht  er diesmal aus den Taschen und Zigaretten sind auch noch mit dabei. Zufrieden leert er eines der Fläschchen und begibt sich wieder an seine Arbeit. Wie immer.

Der Nachmittag vergeht wie im Flug, ich habe keine Langeweile. Kinder besuchen mich und spielen Fangen und Verstecken mit mir, schmeißen den Ball und meinen gelben Igel  durch die Luft und freuen sich über meine Fang- und Bringaktionen. Doch dann müssen sie wieder nach Hause. Ja aber hallo, jetzt ist doch unser letzter Beutezug für heute angesagt. Ich eile ins Haus, die Treppe hinauf und setze mich vor Herrchens Schreibtisch. Herrchen ist in seine Arbeit so vertieft, dass er mich nicht bemerkt. Ein kurzer Laut von mir lässt ihn jedoch aufblicken, er weiß Bescheid und beendet seine Arbeit, geht zur Küche und nimmt den Beutel mit den leckeren Sachen für die Enten, Leine und Schlüssel müssen auch mit.

Unser Weg führt durch den Ort direkt zu dem kleinen Getränkemarkt. Ein paar freundliche Worte zu der Chefin, während ich meine Streicheleinheiten von ihrer Tochter erhalte. Jetzt greift Herrchen in einen Karton, der auf dem Schränkchen neben der Kasse steht und nimmt  wieder mehrere dieser Fläschchen, sich umblickend verstaut er sie schnell in seinen Taschen. Hoffentlich hat’s keiner gesehen, denkt er wohl, legt einen blauen Zettel auf den Tisch und erhält von der Chefin einen Silberling zurück. Unser Heimweg führt uns zunächst am Blumenladen vorbei, dann zum Fischerhäuschen und Fischweiher, wo sich die Enten sonnen. Mittlerweile sind auch zwei Schwäne im Wasser und fauchen mich an. Herrchen setzt sich auf die Bank, ich interessiert davor, öffnet den Beutel und entnimmt kleine Brotstückchen, die er den Enten und Schwänen zuwirft. Jetzt könnte ich doch ...... , nein, darf das gefiederte Getier nicht verscheuchen. Herrchen zündet sich eine Zigarette an, holt sich aus einer seiner Hosentaschen ein Fläschchen, öffnet dieses, setzt zum Trinken an und ... leer!  Ab damit in den Papierkorb, entsorgt, wie er sagt.

Wir genießen die Ruhe und sitzen, ich habe dabei meinen Kopf auf seine Beine aufgestützt, ganz entspannt mit Blick auf den in der Abendsonne spiegelnden Weiher. Die Ruhe unterbricht Herrchen durch das Öffnen des zweiten Fläschchens und dem Anzünden einer zweiten Zigarette. So sitzen wir noch einige Minuten. Herrlich, wie immer. Herrchen trinkt sein Fläschchen leer und entsorgt es wiederum. Wir machen uns auf den Heimweg. Hurraaa! Frauchen ist auch schon Zuhause, jetzt können wir den Tag gemütlich ausklingen lassen. Ich bekomme eines dieser Knabberchen und lege mich zum Schlafen hin. Während Frauchen und Herrchen zu Abend essen und miteinander sprechen, höre ich wie Frauchen zu Herrchen sagt, es ist gut, dass du morgen in die Klinik fährst und gegen deine Alkoholkrankheit etwas unternimmst .Wenn du wiederkommst, wird es für uns alle viel Neues zu erleben geben. Bei dem Gedanken, was es alles noch zu erleben gibt, schlafe ich zufrieden ein.

Nachdenkliches von Promillo:

Glück

Was ist Glück? Ich meine jetzt nicht das Glück, das man beim Spiel haben kann, oder wenn man aus einer gefährlichen Situation unbeschadet rauskommt. Nein ich meine mehr das innere Glück, die Zufriedenheit das "sich wohl fühlen", die Geborgenheit. Rein medizinisch gesehen ist Glück das Ausschütten von Endorphinen im Gehirn. Das heißt der Körper reagiert in bestimmten Situationen, wie beispielsweise.:

  • bei bestimmten Gerüchen die man mit einer bestimmten Begebenheit in Zusammenhang bringt (Zimtgeruch an Weihnachten, Geruch von gutem Essen) 

  • das Anhören von Musik die man mag 

  • das Betrachten eines schönen Gemäldes, einer Landschaft usw. 

  • beim Erreichen eines Zieles oder sportlichen Rekordes 

So hat wohl jeder eine ganz eigene Situation die bei Ihm/Ihr ein Glücksgefühl hervorruft. Man kann das Gehirn bzw. die dafür zuständige Hormondrüse aber auch dazu veranlassen Endorphine auszuschütten, in dem man bestimmte Stoffe einnimmt. Dies kann aber auf die Dauer sehr problematisch werden. Der Nachteil davon ist eigentlich sehr einleuchtend.

Normalerweise kehrt ein Großteil der Endorphine nach einem "natürlichen" Glücksmoment wieder zu dem Ursprungspunkt (Drüse) zurück und bildet dort eine Art Vorrat für die nächsten Momente. "Zwingt" man aber, mit anderen Stoffen ( Alkohol, Extasy Heroin, Haschisch usw.) diese Drüse dazu Endorphin auszuschütten, dann kehren eben nur wenige dieser Botenstoffe wieder zurück und hinterlassen so ein Defizit. Man braucht auch immer mehr von diesen Drogen, um wieder das gleiche Glücksgefühl hervorzurufen. Außerdem ist dann nichts mehr da, von diesen Endorphinen, wenn man sie gerade brauchen könnte. Man stumpft dann ab, und ohne Einnahme von diesen Glücksbringern erscheint dann die Umwelt immer trostloser, man ist unglücklich. Dies kann dann auch zu schweren Depressionen führen.

Glücklicherweise habe ich mich dazu entschlossen zu versuchen auch ohne irgendwelche "Glückserzwinger" auszukommen. Es war, und ist, nicht einfach nach dem Absetzen eben dieses Stoffes, zufrieden zu sein. Aber es geht immer besser.

Ich bin heute morgen um fünf Uhr aufgewacht und habe mich im Bett gewälzt und mir Gedanken über meine Zukunft gemacht. Über Schulden die ich noch zu bezahlen habe, über meinen Vater der im Frühjahr starb, die Mutter die jetzt alleine ist, das Elternhaus das jetzt zur Renovierung ansteht, was die Kinder wohl noch machen werden, und über meine jetzige Frau, die immer noch an meiner Seite ist. Ist das Glück fragt Ihr jetzt sicher? Ich denke ja!

Als ich noch getrunken habe war an so was überhaupt nicht zu denken. Das war mir alles so egal. Natürlich habe ich in "nüchternen" Momenten auch nachgedacht aber wenn ich, wie meistens, keine Lösung fand dann war ja mein Glücksbringer immer in der Nähe und somit hatte sich das Thema dann auch erledigt.

Heute bin Ich glücklich wenn:

  • ich mit den Kindern was unternehmen kann (Ausflug, Hausaufgaben, Spielen) 

  • ich mit meiner Frau über Probleme reden kann 

  • ich für jemanden "da" sein kann 

  • ich weiß das mich andere Respektieren 

  • ich wieder 24 Stunden trocken war 

  • ich Freunden und Verwandten in schweren Zeiten beistehen kann 

  • ich mich über "Kleinigkeiten" oder "Alltägliches" freuen kann ( schönes Wetter, ein Kuss von meiner Frau, Vogelgezwitscher am Morgen, ein schönes Panorama) 

  • ich mich sportlich betätigen kann 

  • ich mit Vorgesetzten reden kann, ohne Minderwertigkeitsgefühle 

  • ich Bank- oder Amtsgeschäfte erledigen kann 

  • ich mich mit anderen freuen kann 

...und das alles ohne Alkohol!

Was bedeutet "Glück" für Dich?

Denk daran: Jeder ist seines Glückes Schmied!

Ein Gedicht von Alice:

Die Vergangenheit überholt
Die Gegenwart überfordert
Die Zukunft überfällt
oder
Die Vergangenheit bewältigen
Die Gegenwart beurteilen
Die Zukunft beginnen

Zum Nachdenken von Ike aus Belgien:

Der lange harte Weg

Der Versuch das Leben ohne Alkohol zu gestalten ist ein harter Weg mit Fallen und Aufstehen. Manch einem fällt es leichter, ein anderer wieder muss schwer kämpfen. Die Außenwelt will von diesen Problemen nichts wissen - es wird oftmals dumm und unbegreiflich reagiert. Wir trockenen Alkoholiker müssen oft die Zähne zusammenbeißen. Es kommt auch vor, dass Menschen Spaß daran haben, wenn wir rückfällig werden. Manche Menschen bewundern uns auch. Es tut sich die Frage auf: Warum bin ausgerechnet ich es, der nicht mit Alkohol umgehen kann? Die Antwort darauf ist für mich unterschiedlich: 1. Ich habe beschlossen, nicht mehr zu trinken. 2. Ich probiere nicht mehr zu trinken und das geht mit Fallen und Aufstehen. 3. Wer rückfällig ist oder war darf nicht verzweifeln sondern sollte ehrlich zu sich selbst sein.
Niemand ist vor dem Rückfall sicher - jedem kann es passieren.

Unser Problem ist der Alkohol und wir müssen konstant auf uns achten. Es ist ein harter Weg, aber er ist zu schaffen - mit Selbsthilfegruppen und Kontakt zu Gleichgesinnten. Auch sollten wir auf Ratschläge von anderen Betroffenen hören. Ein anderes (neues) Leben aufzubauen ist sehr schwer. Ich stelle mit oft die Fragen: Muss es so weitergehen? Ist es die Mühe wert? Meine derzeitige Antwort darauf ist "ja". Ich will nüchtern bleiben. Nüchtern werden oder sein ist ein langwieriger Prozess, jeder sammelt dabei seine persönlichen Erfahrungen. Manch einer sieht es durch die "rosa Brille" und manch einer sieht es schwarz.

Das Nüchtern sein ist eine Sache für sich und mit dem Rest muss ich noch lernen umzugehen und das ist dann der "lange harte Weg".


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Zuletzt aktualisiert am: 19.05.2017




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