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Hoffnung...

Wie andere alkoholkranke Menschen den Absprung geschafft haben Immer wieder werden wir gefragt, wie es zu schaffen ist, von der Flasche wegzukommen. Hier sollen alkoholkranke Menschen zu Wort kommen, die schon den entscheidenden Schritt aus der Sucht getan haben. Wir sind dabei auch auf die Hilfe unserer Besucher angewiesen. Schreiben Sie uns Ihre Geschichte! Es sollte kein ausführlicher Lebensweg sein, sondern folgende Fragen sollten darin beantwortet werden:

  • Wie war die Situation kurz vor dem Aufhören?
  • Was hat mich letztlich dazu bewegt, aufzuhören?
  • Was habe ich unternommen?
  • Wie ging es weiter?
  • Wie geht es mir heute?
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Schreiben Sie an uns! Bitte als Betreff "Hoffnung" eingeben, damit wir Ihre Mail richtig zuordnen können: info@a-connect.de

*Auf Wunsch werden wir Ihre Geschichte unter einem Pseudonym-Namen veröffentlichen - Ähnlichkeiten zu anderen Personen sind rein zufällig. 

Mit Ihrer Geschichte helfen Sie anderen Alkoholikern, die noch unter ihrer Sucht leiden. Wir freuen uns auf rege Beteiligung! Danke an dieser Stelle allen, die schon mit daran gearbeitet haben.



Thomas aus Berlin

Selbsthilfegruppe -
wozu brauche ich die eigentlich?

Ungeordnete Gedanken eines trockenen Trinkers

Vorweg: Ich bin Alkoholiker und habe nur Erfahrungen mit dem Suchtstoff Alkohol. Daher beziehe ich mich hier auch nur darauf. Gespräche in einer psycho-therapeutischen Klinik mit anderen Menschen/Süchtigen (Medikamentenabhängige, Arbeitssüchtige [Workoholics] mit "Burn out", Spielsüchtige etc.) haben mir aber gezeigt, dass die Ursachen meinen sehr ähnlich waren: Keine Ahnung, wie man mit (wachsenden) Problemen/Stress umgehen soll - also sucht man Erleichterung in/mit einem bestimmten Medium. Oder anders herum: man "belohnt" sich für die erfolgreiche Bewältigung dieser Probleme. Und irgendwann schleicht sich dann der Kontrollverlust ein …
Bei (fast) jeder Krankenhausvorstellung taucht die Frage auf, die sich wohl die meisten von uns zu Beginn ihrer Trockenzeit gestellt haben:

"Was bringt mir eine Selbsthilfegruppe?"


Ich denke mal, das Wichtigste ist doch, erst einmal für sich selbst zu klären: Will ich überhaupt von meinem Suchtstoff wegkommen? Und wenn die Antwort "JA" lautet, sollte ich jede Hilfe annehmen, die ich kriegen kann! Irgendwo habe ich mal gelesen:
"Sich von der Sucht lösen kann nur der Süchtige alleine -
doch alleine schafft er es nicht!"

(oder so ähnlich). Für mich habe ich erkannt, dass das sehr wahre Worte sind!!

Ich habe festgestellt, dass es schon sehr "beruhigend" ist, dass ich mit meinen Problemen, trocken zu werden bzw. zu bleiben, nicht alleine bin. In der Gruppe wissen die Menschen, von welchen Problemen ich rede. Denn über viele Sachen kann ich nicht mit anderen Leuten, die kein Suchtproblem haben, reden. Auch nicht mit meiner Frau oder meinen Verwandten. Denn die wissen und verstehen nicht, was ich meine, wenn ich z.Bsp. von "innerlicher Unruhe", "Händeflattern", "Trockenkotzen" oder "Saufdruck" rede. "Trink weniger! Hör doch einfach auf, zu trinken!" Wenn das so einfach wäre - dann gäbe es keine Alkoholiker!
Nicht nur ich hatte mit meiner Scham zu kämpfen, mal wieder versagt zu haben, meinen Vorsatz, heute nicht zu trinken, doch wieder gebrochen zu haben. Wenn ich den Menschen zuhöre, die von ihrer "nassen" Zeit, von ihrem Verhalten, ihren Verhaltensmustern damals berichten, dann habe ich sehr oft das Gefühl, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Ja, so habe ich mich auch verhalten - den Alk an allen möglichen und unmöglichen Stellen versteckt, um "Reserven" zu schaffen; andere belogen, dass sich die Balken bogen ("Ich? Ich habe doch nichts getrunken!"); heimlich getrunken, damit es meine Umwelt nicht merkt (dachte ich zumindest); eine regelrechte Logistik aufgebaut, um mir meinen Stoff zu besorgen - aber auch, um die leeren Falschen zu entsorgen; und, und, und …
Und vor allem habe ich mich immer wieder selbst betrogen, indem ich mir einredete, dass ja keiner mitkriegt, dass ich "ein bisschen zu viel" trinke - und vor Allem, dass ich ja kein Alkoholiker bin. Schließlich sind Alki's ja die Leute, die völlig verdreckt und verwahrlost vor den Supermärkten, auf den Parkbänken oder unter den Brücken rumlungern und sich den billigen Fusel in den Kopf schütten. Im Nachhinein habe ich dann gesehen, dass meine Umwelt sehr viel mehr von meiner Sucht bzw. meinem Trinkverhalten mitbekommen hat, als ich dachte/mir eingeredet habe/mir lieb war. Schließlich ist ja der Begriff "Alkoholiker" in unserer Gesellschaft sehr negativ belegt. Also habe ich den Gedanken, einer zu sein, weit - sehr weit - von mir wegschoben (obwohl er im "Hinterstübchen" schon ab und an mal aufblitzte).

In den Selbsthilfegruppen trifft man Menschen, die dieselben bzw. sehr ähnliche Probleme haben/hatten.

Jeder Einzelne hat zwar seinen eigenen Weg hinter sich - aber wir treffen uns ja, damit andere von unseren Erfahrungen profitieren können. Wenn in den Gruppen bestimmte "Regeln" für die Zeit der Trockenlegung/ Trockenheit erzählt werden, so sollte man vorher wissen, dass diese kein MUSS, keine Dogmen sind, keine Allgemeingültigkeit haben. ABER: sie resultieren aus den Erfahrungen von Vielen, denen sie geholfen haben. Jeder, der in der Gruppe von seinen Problemen erzählt und von seiner Art, damit umzugehen, zeigt individuelle Möglichkeiten auf. Und wenn ich mir das anhöre, kann ich mich entscheiden, welche Möglichkeit für mich die Richtige wäre. Auch, wenn mich ein bestimmtes Problem an dem Tag, an dem es zur Sprache kommt, vielleicht nicht unbedingt tangiert - sollte ich mal die eine entsprechende Situation kommen, habe ich aber schon einmal davon gehört und ich kann mich daran erinnern, wie andere Menschen damit umgegangen sind.
Die Hilfe der Selbsthilfegruppen besteht also meines Erachtens hauptsächlich darin, dass man sich - wie in einem Selbst bedienungsladen - der gesammelten Erfahrungen Anderer bedienen kann (sie aus der Gruppe "mitnehmen"), um seine eigenen Probleme zu bewältigen - ohne Alkohol. Aber auch in der aktiven Hilfe bei akuten Problemen.
Eines erscheint mir aber noch sehr wichtig: In der Gruppe werden nicht nur Probleme besprochen - ein anderes wichtiges Thema sind natürlich auch die Erfolge, die erreicht wurden!
Auf einer Internet-Seite (www.a-connect.de/shg.php) habe ich etwas - wie ich finde - sehr Treffendes gefunden:

"Eine Selbsthilfegruppe ist mehr, als nur ein wöchentliches Treffen. Die Ziele sind:
  • aus der Verzweiflung herauszufinden und neuen Mut zu fassen
  • der Wunsch, sich selber in der Begegnung mit anderen Menschen kennenzulernen
  • Informationen zu bekommen
  • Unterstützung und Verständnis bei Menschen zu finden, die eine ähnliche Lebenssituation aus eigener Erfahrung her kennen
  • einen neuen Kreis von gleichgesinnten Freunden zu finden
  • gemeinsame Aktivitäten zu planen und durchzuführen"

Aber warum soll ich nun regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuchen?
Was bringt mir das?

Nun, aus meiner eigenen Erfahrung heraus (und den Gesprächen mit vielen Menschen, sowohl in der Gruppe als auch bei Vorstellungen im Krankenhaus) weiß ich, dass der regelmäßige Gruppenbesuch mir hilft, "am Thema" zu bleiben, mir in regelmäßigen Abständen meine "Problem" bewusst zu machen, nicht leichtsinnig zu werden.
Bereits vor meiner jetzigen Trockenzeit hatte ich eine Selbsthilfegruppe besucht. Aber als ich diese aus organisatorischen Gründen nicht mehr besuchen konnte, habe ich mir auch keine neue Gruppe gesucht - schließlich war ich ja der "Größte", immerhin schon ein Jahr "trocken" und ab jetzt schaffe ich es auch alleine! Pustekuchen! Nach ungefähr einem halben Jahr hing ich wieder an der Flasche. Und bis zum (hoffentlich) letzten Absprung hat es ganz schön lange gedauert und mich und meine Familie unheimlich viel Kraft gekostet.
Und genau DAS (die Gruppenbesuche werden aus den unterschiedlichsten Gründen eingestellt - und dann dauert es meist nicht mehr lange bis zum Rückfall) höre ich bei Gesprächen sehr oft.
Dann habe ich mir wieder eine Gruppe gesucht und auch gefunden, in der ich mich wohl fühle. Zumindest in der ersten Zeit war es hauptsächlich das schöne Gefühl sagen zu können: "Diese Woche habe ich nicht getrunken!" Später, mit der Zeit, hat sich dann allmählich der Gruppenbesuch zu einem "Bedürfnis" entwickelt, habe ich mich gefreut, die Leute wiederzusehen und mit ihnen zu reden. Okay - wir reden in der Gruppe nicht nur über Themen, die offensichtlich mit Alkohol zu tun haben. Aber auch Probleme auf Arbeit oder in der Familie können dazu führen, dass "die Flasche näher rückt". Also muss man auch darüber reden, wie mit solchen Problemen umgegangen werden kann.
Auch wenn "Neue" in die Gruppe kommen und von ihrer Geschichte erzählen oder ihre Fragen stellen, u.a. zu möglichen weiteren Hilfen (Langzeittherapie ja/nein, wenn ja: Wo? Welche? Was passiert da überhaupt?) - alles das hält die Erinnerungen an das eigene Erleben wach und hilft, stets wachsam und nicht leichtsinnig zu sein.
Aber auch denjenigen, die in die Gruppe kommen und eigentlich noch nicht so recht wissen, wo sie stehen, ob sie nur ein Problem im Umgang mit Alkohol haben oder vielleicht doch abhängig/Alkoholiker sind, kann die Gruppe bei der "Findung helfen. Auch ich konnte/wollte früher nicht wahrhaben, dass ich Alkoholiker bin. Bis ich es, nach etlichen langen Gesprächen in der Gruppe und den Gruppenfreunden doch einsehen/mir selbst eingestehen musste. Das tat weh - aber heute bin ich froh darüber. Denn nur so konnte ich etwas dagegen unternehmen. Schließlich haben wir mit unserer "Krankheit" - im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten - Glück: Wir können unsere Krankheit zwar nicht selbst heilen, aber sie selbst stoppen!
Die Frage, ob man nun Alkoholiker ist, kann einem übrigens niemand aus der Gruppe beantworten - dass muss man schon selbst "herausfinden". Und dafür braucht man lediglich (wie leicht das klingt) Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

Selbsthilfegruppen sind kein Allheilmittel

Sie schützen nicht vor einem Rückfall! Denn sonst gäbe es ja keine Rückfälle mehr. Aber sie erleichtern den Kampf gegen die Sucht ungemein und helfen, einen Rückfall zu vermeiden. Sollte es doch einmal zu einem solchen Rückfall kommen - auch das geschieht leider hin und wieder -, kann man mit ihrer Hilfe wieder aufstehen und wieder weiter etwas gegen seine Sucht tun. Nichts tun hilft nicht!
Es muss aber die "richtige" Gruppe sein!

Grundvoraussetzung ist jedoch, dass man sich nicht irgendeine, sondern eine "passende" Gruppe sucht, in der man sich wohl fühlt, wo auch "die Chemie" stimmt. Es gibt so viele unterschiedliche Formen von Selbsthilfegruppen: Monolog, Dialog, (von Therapeuten) angeleitete Gruppen, reine Betroffenengruppen … etwas Passendes sollte zu finden sein.
Ich persönlich habe nach meiner letzten Entgiftung und dem Entschluß, nun endlich "Nägel mit Köpfen" zu machen, 14 Tage lang jeden Tag eine andere Gruppe besucht und mich umgeschaut. Und dann habe ich mich entschieden. Für diese Entscheidung war es mir jedoch vollkommen unwichtig, wie sich der Verein nennt oder ob und welcher Konfession er angehört oder, oder, oder … Wichtig und entscheidend war lediglich, dass ich mich wohl und verstanden und gut aufgenommen/aufgehoben fühlte!
Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut. Und mittlerweile habe ich das Gefühl, wenn ich mal einen Gruppentermin - aus welchen Gründen auch immer - versäume, dass mir etwas fehlt.

So soll es sein - und noch lange bleiben.

Thomas M.


Erhard aus Oschersleben

" Stark wie ein Baum"
Es fing eigentlich ganz,harmlos an mit dem Alkohol.
In der Jugendzeit war es toll mal ab und zu was zu trinken, Hemmungen abzubauen, mit anderen zu feiern und cool zu sein.
Alkohol war auch immer da, wenn es später im Beruf turbulent zuging, wenn ich mal abspannen oder ausruhen wollte, Frust und Langeweile oder Ärger und Wut bekämpfen wollte. Aber auch wenn es mir gut ging; quasi als Belohnung für den Erfolg.
Der Alkohol hatte immer für mich Zeit und hat sich auch bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten als Wegbegleiter angeboten.
Bis zu dem Zeitpunkt, als ich nach langer Zeit langsam erkannte auf was für einen anscheinend guten Freund ich mich da eingelassen hatte.
Da begann ich mich zu wehren, zu kämpfen. Das hat manchmal ganz gut geklappt, aber eben nur manchmal und nur für eine bestimmte Zeit. Ich rutschte immer tiefer rein in den regelmäßigen Alkoholkonsum. Lange Jahre war ich der Meinung ich kriege das alleine in den Griff. Ich würde schon wieder kontrolliert trinken können, Denkste!
Schließlich bin ich zum Glück zur Suchtberatung geganngen, auch wenn es mich einige Überwindung gekostet hat da hin zu gehen. Fast 5 Jahre ist es jetzt schon her, ich fühle mich rundum gut und habe es, wie ich glaube, auch ein Stück weit zu einer zufriedenen Abstinenz geschafft. Sicher, ich fühle mich schon stark wie ein Baum, der kräftig genug ist, allem Unbill der zu trotzen und der nicht mehr am Pfahl angebunden sein muß. Das ist aber nur so, weil ich Baumwurzeln habe, zwischenzeitlich tiefe Wurzeln. Und diese Wurzeln, beziehungsweise der feste und gesunde Boden in dem sie ruhen, ist meine Überzeugung.
Die Baumpflege sind die vielen Gespräche, die Erfahrungen, die Überlegungen und manchmal auch Zurechtweisungen. Auch wenn die Einsicht mal nicht soviel bringt, muß ich immer eines im Auge behalten. Viele haben mir geholfen und so ist es nicht mehr als recht und billig auch mal einiges zurückzugeben von dem, was ich von anderen empfangen durfte!!

DANKE!!!!!


Heinz

Hallo, mein Name ist Heinz und ich bin ein stolzer, zufriedener und momentan trockener Alkoholiker. Und das sage ich mit vollster Überzeugung!
Manchmal wenn ich das erzähle schauen mich meine Gesprächspartner kopfschüttelnd an. "Wie kann man denn ein stolzer Alkoholiker sein?" Alles was ich hier schreibe gilt natürlich nur für mich.
Ich wusste schon lange das mit meinem Trinkverhalten etwas nicht in Ordnung war. Bis ich das zugeben konnte dauerte es lange, sehr sehr lange. Ich wurde, heute sage ich, es war ein glücklicher Umstand, von meiner Familie und auch meines Arbeitgebers in die Enge getrieben. Es hat mich nachdenklich gemacht.
Jedoch war dies immer noch kein Grund mit dem trinken aufzuhören. Ich denke das ich mich letztendlich selber nicht mehr leiden konnte. Dieses Lügen, Betrügen, Verheimlichen, Alkohol beschaffen, Alkohol verstecken, Leergut entsorgen, all dies wurde zu einer unerträglichen Last.

So kam es das ich mich aus freien Stücken in Ärztliche Hilfe begab. Auch dies zog sich über ca. ein 3/4 Jahr hin bevor ich bereit war eine Therapie zu machen.
Also begab ich mich im April 2007 zu einer 8 wöchigen Therapie nach Tönisstein. In der ersten Woche wußte ich nicht ob ich Männlein oder Weiblein bin. Ich kam mir vor wie ein riesiger Versager.
In dieser Zeit hatte ich dann die ersten Berührungspunkte mit einer AA-Selbsthilfsgruppe. Zu Anfang habe ich nur "Bahnhof" verstanden. Mit der Zeit wurde mir vieles klarer. Ich habe mich selbst kennen gelernt. Diese Tönissteiner Zeit hat mich, so denke ich heute, nachhaltig geprägt. Vielleicht war das meine Lebensrettung.
Etwas hat sich in mein Gehirn eingebrannt. Immer wieder hörte ich das es nicht reicht das erste Glas stehen zu lassen, sondern ich muss mein Leben, meine Einstellungen ändern. Nur Wie? Das darfst du selber herausfinden wurde mir gesagt!

Als ich aus der "Käseglocke" entlassen wurde habe ich tatsächlich einiges geändert. Ich habe einige Freunde, wie ich damals dachte, heute weiß ich das es Saufkumpane waren, aussortiert. Oder sie mich, kommt aufs Gleiche heraus.
In unserem Haus wurde eine alkoholfreie Zone eingerichtet.
Ich habe meine Einstellungen zu vielen Dingen geändert.
Ich habe eine AA-Selbshilfegruppe gefunden, der ich bis heute treu bin.
Die Gruppe ist mein "psychologischer Supermarkt" aus dem ich Mut schöpfte für die kommende Woche. Hier treffen sich Menschen die sich verstehen und Kraft und Hoffnung teilen um die Herausforderung Alkohol zu meistern.

Heut nach 6 Jahren Trockenheit geht es mir so gut wie schon lange nicht mehr. Ich kann zu jeder Tageszeit Auto fahren, bin ehrlicher und toleranter geworden, bin körperlich fitter als vor 20 Jahren, bin selbstbewusster geworden, kann viel besser "nein" sagen, ich übernehme immer mehr die Verantwortung für mich und ich mag mich heute so wie ich bin.

Nun schließt sich der Kreis für mich. Zu Anfang habe ich mich als stolzer, zufriedener und trockener Alkoholiker vorgestellt. Dies alles hätte ich als Nichtalkoholiker nicht geschafft. Somit war es für gut so für mich.
Gute 24 Stunden
Heinz


Rene

Hallo, auch ich möchte meine Geschichte kurz erzählen und sie kann gerne veröffentlicht werden. Ich habe mich dazu entschlossen meine Geschichte zu erzählen, weil ich gerade jungen Betroffenen helfen kann.
Mit 16 Jahren war ich Abhängig und dementsprechend ging es mir und meinem Körper sehr schlecht.
Kurz vor meinem Entzug hatte ich eigentlich nicht geplant, dass ich aufhören möchte, es war aber trotzdem ein starker Wunsch in meinem Unterbewusstsein. Ich habe mich intensiv mit dem Thema Alkoholismus beschäftigt und konnte mir so recht schnell eingestehen, dass ich süchtig bin und das war ein wichtiger Punkt, weil so auch der Wunsch noch stärker wurde.
Eines Abends, als ich betrunken nach Hause kam, mitten in der Woche, sagte meine Mutter zu mir: Du bist Alkoholiker. So oft kann man nicht nach Alkohol stinken"
Unter fließenden Tränen gab ich alles zu.
Habe dann einen Entzug unter ärtztlicher Aufsicht mit Vertrauenspersonen und Suchtexperten angefangen. Nach 5 Wochen habe ich wieder getrunken.
Aber nur an einem Abend, dann ging die Abstinenz wieder weiter. Ich meldete mich in einem Alkoholikerforum an und jemand schrieb zu mir: "Wenn du mal wieder trinkst, denk daran wie gut es dir ohne den Alkohol ergangen ist"
Ein paar Tage später habe ich dann wieder getrunken und es ging mir erbärmlich.
Von da an ging ich weiter zu Suchtberatung und zu Vertrauenspersonen mit denen ich immer reden konnte.
Erinnerungen an Alkoholgelage und deren Folgen haben mich Monate lang gequält. Ich musste neu lernen mich in der Dunkelheit aufzuhalten und mich unter Menschen zu begeben ohne Angstattacken zu bekommen.
Ich habe mich immer wieder und regelmäßig mit der Krankheit auseinander gesetzt und die Wurzeln des trockenen Lebens wurden so immer und immer stärker.
Nun bin ich seit 17 Monaten trockener Alkoholiker und habe in diesen 17 Monaten den Alkohol oder seine intriege Wirkung nicht eine einzige Sekunde vermisst und es geht mir besser als je zuvor, weil ICH weiß, dass ICH nicht mehr vernünftig trinken kann und ich möchte es auch nicht.


HansPeter, 55

Wohnen und Abstinenz

Welche Bedeutung die eigenen vier Wände für ein menschenwürdiges Dasein haben
Nach meiner vorzeitigen Berentung habe ich vom Sozialamt mit der Bewilligung der Grundsicherung zugleich die Aufforderung zu einer „schriftlichen Anhörung zur Senkung der Mietkosten“ erhalten. Hintergrund war, dass die Kosten der Miete einem bestimmten Richtwert entsprechen müssen, den meine Wohnung um 119,- € übersteigt. Das Amt übernimmt die Miete in voller Höhe maximal sechs Monate, danach gibt es als letzte Möglichkeit nur noch einen Umzug in eine andere „Sozialwohnung“. Die Aussicht auf einen „zwangsweisen“ Umzug hat vor meinem biographischen und gesundheitlichen Hintergrund starke Ängste ausgelöst und führte zu einer beginnenden Retraumatisierung.
Ich habe mir in meiner Stellungnahme an das Sozialamt das Recht herausgenommen, nicht einseitig als Sozialhilfeempfänger wahrgenommen zu werden, sondern mit meiner Gesamtpersönlichkeit, meiner Arbeitsbiographie, wie auch als Alkoholiker, Kranker oder Heimkind – verbunden mit allen Stigmatisierungen, die in der Gesellschaft wie in den Behörden vorhanden sind. Für mich ist der Prozess der medizinischen Rehabilitation auch ein Weg der Wiederherstellung und des Erhalts meiner Menschenwürde. Die Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung hat zur Folge, dass die sozialen Dienste für das Individuum immer weniger Zeit haben und vieles nur noch nach Aktenlage entschieden wird. Empathische Gespräche im Rahmen von Anhörungsverfahren bleiben also auf der Strecke, bilden aber die Basis sowohl für nachhaltige Gesundheit als auch für einen achtsamen Blick auf sich selbst. Daher habe ich meiner Akte durch eine ausführliche Stellungnahme das beigefügt, was ich für eine qualifizierte – die Würde wahrende – Entscheidung von MitarbeiterInnen einer Behörde für notwendig erachte.


Biographischer Hintergrund
Ich bin vom ersten Lebenstag an völlig familiengelöst als sozialer Waise aufgewachsen. Meine „Mutter“ ließ mich die ersten vier Wochen in der Geburtsklinik liegen und kümmerte sich nie! Danach war ich dreieinhalb Jahre im Säuglingsheim und kam anschließend in ein Vorschulheim. Die sieben Jahre mit der Pflegemutter waren gekennzeichnet von seelischen und körperlichen Misshandlungen, Vernachlässigungen, Kinderarbeit, Erniedrigungen sowie Vertreibung. Die Pflegemutter brachte mich immer außerhalb ihrer Wohnräume in einer Abstellkammer neben dem Hausboden eines schlechten Miethauses in Stralsund unter. Jährlich vom April bis September lebte ich ab dem 5. Lebensjahr bei allen Witterungsbedingungen allein in einem Wohnwagen auf der Insel Usedom mit vielen Ängsten. Ein halbjährlicher Wechsel von Schulklassen und Lehrern in den ersten fünf Schuljahren ging damit einher. Es folgten „Massenunterkunft“ in Kinderheim und während der dreijährigen Armeezeit (davon zwei Jahre als Unteroffizier in einem 11-Personen-Zimmer). Nach fünf Jahren Wohnheim während des Studiums war ich 27 Jahre alt, als ich das erste Mal eine eigene Wohnung für längere Zeit bezog. Eine Familie hatte ich nicht. Meine erste Wohnung kam aus einem Kontingent „für kriminell Gefährdete“. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein Abitur absolviert, begann den dreijährigen Wehrdienst und war zum Studium zugelassen. Ich konnte die Wohnung (ein Zimmer, ohne Küche, unbeheizbar, mit Holzeimer als Toilette im Parterre und ohne Kanalisation, kein Zu- und Abwasser) wegen Brand- und Einsturzgefahr nicht lange bewohnen. Eine zwischen der Leitung des Kinderheimes und mir zuvor getroffene mündliche Vereinbarung über die Nutzung eines Zimmers während des Armeedienstes zum Unterstellen meiner Privatsachen wurde gebrochen. Ich kam zum Weihnachtsurlaub von der Armee zurück nach „Hause“ und stellte fest, dass mein Zimmer offen und kein Schrank mehr da war. Viele private Gegenstände fehlten, die restlichen Sachen lagen auf dem Fußboden. Übrig blieben eine provisorische Schlafecke und ein tiefer Schock! Ich musste endgültig raus aus dem Kinderheim. Die Armeekaserne und das „Loch“, wie ich meine Kontingentwohnung „für kriminell Gefährdete“ nannte, sollten nun „mein Zuhause“ sein. Für mich bedeutete das: Trennung von Erziehern, ehemaligen Mitbewohnern und völliger Verlust von Privatsphäre sowie Zukunftsangst. Ich begegnete dieser schweren persönlichen Krise mit übermäßigem Alkoholgenuss.
Nach der Armee wollte ich nicht in die baufällige Wohnung zurück. Lange Zeit vor dem absehbaren Ende des Wehrdienstes wuchsen die Ängste vor einer erneuten Entwurzelung. Ich nistete mich bei einer Offiziersfamilie mit meinem Hab und Gut für zwei Wochen ein, weil ich den Verlust der mich umgebenen Sicherheit nicht verkraften konnte. Mir kam die Idee, bis zum Beginn des Studiums in meinem Kinderheim als Erzieher in der Nachtwache zu arbeiten. Ein Stück heile Welt kam zurück und ich musste nicht so viel in der Wohnung schlafen. Während des Studiums lebte ich im Studentenwohnheim in Potsdam. In dieser Zeit bekam ich nach vielen Kämpfen eine Neubauwohnung in Wismar. Diese wurde zur Doppelbelastung (Mietkosten für Wohnung und Internat bei Grundstipendium) und psychischen Überforderung (Verächtlichmachung durch die Nachbarn als Heimkind, Versuche der Vertreibung aus der Wohnung durch zivilrechtliche Klagen). So zog ich 1982 nach Berlin, meinem Arbeitsort, in den Friedrichshain um.
Dieser Umzug von Wismar nach Berlin war ein traumatischer Vorgang – eine erneute Entwurzelung. Meinen Verlustschmerz bekämpfte ich mit Alkohol. Die Suchterkrankung, die ich zu dieser Zeit noch nicht als solche erkannte, nahm ihren Lauf. Meine Berliner Wohnung wurde aufgrund der Abwesenheit durch Studienzeit und später häufigen Dienstreisen sowie geringer finanzieller Mittel nie zu einer von mir angenommenen Wohnung. Dreimal lief der Balkon voll Wasser und das Wohnzimmer samt Möbeln wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Mieter über mir hielt über 70 Katzen. Gelbe Flecken an den Decken in Küche, Flur und Wohnzimmer waren die Folge, wie sich eines Tages herausstellte. Während der Sanierung der über mir liegenden Wohnung brachen betrunkene Bauarbeiter durch die Decke in mein von mir gerade benutztes Bad durch und richteten Verwüstungen an. Diese Behausung war bloßer Aufbewahrungsort und mit der Suchtentwicklung letztlich auch durch mich vernachlässigt, bis hin zu tatsächlicher Stromabschaltung und einer 2003 erfolgten Räumungsklage des Vermieters. Ich konnte diese durch erste Schritte aus der Sucht erfolgreich abwenden. Ich zog infolge der Sanierung des Hauses und wegen beginnender Bewegungseinschränkungen von der dritten in die zweite Etage und war überglücklich, mein neues Zuhause im nüchternen, klaren Zustand gemütlich einzurichten.

Meine erste Wohnung nach der „Wiedergeburt“ am 1. Januar 2004 – meine Heimat
Ich lebe seit 1. Januar 2004 abstinent. Ich habe mir seitdem eine wohnungsnahe medizinische, therapeutische und trockene soziale Infrastruktur aufgebaut. Die Wohnung habe ich neu eingerichtet, alles vernichtet, was an Trinken erinnert, renoviert, funktional (Wohnen, Arbeiten, Schlafen) sehr gut aufgeteilt und mir in ihr ein trockenes Leben geschaffen. Man sieht ihr an, dass ich gerne darin wohne, lebe, innere Ruhe finde. Blumen gedeihen hier. Sie ist hell und freundlich, sauber und sehr einladend. Wieder konnte ich Freunde und Kollegen einladen, soziale Kontakte aufbauen, Ärzte zur Behandlung reinlassen. Die Frau aus dem Blumenladen kommt und nimmt im Frühjahr die Balkonbepflanzung vor. In dieser Wohnung reifte ich als trockener Mensch. Hier sind endlich die meisten meiner Lebenserinnerungen positiv besetzt. Suchtselbsthilfe und Suchthilfe befinden sich im engsten Wohnbereich. Ich nehme Hilfe nun endlich an. Eine Nachbarsfamilie achtet auf mich fürsorglich und ich lasse es zu. Eine ehrenamtlich arbeitende Dame sieht in meiner Wohnung nach dem Rechten und hilft mir bei meinen Hausarbeiten, erledigt Einkäufe bei Erkrankungen mit Bettlägerigkeit. Ich hatte in der Vergangenheit kaum einen Menschen in meine anderen Woh­nungen gelassen. Ich habe bis 2004 kaum Ärzte an meinen Körper herangelassen und nun ein enges Netz von Vertrauensärzten in meinem Kiez aufgebaut. Sie alle sind über meine Alkoholkrankheit informiert, was kein einfacher Prozess war. Mit meiner Lebenspartnerin, die in Wohnnähe lebt, habe ich ein viel offeneres Verhältnis als früher, kann über meine Gefühle sprechen und ich möchte sie nicht verlieren durch den tatsächlich wahrscheinlicher werdenden, möglichen erneuten Ausbruch meiner Alkoholkrankheit. Ich lernte in dieser Wohnung zu entspannen, mich aufgehoben und auch sicher zu fühlen. Diese Bindung erneut fundamental zu lösen, würde große Risiken für meine seelische Stabilisierung mit sich bringen. Meine Heimat bin inzwischen ICH und ich möchte sie durch meine Wohnung und das Netz, welches ich um sie herum gespannt habe, nicht verlieren. Ich möchte mich so, wie ich heute bin, nicht wieder verlieren. Ich fühle mich zu diesem Ort zugehörig. Die Anpassung an eine neue Umgebung bedeutet schon für den gesunden Menschen immer eine psychische Belastung.

Gesundheit
Im Jahr 2009 musste ich gesundheitlich bedingt aus meiner Arbeit aussteigen. Seit Längerem befinde ich mich in ständiger nervenärztlicher Behandlung und psychologischer Therapie. Durch die neue Situation, das Herauslösen aus dem Berufsleben, eine Erwerbsminderungsrente unterhalb der Armutsgrenze und neue Existenzängste, kann ich mich weiteren Belastungen wie dem ungeheuren Anpassungsdruck durch einen möglichen Umzug nicht zusätzlich aussetzen. Die Anhörungseinladung, die mir zusammen mit dem Grundsicherungsbescheid zugesandt wurde, hat in mir das Gefühl eines realen bevorstehenden Zwangsumzuges und in dessen Folge große Ängste ausgelöst. Ich wurde erinnert an eine Vertreibung aus dem Haus der Pflegemutter und an die Verschleppung in ein Kinderheim. In aktuellen Träumen kommen früher erlebte Situationen des Verlustes von Heimat immer wieder hoch.
Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich seit der zugesandten schriftlichen Anhörung auf allen Gebieten, besonders auf psychosomatischem Gebiet.

Fazit
Die Anhörung des Sozialamtes dauerte mehr als drei Monate. Sie beinhaltete meine schriftliche Stellungnahme, das Ausfüllen eines Fragebogens, die schriftliche Anfrage durch mich an meinen Vermieter zur Mietkostensenkung, ein Gutachten eines medizinischen Experten, die Stellungnahme des Sozialpsychiatrischen Dienstes nach einem Gespräch mit mir sowie die Stellungnahme des Amtsärztlichen Dienstes. Die Prüfung ergab, „dass die Miethöhe unter Berücksichtigung der Besonderheit des Einzelfalls bis auf weiteres anerkannt wird.“
Ich stand vor einer großen Herausforderung. Im gesamten Verfahren konnte ich deutlich machen, welchen Stellenwert die Wohnung in meinem Leben insgesamt und insbesondere für meinen neuen Weg der abstinenten Lebensweise, für meine Genesung und Gesundheit hat. Ich konnte das erste Glas stehen lassen. Und trotz der Krisen konnte ich die Kraft aufbringen, mich auseinanderzusetzen, entgegenzustellen, weiterzugehen und erfolgreich eine Lösung finden. Meine Lebensgefährtin stützte mich und fing mich auf. Ich erbat Hilfe bei FreundInnen, TherapeutInnen und ÄrztInnen und bekam sie umfangreich. Meine Überzeugung von der Gleichheit der Menschen, meine menschenrechtliche Haltung und mein menschenzentrierter Ansatz im Umgang mit Behörden sowie auch in meiner beruflichen Praxis halfen mir ebenso, diese krisenhafte, angespannte persönliche Situation – auch trocken – durchzustehen. So konnte ich nach einem sehr nervenaufreibenden Jahr 2012 die Feiertage insbesondere meinen neunten Trockengeburtstag am 1. Januar 2013 entspannter und gestärkt begehen.



Ralf aus Gifhorn

Hallo!!!
Ich bin seit drei Jahren clean und bin heutzutage in der Lage mein Leben ohne Alkohol zu meistern, ich habe auch keine Gruppe mehr.
Die Situation vor drei Jahren war so, das ich Psychiatrieerfahrung, Canabiserfahrung sowie jahrelange Alkoholexzesse hinter mir hatte und mal wieder eine Auszeit von Berlin nehmen wollte und spontan im Schwarzwald angefragt hatte ob es eine Möglichkeit gibt eine Auszeit von Berlin zu nehmen, denn ich war wie so oft schon ausgebrannt. Als ich im Schwarzwald angekommen bin habe ich beim Bauern zur Untermiete gewohnt, für Kost und Logie habe ich im Gasthof als Mädchen für alles gearbeitet. Was mir nicht gefallen hatte war das es zum Feierabend immer ein Bier zum Abschied gab, denn ich hatte schon in Berlin überlegt weniger zu trinken. Was aber durch den Bauern und durch den Gastwirt nicht funktionierte.
Als ich es angefangen habe zu genießen frei zu sein von Berlin war ich bei fast einen Kasten Bier pro Abend und genau da habe ich festgestellt das ich ein Problem habe.
Nach den vier Monaten Aufenthalt im Schwarzwald war ich bereit ein Entzug durchzuziehen und habe mich, als ich wieder in Berlin war, erkundigt wo die beste Möglichkeit besteht, es war das Jüdische KKH im Wedding. Dort habe ich dann auch meine Psychose in den Griff bekommen!!
Zur Zeit bin ich weit weg von Berlin und bin auch froh, das ich raus bin.
Aber wo will Mann oder Frau hin diesen Stoff gibt es leider überall. Ich habe schon überlegt eine Alkohol und Drogenfreie WG zu gründen aber genau das wird nicht gerne gesehen in dieser Gesellschaft.
Deshalb schreibe ich zur Zeit an meinem Buch "Ein Nichts sagt die Wahrheit" um vielleicht dann etwas zu erreichen, dort geht es nicht nur um Alkohol und Drogen sondern auch um die ganze Situation in dieser Gesellschaft, das man hier nicht die Wahrheit sagen darf und auch nicht sollte?
Es gibt so vieles was, mich und andere Betroffene zwar nervt, ich aber im Moment fast allein in der Lage bin etwas zu unternehmen, ich kenne aber auch diese Gesellschaft das Sie unberechenbar sind denn ich habe vierzig harte Jahre in Berlin durch und ich bin eigentlich fertig und habe keine Lust mehr auf den ganzen Dreck, denn wenn Mann oder Frau ein Problem hat wird das ganze gerne verschwiegen oder verheimlicht nur wer sich in dieser Gesellschaft durchbeißen kann und will hat eine Chance zu überleben. Ich habe keinen Bock mehr auf diesen Dreck warum kann das Leben nicht so schön sein. Ich bin heutzutage soweit, wenn ich auch Obdachlos bin, das ich mit einem Lächeln aufstehe und jeden Sonnenstrahl genießen kann und wenn ich im Frühjahr wieder unterwegs bin, dann kann ich auch die Sterne beobachten und genießen aber wo will Mann oder Frau das ganze genießen wenn jeder hier nur ans Saufen und Kiffen oder härtere Drogen denkt und es diesen Stoff überall greifbar ist?
Vielleicht bis bald
Ralf aus Gifhorn mit Berliner Wurzeln


Hedi

Hallo, mein Name ist Hedi und dies ist meine Geschichte.

Wie sah meine Situation aus: Kurz bevor ich aufhörte zu trinken sah meine Situation so aus. Morgens zur Arbeit gehen, den Feierabend herbeisehnen um trinken zu können. Ich habe bis auf die Wochenenden fast jeden Abend in der Kneipe zugebracht. Manchmal bis 02:00 Uhr manchmal habe ich den Absprung früher geschafft. An den Wochenenden habe ich mich mit ausreichend Alkohol versorgt um keinen Engpass zu haben. Ich habe meinen Urlaub Tageweise verplempert um mich richtig abzuschießen. Das zog sich so ungefähr über die letzten zwei Jahre meiner Trinkerkarriere.

Das brachte mich dazu aufzuhören: Es war der 19.08.2008, ein Dienstag. Wieder einmal hatte ich zwei Tage Urlaub genommen um zu trinken. Nach einer durchzechten Nacht stand ich im Badezimmer und habe mein zerknautschtes und aufgedunsenes Gesicht angesehen. In diesem Moment stieg ein Bild vor meinem geistigen Auge auf. Ich sah mich auf einer Leiter stehend in einem Loch. Ein Fuß bereit auf die nächst untere Sprosse zu treten. Ich war dabei einen Schritt tiefer in den Sumpf hinabzusteigen. Das war der Moment in dem es bei mir Klick gemacht hat. Ich habe begriffen, dass ich dringend Hilfe brauche oder ich würde den Bach runtergehen. Ich habe wie verrückt geheult. Die Entscheidung mir Hilfe zu holen war die schwerste in meinem bisherigen Leben.

Was habe ich unternommen: Nachdem ich den Entschluss gefasst hatte bin ich stehenden Fußes zu meinem Hausarzt gelaufen. Ich habe es tatsächlich geschafft die Wartezeit abzusitzen. Ich habe genau gewusst, wenn ich jetzt gehe komme ich nicht wieder. Der Arzt war sehr gut. Als ich ihm mein Problem erzählt hatte dauerte es noch ein Telefonat lang und am Mittwoch den 20.08.2008 wurde ich auf der Entgiftungsstation eines Krankenhauses aufgenommen. Dieser Aufenthalt sollte drei Wochen dauern. Nun begann aber auch die Arbeit an mir selbst. Zunächst musste ich meinen Arbeitgeber über meine Situation unterrichten. Eine erste Herausforderung, dass Schamgefühl musste ohne den entlastenden Alkohol ausgehalten werden. Auf der Motivationsstation wurde ich gefragt, was ich bereit wäre für eine zufriedene Abstinenz zu investieren. Eine interessante Frage nicht wahr? Ich habe geantwortet, alles was mir möglich ist.

Und so ging es weiter: Ich habe Kontakt zur Psychosozialen Beratungsstelle aufgenommen und wurde zu einem Gespräch eingeladen. Mit Hilfe meiner Suchtberaterin habe ich mich für eine stationäre Entwöhnungstherapie entschieden. Während ich auf die Antwort zur Kostenübernahme wartete bin ich an meinen Arbeitsplatz zurück gekehrt. Um die Klippen die mich in „freier Wildbahn“ erwarteten zu bewältigen habe ich ein paar Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Ich besuchte eine SHG, führte regelmäßige Gespräche mit meiner Suchtberaterin und erstellte eine Art Notfallpass. In diesen trug ich einige Telefonnummern ein um mir bei aufkommendem Suchtdruck Hilfe holen zu können. Diesen trage ich auch heute noch immer bei mir. Um meine Stammkneipe machte ich einen Bogen. Es fühlte sich real so an als würde sie nach mir greifen. Also nahm ich einen anderen Weg.
Am 17.11.2008 bin ich zur stationären Therapie aufgebrochen. Für drei Monate. Eine sehr lange Zeit. Ich hatte Angst und wusste nicht was mich erwarten würde. Es war harte Arbeit. Ich habe oft auf meinem Zimmer gesessen und habe geheult. Zum einen weil ich wütend und traurig war und zum anderen habe ich mich geschämt. Außerdem habe ich geglaubt ich würde das alles nicht schaffen. Oft, wenn ich glaubte einen gangbaren Weg für mich gefunden zu haben, hat die nächste Sitzung alles wieder über den Haufen geschmissen. In diesen Situationen hat mir immer wieder die Frage geholfen: Was bist du bereit für eine zufriedene Abstinenz zu investieren? Dann habe ich die Tränen abgewischt, die Nase geputzt und noch mal von vorne begonnen. Ein weiteres Hilfsmittel war es meine Sucht zu personifizieren. Ich habe sie aus der Rolle des Bösewichtes den ich bekämpfen muss herausgenommen und sie zu meiner Begleiterin gemacht. Ich habe mit ihr einen lebenslangen Vertrag geschlossen. Mir hat es Erleichterung verschafft nicht mehr kämpfen zu müssen zumal ich nun Kraft übrig hatte die ich für andere Baustellen nutzen konnte.
Am 13.02.2009 wurde ich aus der Therapie entlassen. Mein Fazit zu dieser Therapie: Es war die richtige Entscheidung und ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es schloss sich eine Nachsorge Therapie an, die am 17.11.2009 endete.

Wie geht es mir heute: Heute geht es mir gut. Ich habe es geschafft den einen oder anderen Suchtdruck auszuhalten. Ich habe in einer neuen Welt ohne Alkoholnebel laufen gelernt. Jetzt sehe ich mich an dem Punkt an dem ich lerne, dass die Person die mir aus dem Spiegel entgegen sieht ich selber bin und niemand anderes. Ich denke ihr wisst was ich damit meine. Es ist ein stetes Arbeiten an mir selbst und es macht mir sehr viel Freude zu sehen was ich bereits erreicht habe. Natürlich habe ich Rückschläge erlitten und ich bin auch um Haaresbreite an einem Rückfall vorbeigeschrammt. Aber trotzdem machen die Vorteile der Abstinenz sehr viel mehr her als jeder Rausch.

Ich kann nur jedem wünschen den Weg aus dem Suchtknast zu finden. Es ist nicht leicht, aber es ist zu schaffen und die Welt die euch dann erwartet ist es auf jeden Fall wert entdeckt zu werden. Vielleicht hat meine Geschichte etwas dazu beitragen können.

Alles, alles Gute.


Andreas aus Würzburg

Ich bin der Andreas aus Würzburg und seit 15.10.1990 trocken.
Ja wie fing das an, nach langer nasser Phase hab ich zu dem genannten Datum endlich den Absprung geschafft. Ich wußte zu diesem Zeitpunkt schon genau das mit meinem Trinkverhalten etwas nicht stimmt. Einige Versuche das Trinkverhalten unter Kontrolle zu bringen verliefen kläglich im Sand. Auch der halbjährliche Konsum von alkoholfreien Bier brachte kein gutes Ergebnis. Der Rückfall danach war mörderisch. Es brauchte einen Schlüsselerlebnis bei mir um den Schalter im Hirn umzulegen, was auch Gott sei dank dann passierte. Von dem Erlebnis zu erzählen würde jetzt den Rahmen sprengen. Wie gesagt es war der 15.10.1990 Abend um 21:30 als mir klar wurde, das ich jetzt oder nie mehr, etwas tun mußte. Langer Rede kurzer Sinn ich rief bei der Telefonseelsorge an, von der ich die Telefonnummer des blauen Kreuzes bekam u. dort gottlob auch eine Verbindung. Es wurde mit mir ein Termin für den nächsten Tag ausgemacht den ich auch wahrgenommen habe. Dort wurde mir erst einmal erklärt was mit mir überhaupt los ist u. vorallem das so, daß es auch in meinen Schädel rein ging. Ganz wichtig hierbei war noch, ich wurde wie ein normaler Mensch behandelt. Auf Entziehungskur wollte ich nicht, so lief das ganze ambulant ab. Also hab ich regelmäßig die Gruppe besucht u. gut ein halbes Jahr noch einen Psychotherapeuten. Ich bin dann ehrenamtlicher Mitarbeiter geworden u. besuche regelmäßig eine Suchteinrichtung in unserer Uniklinik um dort den Insassen Mut zu machen. Auch mache ich viel Präventionsarbeit bei Jugendlichen, ich bin also immer am Ball, was auch mir eine sehr große Hilfe ist um trocken zu bleiben. Ansonsten bin ich zufriedener trockener Alkoholiker. Ich lebe jeden Tag bewußt u. bin froh das ich nicht mehr trinken muß. Die Gefahr ist nie vorbei, auch nach 19 Jahren nicht. Aber Du der Rat suchst u. noch am Anfang stehst, es lohnt sich trocken zu werden, denn Du bist viel zu wertvoll auf dieser Welt. Nehme jede seriöse Hilfe an die Dir angeboten wird. Es ist zu packen
Andreas


Therapie in der Salus_Klinik, Petra

Ich habe meine Therapie am 02.012.2003 angetreten und dachte am Anfang, ich schaffe es nicht über die Türschwelle. Für mich war damit entgültig, daß ich eine Alkoholikerin bin und damit gebrandmarkt und ausgegrenzt fürs ganze Leben – denn alkoholkrank= Penner, Mensch ohne Willen etc. p.p.
Mir wurden damals noch 4 Monate bewilligt ( die für mich wie 10 Jahre klangen) – im nachhinein bin ich froh über jeden Tag!
Die Klinik ist recht groß mit einzelnen Therapiegruppen zu je etwas 8-12 Mann/Frau.
Ich war in einer reinen Frauengruppe, die es dort auch gab ( Gewalt etc.), das fand ich sehr entspannend. Unser Stock war für die männlichen Patienten auch tabu, worüber viel gelacht/gelästert wurde. Aber ich fand dort sehr viel Rückhalt.
Kern der Therapie ist die Gruppentherapie 3 x pro Woche. Darum gibt es eine Fülle von Angeboten, ich habe das Sportangebot stark genutzt, denn dadurch habe ich wieder begonnen, meinen Körper als solchen wahrzunehmen und zu spüren, was er alles kann, nicht nur Alkohol verarbeiten und als Anhängsel am Kopf zu hängen. Schwimmen, Sauna, Volleyball, Walken undundund – dadurch ist man auch müde und kann gut schlafen, was ja sehr wichtig ist. Auch ich mußte einen normalen Rhythmus von wach und schlafen erst wieder lernen.
Für mich war die Zeit wichtig, da ich mich voll auf mich konzentrieren konnte und lernte, weshalb ich getrunken habe und vor allem Möglichkeiten gelernt habe, mein Verhalten zu ändern, sodaß ich nicht mehr in Situationen komme, in denen ich nur noch den Ausweg „ trinken“ sehe. Das Wichtigste aber war: Ich habe gelernt, daß ich etwas wert bin und dass ich mir etwas wert bin.
Die Arbeit war teilweise sehr hart, für mich war auch wichtig, daß ich gelernt habe, wie Suchtdruck entsteht und alle körperlichen Abläufe, sodaß ich mich der Sucht nicht mehr so ausgeliefert gefühlt habe. Sie stand nicht mehr wie ein Monster vor mir, die mich zum Weinkaufen drängte, sondern ich wußte bei Suchtdruck: Kleine Synapsen im Gehirn und dein Belohnungssystem wollen sich jetzt aufführen, das dauert max. eine halbe Stunde, dann gehts vorbei – und es ist auch so.
Und meine Depressionen sind verschwunden! Sie wurden vorrangig durch die Sucht ausgelöst, durch den Sport konnte ich während der Therapie ganz gut dagegen ankommen ( Endorphine), auch nach der Entlassung habe ich damit weitergemacht. Es ist ideal, um Druck abzubauen.
Durch die Therapie habe ich gelernt, meine Meinung zu sagen, laut zu werden und mich nicht mehr manipulieren zu lassen. Ich bin unbequemer geworden, manche sagen egoistischer – und ich finde das auch.
Denn seit 6 Jahren stehe ich bei mir an erster Stelle, wenn ich glaube, etwas tut mir nicht gut, mache ich es nicht , nehme es nicht mehr hin – denn
Ich will nie mehr dorthin zurück, wo ich schon war –
Und seit 6 Jahren schaffe ich das und bin trocken. Ich passe auf mich auf, denn das muß man, um gesund zu bleiben.
Also greift es an, es gibt keine Alternative und diese Alternative einer Therapie ist eine gute.

P.S. ich habe wieder einen guten Job, bin erfolgreich und komme gut damit zurecht, das Leben geht weiter und macht ohne Alkohol richtig Spaß! Und das von Jahr zu Jahr mehr. Vor 6 Jahren stand ich vor dem Selbstmord.
Alkohol nimmt einem alle Kraft, in der Therapie lernst Du Menschen kennen, die Dir helfen, Deine Sucht zu akzeptieren, sodaß Du lernst, daß Du selbst auch Kraft hast


Hallo, ich bin die U.G.aus Hof (Bayern), 39 Jahre und Alkoholkrank, seit 23.07.2005 trocken

Ich bin mit Alkohol aufgewachsen. Mein Bruder hatte das Zeug jeden Tag vor sich stehen und er ist auch an seiner Alkoholkrankheit gestorben, doch das hat mich nicht abgeschreckt ich wurde auch zur Alkoholikerin. Meinen ersten großen Rausch hatte ich als ich 13 war und ab da merkte ich das der Alkohol mein Trostspender ist.
Wie war die Situation kurz vor dem Aufhören?
....mhh, also, ich versuchs mal zu erklären. Eigentlich hatte ich fast alles was ich mir immer gewünscht habe. Eine glückliche Beziehung, daraus eine Tochter (jetzt 9 Jahre), eine Arbeit, doch Freunde mit denen man was unternehmen kann und Spaß hat nicht! 2004 arbeitete ich außerhalb und mußte immer noch etwas auf meinen Zug warten. Dort am Bahnhof war eine Kneipe wo ich dann auch ein Weizenbier trank. Getrunken habe ich eigentlich schon länger täglich, doch es hat sich alles noch in Grenzen gehalten. Nach und nach lernte ich die Menschen dort kennen und ich fühlte mich wohl dort, habe viel gelacht und weil es zuhause immer mehr Streit gab, blieb ich immer öfter und immer länger in dieser Kneipe.Auch mit dem Alkohol ist es immer mehr geworden. Im April 2005 bin ich ausgezogen und hab meine Tochter bei Ihrem Vater gelassen, wollte mein Leben auf die Reihe bringen und meine Tochter vor mir schützen. Der Alkohol wurde noch mehr.
Was hat mich dazu bewegt aufzuhören?
In den nachfolgenden Wochen kamen die ersten Entzugerscheinungen. Zittern an den Händen und Schweißausbrüche zur Nacht, genervt war ich von allem und mit meiner Tochter (damals 4Jahre alt) habe ich viel zu viel rumgeschrien. Der Alkohol hat meine Nerven kaputt gemacht!!!!!!!!!!! Hab sogut wie nichts mehr gegessen und nahm in 2 Monaten 10 Kilo ab. Im April habe ich meine Arbeit gekündigt, wollte mehr Zeit für meine Familie haben, doch genau das Gegenteil ist passiert. Ich war mehr in meiner Stammkneipe als zuhause. Mir war der Alkohol wichtiger als meine Tochter. Dann kam noch ein Krampfanfall, ein Black Out und ein Krankenhausaufenthalt mit 2,8 Promille dazu.
Was habe Ich unternommen?
Im Mai 2005 hab ich mir gesagt so kann das nicht mehr weitergehen und so will ich auch nicht mehr weiter machen. Früh um 8 mußte ich erstmal ein Bier trinken damit ich überhaupt den Telefonhörer halten konnte um in der Klinik für Entgiftung anzurufen. Dort war ich 2 Wochen, dachte das reicht. 2 Tage danach gings schon wieder weiter mit dem scheiß Alkohol. 2 Wochen später bin ich nochmal in die Klinik und dort habe ich die Suchtfibel gelesen, durch dieses Buch war ich mir 100% sicher das ich Alkoholkrank bin.
Ich beantragte über die Entgiftungsklinik eine Langzeittherapie. Ich war dann für 3 Monate in der Tagesrehe Bayreuth, früh hin und abends wieder nach Hause. Ich war jeden Abend in meiner gewohnten Umgebung und konnte mich jeden Tag testen ob ich den Alkohol wiederstehen kann. Für mich war das genau das richtige. Meine Therapeuten dort waren super, natürlich war es am Anfang schwer über sein Leben zu reden und es waren auch viele Momente dabei wo ich sehr viel geweint habe, doch genau das sollte auch sein um endlich mal den ganzen Mist der sich im Leben angesammelt hat rauszulassen!!!!!Eine Therapie nützt nichts wenn man nicht bereit ist über seine Gefühle und Gedanken zu reden und es ist auch wichtig das man vom Alkohol weg will!!!! Wenn ich mir einrede ich darf nicht mehr trinken funktioniert es nicht! Ich sag mir immer wieder ich will nicht mehr trinken und das funktioniert seit über 3 Jahren.
Wie ging es weiter?
Nach der Therapie machte ich noch ambulant weiter (Gruppengespräche und Einzelgespräche in der Suchtberatung) und baute mir eine neue Wohnung auf. In dieser Wohnung findet man keinen Alkohol, das ist ganz wichtig!!!!! weil es kommt immer mal wieder eine Phase wo man mit seinem trockenen Leben nicht zufrieden ist und würde ich in diesem Moment den Alkohol in der Nähe haben, dann wird es doch zu gefährlich wieder den Mist in sich hineinzuschütten. Zu meinen damaligen Sauffreunden habe ich sogut wie keinen Kontakt mehr. Nicht aber weil ich mich vom Alkohol fern halte, sondern weil es keine Freunde sind.
Wie geht es mir heute?
Heute bin ich über 3 Jahre trocken und einigermaßen zufreiden. Mit meiner Tochter, die immernoch bei Ihrem Vater lebt verstehe ich mich besser als in meiner nassen Zeit. Sie ist auch regelmäßig bei mir. Natürlich kommt immer mal wieder der Moment wo ich am liebsten was trinken möchte, doch ich weiß das meine Probleme deswegen nicht weg sind, sie werden nur betäubt!!!!! Die gleichen Probleme sind am nächsten Tag immer noch da und wenn ich jetzt wieder anfange zu trinke kann ich nicht mehr aufhören. Es funktioniert nämlich nicht ,wenn man Alkoholkrank ist, nur 1 oder 2 zu trinken, das Suchtgedächtnis macht sich bemerkbar. Ich könnte nicht mehr aufhören, das weiß ich. Wenn ich dann so einen Moment (Suchtdruck) ohne zu trinken überstehe, bin ich sehr stolz auf mich, das ist ein Erfolgserlebnis.
Es passiert zwar selten, aber ab und zu geh ich mal in meine damalige Stammkneipe um die Leute zu sehen die immer noch am Alkohol hängen und ich kann euch sagen, zu diesen Menschen gehöre ich nicht mehr, die sind mir alle zu doof!!! und genau so doof war ich früher auch als ich noch getrunken habe. Jetzt sehe ich die Welt die anders. doch es passiert nicht von heute auf morgen, Stück für Stück merkt man die Veränderungen im trockenen Leben. Etwas Geduld braucht ihr schon.
So Ihr Lieben, jetzt geb ich euch noch 3 Wünsche mit auf dem Weg
Die Gelassenheit ...alles das hinzunehmen was nicht zu ändern ist
Die Kraft... zu ändern was nicht länger zu ertragen ist
und die Weisheit... das eine vom anderen zu unerscheiden
Machts gut ihr lieben
Ihr schafft das, mit Mut, Kraft und Zuversicht


Dominic (27)

Mein Name ist D.F. und ich bin 27 Jahre alt,
bin Alkoholiker und zur Zeit auf meiner zweiten Therapie innerhalb eines Jahres!!!!!!
Meine Alkoholkarriere fing schon früh an. Mit 15 Jahren hatte ich bereits den ersten Kontakt und es dauerte nicht lange und der erste Vollrausch folgte gleich im Anschluß. Das war soweit ja noch in Ordnung, denn irgend wann hat jeder Jugendliche die ersten Kontakte mit Alkohol. Ich hatte zu dieser Zeit meine erste feste Freundin, einen sehr großen Freundeskreis und ich war sehr Glücklich. Alles lief perfekt. Doch nach eineinhalb Jahren ging diese Beziehung in kaputt, da ich mittlerweile auch angefangen habe das kiffen auszuprobieren. Ich habe es zusammem mit meiner damaligen Freundin ausprobiert und daraufhin hat sie dann die Beziehung beendet, da sie der Meinung war, das ich regelmäßig kiffe. Das war aber nicht so, da ich immer mit ihr zuammen geraucht habe. Hinterher habe ich dann erfahren, dass das nicht der Hauptgrund war. Sie hatte mich in der Zeit davor betrogen. Sie konnte es mir aber nicht sagen, daher hat sie sich einen anderen Grund einfallen lassen. Für mich ist daraufhin meine komplette heile Welt zusammen gebrochen. Ich habe mich nicht mehr als Mensch gefühlt. Ich habe mich soweit selbst runtergezogen, das ich mich meinem älteren Bruder angeschlossen habe und ich habe angefangen mit 17 Jahren täglich zu Kiffen und Alkohol zu trinken. Mittlerweile denke ich, das sich in dieser Zeit mein Zwerg (Suchtgedächnis) in meinem Kopf (O-Ton meines Therapeuten) prächtig entwickelt hat und ich immer wenn es mir schlecht ging entweder gekifft oder getrunken habe. Oder auch beides gleichzeitig gemacht habe. Irgendwie war es normal sich jeden Tag so die Lampen auszuschiessen. Ich habe zu dieser Zeit nie einen Gedanken daran verschwendet das ich krank bin. Mich kann es doch nicht treffen, ich bin doch noch so jung. Das war ein sehr grosser Fehler. Irgend wann haben meine Eltern es auch mitbekommen und ich hatte einen riesen Ärger. Ich habe mich gefragt, was wollen denn alle von mir. Ich bin doch nicht krank. Nein, ich kann immer aufhören wenn ich will. Kaum war ich dann aber aus der Tür raus habe ich alles was ich meinen Eltern gesagt habe wieder abgeschaltet und bin daraufhin von zu Hause abgehauen und mit meinem Bruder zusammengezogen. Das war das reinste abschiessen aller geistlichen und körperlichen Kräfte. Denn durch meinen Bruder habe ich dann auch noch Kontakt zu Kokain bekommen. Jeden Tag von morgens bis spät abends haben wir gekifft, gesoffen,Exstasy "gefressen", Speed gezogen und wenn das Geld da war auch gekokst. Wir hatten jeden Tag volle Bude. Es waren aber nur Konsumenten und keine Freunde. Denn mittlerweile denke ich wenn dort ein Vernünftiger dazwischen gewesen wäre, dann hätte der mich auf mein Konsum hingewiesen und mir geholfen davon wegzukommen. Es war aber nicht so. Es ging immer heiter weiter mit dem Gehirnzellen abtöten, bis ich mich mit meinem Bruder in die Wolle bekommen habe. Ich musste zu meinen Eltern zurück. Die haben mich dann aber ohne ein Murren und Knurren wieder aufgenommen. Die einzige Vorraussetzung war nur das ich endlich aufhöre mit meinem Drogen- und Alkoholkonsum. Wie alle Leute die nicht wissen wohin, habe ich natürlich zugestimmt, das ich meinen Konsum einstelle und meine Lehre mache. Das war mit 22-Jahren. Aber da ich meine alten "Feunde" nicht ablegen konnte, habe ich dann schliesslich doch mich wieder dazu entschlossen, weiter zu konsumieren. Und zwar alles was auf dem "Markt" war. Bis auf Heroin und Crack. Davor hatte ich doch zu großen Respekt, obwohl diesen Respekt hätte ich doch auch schon vor Koks, Exstasy und alle anderen Suchtmittel entwickeln sollen. Denn diese sind genauso gesundheitsschädigent. Aber ich sah das zu diesem Zeitpunkt anders. Alles andere ist schlimm nur nicht das was ich mache. Und so ging es dann bis ich 26-Jahre alt war. Meine Lehre (mittlerweile die zweite!!!!) habe ich dann auf Grund meine Krankheit natürlich nicht geschafft. Ich bin lieber konsumieren gegangen als meine Versicherungskaufmann-Lehre mit Bravour zu bestehen. Ich war also wieder arbeitslos uns stand ohne Berufsabschluss da. Was soll ich nun machen? Anstatt mich darum zu bemühen den Abschluss endlich zu packen, habe ich weiter konsumiert was da war und bin dann zu einer Zeitarbeitsfirma. Hilsabreiten machen. Das ist doch toll! Endlich Arbeiten und genug Geld kommt auch noch rein. Das kann ich dann alles für Drogen und Alkohol verballern. Das habe ich dann auch gemacht. Ich musste ziemlich früh raus also habe ich schon morgens angefagen zu trinken. Das ging glücklicher Weise auch alles gut. Niemand hat etwas gemerkt. Naja, nach geraumer Zeit habe ich dann ein Angbot bekommen in dieser Firma wo ich gearbeitet habe einen anderen Job zu übernehmen. Keine Zeitarbeit also. Darauf bin ich dann auch eingegangen, da man mir versprochen hatte das ich auch mehr Geld bekommen werde. Als ich dann sort angefangen habe, habe ich nach vier Wochen in der Nachtschicht auf einem Freitag mit meinem Kollegen meinen Einstand gefeiert. Ich hatte Korn, Cola und Bier mitgebracht. Das ist auf gut angokommen bei den Kollegen, da diese sowieso jeden Freitag gebechert haben. Das ende der Gesachichte ist, das ich voll wie 1000 Russen morgen um 6 Uhr nach Hause gekommen bin und die letzte Flasche Kola-Korn habe ich mitgenommen. Als ich zu Hause angommen bin habe ich noch einen großen Schluck aus der Pulle genomen und mich dann schlafen gelegt um meinen Vollrausch auszuschlafen. Gegen 9 UIhr kam dann meine Mutter rein und hat natürlich den Gestank von Alkohol wargenommen. Sie hat mich darauf angesprochen und ich habe geschworen das ich nichts getrunken habe. Ich hatte aber mindestens noch 2 Promille intus. Naja, wir sind dann zusammen einkaufen gefahren und sie hat mir für den nächsten Abend bei meinem Bruder, ich wollte abends zu ihm, eine Flasche Whisky ( es war Jim Beam für 10 Euro) spendiert. Ich war glücklich, denn mein Stoff war gesichert. Abends dann bei meinem Bruder ging dann das Gehirnzellenabtöten munter weiter. Wir soffen und kifften was das Zeug hält. Zu später Stund dann wollte ich unbedingt nach Hause fahren. Eigentlich wollte ich ja bei meinem Bruder schlafen. Ich bin dann also mit der letzten Bahn nach Hause gefahren um mich in mein heiliges Bett zu legen. Dort angekommen wurde ich dann morgens von meiner Freundin (zu diesem Zeitpunkt hatte ich wieder eine) geweckt. Ich hatte das nicht mitbekommen, da ich ziemlich voll war. Sie ist dann mit der Flasche Kola-Korn vom vorabend zu meinen Eltern gegangen und hat mich gerettet. Meine Eltern stellten mich dann vor die Wahl.Entweder ich versacke dem Alkohol und den Drogen oder ich gehe ins Krankenhaus und mache eine Therapie. Ich habe mich dann für das Krankenhaus entschieden. Es konnte so einfach nicht mehr weitergehen. Ich war ja nur noch dicht. Das war mir aber nicht so bewußt. Ich habe mich immer fit gefühlt und wenn das mal nicht so war, habe ich nachgeholfen das es wieder so wird. Auf jeden Fall bin ich dann erstmal zum Arzt und habe mir eine Einweisung in die Entgiftung besorgt. Ich musste dort anrufen um mir einen Termin zu holen. Innerlich hatte ich gehofft, das es schnell geht mit der Einweisung, doch ich musste dann noch vier lange tage warten. Also habe ich mich in den vier Tagen selbst der Entgiftung unterzogen. Es war aber immer einer da der auf mich aufgepasst hat. Morgens bin Mittags mein Bruder und abends meine Freundin. Das war Balsam für die Seele, denn ich wußte das jemand da ist wenn ich nicht mehr kann. Also ist der Entzug auch nicht so schlimm gewesen. Nur die innere Unruhe konnte mir keiner nehmen. Es war eine neue Situation für mich. Was erwartet mich dort? Da sind doch njur Penner und asoziale. Doch dieses Bild habe ich schnell verloren. Denn es waren alle Schichten unserer Gesellschaft dort vertreten. Vom Manager zur Putzfrau. Vom Arzt bis zum Arbeitslosen. Also, habe ich meine erste Entgiftung für 20 Tage hinter mich gebracht. Gleichzeitig habe ich meine erste Therapie im Hansenbarg beantragt. 16 Wochen waren sofort genehmigt. Ich dachte nur oh Gott, solange weg von zu Hause. Naja, wenn´s hilft. Meine Freundin hatte auch weiterhin zu mir gestanden und mir gut zu geredet. Als ich dann nach der Entgiftung nach Hause kam, war der gute Wille zum nicht konsumieren jedoch schnell dahin. Da ich noch lange Zeit hatte bis es losging zur Therapie, habe ich mich kurzer Hand entschlossen nochmal einen alten Kollegen zu besuchen. Wir haben uns ein letztes mal die Lampen ausgeschossen. Solange, bis irgendwann die Polizei vor der Tür stand. Danach kann ich mich an fast nichts mehr erinnern. Nur daran das ich zu Hause aufgewacht bin.Wie ich dort hin kam? Keine Ahnung... Naja der Tag an dem es endlich losging kam und ich war froh das mir geholfen wird.Dachte ich. Denn es kam anders. Nach 8 Wochen habe ich mich dann selber entlassen, da ich ja nicht krank war. Also habe ich meinen Eltern und meiner Freundin vorgelogen ich sei wegen "guter Führung" früher entlassen worden. Sie haben mir geglaubt. Also war ich wieder zu Hause. Ich hatte auch das Glück, das ich sofort eine Firma gefunden hatte wo ich meine Lehre zu ende machen konnte. Ich bin also jeden Tag fröhlich zur Arbeit gefahren. Immer mit der Bahn. Und irgendwann, das war im Sommer habe ich angefangen morgens vor der Arbeit "kontrolliert zu trinken". Ha, da habe ich mich wohl selbst belogen,denn es ging alles nach hinten los. Im Herbst bin ich dann wieder in die Entgiftung.Diesmal aber nur 10 Tage, da ich den Blockunterricht in der Berufsschule nicht verpassen wollte. Gebracht hat diese Entgiftung auch nichts, denn kaum war ich wieder alleine und ich habe wieder morgens vor der Schule gesoffen. Das ging dann bis Januar 08 so. Ich habe dann meine Ausbildung kurz vor der Prüfung mal wieder Verloren. Was mach ich nu? Wieder zwei Möglichkeiten. Entgiftung oder Freundin weg! Also habe ich mich wieder für die Entgiftung entschieden. Diesmal ging es aber weiter weg, Nach Ruhleben in Plön. Geschlagene 18 Tage keinen Kontakt zur Aussenwelt. Kein Kiosk für Zeitung, kein Verlassen des Grundstückes zum spazieren gehen. Man durfte aber auch gar nichts machen. Ausser nachdenken über sein leben und was ich so alles fabriziert habe. Das war absolutes Neuland für mich, denn in meiner ersten Entgiftung hatte man genügend ablenkung mit Sport, Ergo und Arbeitstherapie. Naj, ich hatte mich dann entschlossen gleich im Anschluss noch eine Therapie zu machen. Diesmal ging es nach Freudenholm. Das liegt bei Kiel. Da es aber meine zweite Therapie war durfte ich diesmal 10 Wochen mich nochmal in Behandlung geben. Gott sei es gedankt, das ich das nochmal machen durfte. Ich habe mich also für mich ein letztes mal auf die Reise begeben nochmal mein Leben aufzuarbeiten. Und es hat viel gebracht. Gut ich habe nach der Entlassung nochmal "kleine" Rückfälle gebaut, aber seit dem ich jetzt zu den AA gehe habe ich es endlich begriffen. Ich kann mit meinen 27 Jahren keinen Alkohol mehr trinken. Mein Fass ist leer. Ich nehme mir jeden Tag vor die nächsten 24 Stunden nicht zu trinken und es klappt. Natürlich gehört da auch ein geregelter Tagesablauf dazu, denn keine Tätigkeiten am Tag haben mich wieder dazu veranlasst zu grübeln und wieder zu trinken. Langeweile ist tödlich für einen Alkoholiker wie mich. Ich danke Gott jeden Tag, das ich zwei Chancen bekommen habe es endlich in den Griff zu bekommen. Es ist keine Schande Krank zu sein. Nein, es ist eine Schande nichts dagegen zu tun!!
Euer Dominic


Über Alkohol    ABER DANN.......!

Schon damals, als ich dich sah, hatte man mich vor dir gewarnt...

Aber eines Tages konnte ich der Versuchung nicht wiederstehen. Wir trafen uns, - standen uns gegenüber und du wolltest mich, das habe ich gespürt. - Und von einem Moment zum nächsten war ich "deins". Wir genossen es, wir waren so stark verbunden. Du brachtest mich in eine Welt, die so befreiend war, eine Welt voller schöner Illusionen.

Aber... So schön es mit dir auch war, beschloss ich dir nicht mehr so oft zu begegnen. Denn die Realität ist anders als "Du" - Dann kam es mal vor, dass ich dich nur sah und dich nicht wollte, und mal wollte ich dich bewusst und intensiv spüren. Wir hatten auch jede Menge Spaß und tanzten und lachten den ganzen Abend, - Ich war der Mittelpunkt. Mit dir waren die Ängste weg. Es war einfach schön mit dir...

Aber... Dann erlebte ich in der realen Welt einen grausamen Schmerz. Ich lief weg,- ich suchte dich sofort,- fand dich. Du nahmst mich sofort und hattest mir das Gefühl gegeben, dass du der einzige warst, der mich verstand. "Du" hast mich ernst genommen. "Du" hast mir zugehört, ohne mich zu kritisieren. "Du" hast mir die Schmerzen genommen. Es war so schön. Endlich hatte ich jemanden, der mir gut tut. Ich war an einen Punkt gekommen, wo mir bewusst wurde, dass ohne dich nicht mehr leben wollte, Wir trafen uns immer heimlich, jeden Abend und immer warst du für mich da und nahmst mir den Schmerz. Ich war bereit fast alles für dich aufzugeben: Familie, Arbeit, Freunde und vieles, vieles mehr...

Aber... Nach dem die Welt da draußen, merkte, dass ich nur für dich existierte, nahmen sie dich weg von mir. Einfach so. Ich habe die Welt gehasst, weil sie uns trennen wollten. Dabei warst du es doch, der mir so gut tat und mich in eine Welt brachte, wo es keine Schmerzen gibt. Ich hatte zu kämpfen, ich heulte jeden Tag, jede Nacht, jeden Moment. Ich habe dich gerade jetzt so sehr gebraucht und vermisst. Unsere gemeinsame Zeit..., einfach alles hat mir gefehlt.

Aber... Irgendwann, als ich ruhiger wurde, kam ich an einen Ort, wo es kalt und doch so warm war. Ich war nicht alleine, auch nicht mit dem Gefühl von Kälte, und doch mit Wärme. Ich habe mich mit den "Anderen" über "Etwas" unterhalten, was mir erstaunlicher Weise sehr bekannt war. Es warst "Du". Über dich sprachen wir. Ich stellte fest, dass du nicht nur mit mir warst, sondern mit all denen auch. Sie haben mir die Augen geöffnet:. Du wolltest uns nur besitzen, du wolltest uns nur langsam aber sicher zerstören. Wie konntest du nur? Wir haben fast alles verloren wegen dir und jetzt müssen wir ohne dich leben, weil du uns nicht gut tust...

Aber... Heute habe ich vieles gelernt. Ich habe gelernt, dass man die Realität ohne dich überleben kann. Und das tue ich auch! Trotzdem gebe ich zu, dass du mir manchmal fehlst. Aber ich gebe viel, -nein ich gebe "Alles" dafür, dass ich dich nie wieder spüren werde. Und das schaffe ich auch. Ich weiß es, weil der Platz heute voller Sonne, Wärme und vieler Menschen mit Stärke und Hoffnung ist, die mir Mut machen und ich diesen Menschen auch... MAN MUSS NUR GANZ FEST DARAN GLAUBEN....

Moni (10.4.2008: Ich bin seit 1 Jahr und 38 Tagen ohne Alkohol)


Im Sog der Abhängigkeit

Harley-Schorsch hat seinen Weg in Buchform beschrieben und uns zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Es kann
hier
heruntergeladen werden (Acrobat-Reader erforderlich, ca. 360 KB).
Herzlichen Dank lieber Schorsch


Mone
Mone

Meine ersten Erfahrungen mit Alkohol habe ich bereits in meiner frühen Kindheit gesammelt. Bei Familienfeiern den einen oder anderen Schnaps bei den Erwachsenen mittrinken war keine Seltenheit. Obwohl mir das Zeug gar nicht geschmeckt hat, war es doch ein tolles Gefühl, so erwachsen sein zu dürfen. Ob das allerdings bereits der Beginn einer Sucht-Karriere darstellt, kann ich nicht sagen. Allerdings brachte es doch eine hohe Verträglichkeit von Alkohol mit sich. Von dieser Zeit an hat es mich immer interessiert, wie sich die Erwachsenen fühlen, wenn sie sich so anders benehmen, so lustig werden. Das war für mich etwas ganz Normales, und ich wollte wissen, wie das ist.
Meinen ersten Vollrausch hatte ich dann mit 15 Jahren, als meine Eltern über ein Wochenende nicht zu Hause waren. An diesem Tag habe ich dann auch die Erfahrung gemacht, dass ich von Schnaps viel schneller und viel intensiver betrunken wurde, als von Bier oder Wein. Ich glaube, das war die Erfahrung, die mich weiterhin auf Hochprozentiges hat zugreifen lassen, der Anfang vom Ende sozusagen.
Um es kurz zu machen: Daraus wurde ein Sucht-Werdegang, bei dem ich täglich eine Flasche Korn trinken musste, um alles, was ich am Tag erlebt habe, weg spülen zu können. Ich konnte zwar mit dem Trinken nichts vergessen, aber es schien mir, als würden die Gefühle erträglicher werden.

Irgendwann war ich an dem Punkt angekommen, 10 Jahre nach dem ersten Vollrausch, an dem ich richtige Angst um mein Leben hatte. Ich wollte nicht so enden, wie die Leute auf den Parkbänken, die sich mit einer Zeitung zudecken, neben denen eine Bierdose steht und die nicht mehr wahrnehmen können, ob sie gerade mitten auf einen Marktplatz pinkeln. Immerhin konnte ich schon kaum noch etwas essen, mein Magen war ziemlich angegriffen und meine Leber so stark vergrößert, dass sie schmerzlich auf die umliegenden Organe drückte. Aus Angst vor dem Tod, vor dem sozialen Abstieg und aus dem Wunsch heraus mit 25 Jahren noch etwas erleben zu wollen, ging ich also in eine Beratungsstelle.
Dort angekommen, war ich ziemlich ängstlich. Ich hatte Angst vor fremden Menschen, Angst angegriffen und beschimpft zu werden, Angst vor Vorwürfen und Angst davor, dass mich diese Schuldgefühle erschlagen würden. Und wenn die mir jetzt noch meinen Korn wegnehmen, dann renne ich da wieder raus, finde eine Ausrede und gehe nie wieder zu diesen bösen Menschen hin! Aber solange das alles nicht passiert, kann ich mir das ja mal ansehen, was die von mir wollen, denn dass ich ein Trinkproblem hatte, wusste ich schon lange. Nur wollte ich das nicht so laut sagen. Klar, ich war ja auch keiner von der Parkbank, jedenfalls noch nicht.

Die erste große Verwunderung traf mich, als mir die Sekretärin nach der Terminvergabe sagte: "Schön, dass Sie gekommen sind." Boah! Hier her kommst Du wieder, hoffentlich ist diese Fachfrau, zu der ich da gehen soll, genauso nett. Na, das macht ja direkt ein bisschen Hoffnung...
Ein paar Tage später hatte ich dann das erste Gespräch. Die Frau hörte mir ganz geduldig zu und sie stellte manchmal sogar ein paar Fragen. Ich erzählte ihr ganz freiwillig über meine Ehe, wann ich am Nachmittag aufstand und wann ich erst am Morgen wieder ins Bett ging. Keine ermahnenden Worte, kein Ansatz von Kritik oder Beschimpfungen. Im Gegenteil, sie war sogar ganz gut drauf, denn sie hatte Humor. Man konnte echt mit dieser Frau auch mal kurz lachen. Also waren das dort doch nicht diese spießigen und verknöcherten Gesundheitsapostel. Wo ich dachte, dass sich sowieso niemand meinen "Müll" anhören wollte, stellte diese Frau sogar noch ganz interessiert Fragen und ließ mich ausreden.
Auch gab kein Anzeichen davon, dass sie mir nun den Schnaps verbietet. Als es um die Frage der Entgiftung ging, hat sie mir ganz geduldig erklärt, was eigentlich im Körper passiert, wenn ich nun keinen Alkohol mehr trinken würde. Sie hat mir empfohlen, so lange weiter zu trinken, bis die Frage geklärt ist, wie ich entgiften kann, weil ich mich sonst in Lebensgefahr bringen würde. Das hat mich ganz schön umgehauen. Sie hat auch keinen Druck auf mich ausgeübt, um mir zu sagen, wann ich nun aufhören soll. Ich habe mir das "Wann" und das "Wie" ganz alleine ausgesucht, und habe mir lediglich das Fachwissen dieser Frau bei der Entscheidung zu Nutze gemacht. Auch die Frage, ob mich nach den Gesprächen nun die dicke Rechnung erwartet, wurde zu meiner Zufriedenheit beantwortet, mich hat das nicht einen Cent gekostet.

Nach einigen Gesprächen hat sie mir dann davon erzählt, dass man dort auch Therapien machen kann und wie so eine Therapie aussieht. Sie erzählte mir von Menschen, die in Gruppen zusammen sitzen und mit einem Therapeuten über ihre Situationen reden. Sie würden darüber sprechen, dass es ihnen ja genauso ergeht, wie mir und dass sie sehr ähnliche Sorgen haben, wie ich. Und sie sagte mir, dass die Menschen, die da in den Gruppen sitzen, mit Sicherheit genauso viel Angst haben, wie ich selbst auch.

Bis zu meinem Therapiestart besuchte ich zwei Informationsgruppen, die über Alkohol aufklärten. Dabei habe ich bereits nicht mehr getrunken und begann, die ersten alkoholfrei lebenden Menschen kennen zu lernen. Parallel besuchte ich eine Selbsthilfegruppe, was für mich auch totales Neuland war. Dort lernte ich bereits, dass es erlaubt war, so zu sein, wie ich war und dass ich einfach alles sagen durfte, wie mir eben das Mundwerk gewachsen war. So ging es mir auch in der Therapie. Ich dachte mir, dass ich nun endlich mal die Chance hatte, einen Fachmann zu fragen, wie das so in meinem Kopf aussieht und ob das alles so normal ist, wie es mir geht. Ich lernte ziemlich bald, dass ich nicht immer an allem Schuld war, und dass ich durchaus das Recht habe, „Nein“ zu sagen. Diese Erfahrung fand ich damals richtig befreiend. Es war völliges Neuland. So probierte ich die Tipps des Therapeuten einfach aus. Ich lernte langsam mir Situationen so anzuschauen, dass ich nicht immer die Reaktionen meiner Mitmenschen vorhersehen musste und dass es nicht immer so ausweglos ist, wie ich dachte. Ich testete einfach, und sah mir an, was passierte. Meinem damaligen Mann zu sagen, dass ich seine Bierkisten jetzt nicht tragen will, weil ich damit nichts mehr zu tun haben will, war ein solcher Versuch. Statt des von mir vorhergesehenen Ärgers mit ihm, guckte er nur verwundert und trug von dem Moment an seine Flaschen selbst. Ups, so einfach kann das sein!

In der ersten Therapiezeit wurde mit mir gemeinsam geschaut, was die Ziele der Behandlung sein können. Nie wurde einfach etwas vorgeschrieben, alles waren Anregungen und ich konnte eigenständig entscheiden, was davon ich umsetzen möchte, und was ich einfach nicht schaffen kann. Dabei stellte sich heraus, dass es am wichtigsten war, ein abstinentes Umfeld für mich zu schaffen, einen sicheren Rahmen, indem ich ohne Alkohol leben konnte. Ich habe damals in einer Ehe gelebt, in der mein damaliger Mann weiter getrunken hat, und damit also auch nicht aufgehört hatte, mich zu unterdrücken und mich zu bedrohen. Im schlimmsten Falle war in seinem Terror enthalten, dass er mir den Tod wünschte und mich umbringen wollte. Die Versuche, diese Ehe zu retten scheiterten während der Therapie. Also habe ich daran gearbeitet, die vorerst räumliche Trennung von meinem Mann einzuleiten. Nach einem halben Jahr war ich dann so weit, das erste Mal ein paar Sachen zusammen zu packen, und in die Wohnung eines Freundes zu ziehen. Von da aus gab es noch einmal einen Versöhnungsversuch, der auch scheiterte. Also zog ich dann endgültig aus und machte den Traum von meiner eigenen kleinen Wohnung wahr, und bezog mein kleines Reich. Ein Jahr später folgte die Scheidung

Von dieser Zeit an war es mir möglich daran zu arbeiten, ohne den Druck einer bedrohlichen Partnerschaft frei zu atmen und mein Leben so weit aufzuräumen, wie ich es verkraften konnte. Nie hat jemand zu viel von mir verlangt, weiterhin war alles, was in der Therapie passierte ein Vorschlag, aber nichts ein Muss. Diese Therapie wurde auch immer mehr zu einer Stätte, in der ich verstanden wurde und in der ich meine Gefühle zeigen und benennen konnte, weil ich dafür weder abgewertet, noch beschimpft wurde. Im Gegenteil, ich machte immer häufiger die Erfahrung von Anerkennung und Lob. Ich habe immer sehr ernst genommen, was mir in der Therapie vorgeschlagen wurde, aber ich habe es auch immer sehr kritisch angesehen, und manchmal auch abgelehnt, was angeregt wurde. Die Erfahrung zu machen, dass ich das tun darf, ist wunderbar für mich.

Nun, nach genau fünf Jahren Abstinenz lebe ich in einer glücklichen Ehe. Ich habe einen Lebenspartner gefunden, der nicht nur alkoholfrei mit mir lebt, sondern der mich liebt mit allem, was meine Vergangenheit zu bieten hat. Ohne meine Therapie hätte ich mit Sicherheit niemals anfangen können, nun endlich zu leben, denn ich wäre nie auf die Idee gekommen, wie gut und wie schön ein Umdenken sein kann - eine Befreiung!


3 jahre trocken - ein resümee

hallo
ich wollte nur mitteilen , daß ich am 10.12.2004 das letzte mal alkohol getrunken habe .
die folgen meines letzten konsums sind in hier hinlänglich bekannt.
die vergangenen drei jahre hat sich mein leben verändert.
ich habe neue freunde gewonnen und neue erfahrungen gemacht.
es waren negative schmerzhafte erfahrungen , aber auch sehr viele positve.
rückblickend überwiegen die positiven doch sehr und ich kann jedem menschen , der ein alkproblem hat nur zu dem weg der abstinenz raten. auch , wenn es den anschein eines sehr schwierigen pfades macht lohnt sich das leben.
wenn ich mir vor augen halte , was ich durch alk alles vernichtet habe finde ich es traurig , das mir diese erkenntnis nicht schon früher gekommen ist.
was hätte ich alles vermeiden können wie wäre mein leben anders verlaufen , wenn ich auf meine innere stimme gehört hätte.
die innere stimme sie liegt nicht falsch sie mag schmerzhaft sein die erkenntnis nicht mit alk umgehen zu können .
ich wollte es lange nicht wahrhaben und das erwachen war grauenhafter , als ich es mir je hätte zu träumen wagen .
heute hab ich den ganzen mist hinter mir , teilweise zumindest.
es ist nicht vorbei , es ist nie vorbei.
der alk , das gift ist allgegenwärtig.
auch ich darf mich nicht in sicherheit wiegen , auch wenn es den anschein hat.
nein nahezu täglich habe ich den alk als begleiter.
aber wenn du deinen feind nicht besiegen kannst , so lerne ihn zu akzeptieren , als übel das da ist , als gegner , den du nicht mehr zu fürchten hast , weil du weißt er kann dir nichts mehr anhaben , wenn du konsequent dein leben lebst und seinen versuchungen und verlockungen widerstehst.
akzeptanz toleranz und vertrauen in deine eigene kraft ind deine art zu leben lassen deinen gegner alt aussehen und dich dein leben wieder in vollen zügen genießen.
viele betroffene sagen ich schäme mich , ich komme mir verlogen und jämmerlich vor
vergehen in selbstmitleid und ergeben sich ihrem vermeintlichen schicksal , weil es der einfachere weg zu sein scheint.
doch was ist an dessen ende ? was ist an dessen ende ?
deins
seins nicht der gegner überlebt dich er triumphiert , wenn du dich ihm ergibst , ihn gewähren läßt.
ich denke ich bin nicht der einzige hier in diesem forum , dem es so geht.
ich habe meine phasen , die mich runterziehen , die mich frustrieren , da ist er ganz nah der vermeintliche freund ganz ganz nahe.
ich kann ihn dann riechen ich träume von ihm ich sehe ihn und seine verlockungen.
die erinnerung wird wach an das positive , daß ich zweifellos auch erlebt habe.
aber wiegt es das auf wiegt es das auf mein neues leben wegen so einem schmarrn aufs spiel zu setzen , aufzugeben nachzugeben.
ich denke nicht.
ich denke jedem betroffenen sollte das bewußt sein jede sekunde seinse neuen lebens.
diese verinnerlichung gibt kraft kraft für die nächste minute stunde tag woche monat jahr.
und ehe mensch sich umblickt stellt er fest , daß nun schon ein geraumer zeitraum ohne dieses gift , aber mit feind vergangen ist.
alkohol bekämpfen ist der falsche weg , da kampf immer mit sehr viel energie und verlusten behaftet ist.
alkohol akzeptieren , als etwas daß du meiden kannst ist für mich der einfachere weg.
ich hoffe , daß es mir auch weiterhin gelingt und ich einmal auf ein erfülltes zweites leben zurückblicken darf.
just my 2 cents
wok


Vera (42)

Liebe Mitglieder und Leser von a-connect,
gerne schreibe ich Euch, wie es mir ergangen ist und jetzt geht, da ich gerne anderen Mut machen möchte für sich einen Weg aus der Sucht zu finden.
Meine Alkoholkarriere begann schon in meiner frühen Jugend. Bereits mit 14 legte ich meinen ersten Vollrausch hin. Mit 17 merkte ich, das Alkohol mich entspannt und enthemmt und Hemmungen vor allem Angst hatte ich ja genug. Damals hat sich wohl das, was man das "Suchtgedächtnis" nennt, ausgeprägt. Anfang 20 war es für mich schon normal vor oder während Feiern zu trinken oft "einen über den Durst" mit oft peinlichen Folgen. Dennoch schaffte ich mein Studium wie zuvor mein Abi mit guten Noten und "funktionierte" auch sonst ganz als brave Tochter. Ich hatte von klein auf gelernt gut zu funktionieren und tat dies auch während meiner langjährigen Partnerschaft. Diese zerbrach Ende 20 und ich stürzte in ein Loch. Die Abende nach der Arbeit und die Wochenenden gehörten vollständig dem Alkohol. Ich blieb 4 Jahre solo und dachte, mein Alkoholkonsum hinge damit zusammen, das ich keinen Partner finde und wenn dann waren es nur kurzfristige und enttäuschende Geschichten. Ich war darüber gänzlich frustriert und meinte allen Ernstes ich müsste nur mein Leben von Grund auch ändern und dann wäre der Alkohol kein Thema mehr.
Typischer Fall von denkste. Ich lernte meinen jetzigen Mann kennen, heiratete sehr schnell, kündigte meinen inzwischen ungeliebten Job bevor mir dort wegen dauernden alkoholbedingtem Krankfeiern gekündigt wurde, wurde schwanger, zog weg und stürzte mich erst einmal in das Hausfrauen- und Mutterdasein. Aber der Alkohol machte sich zunächst langsam dann aber immer stetiger wieder bei mir breit. Vorerst nur abends. Kind im Bett und dann entspannen. Mein Mann trank auch übermäßig und so hatte ich ja das perfekte Alibi. Auch jetzt funktionierte ich nach außen hin perfekt.
Das Kind wurde älter und nach 5 Jahren Berufspause fing ich halbtags wieder an zu arbeiten. Perfiderweise fing ich aber wieder an mehr d.h. auch tagsüber an zu saufen. Die freien Tage gehörten dem Alkohol. Es wurde im Verlauf der folgenden Jahre immer schwieriger nach außen hin den Schein zu wahren. Oft ließ ich alles stehen und liegen, versorgte gerade noch mein Kind und trank. Meldete mich in der Arbeit zunehmend krank oder schleppte mich verkatert hin. Funktionierte aber einigermaßen. Mein Mann trank mit und so tranken wir manchen Wochenende zusammen durch. Das Kind wurde vor den Fernseher gesetzt und bekam zu essen wurde also weitgehend versorgt. Alles andere lief nur noch mit großen Anstrengungen.
Dann suchte ich eine Suchtberatungsstelle auf und dort riet man mir zur Langzeit. Das wollte ich natürlich nicht. Wie sollte das denn gehen und was würde das Umfeld sagen. Ich wollte alles unter Verschluss halten.
Ein halbes Jahr später verlor ich meinen inzwischen ebenfalls ungeliebten Job mit dem blöden Chef und dachte wirklich, jetzt brauchst du auch nicht mehr saufen. Pustekuchen, jetzt wurde es noch schlimmer und die körperlichen Entzugserscheinungen setzten ein. Langsam sah ich ein, das ich unbedingt etwas tun musste und da mir langsam auch das Umfeld, das sowieso immer mehr mitbekam egal war, beantragte ich die Langzeit und wollte es als psychosomatische Kur tarnen.
Zunächst wollte ich ins Krankenhaus zum entgiften weil ich nicht mehr konnte. Ich schaffte es nicht mehr mit der Einweisung ein Wochenende abzuwarten, sondern kam mit dem Krankenwagen auf die Psychiatrie (geschlossene). Dort blieb ich 3 Wochen lang, stabilisierte mich schnell und dachte allen Ernstes ich bräuchte jetzt keine Langzeit mehr. Von wegen!! Kaum zuhause hielt ich genau 10 Tage durch und dann fiel ich um aber massiv. Diesmal kam noch die Polizei dazu, weil ich nur noch herumgeschrieen habe und dann wieder ab mit dem Krankenwagen aber auf die Alkoholentgiftungsstation. Dort war es wirklich schrecklich! Ich wollte nicht bleiben, sah aber ein, das ich weg musste. Kaum zuhause erhielt ich die Nachricht, das ich in einer Woche die Langzeit antreten könne.
Das tat ich dann auch und so ging ich am 11. Juni 2007 in die Fachklinik Haus Immanuel nach Hutschdorf in Nordbayern bei Kulmbach. Ich hatte wirklich große Angst davor.
Der Sommer 2007 in Hutschdorf wurde zur intensivsten und wichtigsten Zeit meines bisherigen Lebens. Obwohl es oft hart wurde und ich viel weinen musste, konnte ich dort auch wieder das Lachen lernen, bekam wieder Zugang zu meinen Gefühlen und wurde zunehmend selbstbewusster.
Am 1. Oktober 2007 kam ich nach Hause. Klar dort ist alles noch so wie vorher und die Probleme haben sich nicht in Luft aufgelöst nur gehe ich sie jetzt anders an. Ich besuche eine therapeutisch geführte Gruppe bei der Caritas, gehe zu den AA's und zu einer Psychologin. Ich freue mich über jeden neuen Tag und entdecke neue Kraft und Möglichkeiten in mir.
Das Leben ist wieder schön und obwohl ich noch immer am Anfang stehe sage ich mir immer "dahin will ich nicht mehr zurück, diese neue Kraft will ich mir nicht nehmen lassen" Das ist einfach kein einziges Bier wert. Ich habe Zutrauen in mich und meine Kräfte gefunden und weiß, das ich ohne Alk viel mehr aushalten kann, als ich je dachte. Ja es geht allen einfacher und ist aushaltbar, das habe ich trocken in der Langzeit gelernt und für mich mitnehmen können und darüber bin ich sehr froh.
Ich bereue diesen Schritt in keiner Weise und hoffe, das es so auch weitergehen kann. Nur eines weiß ich "Fertig bin ich nicht und werde es wohl mein Leben lang nicht sein" Also Eigenarbeit ist immer angesagt.
Vera


20.05. - ein denkwürdiges datum!!!

20.05. - welch ein denkwürdiges datum ... heute vor vier jahren habe ich meinen letzten weg in meinem nassen leben angetreten - in die letzte entgiftung.
nach vier wochen, die ich nur noch dahinvegetiert habe, größtenteils mit meinem hund im keller gesessen habe, weil ich mich allein nicht mehr in die wohnung traute. ich hab dort tiere gesehen, spinnen, mäuse, ... riesig groß ... furchtbar. also saß ich im keller, mit meinem wein, schnaps, bier - zwei promille am tag mussten sein, sonst gings mir dreckig - und meinem hund und meiner musik und hab mich selbst bemitleidet. ein grauenhaftes bild.
ja heute vor vier jahren, ich war drei tage vorher noch mit meiner mama einkaufen für die klinik. denn allein hätte ich das nie hinbekommen. ich bekam angst in der schlange an den kassen. musste erst mal raus, ein bier trinken, dann gings wieder ... danke für deine hilfe mama.
heute vor vier jahren ging ich dann mit hilfe einer freundin und sicheren 2,7 promille im kopf in die klinik. die freundin half mir tasche packen, denn auch das konnte ich nicht allein.
heute vor vier jahren, wusste ich nicht, was mich erwartet, aber ich wusste, es wird ein langer abschied von zuhause und ein langer weg ... dann war ich weg für 17 wochen und durfte erste schritte tun im trockenen leben.
allerdings weiß ich nicht, ob ich diesen weg gegangen wäre, wenn ich heute vor vier jahren gewusst hätte, was mich alles erwartet. trockenrausch, saufdruck, angst, etc ... und wenn ich damals gewusst hätte, was mir zwei jahre später passiert, ich weiß nicht ob ich dann noch hätte wirklich trocken werden wollen. gottseidank wusste ich heute vor vier jahren nur eines - ich kann nicht mehr!!!
ich wurde trocken, ging in die gruppe, und das konsequent, anfangs jeden tag, dann zweimal die woche, davon samstags hardcore 5-6 stunden. und glaubt mir die ersten wochen kam ich aus dieser gruppe mit mehr saufdruck raus, als ich hingekommen bin. ich konnte samstags nicht schlafen und dachte nur: "die spinnen doch alle da, die haben ne meise!" aber ich bin aus trotz trocken geblieben, denn ich wollt ja nächsten samstag wieder hin und ihnen die meinung geigen. so ging das einige wochen.
naja dann kam das jahr 2005, denkwürdig. erst die trennung von meinem langjährigen lebenspartner, dann der aufbruch meiner vergangenheit mit allen brutalen folgen - geschlossene psychiatrie, traumatherapie - wenn ich das gewusst hätte heute vor vier jahren ... wer weiß ...
vier jahre später nun sitze ich hier, bin trocken, habe die krise überlebt, weil ich in dieser gruppe gesessen und gut zugehört habe und mir ein gut funktionierendes notfallsystem geschaffen habe. ich bin trocken, weil ich endlich verstanden habe, dass ich die gruppe brauche, und vor allem weil ich eingesehen habe, dass nicht ich den alk beherrsche, sondern er mich. ich habe kapituliert, eingesehen dass dieser ungleiche kampf sich nicht lohnt, ich werde immer verlierer sein!
und deshalb kann ich heute vier jahre später sagen: jawohl, dieser weg hat sich gelohnt! das trockene leben ist nicht immer schön, aber tausendmal besser als das nasse! ich bin stolz, glücklich und demütig dankbar, dass ich die letzten vier jahre so erleben durfte ...
ein denkwürdiger tag, dieser 20.05. ...

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20.05. - II. teil:

es hat sich viel geändert in diesen vier jahren.
freunde, ja ich habe freunde. es sind nicht mehr viele übrig, von denen die ich vor diesem tag vor vier jahren da waren. aber denen, die sich abgewandt haben, trauere ich nicht hinterher. denn sie waren nicht meine freunde. sie waren freunde des alkohols, waren freunde meiner überheblichen großkotzigkeit im suff, habe ich doch viele von ihnen mit geld und suff geködert. doch die, die weiter zu mir gehalten haben, das sind wahre freunde! denn sie sind mit mir zusammen meinetwegen. sie achten und mögen den menschen tom. und es sind viele neue freunde dazu gekommen, durch die gruppen, durch meine seite, durch die foren und chats. und auf diese freundschaften lege ich sehr viel wert, denn sie sind von offenheit, toleranz, vertrauen und ehrlichkeit geprägt.
besonders glücklich macht mich die tatsache, dass ich seit beginn meines weges in die zufriedene trockenheit wieder ein supergutes verhältnis zu meinen geschwistern habe. denn sie waren mir früher sehr wichtig, schließlich habe ich sie ein paar jahre großgezogen und die jahrelange trennung verbunden mit fehlendem kontakt hat mir sehr wehgetan.
und noch eine freundschaft ist mir besonders wichtig - die zu meinem ex-partner. denn wir haben 11 jahre unseres lebens gemeinsam verbracht und das grundtiefe vertrauen ist eine gute basis für eine freundschaft.
eines, eines frage ich mich in stillen stunden immer wieder: wie habe ich das alles überlebt? was hat mich vor dem verzweifeln bewahrt und davor, den letzten schritt - die flucht aus dem leben - wirklich umzusetzen? und warum konnte ich zwanzig saufjahre körperlich weitestgehend unbeschadet überstehen, ohne leber- und andere schäden?
ich finde nicht viele antworten darauf. eine ist sicher, dass meine höhere macht, mein ganz persönlicher gott mich noch nicht gehen lassen wollte. sie wollte mich kämpfen sehen, wollte, dass ich wieder aufstehe und all das jetzt bewusst verarbeite, was damals war.
dieser tag heute macht mich nachdenklich aber er macht mich auch dankbar. dankbar, dass ich wieder lernen durfte, zu fühlen, mich an kleinen sachen zu freuen, an blumen, die blühen, an schönen düften, an schöner musik, den zwitschernden vögeln, an gutem essen. all diese dinge waren zwanzig jahre nicht da! heute nehme ich sie bewusst wahr und erfreue mich daran.
dankbar auch, dass ich lernen durfte, mich wieder wahrzunehmen. ich merke heute, wenn es mir schlecht geht, merke und spüre, wenn ich in die falsche richtung denke. und wenn es bei mir mal hapert, weil ich es nicht sehen will, habe ich oben benannte freunde, die mich darauf hinweisen.
ich bin dankbar und glücklich, denn mein leben hat wieder einen sinn und dieser weg begann an diesem 20.05. vor vier jahren, jenem denkwürdigem tag.
natürlich weiß ich, dass ich noch nicht am ende des weges bin. und ich weiß auch, dass mit einem glas alles vorbei sein kann. denn einen nächsten rückfall würde ich wahrscheinlich nicht überleben bzw würde er so ausgehen, wie bei juhnke, im nichts des korsakow-syndroms.
deshalb bin ich glücklich, dass ich mir meine wachsamkeit erhalten konnte und niemals leichtsinnig meine trockenheit aufs spiel gesetzt habe. und ich wünsche mir, dass dies noch sehr sehr lange so bleibt - heute an diesem schönen, denkwürdigem tag!
lg tom

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Mein Leben im Suff und danach.

Mein Name ist Peter und ich bin Jahrgang 1948 und habe mit 15 Jahren im öffentlichen Dienst angefangen. Dort wurde zu der Zeit noch sehr viel Alkohol getrunken. Da die Kollegen alle viel älter waren als ich, wollte ich natürlich mithalten. Wir bzw. ich hatte ja auch immer einen Grund zum Trinken, im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt, dann hatte es geregnet. Dann später als ich verheiratet war, die Ehefrau hatte schlechte Laune, die Kinder waren zu laut, und und und , es gab immer einen Grund. So dachte ich damals. 1977 ist für uns alle ( ich habe noch 3 Geschwister ) unerwartet meine Mutter verstorben, was mich etwas herunter gezogen hat. Bin dann sehr oft angetrunken nach Hause gekommen.
Diese Zeit war der Grundstein für mein ganzes späteres Leben und meine Karriere als Alkoholiker.
Habe dann aber nach 5 Jahren im Öffentlichen Dienst den Arbeitgeber gewechselt und an einer Tankstelle angefangen, und mich dann einigermaßen gefangen. Also am Tage wurde nicht getrunken, weil mir diese Arbeit auch sehr viel Spaß gemacht hat. Nach wiederum 5 Jahren habe ich dann wieder in den Öffentlichen Dienst gewechselt, weil da ein Straßenwärter gesucht wurde. Dort ging die Sauferei wieder los.
In der Freizeit, also nach Feierabend, bin ich zu meinen vor mir gepachteten Fischteichen gefahren, um mir dort, wo es ja auch keiner gesehen hat, zuerst ein paar Flaschen Bier zu genehmigen.
Ich bin dann mit der Zeit immer tiefer gesunken. Ratschläge von der Familie und Bekannten wurden ignoriert. Denn die hatten ja alle keine Ahnung. !!!!!! Da, wie ich nachher erfahren habe , mich die Polizei im Visier hatte , habe ich dann was natürlich ist, den Führerschein verloren, denn im Lenkrad meines VW Käfers war ein Geruchsensor, ohne Alkoholgeruch ist der Motor erst gar nicht angesprungen. So mein Reden heute. In der Familie, ich hatte zu der Zeit 2 Kinder, ging es dann auch bergab.
Meine Ehefrau hat mich mit den Kindern verlassen und die Scheidung eingereicht. Ich war jetzt alleine und ganz ganz unten. Ich stand nur einige Zentimeter vor der Gosse.
Zu der Zeit hatte ich aber nacheinander mehrere Monate in Abständen im Krankenhaus verbracht mit einer schweren Pankreatitis, war immer das gleiche, trocken legen, mit Schonkost wieder das Essen anfangen und dann entlassen werden. Ich war ja nicht Alkoholkrank. Nach einer Woche ging die Sauferei wieder los, und nach einer weiteren Woche oder 2-3 war ich wieder im Krankenhaus, und das ganze ging von vorne los. Nur jedes mal ein anderes Krankenhaus. Jetzt hatte ich ja auch die Zeit dafür, da ich meinen Job in der Zwischenzeit auch verloren hatte. Habe dann nur schwarzgearbeitet, abends das Geld abgeholt, und dann ab in die Kneipe. Alles Versoffen, manchmal an einem Abend 100.00 DM. Am nächsten Morgen mit zittrigen Händen, Übelkeit im Magen, einem dicken Kopf, Flasche Bier, ein zwei Korn, dann ging es für einige Stunden wieder. Dann musste nachgetankt werden. Dieses Leben habe ich fast ein ganzes Jahr ausgehalten. Hatte in der Zeit ca. 20 Kilo abgenommen. Als ich das letzte mal in einem Krankenhaus gelegen habe, war da eine zierliche Ärztin die mir gesagt hat, Herr ......, saufen sie ruhig so weiter, ein Jahr, bis das sie den Löffel abgeben schaffen sie noch. Das hatte mir unheimlich zu denken gegeben.
Ich bin dann aus dem Krankenhaus heraus zu einer in unserer Nähe befindlichen Rheinischen Landesklinik gefahren und habe mich nach einem Termin für eine Entgiftung und Therapie erkundigt. Mir wurde dann ein Termin in einer Woche angeboten, den ich auch angenommen habe. Freitags morgens wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Als ich wieder nach Hause kam waren in den Türen andere Schlösser, so dass ich jetzt auch kein Dach mehr über dem Kopf hatte. In der Wohnung war meine Frau mit den Kindern. Ich war ganz unten in meinem Leben angelangt. Keine Familie mehr, kein Dach mehr über dem Kopf, keinen Führerschein, keine "Freunde" nichts mehr. Meinem Vater konnte und wollte ich nicht mehr unter die Augen treten, meine Geschwister hatten sich von mir abgewandt. Ich war in meinen Augen der ärmste Mann der Welt. Alle wollten mir nur Böses.
Bis Sonntagabend habe ich dann durchgesoffen. Ich hatte mir in einem Hotel ein Zimmer genommen. Montags bin ich dann in die Klinik zur Entgiftung gefahren wo ich 2 Wochen war. Es war die Hölle für mich, erstens mein Befinden, und dann noch die anderen Patienten, und das eingeschlossen zu sein. Nach der Entgiftung habe ich mit einer Therapie die zuerst auf 4 Monate angesetzt war begonnen. In den ersten 3 Monaten habe ich überhaupt nichts verstanden oder begriffen wo ich war. Dann habe ich erst das Denken angefangen. Meine noch Ehefrau kam dann ( es war das einzige mal das sie mich besucht hat ) und berichtete mir das sie von meinem, was ich dachte er sei mein bester Freund, schwanger sei. Ich habe dann den ich zu dieser Zeit noch getragenen Ehering ausgezogen und ihn in die Toilette geworfen und für mich das kämpfen angefangen. Ich wollte Leben. Dann kam der Termin der Scheidung, was mich aber kalt gelassen hat. Ich wusste es gibt kein zurück mehr für mich nur noch nach vorne. In der Therapie lernte ich dann meine zweite Ehefrau kennen, die Tablettenabhängig war, und auch am Boden zerstört war. Im Januar 1982 ist dann auch mein Vater gestorben. Sie hat mich zu dieser Zeit mit Rat und Tat unterstützt, hat mich an der Hand gepackt und mir gesagt, nur noch diese Richtung immer gerade aus, nicht rechts oder links. Als wir uns genähert hatten, wurde unser Verhalten auch von unseren Therapeuten hinter vorgehaltener Hand gebilligt.
Wir sind dann nach der Therapie zusammengezogen, in einer für mich neuen Umgebung, mit neuen Freunden, und haben nach sehr langen Überlegungen uns dazu entschlossen, wir beide wollen noch ein Kind, und wir wollen dann aber auch heiraten, was dann auch beides in Erfüllung gegangen ist.
In der Zwischenzeit hatte ich eine Umschulung gemacht, mit einem sehr guten Abschluss, und einen neuen Arbeitgeber gefunden. Den neuen Kollegen habe ich am Anfang nichts von meiner Abhängigkeit erzählt, erst nach einigen Monaten, zu denen ich Vertrauen hatte, und das meine Krankheit nicht sofort an alle weiter erzählt wurde. Ich habe mich dann aber in meiner Freizeit in viel Arbeit verkrochen, Aushilfsjobs, um auch noch etwas dazuzuverdienen, denn mein Sohn war in der Zwischenzeit geboren worden.
Beim Amtsgericht wurde ich als Schöffe berufen, musste aber leider nach 8 Jahren aufhören, da man nur zwei Amtsperioden diese Tätigkeit ausüben darf, kann aber nach 4 Jahren Pause weitermachen, was ich, so hoffe ich auch machen kann, denn diese Tätigkeit war zwar oft von der Psyche her sehr anstrengend, aber es hat mein Selbstvertrauen sehr gestärkt, und es hat auch irgendwie Spaß gemacht, weil sich in der Zeit auch ein etwas persönliches Verhältnis mit den Richterinnen und Richtern aufgebaut hatte, was aber bei der Urteilsfindung keine Rolle gespielt hatte. Denn das ist und bleibt eine ganz ernste Sache.
Zu den Kindern aus erster Ehe hatte ich nur wenig oder keinen Kontakt, der dann aber nach einiger Zeit ganz abgebrochen ist, was mir sehr weh getan hat. Ich bin aber trotzdem standhaft geblieben.
Ich hatte wieder eine Familie, und war auf der anderen Seite glücklich. Meine zweite Ehefrau ist dann aber nach langer schweren Krankheit 1998 verstorben, und mein Sohn und meine ältere Tochter zu der ich wieder Kontakt hatte, haben mir den nötigen Halt gegeben, so das ich wieder standhaft geblieben bin. Nach einigen Jahren habe ich dann eine neue Ehe versucht, was aber voll daneben gegangen ist und ich diesmal mit den Nerven am Ende war und eine Therapie in einer Klinik antreten musste. Sie hatte mich angezeigt, ich hätte Eigentum meines Arbeitgebers im Keller, was sich aber bei einer Hausdurchsuchung durch die Kripo nicht bewahrheitet hatte. Auch hatte sie sich mit Urkundenfälschung mehrmals an meinem Konto bedient, was ich aber zum Glück rechtzeitig gemerkt habe. Sie ist dafür auch bestraft worden, weil die Kripo schnell gemerkt hatte was sie wollte. Sie wollte mich zerstören und am Boden sehen. Aber wieder alles ohne Alkohol. Dann lernte ich meine jetzige Lebensgefährtin kennen. Seit Mai 2004 haben wir eine gemeinsame Wohnung, ( Ich habe meine Wohnung noch, wo aber jetzt mein Sohn wohnt. ) und wir beide sind sehr glücklich. Den ersten Streit haben wir noch vor uns. Meinungsverschiedenheiten haben wir schon mal, aber das kommt in den besten Familien vor.
Ich habe in all den Jahren gelernt das alles nichts so heiß gegessen, wie gekocht wird, und das wichtigste im Leben, das miteinander Reden und Leben ist, und nicht nebeneinanderherleben.
Ich habe aber auch in all den Jahren immer wieder erlebt, das es sehr viele Menschen gibt, die nicht begreifen wollen, das es jemanden gibt der keinen Alkohol trinkt. Da kommen dann immer die für mich sehr dummen Sprüche, wie du trinkst keinen Alkohol, das verstehe ich aber nicht, ein Bier macht doch nix. Was das aber für mich und auch alle Trockenen Alkoholiker bedeutet, das nur eine Bier, wollen oder können die nicht begreifen.
Seit Anfang des Jahres 2006 arbeite ich, nachdem ich meinen Job wegen einer Betriebsschließung verloren habe, und in meinem Alter auch nichts Neues finde, als Ehrenamtlicher Mitarbeiter bei einem Suchtnotruf. Ich kann dort mit meinem Wissen anderen Menschen helfen. Diese Arbeit macht mir viel Spaß.
Zu meiner anderen Tochter habe auch wieder einen guten Kontakt. Sie hat mich als ob nichts gewesen wäre angerufen, und mir mitgeteilt dass ich Opa bin, worüber ich mich riesig gefreut habe. Der erste Enkel für mich, er ist einfach süß.
Das mir meine Kinder verziehen haben das ich Ihnen durch meine Sauferei die Kindheit ziemlich versaut habe, darüber bin ich natürlich auch sehr froh, habe aber immer noch ein sehr schlechtes Gewissen deshalb, auch nach all den Jahren. Denn immer, oder sehr oft mit einem besoffenen Vater zu leben, ist nicht einfach; besonders wenn die Kinder, sie waren bei der Trennung 7 und 10 Jahre, noch so jung sind. Aber sie sind trotzdem ihren Weg gegangen, und ich bin auch stolz auf sie.
Also hat der liebe Gott doch in all den Jahren ein Auge auf mich geworfen und mich nicht fallen gelassen. Dafür bin ich Ihm jeden Tag dankbar. Ich kann aber heute ( mit Stolz ? ) sagen ; ICH HABE BEWUSST DEN LETZTEN ALKOHOL AM 13.01.81 GETRUNKEN.
Es kann sein das ich irgendwann etwas gegessen habe, wo eventuell ein Tropfen? Zur Geschmacksverfeinerung drin war, was will ich aber auch nicht wissen will. Bei uns wird grundsätzlich nur ohne Alkohol gekocht.
Ich wünsche allen!!!!!!!, die Probleme mit Alkohol haben, das sie irgendwann das gleiche von sich behaupten können.
Ich möchte mit diesem Bericht auf keinen Fall ein Vorbild sein, ich möchte nur viele Menschen davor bewahren, das sie das gleiche was ich durchlebt habe, auch durchleben.
Es gibt soviel alkoholfreie Getränke, die schmecken sehr sehr gut.
Besonders wenn ihr mit dem Auto oder dem Motorrad unterwegs seit, Finger weg vom Alkohol. Es ist so schnell etwas passiert, und dann werdet ihr und die Opfer im ganzen Leben nicht mehr froh...also im Straßenverkehr grundsätzlich 0.00 % Alkohol.
Einige Sachen habe ich einfach vergessen, oder ich will mich nicht mehr daran erinnern, wie mich z. b. die ehemaligen Saufkumpane bis heute vollkommen ignorieren, weil ich ja nicht mehr mit ihnen Saufen gehe. Wenn ich das alles noch berichten wollte, wäre das ganze noch ein Blatt länger geworden.
Ich wünsche allen die dieses lesen, dass sie trocken werden, bzw. trocken bleiben. Es ist keine Schande ein Alkoholiker zu sein, aber es ist eine Schande nichts dagegen zu tun.
Wenn jemand irgendwelche fragen zu dem Thema hat, bitte melden bei mir, auch anonym: peterw2000@t-online.de. Wenn ich helfen kann, mache ich das gerne
Peter


Der erste Urlaub nach der Therapie
Oder Holiday im Trockendock

Da bin ich wieder, Jürgen aus Köln, diesmal nicht in Wied, sondern trocken und zufrieden zu Hause. Da ich meine Erfahrungen gerne weiter gebe und es hier um das Thema Urlaub geht, fühle ich mich auch persönlich angesprochen etwas zu diesem Thema zu schreiben.
Der erste Urlaub nach meiner Therapie 97 / 98 war eine große Herausforderung und Bewährungsprobe zugleich. Denn das ist gar nicht so einfach wie zu Hause. Zu Hause hat man seinen geregelten Tagesablauf und meistens nur Abends frei. Im Urlaub hat man den ganzen Tag frei, hat keine Verpflichtungen und viel zu viel Zeit. Und wenn man einen misstrauischen Partner hat, der einem ständig auf der Pelle hängt, ist das gar nicht so einfach. Natürlich kann man den Partner verstehen, aber auch dies ist nicht einfach.
Ich muss gestehen das es nicht einfach war und teilweise war ich nahe dran den Urlaub abzubrechen, weil es mir teilweise nicht gelang den Drang nach Alkohol abzustellen. Überall saufende und lustige Urlauber, singend, lachend und übermäßig lustig. Tagsüber an den Biergärten vorbei laufen, das schöne kühle Nass was ich so begehrte in weiter Ferne. Und immer meinen Wachhund dabei, die es mir nicht gestattete auch nur an meinem Stoff zu riechen.
Was mir fehlte war meine Selbsthilfegruppe wo ich solche Dinge besprechen konnte, oder ich konnte jemanden aus der Gruppe anrufen. Da wir an der Nordsee waren, hatte meine Frau die Super Idee. Schau doch mal ob es hier eine Selbsthilfegruppe gibt. Und siehe da, im Nachbarort gab es eine Selbsthilfegruppe und eine Kontaktadresse an die ich mich wenden konnte. Ich rief sofort da an, Schade das Band lief und ich bat um Rückruf, der dann am Abend erfolgte. Es war ein sehr positives Gespräch und ich besuchte die Gruppe noch zweimal im Urlaub.
Das hat meinen ersten Urlaub nach der Therapie gerettet, denn nun konnte ich mich austauschen und war mit meinen Problemen nicht mehr alleine. Ich war nicht der erste Alkoholiker der sich im Urlaub an diese Gruppe gewandt hatte und diese Gruppe war sehr nett und Hilfreich.
Nach dem Motto, HOLT EUCH HILFE BEVOR DIE SUCHT EUCH HOLT, will ich Euch sagen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen Europäischen Ländern gibt es Selbsthilfegruppen an die Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr im Urlaub Probleme bekommt. Auch wenn es Verständigungsprobleme gibt, hat man aber das Gefühl nicht alleine zu sein. Und das ist wichtig.
Nun wünsche ich Euch alles Gute und hoffe das Euer erster Urlaub nach der Therapie trocken und erholsam verläuft.
Jürgen


RÜCKFALL !!!!!! DAS AUS ?????

Oder der Weg in eine bessere Zukunft ??

Damit es für euch nicht so schwer wird diesen Artikel zu lesen möchte ich mich erstmal vorstellen. Mein Name ist Jürgen, Alkoholiker, bin 45 Jahre jung und komme aus Köln. Zur Zeit befinde ich mich zum dritten mal (seit 1992 ) in den Kliniken Wied die ich in unregelmäßigen Abständen aufsuche, um mir Hilfe nach Rückfällen zu holen.
Wie Ihr alle wisst, ist es für uns Suchtkranke gar nicht so einfach über sich selbst zu reden oder zu schreiben, erst recht nicht wenn es ans „EINGEMACHTE“ geht. Da kneift jeder gerne mal, aber ich werde es trotzdem wagen, denn nur wer ans Eingemachte geht, hat wirklich Chancen.
Jeder der einen Rückfall als Versagen oder Rückschritt ansieht und so damit anfängt wieder an sich selbst zu zweifeln, begeht einen großen Fehler, der schwerwiegende Folgen haben kann. Denn nicht jeder Rückfall muss in einem Inferno oder totaler sozialer Isolation enden.
Nach der ersten Therapie war ich 4 Jahre trocken und es begann mit alkoholfreiem Bier. Was kommen musste war klar. Bier, das einzig Wahre. Stimmt nicht. Selbst wenn ich es schaffte Tage und Wochen nichts zu trinken, so war der Absturz vorprogrammiert. So landete ich im November 97, nach Verlust der Arbeitsstelle das zweite mal in Wied.
Nach über 7 jähriger Trockenheit erwischte es mich das erste mal auf einem Seminar. Danach trat eine Pause von ca. 3 Monaten ein bis es mich ein 2. mal erwischte. An Hilfe holen dachte ich gar nicht, denn ich hatte mal wieder den richtigen Zeitpunkt verpasst und wieder nicht gemerkt das ich schon wieder in dem Kreislauf drin war aus dem man sehr schwer raus kommt. Mit der Erkenntnis mal wieder versagt zu haben, wurden die Abstände in denen ich trank wieder kürzer und kürzer, bis ich wieder fast jeden Tag trank.
Die Schuldgefühle wuchsen mit jedem Bier und ich bekam Depressionen. Die Menge die ich trank war zwar nicht so viel wie 1997 und ich machte zwischendurch immer mal wieder Pausen, aber ich wusste ich musste so schnell wie möglich die Notbremse ziehen, aber wie?
Da war mein Sohn, klein unschuldig und nichts ahnend, meine Frau die wieder Höllenqualen litt,- und ich, der wieder trank. Meine Arbeit hatte ich ja noch und auffällig war ich noch nicht geworden, also warum aufhören, ich hatte doch alles im Griff. Und so trank ich weiter bis ich im September 2006 die Notbremse zog und mir eine Einweisung zur Entgiftung holte, mit dem Ziel von da aus wieder mal in eine Therapie zu fahren. Ohne Druck von außen habe ich es geschafft zu sagen, ICH BRAUCHE HILFE, alleine schaffe ich es nicht. Die Angst die ich die ganze Zeit hatte, kann keiner beschreiben, außer ich selbst. Was für eine Angst ?? Die Angst die Kontrolle ganz zu verlieren, ganz abzustürzen, vor einem harten Entzug bis hin zum Delirium Tremens. So wie 1991. Die Angst vor einem Konflikt mit meinem Arbeitgeber. Die Angst zu sagen, ich habe mal wieder versagt, was ja nur teilweise stimmte. Die Angst vor mir selbst. Die Angst alles zu verlieren. Nicht der Alkohol hat mich diesmal besiegt, sondern die Angst. Und so sitze ich hier in Wied und bekomme die Hilfe die ich brauche, um mich weiterhin um meinen Sohn zu kümmern, ihn aufwachsen zu sehen und hoffentlich ein guter Vater zu sein. Meiner Frau die Angst zu nehmen und versuchen da anzuknüpfen wo ich im März 1998 aufgehört habe.
Wenn ich an meinen letzten Rückfall denke, war dieser kein Rückschritt, sondern ein Weg nach vorne. Denn er hat mir gezeigt, das die beiden vorherigen Therapien nicht umsonst waren, das ich viel mitgenommen und gelernt habe. Das diese Schuldgefühle, die Versagensängste unbegründet waren. Denn alles war noch da, aber ich hatte es nur vergessen und nach dem ersten Bier hat der Alkohol wieder die Macht ergriffen und dafür gesorgt, das es noch tiefer in meinem Inneren verschwindet. Nur diesmal habe ich ihn angeschissen, und habe den Schritt nach vorne gemacht. Und das war ein Schritt in die Zukunft.
Zum Schluss möchte ich euch sagen:
HOLT EUCH HILFE, BEVOR DIE SUCHT EUCH HOLT
Jürgen


Nick "brauchehilfe"

Hallo Leute, habe mir ein paar Beiträge durchgelesen und wollte mal meine Geschichte erzählen. Man hört fast nur immer von "alten" Alkoholkranken.
Ich bin jetzt knapp 22 Jahre. Habe mit ca 14 Jahren angefangen zu trinken. Am Anfang war es nur am Wochenende mit meinen Freunden. Nachher ein paar Flaschen alleine, bis es immer mehr wurde. Mit ca 20 fing es mit Aggressionen beim trinken an. Habe mich mit Anderen öfters geschlagen. Später fing es an, das meine Aggressionen gegen meine Eltern gingen, wenn mir etwas nicht passte. Folge waren viele Probleme mit der Familie, Verlust meiner Lehrstelle, weil ich öfters verschlafen hatte und statt in die Berufsschule lieber einen trinken war. Mit der Areitslosigkeit kamen immer mehr Probleme. Schulden, Ärger mit Freunden/Famile und Bekannten, Depressionen usw.. Ich versuchte dann weniger zu trinken, was ich anfangs schaffte. Nachher wurde es wieder mehr und mehr. Fast jeden Tag ne halbe Kiste und mehr. Als ich Samstag mit einem Kumpel was getrunken, drehte ich wieder durch. Was mir in dem Moment nicht klar war: ich hatte meine Freundin gewürgt, ihre ganzen Sachen aus dem Fenster geworfen. Jetzt ist mir erst richtig bewußt geworden das ich Hilfe brauche. Ich schaute im Internet und bin auf diese Seite gekommen, wo ich Mut für diesen wichtigen Schritt fand. Ich habe zwar Angst vor dem Entzug, habe aber auch den richtigen Willen dazu bekommen, nicht nur wegen meiner Beziehung, sondern auch wegen meiner Gesundheit und den Leuten hier. Wollte hiermit auch bei den ganzen Leuten bedanken, das sie mir "zugehört" und Mut gemacht haben. Ich hoffe das ich und alle anderen das durchhalten !!!
Grüße an alle "brauchehilfe"


Uschi aus Bayern

Hallo, habe euer Bitte gelesen, und werde hier kurz meine Geschichte wiedergeben. Vielleicht um jemand anderem einen kleinen Funken Hoffnung zu geben, man kann es schaffen.
Ich habe über 7 Jahre lang getrunken, keine Unmengen, aber täglich abends eine Flasche Wein. Im Januar 2005 habe ich meinen jetzigen Freund kennengelernt, seine Mutter ist ebenfalls Alkoholikerin und er hat meine Situation wohl ziemlich bald erkannt, obwohl ich bis Dezember hin alles abgestritten habe. Anfang Januar war es dann soweit, er hat mir die Pistole auf die Brust gesetzt, etwas gegen meine Alkoholkrankheit zu unternehmen oder er sei weg. Der Kampf in mir dauerte ein paar Wochen, immer wieder die Versuche nichts zu trinken, dann aber abends doch zu merken es geht nicht und dann doch den Weg zur Tanke einzuschlagen. Es kam ein Wochenende an dem er sofort wieder nach Hause fuhr als er merkte, dass ich etwas getrunken hatte. Ich "nutzte"dieses Wochenende informierte mich im Internet saß stundenlang vor dem PC, telefonierte mit meinem Freund der meinte es gäbe nur eine Chance für uns wenn ich mir helfen liese. An diesem Wochenende wurde mir so richtig bewußt, dass ich es alleine nicht mehr schaffe, hatte wahnsinnige Angst vor dem Entzug, vor Bekannten, Freunden, Arbeitskollegen usw, wenn meine Abhängigkeit an den Tag kommen würde. Ich ging sofort am Montag morgen zu meiner Hausärztin und lies mich bei mir in der Nähe in ein nahegelegenes Krankenhaus zum stationären Entzug einweisen. Ich hatte meinen ganzen Mut zusammengenommen, meinen Vater gebeten meine 2 Kinder in der Zeit zu nehmen und diesen Schritt gewagt. Heute muss ich sagen es war die beste Entscheidung in meinem Leben. Ich verbrachte 3 Wochen in dieser Klinik, wohlgemerkt mit einer Doppeldiagnose (Depressionen). Die Entzugserscheinungen blieben mir Gott sei Dank erspart. In dieser Zeit fasste ich dann für mich selbst den Entschluss sofort im Anschluss an die stationäre Entgiftung (in der schon ein bisschen Therapie mit eingefügt war) eine stationäre Therapie anzuhängen, informierte mich und stellte den Antrag auf eine Kurzzeittherapie in der Klinik Tönisstein. Dort verbrachte ich 10 Wochen und ich war dort absolut richtig aufgehoben. Es passte für mich dort. Jetzt bin ich seit Mitte April wieder zu Hause, bin wieder in meinem Beruf tätig, die Arbeitkolleginnen zollten mir alle Respekt. Ebenso kam aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis nur positive Resonanz. Momentan bin ich noch zur "Nachbehandlung" einmal wöchentlich in Einzeltherapie in einer Suchtberatungsstelle. Es geht mir gut, ich arbeite an mir, meine Beziehung zu meinem Freund hat sich wieder gefestigt und ich sehe der Zukunft mit Gelassenheit und Zuversicht entgegen.
Ich "hoffe" jemandem mit meiner kurzen Geschichte ein bisschen Mut machen zu können, den Schritt zu wagen und Hilfe anzunehmen.

Liebe Grüße aus Bayern
Uschi


Gedanken

Laßt nicht zu, das es euren Kinder genauso geht. Allein beim zusehen wie Eltern trinken, nehmen sie schon so viel Schaden.
Kinder sind Verantwortung, die man sehr ernst nehmen muß; sie muß man schützen, weil sie es allein nicht können. Kümmert euch drum das Kinder auch Hilfe bekommen, bei Therapeuten, in Kindergruppen usw, um den Kreislauf da zu durchbrechen. Kein Kind sollte zusehen, wie schlecht es den Eltern geht und merken das sie hilflos daneben stehen.

Gedanken von mir.
Mein Alter Kind ab ca 4 Jahre.

Ich habe als Kind Angst gehabt, vor allem was mit Strom läuft. Ich hatte die Einbildung aus einer Steckdose kommt eine Flamme und verbrennt mich. Ich konnte die Flamme sehen, in meiner Einbildung. An der Seite von meinem Bett war eine Steckdose, viel Nächte saß ich im Bett und sah die Flamme, da rauskommen, im Kopf. Ich habe sie oft zugehängt, damit ich sie nicht sehen mußte. Die Angst beherrschte mein Leben, Angst vor Staubsauger, mit dem mein Vater hinter mir her lief weil es ihm tierisch Spaß machte, wenn ich vor Angst um Hilfe schrie, oder weinte. Die Angst vorm Arzt, weil ich aufgeschnitten werde, wie er uns immer sagte. Die Angst vor Zoff wenn er trank. Die Angst vor ihm, wenn er dauernd ins Bad kam, in dem er die Tür vom Bad, von außen aufschloß, wenn ich badete, um mich nackt zu sehen. Die Angst das er nachts besoffen ins Zimmer kam, die Angst das er unsere Mutter schlägt.
Ich kann die Nächte nicht zählen, in denen ich mich nicht traute Nachts auf Toilette zu gehen, damit er mich nicht bemerkte. Die Wut auf meine Mutter, warum hielt sie nie dann die Klappe und mußte mit ihm streiten, wenn er soff?
Manches Mal hoffte ich, das er bei Streit mit Nachbarn einfach mal an einen Stärkeren gerät. Wieso redete sie immer nur? Ich rief um Hilfe und sie sagte nur immer, Siegfried, laß doch endlich mal das Kind in Ruhe. Das sagten alle nur. Meine Mutter ihre Brüder wußten was abläuft, wieso ist nie einer eingeschritten? Ich würde meine Geschwister nie in so was hängen lassen.
Mein Vater war besoffen, ich muß unter 14 Jahren gewesen sein, weil das noch in der ersten Wohnung war und es war keiner da, ich habe keine Ahnung wo alle waren. Er wollte mich aufklären. Er erklärte mir total pervers wie alles funktioniert. Er lies mich nicht von seinem Schoß runter, ich wollte das nicht wissen, es war ekelig. Er stank, er war besoffen.
Urlaub auf einem Bauernhof ich war noch sehr klein schätze 7 oder 8. Ich war mit dem Bauernsohn Heu holen für die Kühe. Mein Vater fragte meinen Bruder wo ich wäre, der sagte, die ist mit Seppl im Heu. Er kam zu uns mit einem riesen Holzknüppel, wollte mich totschlagen, das rief er immer wieder, als er hinter mir her rannte. Ich wußte nicht was er wollte, hab es erst als Erwachsene kapiert, was er mir da unterstellte.
Die Eifersucht war immer da, es könnte ja sein , ich hab nen Freund. Ein Tag Ohrfeigte er mich, weil ich mit nem Jungen vor der Tür redete. Genau dieser Junge hat ein Paar Wochen danach, mit seinem Freund versucht mich zu vergewaltigen. Auf der Silberhochzeit seiner Eltern. Ich war mit seiner Schwester befreundet, die mich einlud, ich sollte bei ihr schlafen. Sie kam ins Zimmer, als die mich schon fast ausgezogen hatten. Ich rannte mitten in der Nacht nach Hause, meine Mutter öffnete merkte das ich heulte, wollte aber nicht wirklich wissen, was los war. Habs nie jemanden erzählt.
Ich hab mir mit 14 den größten Schläger gesucht. Riesig Groß und Riesig Breit und er trank. Ich trank mit. Ich fühlte mich größer neben ihm und ich wusste, meinen Vater würde er nie gefallen. Ich denke das war der Grund. Wir waren ca 5 Jahre zusammen. Seine Eltern tranken, Vater war Alkoholiker. Wochenenden waren wir nur in Kneipen trinken. Ich hatte, wenn ich das heute bedenke, Schweineglück, da wieder rauszukommen. Nach 5 Jahren, wollte ich auch mal was allein tun, aber er bestimmte wo ich wann sein sollte. Ich fühlte mich eingeengt. Wenn ich mal frei hatte, nach Berufsschule oder so, sollte ich bei ihm sein. Wochenenden sowieso. Ich machte nach 5 Jahren Schluß, fiel in ein tiefes Loch, erst mal. Ich habe alle Freunde mit versenkt, weil alle die ich kannte tranken und bei ihm blieben.
Ein Ausschlag Schluß zu machen, war auch ein Punkt, das ich auf Verlobung von meinem älteren Bruder, mich mit Baccardi abgeschossen hab und völlig austickte, ich hab am andern Morgen überlegt, "Mensch du hättest jemand kalt machen können und es wär dir scheißegal gewesen:" Ich wollte nicht so werden.
Außerdem hatte ich meinem Vater gezeigt, das ich aus Trotz mit ihm zusammen bleib und er nichts dagegen machen kann.
Mein großer Bruder flog mit 16 raus, weil er meine Mutter beschützen wollte. Mein Vater spuckte sie an im Flur nachts, beleidigte sie und er ging dazwischen, wollte sie beschützen. Er meinte er solle sich raushalten und is Bett gehen. Mein Bruder sagte, laß meine Mutter in Ruhe, mein Vater fragte wem seine Mutter das sei und mein Bruder zählte uns alle 4 auf, da meinte er und von wem er der Vater sei, da sagte er von meinen 3 Geschwistern, von mir nicht. (Er hatte einen andern Vater). Mein Vater prügelte ihn dann die Treppe runter, er lief im Schlafanzug raus. Meine Mutter schmiß dann heimlich seine Anziehsachen runter.
Statt sich dann auf unsere Seite zu stellen, sich zu trennen, ließ sie ihren Sohn gehen. Der zog bei meiner Oma ein. Wir durften dann alle Opa, Oma, Bruder nicht mehr besuchen bis mein Bruder 19 war. Sicher haben wir ihn heimlich besucht, wenn mein Vater arbeiten war. Aber das ist doch irre, wenn man sein Kind oder Bruder heimlich besuchen muss.
Was ich auch nie verstehen werde, sie kaufte immer Wein für sich, trank aber nie einen Tropfen, angeblich für Besuch. Sie wußte er trinkt ihn. Sie hat sich auch mal einen ganzen Karton andrehen lassen, von einem Weinhändler. Oder Urlaub Nordsee, Betriebsbesichtigung Doornkaat, war doch klar das er der einzige Besoffene da ist. Er war einfach nur peinlich oft.
Das Irre ich habe meine Eltern immer geliebt. Wollte nie andere haben, habe als Kind nie woanders schlafen wollen oder sein wollen.
Hab auch viel Co ab bekommen wollte immer Mama helfen, ich konnte mich erst sehr spät lösen, selbst mit 30 rief sie noch jeden Tag an, ich war oft Zuhause, obwohl ich selber Kind hatte. Meine Mama war eh son Fall, immer krank, weshalb sie auch so dick war, obwohl sie nie was aß. Nur war ihr Teller immer übervoll und wegwerfen ging nicht, die Reste mußten gegessen werden. Aber sie mußte immer Lügen, obwohl jeder ihr sagte sie ißt zuviel.
Vielleicht hab ich deshalb Probleme und Angst dick zu werden. Auch da hab ich sie verteidigt und mitgelogen. So wie sie später für mich log, weil ich zu dünn war.
Sie konnte sich nie Problemen stellen, als Kind bekam ich Valium, wegen Nägelkauen und schlecht schlafen. Der Arzt fragte sie nach Problemen Zuhause, sie sagte ich wär wohl überlastet, mit zig Vereinen und Nachhilfe für meinen Bruder. Nichts von trinken und Schlägen und wie wir alle litten. Ich versuch heute zu verstehen was vor ging. Es war eine Zeit wo Frauen allein mit Kindern nichts wert waren und dann mit 4 Kindern wars noch schlimmer. Man trennte sich nicht einfach als Frau. Und sie waren beide krank. Haben den Krieg erlebt, das Hungern und ne ellenlang Flucht. Tote. Sie haben nie drüber geredet. Nur über die guten Sachen, die Schlechten wurden verdrängt. Ich versuch mir vorzustellen, wie es gewesen sein kann. Komme ich besser mit klar, als mit dem Versuch zu hassen, was ich liebe.

Ich hatte auch schöne Zeiten. Hatte viele Freundinnen. Habe oft auf dem Hof gezeltet. Im Winter Iglus gebaut. Schlitten fahren. Jeden Sommer Ferienbuskarte, zu vielen Ferienveranstaltungen gefahren. Schwimmen im Freibad. Wir hatten einen Wohnwagen an der Lippe stehen. Da waren wir von Frühling bis Herbst, fast jedes Wochenende.
Ich war im Posaunenchor der Kirche, hab Alt Trompete gespielt;-) Wir haben oft in Altenheimen, anderen Kirchen usw gespielt.
Also nicht alles war Schlecht, meine Eltern haben schon auch versucht, uns ein paar Wünsche zu erfüllen. Mein Vater hat viel im Keller gebaut, vom Schrottplatz viele alte Fahrräder zu einem Heilen gebaut, meine Mutter hat viel gestrickt für meine Puppen und auch für mich *graus* die Pullover hab ich gehasst.
Wir waren oft im Wald Beeren und Pilze suchen. Die wurden eingekocht, Marmelade gemacht, oder eingefroren. Wegen Geld sparen.
Wir hatten nie viel Geld. Wohl auch weil Mutter kaufsüchtig war, sie kaufte viel unnützes Zeug, wie künstliche Blumen, Krempel der in den Schränken rumstand. Ich hatte mit 14 eine Jeans die hab ich immer in der Wanne gewaschen und mit Fön und Bügeleisen im Sommer angetrocknet, trocken wurde sie selten, im Winter in der Nähe des Kohleofens ging es schneller, die Nähte waren meißt trotzdem nicht trocken. Hätte gerne 2 Jeans zum wechseln gehabt.
Ich habe auch Blödsinn gemacht, meine Mutter hatte überall Kleingeld, in ihren Schürzen diversen Jacken, im Nachttisch, manchmal hab ich was genommen und Freunde zum Eis essen eingeladen. Dann hat sie mich erwischt irgendwann im Nachttisch. Sie war enttäuscht, aber gross Strafe hab ich glaub nicht bekommen.
Ich habe auch in der Schule geklaut Radiergummis, Anspitzer von anderen, Stifte usw. Bin aber nie erwischt worden, das war in der Grundschule. Einmal bei Karstadt, waren Spielwochen, viele Tische mit Playmobil zum spielen. Da haben meine Brüder und ich Figuren mitgenommen.
Mit ca 14-15 Jahren setzte sich der Gedanke in meinen Kopf ich bin zu dick. Ich versuchte viele Diäten. Von Körner essen über Diäten aus Zeitschriften. Dick war ich ja nie wirklich, aber die Angst es zu sein und noch dicker zu werden. Ich nahm aber nie viel ab in der Zeit. Ich hab mich immer an der Grenze des vertretbaren lang gehangelt. Zumindest zu der Zeit. Wollte auch nur damit sagen, der Gedanke war von dem Zeitpunkt an immer da.
Ich habe mit 16 meine Lehre begonnen, nach einem riesen Kampf mit meinen Eltern, die wollten das ich Sozialpädagokik und Hauswirtschaftsschule mache, statt in die Schule, war ich Nachts mit meiner Freundin in der Disco und hab getrunken, die Disco gehörte ihren Eltern und sie bediente dort, wir flogen beide nach 6 Monaten aus der Schule, wegen Blau machen. Sie unternahm auf dem Klo der Bahnhofskneipe einen Selbstmordversuch, mit Tabletten, als wir das erfuhren und unsere Zeugnisse bekamen. Ich hab sie dort gefunden, nach dem sie 10 Minuten lang auf dem Klo war und nicht rauskam.
Meine Lehre lief dann 3 Jahre lang. Eigentlich gut, bis auf paar Zusammenstöße mit meinem Chef, wegen Haarschnitt, rauchen und das Stifte zu kuschen haben. Ich habe mit 15 dann allerdings im Suff einen Unfall mit der Mofa gebaut, kam in Klinik. Eigentlich sollte ich nach 2 1/2 Jahren schon zu Prüfung zugelassen werden, hatte im März nach dem Rausschmiß aus der Schule begonnen und sollte Im Sommer mit den andern zur Prüfung. Der Unfall haute mich aber raus, weil ich 3 Monate ausfiel. Schlüsselbeinbruch mit Op wurde genagelt. Der Nagel kam nach ein paar Wochen oben aus der Schulter allein wieder raus. Neue Op Nagel raus. Ich und meine Angst vor Klinik und Ärzten. Ich mußte 3 Wochen auf OP warten wegen Bluterguß, der erst abheilen sollte.
Da war ein Einzelzimmer das Tagelang leer stand, an dem Tag kurz vor der Op, wollte ich da aus dem Fenster springen, 7ter Stock, da lag einer im Zimmer. Ich habe lange mit ihm geredet, und hats mir ausgeredet. An viel vom dem Gespräch erinnere ich mich nicht, ich war zu der Zeit selten nüchtern, denke an dem Tag auch nicht.
Den Nagel wollte ich eigentlich gar nicht entfernen lassen, hatte mir überlegt, laß ihn drin, stört ja nicht. Ich stand auf der Leiter beim verputzen eines Altbaus, als der Nagel anfing in die Haut zu dringen. Er musste raus, wurde dann auch bei der Nachuntersuchung gesehen. Die Op wollte ich ohne Vollnarkose haben.
Ich wollte nicht Hilflos liegen, wehrlos, angewiesen auf andere, habe bis Nachts Theater gemacht, bis ein Doktor sagte " Ok, ohne, aber beschwere dich nicht, weil es weh tut, wir können nur die Haut betäuben". Die Op wurde dann ohne gemacht. Tat schon kurz ziemlich weh, aber war zu ertragen.
Ich hatte dann doch März mit den Nachprüflingen Prüfung, genau 3 Jahre später. Hab ich mit Ach und Krach bestanden. Hatte Zeugnisse und Zwischenprüfungen nur Einser und Zweier, in der Prüfung vor Angst alles vergeigt. Man erkannte an, das ich Angst hatte und mein Chef war stellvertretender Innungsobermeister, meine Mathelehrer Innungsobermeister. Sie kannten mich und liessen mich Theorie mit 4 durchgehen, wär eigentlich ne 6 gewesen.
Ich flog nach der Lehre gleich raus, trotzig wie ich war und gegen meinen Chef kämpfte;-) Nach dem Rauswurf ging ich zum Friseur und ließ meine Haare schneiden.(Hatte mein Chef immer mokiert, meine langen Haare) Extra zur Firma hin zeigen, bin ja fies.
Ich war dann ein Jahr Arbeitslos, wohnte noch Zuhause, machte das Haus sauber. Meine eltern gingen arbeiten. Ich fand dann eine Stelle als Schriftenmalerhelfer. Wir beschrifteten Lkw-Planen , Lkw´s mit Folien, Schützenfestplanen usw.. Der Chef war aber sehr dumm, er vergaß uns oft wenn wir an Lkws in Fahrzeugschlosserfirmen saßen, so das wir teilweise Stundenlang hinterher telefonieren, damit er diese Spritzte, oder uns abholte. Er vergaß Termine und wurde sauer, wenn man ihn erinnerte. Kurz um nach einem Jahr hatte er keine Aufträge mehr und wir wurden alle entlassen.
Meine Mutter arbeitete bei Coca-Cola. Man fragte sie ob ich nebenbei arbeiten wolle, Flaschen sortieren im Lager. Hab ich dann gemacht ein paar Monate. Der Vorarbeiter, der Saftproduktion Amecke, 2te produktion in der Firma, fragte dann ob ich Maschinen bedienen lernen wolle. Ich sagte zu, bekam eine Etikettiermaschine zugewiesen. Man war ich Anfangs verzweifelt, die Maschine wollte oft nicht so wie ich. Hab Nachts geträumt Flaschen laufen durch mein Zimmer auf Förderbändern. Habs dann ja doch igendwann geschafft, eins zu werden mit der Maschine, sie lief dann 2 Jahre gut durch, dann wurde unsere Belegschaft mit Coca zusammengelegt. Und wir mussten beide Produktionen schaffen in Schichtarbeit.
Meine Mutter machte ja dort die ganze Zeit Schicht, hatte Probleme Mittags zu Arbeit hin oder Wegzukommen je nach Schicht. Weil wir ja dann beide da sein mussten.
Ich schaute dann nach einer Wohnung in der Nähe der Arbeit. Die fand ich auch dann. War das einsam in der Wohnung. Vorher 5 Leute, auf einmal allein. Ich lernte Stefan kennen, er arbeitete mit mir zusammen. Nach der Arbeit kam er zu mir, abends ging er nach Hause, sagte er zumindest. Wir waren 3 Jahre mehr oder weniger zusammen. Irgendwann kam Oliver in die Firma. Ein Bodybuilder, wir redeten viel über seinen Sport, seine Wettkämpfe, seine Freundin die auch den Sport trieb. Er sagte mir oft, wär nicht normal wie unsere Beziehung sei. Auf einer Feier in einer Kneipe, zu der uns unser Vorarbeiter( der trank sehr gerne ) einlud, saß ich mit Oliver an der Theke und unterhielten uns, Stefan kam dazu, riss mich an den Haaren, schleifte mich aus der Kneipe über einen Schotterplatz. Oliver ging dazwischen, Stefan haute ab, wir blieben noch eine Weile und Oliver brachte mich dann nach Hause um zu sehen, wo Stefan war und ob Ruhe war. Er hatte in der zeit meine Wohnung auseinandergepflückt, alle Papiere ,Bücher was er fand, in die Wanne beworfen und einen Eimer hellblaue Farbe drüber gegossen. Andern Tag holte mich Oliver ab, wir fuhren zu ihm nach Hause, tranken Kaffee und gingen dann zur Arbeit.
Stefan entschuldigte sich dann immer wieder, er sei eifersüchtig gewesen usw und es ginge ihm nicht gut. Ein paar Tage später kam raus, das er eine 16 Jährige geschwängert hatte und seine und ihre Eltern auf Hochzeit bestanden, oder Anzeige wegen Verführung Minderjähriger. Er saß bei mir, wollte das ich ihn zwinge mich zu heiraten, weil er ja mich lieben würde. Ich sagte ihm dann, das ich das nicht tu und er dafür grade stehen muss, was er an Scheisse gebaut hat. Er ging dann. War schwer weiter mit ihm zusammen zu arbeiten. Aber Coca wurde bald aufgelöst und ein paar gingen nach Essen, er auch, ich bekam eine Umschulung vom Amt als Schlosser. Meine Mutter ließ sich auch kündigen, weil sie nur noch 2 Jahre zur Rente hatte.
Na ja die Beziehung war nie wirklich gut. Er war Egoist im Bett, ich dachte ich wär verrückt, weil Sex ekelhaft empfand, habs auf mich bezogen, das ich nichts fühlte. Kannte es ja nur so. Er hats mir auch eingeredet, das ich nicht normal wär und Sprüche wien Brett, taten den Rest.
Ich fing dann also Umschulung an. Die machte richtig Spass, bis auf Löten. Immer dies Geknalle, wenn Düse verstopft war. Noten hatte ich super, wir bauten 6 Wochen einen Schraubstock, man hatte ich Blasen.
Mir ging nur nach 4 Monaten langsam das Geld aus, hatte ja Wohnung und musste jeden Tag weit fahren. Ich bewarb mich dann in einer Spielhalle. Jeden Tag von 8-16 Uhr Ausbildung. Montags Mittwochs Freitags Samstags von 17- 1.15Uhr Spielhalle, dazwischen lernen. Bis ich Zuhause war, wars 2 Uhr. Anfangs trank ich viel Kaffee, aber immer öfter pennte ich ein. Ich lernte dann Paul kennen in der Halle, er bot mir an da zu pennen. Musste ich nachts nichts so weit fahren. Aber der Typ war irre. Er weckte mich Wochenende um 6, in dem er mich in die Kalte Dusche stellte, lud seine Familie ein, stellte mich als seine neue Frau vor usw, er belagerte jede Minute von mir und ich flüchtete. Bernd einer der mit in der Umschulung war, gab mir dann Pillen zum wach bleiben. Aber ich war danach total überdreht und bekam gar nichts mehr auf die Reihe, blieb zum Schluss nur die Ausbildung aufzugeben.
War dann Arbeitslos, fand eine Stelle nebenbei im Kiosk um die Ecke. Ich war eine Woche dann zur Aushilfe in Iserlohn, weil jemand ausfiel, lernte dort Peter kennen. Ich habe keine Ahnung was mir an ihm gefiel. Er zog in meine Wohnung. Arbeitete in einer Gartenlandschaftsbaufirma, als Fahrer und Aushilfe. Ich fand eine Stelle als Industrielackierer.ich war 1 1/2 Jahre in der Firma als ein neuer Werksleiter kam, ein Theroretiker, der alles wusste und alles neu machen wollte, nur am meckern und am drohen. Ich suchte mir eine neue Stelle in einer Armaturenfabrik, am Lackierautomat.
Ich nahm die Pille und war irgendwann krank, bekam Antibiotika, wusste nicht das die dann nicht wirkt.
Die Arbeit war öde. Ich sollte nach 6 Monaten den Zeitvertrag verlängern suchte aber ne neue Stelle, die ich dann fand, in einer Fabrik für Bürosachen. Da war ich nur ein paar Tage.
Mein Bruder starb bei einem Arbeitsunfall, ich bekam frei für die Beerdigung. Nach der Beerdigung hatte ich Bauchschmerzen, dachte die Trauer. Peter trug mich zum Auto, fuhren nach Hause, ich nahm Schmerztabletten legte mich hin. Als ich war wurde war das ganze Bett rot voll Blut. Er schleppte mich zum Arzt, gleich wieder nach Hause Sachen holen. In Klinik. Der Arzt meinte dann Eileiterschwangerschaft, wär wohl bissl viel Zeit vergangen mit warten. Sollte Morgens dann Op. Beim auspacken bin ich dann aber umgekippt. Kam gleich in Op Notoperation, mit Bluttransfusionen. Hatte wirklich lange gewartet. Na ja andern Tag bekam ich Anschiss, weil alles schon geplatzt war und ich sollte dann kaum noch ne Chance haben, Kinder zu bekommen. Na Mensch klar hatte ich die Schmerzen gemerkt, aber die Angst vernichtet sie. Bin ja noch gelaufen da, nicht mal der Arzt merkte wie schlimm es war. Ok die Zeit danach war schlimm, die Schmerzen merkte ich ja dann, Op war ja vorbei, keine Angst die Scherzen ausblendet.
In die Klinik kam die Kündigung. Ich musste schnell raus da, weil Kasse nicht zahlen wollte und Arbeitsamt wegen Geld und Krankenkasse ging ja nicht, also ließ ich mich schnell entlassen. Ich bekam dann einen Anruf meiner alten Firma, ich sollte so schnell wie möglich wieder kommen, der Betriebsleiter war gekündigt. Ach schön war das, die baten mich zurück, ich ging auch.
Peter trank immer mehr in der Zeit, immer öfter kam er erst Nachts heim.
Ich war dann noch ca 1 Jahr in der Firma und wurde schwanger, 1992 ging ich dann in Mutterschaft. Peter war nur noch dauerbesoffen, verlor seinen Führerschein, am Tag der Geburt seiner Tochter, er fuhr normal nie betrunken.
Es zoffte immer öfter, mal war ich Schuld, das er trank, weil Scheisse im Bett, oder weil ich jeden Tag weg war, bei meinem Eltern, Yvonne war ein Schreikind, mit Darmkoliken, war froh, da nicht allein zu sein. Oder sie war schuld weil immer schrie.
Er verlor dann seinen Job, wegen saufen, bekam ne Abfindung übers Arbeitsgericht. Versoff er. Als ich gehen wollte und er merkte es war ernst ging er in Therapie. Dazwischen war noch ne Zwangsentgiftung in Psychiatrie nach sm Versuch und Magendurchbruch und 2 normale Entgiftungen. Ich suchte eine größere Wohnung mit Kinderzimmer als er in Thera war. Nach der Entlassung merkten wir aber, das zuviel kaputt war und uns nur die Tochter verband. Wir kamen überein die Familie zu halten, aber jeder geht seiner Wege. Er bat mich alles Geld zu verwalten damit er nichts kaufen kann. Ich fand eine Stelle in der Verpackung einer Elektrofirma und machte 2 mal die Wochenende Nachts Dienst in einem Altenheim. Finanziell kamen wir wieder auf die Beine.
Er wollte Haushalt machen und Yvonne zum Kiga bringen, mit dem Bus. Ich holte sie Nachmittags nach der Arbeit ab. Irgendwann sagte sie Mama ich mag nicht mehr zu Fuß laufen. Ich sagte wieso ihr fahrt doch mit dem Bus, sie antwortete nein wir laufen jeden Tag, dann geht Papa unterwegs nach Rewe kauft Bier, trinkt das, dann gehen wir weiter. Ich sagte ihm dann, was der scheiss soll, da meinte er ich würde ihm ja kein Geld geben, also müsste er sich das so holen. Ich war stinken sauer, weils ja sein Vorschlag war mit dem Geld. Er war danach dann auch bald wieder auf seinem alten Limit, ich musste Yvonne mit in die Nachwache nehmen, wurde gekündigt.
Wir hatten mal Urlaub Centerparc gemacht, mit ner alten Freundin meiner Mutter und ihrem Enkelsohn. Yvonne wollte den wiedersehen, also besuchten wir ihn. Sein Vater war so nett, liebevoll. Ich zog aus und zu ihm. Es war wirklich super am Anfang, wir haben viel mit den Kindern unternommen, er las ihnen vor usw. Ich arbeitete weiterhin in Menden, Yvonne bekam da gleich einen Kigaplatz. Alles klappte super, die ersten Anzeichen übersah ich, fands sogar süß. Dauernd schickte er SMS, unterwegs rief er an wo ich bliebe, das waren die ersten Anzeichen der Kontrolle. Ich war blind. Er war liebevoll, ich wurde schwanger, wir heirateten im August, mein Job lief im Juli aus, Sarah kam im Dezember. Januar, zirka drehte er sich um 180 grad, meinte ich solle anschaffen, wenn ich schon nicht mehr arbeiten wolle. Er brachte Heike mit, mit Kind, schlief mit ihr im Wohnzimmer, schickte sie anschaffen, sie machte das auch ein paar Tage, gab ihm aber das Geld nicht. Sie zofften, dann kam jemand sie abholen. Mich hatte er schon längst eingeschüchtert. Er hatte seinen Sohn von der Mutter weggeklagt, die waren nicht mal verheiratet. Er meinte wenn ich abhau, schafft er es beide Kinder zu bekommen.
Er brachte mich nach Bochum, aber niemand wollte mich, haben wohl gemerkt das ich nicht wollte, danach in eine Bar auch das ging nicht, er gab auf. Aber er suchte ein Haus, wir zogen dort ein, am Arsch der Welt, keine Chance wegzukommen, telefonieren kontrollierte er, uns eh, er schlug seinen Sohn jeden tag, weil er die Schule nicht schaffte, sein Sohn drehte ab, schiess sich ein, pinkelte sich ein, jugendamt kam. Er schob alles auf mich, ich würde mich weigern zu arbeiten, das wär aus Angst. usw. Nachbarn bekamen viel mit, waren nur 4 da, war mitten auf dem Land. Als er einen Tag unterwegs war, hab ich mit denen geredet. Sie sagten Pass auf, hinten die Garage ist leer, pack alles wichtige dort rein, immer wenn er weg ist. Papiere Sachen der Kinder usw. Sie redeten auch mit der anderen Nachbarin, dort stellten wir auch Sachen unter. Jugendamt, setzte mich unter Druck, die wollte ihm Montags sagen das ich ausziehe. die wollte nicht verstehen das er ausflippt und das er brutal ist. Ich wollte Sonntags weg, weil er da weg wollte, aber Samstag hat er was geahnt, war zu nervös. Yvonne war bei der Nachbarin, wollte dort schlafen. Er schnappte sich das Auto fuhr dahin, damit ich sie nicht holen konnte. Sarah nahmen die Nachbarn mit und riefen die Polizei. Die kam dann auch wollte mit ihm reden.
Aber er nicht. ich musste dann nachweisen das es mein Auto ist, sie nahmen ihm den Schlüssel und die Papiere ab und nahmen ihm Yvonne weg, dann redeten sie mit ihm wegen Nahrung, Windeln, Schulzeug der Grossen, er gab nichts raus. Die Polizei meinte sie könnten nichts machen ohne Gerichtsbeschluss, ich sollte ohne Sitz fahren. Gaben mir eine Karte wo man anrufen sollte, falls ich angehalten werde. Nachbar tankte mir Auto voll, gab mir 20 DM und ich fuhr zu meinen Eltern zog dort ein.
Hatte mein Vater ja mal wieder Recht, er sagte mir, der ist nix wert. Verbot mir auch ihn mit nach Hause zu bringen. Hochzeit war ja auch ohne alle.
Zum Thema Magersucht, als ich zuhause ankam wog ich 39 Kg, ich habe in den ca 6 monaten nach der Geburt gehungert, ganz offen, mit Absicht, habs kontrolliert wie mein Gewicht runter ging. Immer Ziele gesteckt, von 60 auf 50 wollte erst mal, weil nach Geburt hing ja noch was fest. Es hat sich verselbstständigt irgendwann, ich konnte nicht logisch sehen, sah nur die Zahlen, wo ich immer hinwollte. Ich war stolz, erreichte was, konnte meine Ziele erreichen, kam mir was wert vor. Meine Mutter wurde 2 Monate vor der Flucht krank, Krebs. Mein Exmann verbat mir oft sie zu besuchen.
Es folgte 3 Jahre Kampf vor Gericht um Sorgerecht und Besuchsrecht. Immer neue Wahnsinnige Vorwürfe, wie ich hätte die Kinder geschlagen, gekaufte Zeugen usw. Gegenzeugen musste ich bringen. Ich war oft davor die Kleine zu verlieren, das Jugendamt stand lange auf seiner Seite. Erst als er öfter Besuchstermine nicht einhielt, mit Ausreden, kam die von ihrem hohen Ross langsam runter. Ein Gutachten am Ende klärte die Frage, wer erziehungsfähig ist und wer geschlagen hat. Ich bekam nach 3 Jahren Angst das Sorgerecht und das Besuchsrecht wurde ihm aberkannt, als er in Knast saß, wegen versuchten Betrug und Urkundenfälschung zu Lasten der Kinder. Er hatte Versucht das Kindergeld umzuleiten.
Also im Haus meiner Eltern war die Stimmung nichts für die Kinder, sie sollten zur Ruhe kommen. Ich auch. Meine viel kaum das ich da war Ins Koma. Hatte niemand geachtet das sie kaum aß und trank. Hat auch ne weile gedauert bis ich das merkte und sie bekam Zuckertabletten, wie ich plötzlich sah. Zuckertabletten wenn man kaum was ißt?
Ich sagte meinem Bruder wär ja nicht normal und die Ärzte laberte nur keine Ahnung was ist, vielleicht ein Tumor im Kopf, aber ct ergab nichts. Mein Bruder schiss dann die Schwester zusammen, wegen der Tabletten und das sie Zucker messen sollte. Sie weigerte sich und holte en Arzt. Der wies das dann aber an, erst wurde im Ohr gemessen, dann ging sie, kam danach wieder mass am Finger, dann warf man uns raus. Als wir wieder rein konnten, hing sie am Tropf mit Glucose. Sie wurde jeden Tag immer wacher, wurde verlegt nach Hamm, weil wir drauf bestanden.
Chemo Strahlentherapie. Krebs war besiegt. 3 Jahre kam kein Krebs zurück. Sie hatte aber keinen Lebensmut mehr, hing nur Zuhause rum, konnte bald kaum noch laufen. Ausrede die Chemo. doks sagten ihr solle sich bewegen, weil Muskeln sich zurück bilde. Sie ließ sich aber nicht mehr aufbauen.
Ich und meine ex, lernte Martin kennen. Er wohnte in Köln. Wir liessen uns Zeit. Aber die Fahrerei war nicht ohne, ich wollte nicht aus Menden weg. Wegen Meiner Mutter der es noch nicht gut ging. Da Martin in Köln arbeitete trafen wir uns fast auf halben Weg und zogen nach Herdecke. Eine wunderschöne Zeit, die Gegend war toll, die Kinder fühlten sich sauwohl. Es kehrte Ruhe ein.
Bis, ja bis meine Mutter umfiel. Sie hätte in Klinik gemusst Wasser Punktieren aus der Lunge. Sie hatte schon mal eine Drainage gelegt bekommen. Sie ging aber nicht hin, fiel dann bei Hitze um, brach sich den Oberschenkel Juli 2002. bei der Op bekam sie einen Schlaganfall. Sie kam zur Rhea nach hagen, war nie Ansprechbar, oder selten. Epilepsie bekam sie, zugedröhnt mit Tabletten, baute sie immer mehr ab. Ende September kam mein Vater zu uns meinte er würde bluten beim Wasserlassen, er hatte Blasenkrebs. Man enfernte den Tumor, der aber wuchs sofort nach. Ich holte ihn Sonntags noch aus der Klinik, brachte ihn zu meiner Mutter in die Reha, wo er ihr das sagte und das ich mich nun um alles kümmern würde, meldete mich beim Gericht als Betreuer für meine Mutter an, statt ihm. Gab mir das Auto sagte kümmere dich um sie, sie soll nicht ins Heim.
Er wurde dann noch einmal operiert, Blase Prostata raus. Künstlicher Blasenausgang aus einen Stück Darm. Nach der Op sprang aber nichts mehr an, der Darm stand, man konnte ihn nicht mehr operieren, hätte normal Elektroschocks gemacht am Darm, aber die Ärzte meinten würde er nicht überleben. Sein Blut wäre zu verbraucht vom Kampf gegen den Krebs. Sein Körper vergiftete langsam und er starb im Oktober.
Dezember holte ich meine Mutter zu uns. Es zoffte sehr viel, weil Martin sich überfordert fühlte, er konnte morgens nicht mehr in Unterhose zum Klo, weil Pflegedienst rumlief, echt das hat ihn gestört. Er fühlte sich überfordert, hatte aber gar nichts mit der Pflege zu tun, die machte ich allein. Das fahren nervte ihn und wenn er von Nachschicht kam, konnte er nicht schlafen genug. Er hatte ja noch seine eigenen Firma, Pc- und Netzwerktechnik, die riefen zu den unmöglichsten Zeiten an. Jede normale Firma hat Geschäftszeiten.
Meine Mutter lag rum, bekam selten etwas mit. Die Ärzte setzten die Epilepsie-Tabletten ab, um zu sehen ob sie noch krampft, sie wurde wacher, konnte reden etwas. Bis zum Anfall, dann wurde sie zugedröhnt wieder.
Ich bekam keinen Arzt weil sie teuer war, fand dann viel später einen in Wetter, dem es egal war wie teuer. Sie holte sich einen Krankenhauskeim, in einem der Aufenthalte, wurde wie bei Astronauten abgeholt, sie war 3- 4 mal wieder Klinik ein paar Tage wegen Herz. Ende Februar kam sie wieder in die Klinik, wegen Atemnot, als sie diesmal zurück kam waren fast alle Medikamente abgesetzt, ausser Epilepsie und Kalium wegen Katheder. Ich wusste die fehlen, fragte aber auch nicht. Bin Schuld das sie dann im März starb. Sie kam in Klinik nachts, wurde die Lunge abgesaugt, man sagte sie schläft und es ginge ihr besser, ich bin um 5 nach Hause um 8 rief man an sie wäre tot.
Na ja Beziehung lief dann auch nicht mehr so gut, Martin meinte lief besser wenn er nicht mehr so viel Fahren müsste, wir zogen nach Köln. Ich baute ab, aber richtig, Köln war nicht meine Welt. Keine Freunde, im Haus nur ein Nachbar, der nett war, Rest Büros.
Ich bekam Panikanfälle, immer öfter, bei absurden Sachen. Konnte nicht mehr einkaufen, kein Papierkram machen, nichts mehr, dazu Vorwürfe, ich würde nicht arbeiten, er würde uns aushalten, ich wär faul. Ich glaube er genoss es das ich am Boden lag und er noch drauftreten konnte. Ich habe getrunken abends. Wein und Wiskey. Aber das hilft ja nichts, und ich habe und hab Angst, dann doch irgendwann süchtig werden, als Problemlösung einsetzen, is ja der Anfang. Es artete nachher so weit aus, das er sich weigerte mir meine Rechnungen zu bezahlen. Er legte mir Zettel hin, was er verdient was ich an Geld bekomme, immerhin fast 1000 Euro. Er hatte seinen Job, und die Firma. Ich installierte die Pcs. Arbeiten konnte ich nicht, hatte keinen Kindergartenplatz. Und er Schichtdienst. Immer öfter schiss er die Kinder zusammen, wegen Krach. Er müsse arbeiten oder schlafen. Immer öfter ich weil kein Job fand, wie auch? Ich bekam dann einen Kigaplatz, privat 90 Euro im Monat angeboten, ganztags. Er weigerte sich den zu bezahlen. Denke er wollte ja gar nicht das ich Arbeit finde, hätte mich dann nicht klein halten können.
Ich schaute im Netz nach Hilfe. fand einen Chat und ein paar wirklich nette Leute. Ich wurde abgeholt für ein CT-Treffen. Derjenige gab mir seine Telefonnummer sagte, geh zum Amt erkläre denen was abgeht und das du Geld brauchst, wenn die Angst zu groß ist ruf an, ich bin sofort da.
Ich suchte eine Wohnung in meiner alten Heimat, bekam Geld für den Umzug vom Amt und mit viel Zoff, den er auch an den Kindern ausließ, zog ich aus.
Er versuchte Yvonne auf seine Seite zu ziehen, fuhr mit ihr den Zoo, spielte mit den Kindern, wollte mir schlechtes Gewissen machen, was ich den Kindern antäte, sie würden ihn ja mögen. Mit Erpressung ich will die Kinder nie wieder sehen, wenn du gehst usw. Er spielte den Treusorgenden auf einmal, ich hatte mir einen Therapeut gesucht bei der Suchtberatung, der half mir gegen die Angst anzukommen. Er meinte mit so einem Psychokram wolle er nix zu tun haben, wenn das rauskäme bei seiner Arbeit, würde er Probleme bekommen. Lol er tat so, als wär ich jeden Tag total besoffen. er hat mich nie betrunken gesehen. Habe nur ab und zu abends wenn ich nicht schlafen konnte etwas getrunken. Ich hatte nur Angst doch süchtig zu werden. Bin ja vorbelastet. Ich wollte einfach nur Hilfe bevor es zu spät ist. Das war die erste Zeit nach 22 Jahren, wo ich ab und zu was trank. Ab und zu auch mal zuviel. Ich merkte ich setz das für etwas ein und das machte mir Angst. Also war Hilfe suchen der bessere Weg.
Hab genug Beispiele wie es enden kann, mein Bruder trinkt ja auch der ein Jahr jüngere. Nach dem ich dann die Termine hatte und er merkte ich bin entschlossen, zu gehen, wollte er mit, fragte mich aus wies war usw. Ich wollte das nicht mehr. Es war zu spät, er hatte mich hängen lassen in der Trauer, Vorwürfe gemacht wegen der Umstände, die die Trauer machte usw. Das Vertrauen war weg. Oft genug hab ich versucht zu erklären, was in Vorwürfen endete. Das ganze endete dann mit dem Vorwurf das er sich nun ne Therapeutin gesucht hätte, weil ich ihn ja nur verarscht hätte.

Heute

Hab noch Probleme. Manchmal, kommt es zurück, ich sehn die Zeit zurück, einfach Hungern, das Gefühl stolz sein können, Grenzen erreichen, Ziele setzen. Ich kämpf dagegen. Manchmal den Kampf einfach aufgeben will, kostet Kraft.
Ich bin mein Leben lang hinter Liebe hergerannt, die ich eh nicht zulassen kann. Ich bin hinter Mauern, die niemand einsehen kann, keine Fenster; keine Türen. Manchmal kommt jetzt Licht rein. Ich lerne jeden Tag mehr, warum ich all die Wege gegangen bin, auf der Suche nach Dingen, die ich eh nicht zulasse. Ich weiß jetzt warum ich Angst hab, vor Situationen, wo jemand oder etwas, über mich bestimmt. Egal ob Arzt, Amt, Gericht oder sonst wer.
Ich versuch solche Situationen nicht mehr zu vermeiden, weil die Angst dann immer größer wird und mich beherrscht.
Hab schon viele Anläufe einer Therapie gemacht. Aber jetzt kann ich wirklich Hilfe suchen. Vorher konnte ich mich nicht der Vergangenheit stellen.
Ich kann heute das Erlebte etwas fühlen, früher war da kein Gefühl, es ist oft so, als wenn es nicht zu mir gehört. Wie ein Film im Tv, der einfach an einem vorüberzieht.
Hab immer geträumt, es kommt jemand, der mich sieht, der mich versteht, der mich erkennt. Aber ich weiß heute, das ich das nie zugelassen hätte. Ich dachte es liegt an mir, an meinem aussehen, eben an mir, das nie wirklich jemand so nah konnte, nein es war meine Angst, Angst verletzt zu werden, Angst Liebe zuzulassen, Angst vor körperlicher Nähe. Kannte ich nicht, kenne ich noch nicht und muß es wohl lernen wie ein Kind.


Es ist ein Teil von meinem Leben......
...ein Gläschen Wein am Tag...eine Flasche Wein am Tag...sechs Flaschen Wein am Tag....zwei Flaschen Schnaps und mehr am Tag... dann kam das AUS für den Alkohol....
Ich bin die "Sissi" aus dem Chat, so verbrachte ich 18 Jahre meines Lebens. Meine Kindheit verbrachte ich auf dem Land, eigentlich wuchs ich so auf , wie man es sich wünscht zu leben, es war ein strenges Elternhaus doch es paßte in die damalige Zeit. Einen treuen Freund hatte ich auch es war "Wolfi" mein Schäferhund.
Mit 16 Jahren traf ich meinen Mann, wir waren sehr glücklich und bekamen zwei Söhne....so klingt alles einfach und super, doch so langsam begleitete mich ein unsichtbarer "Freund"...er war immer da...machte mir Mut....gab mir Kraft....er tröstete mich wenn ich es brauchte, alle Bekannten hatten den gleichen "Freund", also konnte Er ja nichts Böses von mir wollen.
Ich ging meiner Arbeit nach erzog die Kinder und.....wo war mein Mann? Wir entschieden uns zu DDR-Zeiten das er an die "Trasse" nach Russland ging....jetzt kam das eigentlich gefährliche, ich blieb auf der Strecke, ich war Einsam, ohne Liebe, ich funktionierte nur noch.
6 Jahre...dann wollte ich ein Ende mit dieser Arbeit...die "Wende" allein, ich wußte nicht was wird, mein Mann war in Russland. Auf ging es um Arbeit zu suchen für meinen Mann...es hat geklappt, wie im Bilderbuch.....alles war unter Dach und Fach.
Es kam der 22.12.1992 und ein Telegramm vom Arbeitgeber meines Mannes, er sollte noch mal nach Russland eine Baustelle abnehmen, der Flug sollte am 07.01.1993 sein.....Fazit, wir hatten einen riesen Streit zu Weihnachten...ich brachte mit den Kindern meinen Mann zum Bahnhof....noch immer sehe ich wie er da steht und uns zuwinkt, in mir stieg ein Gefühl auf....ich sehe Ihn nie wieder....am 30.01.1993 hatte mein Mann einen tödlichen Arbeitsunfall.
Ich zerbrach...und vor meinen Augen auch meine Kinder....ich konnte nicht trauern weil ich trotz Familie (Eltern) keinen hatte der mich tröstete mich verstand. Da war aber mein "Freund" der von nun an bessere Karten hatte, aber doch nicht ganz siegte...dachte ich. Meine Kinder wurden meine Lebensaufgabe, alles tat ich für Sie.
1995 gab es dann eine Neue Wende, die Liebe kam zu mir zurück, auch arbeiten ging ich brav...mit diesem "neuen Glück"...bekam ich meinen dritten Sohn Martin...dann aus dem Krankenhaus entlassen, kam ich nach Hause mit Martin....es wurde rabenschwarze Nacht.
Bis heute fällt es mir nicht leicht darüber zu schreiben...ich wurde geschlagen, Zähne gingen zu Bruch, Krankenhaus, Vergewaltigungen, Beschimpfungen.....ich trank bis ich nichts mehr fühlte ,ich wollte vergessen....und einfach nicht mehr leben...jetzt war der Alkohol kein "Freund" mehr an meiner Seite, jetzt war er an der MACHT, ich konnte keinen Tag mehr ohne Ihn sein...ich verlor meine Bekannten, die Eltern, meine Arbeit, meine Fahrerlaubnis...."ER" wa bei mir, ich ging nicht mehr aus dem Haus, nur wenn ich IHN brauchte.....Verzweifelt war ich in "lichten" Momenten, wie komm ich hier raus aus diesem Teufelskreis? Schon wenn ich die Flasche sah, hatte ich Gänsehaut...doch dann kam dieser Mann nach Hause.....aus, ich trank alles was es gab....bis zum 15.04.2003. Ich stand in der küche vor mir die Flasche Schnaps, ich hörte das häßliche Lachen, die gemeinen Worte,....nahm mein Glas füllte es bis zum Rand...trank es aus...ging mit der leeren Flasche ins Wohnzimmer...schaute in diese kalten lieblosen Augen...und WARF DIE FLASCHE mit aller Kraft...traf Gott sei Dank nicht...ging ins Bad und sah in den Spiegel: "Du warst so eine tüchtige Frau, so hübsch, so gütig...Du hast 3 gesunde Kinder...und vernichtest alles was Dir lieb und teuer ist...!"
Ich tat etwas was keiner tun sollte und das sage ich sehr laut, denn erst zur Therapie wurde mir bewust was ich getan hatte......ich trank von mir aus, von diesem Tag an keinen Tropfen Alkohol mehr...es folgten die schlimmsten 8 Wochen die ich jemals erlebt habe......ich mußte alles neu lernen...schreiben zum Beispiel....täglich saß dieser Mann noch da und brachte mir den Schnaps nach Hause....
Dann saß ich geschlagen von dem Mann am Straßenrand (Sonntag)..es hielt ein Auto, es stieg eine Frau aus...sie dachte ich hatte einen Unfall, dann schrie der kleine Martin:"Nein das war mein Vati!" Gott wollte es so, diese Frau arbeitete bei der Jugendhilfe, ihr danke ich noch heute, sie zeigte mir erst einmal nach einem langen Gespräch, den Weg den man gehen muß, so kam ich zu meinem Therapeuten, der erste Mensch der mir zuhörte, Verständnis hatte und mir zum ersten mal sagte..wie gefährlich das ist einen Kalten Entzug zu machen...ich wußte das nicht, woher denn auch.....erst war ich betrunken, wollte als Scham nicht zum Arzt....dann konnte ich in den 8 Wochen nicht raus weil es mir sehr sehr schlecht ging.
Ca. 8 Monate trank ich nun keinen Alkohol mehr und doch riet mir mein Therapeut zu einer Therapie für 4 Monate, wo ich auch Martin mitnehmen konnte, denn wer sehr gelitten hatte das war Martin, er hat bis heute nicht alles verarbeitet, ist Hyperaktiv und mein kleiner Sonnenschein. Also gingen wir beide für 4 Monate in den "Heidehof" (Klinikum bei Dresden), nach 2 Tagen wollte ich gehen....nach den 4 Monaten war es für mich die beste Entscheidung, ich hatte wieder Kraft und Zuversicht... Der Vater von Martin sieht uns nicht mehr..er hat Angst, weil er gesehen hat wieviel Menschen da sind um uns zu helfen...einer SCHNAPSDROSSEL.....
Heut habe ich meinen Weg gefunden und bin seit mehr als 3 Jahren zufriedene Trockene Alkoholikerin, ich werde diese Krankheit für immer in mir tragen und diese Jahre meines Lebens nie vergessen. Ich gehe heute über bunte Wiesen, reite meine Pferde, liebe meine Kinder, gehe meiner Arbeit nach und sehe ich die Flaschen im Supermarkt bekommen Sie von mir ein Lächeln....NEIN DANKE ich kenne diesen "Freund"...ICH WILL LEBEN und danke Gott für diese Chance.....
Wer sich mit mir schreiben möchte darf das gerne tun, Email Adresse steht im Profil Eure "Sissi"


Kurzbiographie des Säufers Rolf G.
Kennt Ihr den Unterschied zwischen einem alten und einem modernen Märchen ???
Alte Märchen beginnen: "Es war einmal ...."
Neue Märchen beginnen: " Weisst Du, ich hatte im Büro noch zu tun ..."
Es war einmal ein junger Mann der sich bereits in jungen Jahren dem Studium des Alkohols widmete. Dieser einst junge Mann bin ich selbst.
Ich will euch jedoch kein Märchen erzählen, sondern ich möchte Euch von Gottes Arbeit und seinem Wirken an mir berichten.
Bereits im Alter von 13 Jahren fiel ich durch übermässigen Alkoholgenuss in regelmässigen Abständen auf.
Der Alkohol hatte bereits mit meinen 17 Jahren im Mai 1972, am Tag der bevorstehenden Kaufmannsgehilfenprüfung, von mir schon soweit Besitz ergriffen, das ich in den frühen Morgenstunden meine Prüfungsangst mit hochprozentigem Alkohol verjagte. Die Wirkung des Alkohols ließ schnell nach, das ich, während meine Schulkameradinnen ihr Pausenbrot aßen, ich mit einer weiteren Schulkameradin mit einem Flachmann meinen geistigen Bizeps beflügelte. Das gleiche Spiel wiederholte sich im Oktober des selben Jahres bei der Führerscheinprüfung. Zwischen der schriftlichen und praktischen Prüfung mussten wir, die Schulkameradin und ich hatten ganz zufällig am gleichen Tag Prüfung, uns auf die bereits bekannte Art zu beruhigen.
"Was für ein Segen, daß der Prüfer im Fond des Fahrzeuges sitzt."
Bei der Bundeswehr holte ich, sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg, nach eifrigem Schulbesuch vom 01. Okt. 1973 bis Ende Dezember 1974 das überfällige "Säuferabitur " nach.
Nach mehrfachen alkoholbedingten Wechsel des Arbeitsplatzes schickte ich mich an, während ich von Juno 1976 bis März 1977 nebenbei eine Lungentuberkulose auskurierte, meine Diplomarbeit "Fachrichtung Alkohol " zu schreiben. Während ich beim schriftlichen Teil der Prüfung Mühe hatte, absolvierte ich den praktischen Teil der Prüfung mit Auszeichnung.
Anschließend avansierte ich zum Profialkoholiker: "Ich konnte ja mit dem Alkohol umgehen während andere zu blöd zum saufen waren." Als Beweis hierfür führte ich meine Erfolge nicht nur beim weiblichen Geschlecht, sondern auch in meiner Tätigkeit als freier Handelsvertreter an.
Im Jan.1979 lernte ich meine spätere Frau kennen. Nach der Hochzeit 1981 wollte ich ein solides Leben beginnen, und mit meiner beiden Hände Arbeit "MEIN GELD " verdienen. Von zum Teil fünstelligen Summen auf nur noch knapp 2000 Mark zugreifen zu können, diese Hürde war so nieder, dass ich sie in meiner Überheblichkeit einfach ignorierte und naturlich prompt darüber stolperte. Um den bereits begonnen wirtschaftlichen und sozialen Niedergang abzuwenden, begab ich mich ganz bewusst auf den Weg der Illegalität. 1987, 1989 und 1990 durfte ich als Konsequenz daraus mit dem Innenleben diverser Justizvollzugsanstalten -Gefängnis- Bekanntschaft machen.
Nach dem ich Haus und Familie verloren hatte, fühlte ich mich von Gott - von dem ich damals ohnehin nicht besonders viel hielt - und der Welt verlassen.
"Freunde" von einst kannten mich nicht mehr.
"Ist der ruf mal ruiniert lebt sich`s völlig ungeniert"
Diebstahl und " kleinerei " Betrügereien wurden für mich zu Kavaliersdelikten und gehörten zur Tagesordnung.
28.Febr. 1992: Gott greift ein !!!
Ein alkoholbedingte Entzugsepylepsie mit Grand Mall Anfall beendeten mein Leben. Ärzte und medizinische Technik ermöglichen MIT GOTTES WILLEN meine Wiederbelebung. Ein Weisskittel seines Zeichens Neurologe eröffnete mir Tage später das toxische Befunde im Bereich des Kleinhirns und in Teilen des Grosshirns festgestellt wurden. Ein zweiter GM-Anfall würde ich, wenn überhaupt, nur mit schwersten geistigen und körperlichen Schädigungen überleben. In Sekundenschnelle liefen mir die Gesichter all der Freunde die sich nur in der letzten Zeit den Kragen regelrecht abgesoffen hatten an mir vorrüber.
Sollte ich der Nächste sein ?
Mir wurde urplötzlich klar, dass nicht fünf vor 12:00 sondern fünf nach 12:00 war. Ich war ja schon einmal bei Ihnen Probeliegen !
Nach einer lauwarmen, eher halbherzigen Therapie die wiederum wegen illegaler Aktivität, vorzeitig seitens der Therapieeinrichtung diziplinarisch beendet wurde, wusste ich über mich und meine Alkoholerkrankung nicht nur Bescheid, sondern besser Bescheid als alle andern. Ich lies mich mit Gott auf ein Spiel der Superlative ein. Ich akzeptierte Gott als Linienrichter, während ich weiterhin als Schiedsrichter das Geschehen auf dem Spielfeld " SUCHT " dirigierte. Ich verteilte solange rote Karten, meist an Spieler die Sie nicht verdienten, bis ich alleine auf dem Spielfeld stand. Dieses Spiel dauerte fast 3 Jahre und macht mächtig Durst. Davon hatte ich immer viel, aber selten lange.
GOTT GREIFT ZUM 2.X MASSIV EIN !!!
Er schickt mir, einen lebendigen Engel über den Weg als ich gerade wiedermal hochprozentiges am Bahnhofskiosk in den grossen Taschen meines Anoraks verschwinden lies. Der Engel war meine leibhaftige ehemalige Suchtberaterin. Ihre erotische Ausstrahlung hatte über meine Scham, mich beim Klauen erwischt zu haben, gesiegt, und ich folgte Ihrer Einladung Sie im Büro zu besuchen noch am gleichen Tag. Nachdem ein erneuter Antrag auf eine Rehabilitationsmassnahme abgelehnt wurde wurde einem Eilantrag wegen akuter Suizidgefahr am 28.Dez.1995 telefonisch genehmigt.Am 10.Jan. 1996 begann meine Therapie im Fischerhaus im badischen Michelbach.
Unsympathisch fand ich auch meine Bezugstherapeutin nicht. Noch vor meinem Eingangsgespräch betete Sie mit mir. Insgeheim dachte ich: " Wo bist du denn da gelandet." Auf die Bedeutung dieses Gebets komme ich später zurück.
Am 22.Mai 1996 gebe ich den Kampf gegen die Übermacht Alkhol und gegen mein eigenes Ego auf. Mein krankes Ego stirbt. Ich erkenne Jesus Christus als Retter für mich und als Erlöser von meinem kranken Ich und von der Geisel Alkohol an.
21.Jul. 1996: Ich erkenne Gott als erste, letzte und damit einzige Instanz an. Gott ist die einzige absolute Autorität in meinem 2. neuen Leben. Niemand, ausser Gott darf über mein Leben mehr bestimmen. Auch ich selbst nicht.
Ein neues Spiel beginnt:
Gott ist jetzt der Schiedsrichter, halte ich mich an seine Spielregeln, darf ich mitspielen. Spiel ich nach meinen alten Spielregeln schickt er mich vom Spielfeld damit ich Zeit finde um über meinen, oder besser gesagt, meine Fehler nachzudenken. Im Gegensatz zu mir macht Gott seine Versprechen war.
Gott sorgt für die Seinen
Noch während der laufenden Theraphie wird meine berufliche Rehabilitation genehmigt. Gott hat mich in einer schwierigen Jahreszeit, wo der Tag kurz und die Nächte lang werden, mit einer wichtigen Aufgabe beauftragt. Das erste mal mit nunmehr 41 Jahren darf und kann ich Verantwortung für mich selbst übernehmen.
Die Zeit davor wurde ich gelebt, von Leuten die immer wussten was für mich am Besten wäre, aber in der Hauptsache vom Satan Alkohol.
Im Gegensatz zu anderen Teilnehmern der Rehamassnahme bekomme ich mühelos eine Praktikantenstelle und ich halte diese Massnahme nicht nur durch, sondern ich gehe gestärkt und mit Zuversicht nach 9 Monaten aus Ihr heraus. Noch während der Massnahme mache ich trotz Prüfungsangst, aber diesmal ohne Alkohol, den Staplerführerschein. Am 03.12.97 bestehe ich nach erfolgreich bestandener MPU, wieder mit Prüfungsangst und wieder ohne Alkohol, die Führerscheinprüfung. Dies waren die ersten und äußerst wichtigen Schritte ins Berufsleben.
Und wieder versorgt Gott mich für die kritische Jahreszeit mit Arbeit. Von Mitte Sept. 97 bis Ende März 1998 arbeite ich als Zeitungsträger. Ein befristerter Arbeitsvertrag meines Praktikumsgebers von Mitte nov. 97 bis Mitte jan.98 lässt nicht nur die Weihnachtskasse lachen, sondern bestätigt, dass ich als "Praktikant ohne Lohn" meinen Job gutgemacht hatte und dass, das Zeugnis das ich für das Praktikum erhalten habe, kein Gefälligkeitszeugnis war. Nach stetem Bemühen und mehreren Versuchen um Arbeit mit Praktika in verschiedenen Bereichen endet die Suche, und wieder wurde die letzte Jahreszeit im Jahr, zu meinem persönlichen beruflichen Frühling. Im Okt. 1998 erhalte ich meine erste unbefristete Anstellung. So bin ich nach mehr als 2 Jahre Vollzeitbeschäftigung derzeit in einer Teilzeitbeschäftigung - in der ich bei einer 25 Std. / Woche - mich mit den beiden anderen Beschäftigungen, finanziell gleichstelle. Allein das ist zu diesem Zeitpunkt, damals noch stetig wachsender Erwerbslosenziffern ein Wunder.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal das Gebet mit meiner Therapeutin ansprechen. Ich wusste damals nicht was für eine Bedeutung dieses Gebet für mich hatte
.....War es die letzte Ölung?
.....War es der Beginn eines neuen Lebens?
inzwischen ist es mir klar geworden, es war beides:
Der alte Lumpp Rolf G. alias El` Gunzo wie ich in der Landstreicherszene genannt wurde musste sterben, damit der Christ Rolf Gunzenhauser geboren werden konnte. Genauso,... wie sich das Weizenkorn völlig auflöst um sich als neue Frucht sich neu zu repräsentieren. Leider gehen viel zu wenig Weizenkörner auf, deshalb danke ich Gott für die Gnade und Bamherzigkeit die er mir, durch die Mitglieder der Baptistengemeinde Gernsbach und Karlsruhe und durch meine Freunde von AA, hat erfahren lassen. Des Weiteren danke ich Gott das er kranken Menschen die an Ihn glauben und Ihm vertrauen die Gnade schenkt sich in Selbsthilfegruppen zu organisieren, wo sie sich durch den Austausch Ihrer Erfahrungen wieder zu Kraft, Hoffnung und Zuversicht gelangen.
Mein Name ist Rolf ich bin Alkoholiker...und damit einverstanden


Ich bin die Dottie aus dem Chat.
Vielleicht hilft meine Geschichte ein bißchen, daran zu glauben, daß man es schaffen kann.
Ich war 16 lange Jahre trocken, von 1983 bis 1999. Als ich 1983 aus dem Trockendock nach einem halben Jahr entlassen wurde, glaubte niemand, daß ich trocken bleiben würde. Der Anfang war unendlich schwer.
Meine Scheidung lief (ich hatte sie eingereicht), ich hatte keine Arbeit, keine Wohnung und dann schlug das Schicksal richtig zu.
4 Tage vor meiner Entlassung verunglückte mein Sohn tödlich. Meine SHG stand hinter mir und auch die Klinik. Sie boten mir an mich noch dazubehalten, sie wollten dafür sorgen, daß meine Tochter für diese Zeit bei mir sein konnte, und und..... Ich wollte nicht und hatte gleichzeitig Angst, das alles da draußen zu schaffen. Ich sagte nur: Wenn ich das da die nächsten 4 Wochen nicht schaffe, dann bin ich da, wo mein Sohn jetzt schon ist. Ich habe es geschafft! Wie? So genau weiß ich es bis heut noch nicht. Vielleicht von jedem etwas: Aus Trotz, weil alle sagten, das kann sie gar nicht schaffen, mit Kraft, weil meine Tochter (damals 6 J.) mich brauchte, die noch viel weniger verstand was eigentlich los war. Mama wieder da. Liegt die wieder im Bett und hat "Kopfschmerzen"? Warum ist Papa nicht mehr bei uns, und warum habe ich nun keinen Bruder mehr. Verzweiflung, weil mein Mann sich gegen die Scheidung wehrte und sich das ganze in die Länge zog. Meine unendliche Trauer um meinen geliebten Sohn, der so gerne noch gelebt hätte, und wenn ich wieder anfange zu trinken, würde ich mein Leben leichtfertig aufs Spiel setzen, das Leben, das mein Sohn gerne behalten hätte.
Dürfte ich mich dann noch Mutter nennen?
Die erste Zeit nach der Therapie lebte ich nicht richtig, ich funktionierte nur irgendwie und mußte leben und für meine Tochter da sein. Hinzu kam, daß ich nicht weinen konnte, oder mir nicht das Recht dazu gab, weil ich Angst hatte, dann vor lauter Verzweiflung wieder rückfällig zu werden. Dieses "Nichtweinenkönnen" tat auch körperlich weh. Um meinen Brustkorb hatte sich ein eiserner Gürtel gebildet, und im Hals hatte ich einen dicken Kloß.
"Meine" Klinik hielt ständig Kontakt zu mir, sei es die Patienten, mein Arzt und vor allem mein Therapeut zu dem ich großes Vertrauen hatte. Er merkte als erstes, das ich immer stiller wurde, als ich eh schon war und bot mir an, die Klinik zu besuchen. ich wollte nicht. Aber als der Chefarzt selbst bei mir anrief und sagte, wenn sie jetzt nicht kommen holen wir sie, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und fuhr hin.
Ich hätte es viel früher tun sollen.
Als ich die Klinik vom Auto aus sah, wußte ich, hier bist du Zuhause, hier kennt man dich so, wie du wirklich bist mit all deinen Schatten- und Sonnenseiten, hier kannst du dich fallen lassen. Das Ergebnis war ein mehrstündiger Weinkrampf unter ärztlicher Kontrolle, hört sich blöd an, aber so war es. Das erste, woran ich mich wieder erinnern kann war, daß mich mein Therapeut im Arm hielt und mich einfach nur weinen ließ, es kam alles raus. Sie behielten mich eine Nacht dort, denn in meinem Zustand hätte ich nicht fahren können. Ich hatte ein sehr intensives Gespräch mit dem Therapeuten und der hat mir erst einmal die Augen geöffnet. Keiner, so sagte er ehrlich, hätte einen Pfifferling für meine Abstinenz gegeben! Bei meiner Prognose hätte ich nicht viele Chancen. Aber ich hätte das geschafft, das, womit keiner gerechnet hatte. Was hatte ich da draußen denn schon groß geschafft?Nur irgendwie gelebt und dann schnauzte er mich wütend an, weil ich immer noch nicht begriff was er meinte.
Wissen Sie eigentlich, daß sie unheimlich stolz auf sich sein können, wissen Sie eigentlich wie stark sie sind?
Ja, und ganz langsam begriff ich was er meinte. Erst jetzt wurde mir bewußt, was ich geschafft hatte.
Ich hatte nicht wieder angefangen zu trinken!
Mit diesem Bewußtsein und einem freien Brustkorb, denn den eisernen Ring durfte ich in der Klinik zurücklassen, fuhr ich wieder nach hause.
Zurück kam eine andere Dottie mit wiedererwecktem Lebenswillen und dem Wunsch mein Leben jetzt selbst in die Hand zu nehmen. Meine Familie und ganz besonders meine SHG atmeten auf, und unterstützten mich weiter mit ihrer liebevollen Hilfsbereitschaft.
Ich trat dem Arbeitsamt gehörig auf die Beine, mir wenigstens eine Weiterbildung zu ermöglichen, wenn sie schon keine Arbeit hätten, das war 1975. Meine Scheidung ging endlich dem Ende zu, nur die Rentenanstalt kam mit dem Versorgungsausgleich nicht über. Ich rief selbst dort an, und drohte ihnen, daß ich wieder anfange zu trinken, wenn sie nicht in die Pötte kämen, 2 Tage später war der Rentenausgleich bei meinen Rechtsanwalt. Es waren so viele Sachen, die ich selbständig erledigen konnte und langsam fand ich meinen Lebensmut und mein Lachen wieder.
Meine Eltern und meine SHG taten ihr übriges, nein ohne ihren Beistand hätte ich es vielleicht nicht geschafft.
Ich fand bald einen Bürojob hier in unserem Kernkraftwerk, das zu dieser Zeit in der Bauphase war. Dort mußte ich mich durchsetzen, denn als einzige Frau unter hundert Männern hatte ich es anfangs nicht einfach. Das legte sich aber schnell und irgendwann schüttelte mein Chef mal den Kopf und sagte: Hundert Mann und ein Befehl... Du machst ja doch was Du willst! Aber es schien ihm zu gefallen, denn er ließ mir freie Hand.
Mein ganzes Leben und mein Umfeld hat sich verändert, zum Positiven, ein zufriedenes abstinentes Leben, mit Höhen und Tiefen, so wie es vielen von uns nach erfolgreicher Therapie ergangen ist. Nach ca. 9 Jahren konnte ich sogar in meinen alten Beruf als Arzthelferin zurückkehren. Mein Chef, den besten, den man nur haben kann (der leider dieses Jahr viel zu früh verstarb) war der ehemalige Stationsarzt, der mich vor Jahren "trockengelegt" hatte. Seine fachlichen und sehr persönlichen Gespräche werden mir immer in sehr lieber Erinnerung bleiben, denn auch er kannte negative oder depressive Stimmungen und oft haben wie uns gegenseitig Mut gemacht, weil der eine vom anderen wußte, wie er sich fühlte.
Auch mit dem Tod meines Jungen habe ich mich im Laufe der Jahre auseinandergesetzt. Es mag vielleicht brutal klingen aber für mich stand fest, entweder lebst Du mit diesem Schicksalsschlag oder du gehst dabei kaputt. Der Schmerz ist erträglich geworden, weil ich heute ganz genau weiß, mein Martin lebt in einer anderen Welt zu der ich noch keinen Zugang habe, aber dort werde ich ihn wiedersehen. Dieser Glaube macht mich stark, weiß ich doch, das eine höhere Macht über mich wacht, denn ohne diese hätte ich das alles nicht bewältigt.
Wer kennt nicht die Geschichte von ......Spuren im Sand von Margaret Fishback? Damit habe ich mich oft getröstet.
Trotzdem habe ich heute noch Schwierigkeiten, zu weinen wenn mir danach zumute ist.
Ich habe 16 Jahre abstinent gelebt, 15 davon zufrieden und froh.......nur man sollte nie nie sagen! Aber das ist ein anderer Teil meines Lebens und irgendwann werde ich auch mal darüber schreiben können.
Meine Geschichte soll all denen ein bißchen helfen, die auch traurig und verzweifelt sind.
Wenn nur einer hieraus ein wenig Hoffnung schöpfen kann, dann habe ich einen ganz kleinen Teil der Hilfe zurückgegeben, die mir tausendfach zugute kam. Schreibt mir einfach, wenn ihr Fragen habt oder kommt in unseren Chat.
Ruft Euch selber immer zu, besser die Flasche zerbricht .....als Du!
Doris J. im März 2006

Spuren im Sand.

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak,als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er:
„Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“

Margaret Fishback Powers
Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996
Brunnen Verlag Gießen. www.brunnen-verlag


Mein Name ist Dagmar
und ich bin trockene Alkoholikerin. Ich kam nach meiner Scheidung zum Alkohol. Ich merkte schnell das ich unter Alkohol nicht mehr schüchtern und gehemmt war. Das schaukelte sich mit den Jahren immer weiter hoch. Den "grossen" Absturz erlebte ich nach dem Selbstmord meines Lebensgefährten. Ich wollte Gefühle ertränken; meine unglaubliche Angst loswerden. Meine erste Entgiftung machte ich im Jahre 2001, aber nur weil meine Mutter mich ins Krankenhaus brachte. Danach gings nach Münchwies zur Therapie. Diese hatte ich abgebrochen, da ich mit meiner Gefühlswelt dort nicht mehr klar kam. An Altweiberfasching 2002 "baute" ich dann einen Rückfall. Ich kam aus dem trinken garnicht mehr raus. Im April 2002 sagte ich mir so kanns einfach nicht weitergehen, nur noch trinken und schlafen im Wechsel, geschweige denn vom alkoholisierten Autofahren...wenn ich in den Spiegel sah erschrak ich was mir da entgegen sah...grauslich. Ich weiss nicht warum, aber auf einmal "wachte" ich auf. Ich machte eine erneute Entgiftung, mit dem Unterschied das ICH mich ins Krankenhaus einweisen ließ. Zu meinem glück kamen Leute von den Anonymen Alkoholikern ins Krankenhaus zu einem Infoabend. Als ich dann entlassen wurde, fasste ich mir ein Herz und ging zu AA...ich hatte unglaublich mit Suffdruck zu kämpfen. Ich ging laufen, schüttete Wasser in mich rein was ging und süsses half. Der Suffdruck ließ mit der Zeit nach. Aber auch heute noch versucht mich der Alkohol mit plötzlichem Suffdruck zu locken. Bis jetzt konnte ich ihm erfolgreich widerstehen. Zwei Jahre später versuchte ich (nachdem ich bei einem Hypnotiseur war und dieser mir sagte ich kann ruhig Alkohol trinken) nochmals kontrolliert zu trinken (wie lächerlich)...Ich erlebte Gott sei dank keinen Absturz mehr, da ich sofort merkte es klappt nicht. Seit 04.02.2004 bin ich nun wieder trocken... bezüglich meiner Angst und Depressionen machte ich eine Therapie, und bin immer noch in ambulanter Behandlung...ich muss lernen mit dieser Angst umzugehen...wir von der AA wechseln uns ab und gehen jeden Montagabend ins Krankenhaus um die AA vorzustellen....welches glückliche Gefühl ist in mir wenn ich das Krankenhaus als trockene Alkoholikerin wieder verlassen darf..
28.09.2005 dagmar


Hallo, mein Name ist Thomas,
ich bin 37 Jahre alt und Alkoholiker. Ich habe ca. 20 Jahre getrunken. Dass ich ein Problem mit dem Alkohol habe, bemerkte ich relativ früh, wollte es aber nicht wahrhaben. Den ersten Versuch etwas dagegen zu unternehmen machte ich 1998 mit einer Entgiftung. Danach war ich ca. 1,5 Jahre "trocken", habe aber ausser die Flasche wegzustellen, nichts für mich getan. Gruppen brauchte ich nicht, Langzeittherapie wollte ich nicht, ich war ja so stark, dachte ich.
Im Jahr 2000 dann beantragte ich eine psychosomatische Kur, weil es mir (natürlich auch alkoholbedingt) wieder sehr schlecht ging. Mittlerweile hatte ich auch meinen Job aufgegeben. Ich bekam die Kur und landete dort mit über 2 Promille im Kopf natürlich in der Suchtabteilung. Und wieder wehrte ich mich mit Händen und Füßen gegen eine Langzeit. Nach 6 Wochen fuhr ich mit einer Flasche Sekt im Gepäck nach hause, und hatte noch immer nichts verstanden, bzw. verstehen wollen.
Im Jahr 2003 dann wurde mein Zustand zusehends schlechter. Ich kam im Februar in die Entgiftung, und begriff erstmalig, dass sich mehr ändern müsste. Ich dachte darüber nach, wie ich zukünftig mit meiner Partnerschaft umgehen sollte und beantragte eine Langzeittherapie. Bis April war ich dann "trocken", ging regelmäßig in Gruppen und durchlief die Prozedur zum Sozialbericht etc. Nach einem dieser Gespräche, die natürlich anfingen, in die Tiefe meiner Vergangenheit zu gehen, baute ich einen schlimmen Rückfall, aus dem ich 4 Wochen nicht mehr rauskam und in dem ich schlimmste Angstzustände und Panikattacken erleben musste. Ich war zum Schluss soweit, dass ich 2 Promille körperlich brauchte, um zu funktionieren. Ich begab mich wieder in die Entgiftung und von da aus direkt nach Lindow.
Dort war ich von Mai bis September Patient der Salus-Klinik und für mich begann hier eine Zeit, von der ich vorher nicht mal wusste, dass es sie gibt. Gezeichnet von meinem letzten Rückfall, der schlimmer als jeder vorher war, unsicher, ob mir das hier was bringen würde, nur mit der Gewissheit, dass irgendwas passieren musste, saß ich im Erstgespräch vor meinem Therapeuten, Herrn Schneider. Was mir klar war, wenn ich hier drin bin, hat es was endgültiges. Irgendeine Kraft hatte es geschafft, mich durch die - mittlerweile 5. - Entgiftung zu bringen und hierher zu leiten. Hier sollte ich nun 16 Wochen Zeit haben, mich nur mit mir, mit meiner Vergangenheit und meiner "Geisteskrankheit" - was Alkoholismus ohne Frage ist - zu beschäftigen. Ich hatte keinen Schimmer von einer Zukunft: Meine Beziehung stand vor dem Aus, meine berufliche Selbständigkeit konnte ich in die Tonne treten und es gab keine Erfahrungen mit trockenem Leben. Denn die 11/2 Jahre die ich 1998/99 schon mal ohne Alkohol verbracht hatte, sind mir leicht gefallen. Denn damals bildete ich mir noch ein, irgendwann kann ich wieder trinken - mäßig und kontrolliert. Ein fataler Trugschluss, wie ich heute weiß.
Mittlerweile sind seit meinem Aufenthalt über 2 Jahre vergangen. Jetzt stehe ich hier, bin bis heute trocken und habe trotz aller Schwierigkeiten die schönsten zwei Jahre meines bisherigen Lebens hinter mir.
Als ich im September 2003 nach hause kam, waren natürlich alle Probleme noch da. Mein Partner und ich mussten uns neu kennen lernen, was bis heute nicht vollständig gelungen ist. Glaubt mir, das wird nicht etwa einfacher mit Dauer der Trockenheit, im Gegenteil, die wirkliche Krise hatten wir erst jetzt, nach zwei Jahren. Warum? Weil wir viel gemeinsame Arbeit in der Zeit nicht gemacht haben. Weil viel falsche Rücksichtnahme von seiner Seite (übrigens nicht vorsätzlich sondern eher aus Unwissenheit) zu einer dauerhaften Unzufriedenheit geführt haben. Weil ich mir Hilfe gesucht habe und so meinen Weg der Selbsterkennung ständig weiter gehe, mein Partner aber auf jegliche professionelle Hilfe ablehnend reagiert. Und auch, weil ich es im Laufe dieser Zeit öfter mal mit meinem Egoismus übertrieben und meinen Focus nur noch auf meine Bedürfnisse ausgerichtet habe. All das hat mittlerweile dazu geführt, dass unsere Trennung nach 11 Jahren in Arbeit ist und ich nun den weiteren Weg allein gehen werde.
Beruflich habe ich ja das letzte Jahr vor Lindow im Haustürgeschäft für die Johanniter-Unfallhilfe in Berlin gearbeitet. Meine Selbständigkeit war längst gescheitert, denn ich konnte nicht mal mehr meine Krankenversicherung bezahlen. Und so war es an mir, den Grundstock für einen Neuanfang zu legen. Dabei hat mir das allseits verpönte und auch von mir ungeliebte, - weil schon hundertfach erlebte -Bewerbungstraining geholfen. Denn unter der fachkundigen Anleitung von Frau Hortig und Herrn Hennigs - vielen Dank dafür - entdeckte ich die Urwurzeln meines Könnens wieder. Ich wusste, dass ein neuer Beruf meine Fähigkeiten fordern musste, wie Organisationstalent, Kreativität usw. Das hatte ich in jahrelangen Ehrenämtern bewiesen und hatte auch noch Spaß dabei. Neu zu entdecken galt es, dass ein gewisses Maß an Genialität auch ohne Alkohol möglich ist und dass ich nicht mehr der Perfektionist sein muss, den ich immer darzustellen versuchte. Das Einzige, was ich auch hier noch nicht glauben wollte, war die Tatsache, dass sich ein Kampf um eine erneute Ausbildung in meinem Alter, ich bin jetzt 37, lohnen würde. Aber auch da sollte ich eines besseren belehrt werden. Ich schaute mich also auf dem Arbeitsmarkt um und entdeckte das neue Berufsbild des Veranstaltungskaufmanns. Und ich wusste genau, hier konnte ich Arbeit und Hobby vereinen, konnte einen Job finden, der alle meine Interessen und Fähigkeiten fordert.
Mit diesen Vorstellungen trat ich den Kampf gegen die Behörden an. Und es sollte Kampf werden. Warum erzähle ich das? Weil ich weiß, wie viele Betroffene, vielleicht auch unter euch, die teilweise noch jünger sind als ich, Angst vor diesem Krampf haben. Ich kann nur sagen, traut euch. Geht mit genauen Vorstellungen zu den Ämtern und zeigt Ihnen - "hey, ich bin bereit, etwas zu tun. Gebt mir die Chance" Ich hatte mir vorher schon einen Bildungsträger gesucht, den Eignungstest abgelegt und bin mit dem vorbereiteten Vertrag zum Arbeitsamt gegangen. Und, um zu unterstreichen, dass es mir sehr ernst war, habe ich auf einem Vorbereitungslehrgang bestanden, um meine Lernfähigkeit zu testen. Trotzdem dieser Kampf mit Amtsärzten, hickhack zwischen LVA und Arbeitsamt um die Finanzierung, usw. ein Jahr dauerte, heute habe ich diese Ausbildung und bin, was das berufliche angeht, einer der glücklichsten Menschen auf der Welt.
Eine große Hilfe war übrigens auch meine Offenheit gegenüber den potenziellen Arbeitgebern. Denn ich wusste genau, wie alkoholbesetzt die Veranstaltungsbranche ist. Ich hatte zu über 100 Firmen Kontakt, bevor ich die Firma hatte, die auch meine Suchtvergangenheit akzeptierte und bereit war, mein Arbeitsfeld so zu gestalten, dass ich kaum größeren Gefahren ausgesetzt bin. Jetzt ist das Risiko auf ein Minimum begrenzt.
Und nach bestandener Ausbildung bin ich sogar bereit, unter bestimmten Voraussetzungen wieder in die Selbständigkeit zu gehen. Denn ich weiß, dass ich es kann. Die Organisation von Ehemaligentreffen in Suchtkliniken zum Beispiel wäre doch ein schönes Aufgabenfeld.
Ja und dieses eine Jahr dazwischen drohte anfänglich zur Hölle zu werden. Ich saß untätig zu Hause, hatte außer Gruppen, Therapie und Nachsorge keine Highlihgts und verbrachte Tage und Nächte vor sinnlosen Computerspielen. Arbeiten gehen durfte ich nicht, weil dann meine Umschulung in Gefahr gewesen wäre. Also musste Beschäftigung her, denn die Rückfallgefahr wuchs. So suchte ich mir ein Ehrenamt in einem alkoholfreien Cafe in Berlin und begann hier Veranstaltungen zu initiieren. Und auch dort konnte ich in Lindow gelernte Sachen wieder auffrischen. So gestaltete ich unter Mithilfe von Frau Leicht - vielen Dank nochmals - ein monatliches Genusstraining, führte einen Sonntagsbrunch ein und organisierte Grill- und andere Feste. Und die Gäste dankten es.
Alles in allem kann ich rückblickend sagen: Natürlich war die Zeit nach Lindow nicht nur schön. Ich habe gerade im ersten Jahr leiden müssen und Zustände bis hin zum sogenannten "Trockenrausch" ertragen - übrigens war mir da neben Telefonlisten, Notfallplan auch eine Erfahrung aus der unter Experten umstrittenen Expositionsübung sehr hilfreich. Ich wusste genau, es geht vorbei !!!
Ich weiß aber auch, dass ich es allein nicht geschafft hätte, heute hier so nüchtern und weitestgehend zufrieden zu stehen. Deshalb möchte ich noch einmal Danke sagen, Danke an das gesamte Salus - Team, insbesondere an meinen Therapeuten, Herrn Schneider, der mit seiner mühevollen Arbeit vor allem bewirken konnte, dass ich wieder an meine Stärken glauben kann. Danke an meine Freunde aus der Samstaggruppe des VAL in Berlin, die mir durch sehr klare Worte jede Woche wieder begreiflich machen, wie klein ich in meinem Innersten wirklich bin und was wichtig ist im täglichen Leben. Und die auch Fehler in meinem Verhalten aufdecken, bevor sie für mich zur echten Bedrohung werden. Mit ihnen konnte ich mittlerweile auch in der Freizeit erleben, wie schön gemeinsame Erlebnisse ohne Alkohol sein können. Übrigens ist auch das eine Erfahrung, an der ich vorher immer gezweifelt habe - geh in die Gruppen und deine Chance auf Trockenheit vervielfacht sich.
Danke an Herrn Bartmann, ebenfalls ehemaliger Salus-Therapeut, der mich bis heute therapeutisch begleitet und großen Anteil daran hat, dass ich mit Teilen meiner Vergangenheit einen anderen, besseren Umgang gelernt habe und mit den Tücken des Alltags besser klarkomme.



Meine Name ist Heinz,
ich bin Alkoholiker, so melde ich mich immer bei meinen Freunden in der AA, und seit ich mich so melde geht es aufwärts mit mir. Ich bin 50 Jahre alt, und darf seit 11 Jahren trocken sein, ich sage mit Absicht, darf, weil es eine Gnade ist, und weil ich es gern bin und kein armer Alkoholiker sonder gott sei Dank zu der Erkenntnis gekommen bin, einer zu sein. Meine Geschichte und das was letztendlich geholfen hat:
Ich wollte nicht mit dem Trinken aufhören, ich wollte nur nicht mehr besoffen sein, nicht mehr diese Filmrisse haben, mit den quälenden Fragen was war, was habe ich gesagt?, was habe ich gemacht? Diese sogen. Alkoholunfälle, so bezeichnete ich sie damals, brachten mich speziell an den Montagen zu den diversen Hilfeeinrichtungen. So rief ich schon mal beim Blauen Kreuz an, bei der Suchthilfe usw. Ich war dann auch fast 2 Jahre in der Suchtberatung der Stadtmission in Nürnberg, ohne trocken zu werden, ich dachte immer ich saufe weile ich mit soviel Druck nicht besoffen sein will und mir das ganze deshalb immer wieder entgleitet. Heute sehe ich das so, dass mein Dilemma war, dass ich noch nicht körperlich abhängig war, also in der Früh brauchte ich noch nichts um zu funktionieren, ich hatte allerdings keine Kontrolle mehr wenn ich mal in der Kneipe saß und 2 Bier trinken wollte und dann mit 6, 8 oder mehr und vielleicht noch ein paar Schoppen Wein hinterher heimging. Zum Schluß meiner Saufzeit hatte ich jede Woche 1-2 Filmrisse, heute sag ich Gott sei Dank haben die mich pyschisch so fertig gemacht, dass ich aufhören mußte, oder besser gesagt wollte. Denn das Wollen ist das wichtigste. Ich hab dann nach den sog. Montagen in meiner Verzweiflung immer eins draufgesetzt, war ich bisher in der Beratung so ging ich jetzt das erste mal zu den AA, allerdings sagte ich da noch ob ich Alkoholiker bin laß ich die Gruppe entscheiden. Ja und ich war auch gleich 3 Wochen trocken ohne körperlichen Entzug, und der festen Überzeugung, naja ein Alkoholiker bin ich nicht, die könnten das ja gar nicht so einfach aufhören. Ja und mit dieser Einstellung hab ich dann wieder hinlangen müßen, in der Gesellschaft als ich ein spendiertes Glas Rotwein nicht ausschlagen wollte, ja die Gesellschaft und dieses ob mich die anderen auch mögen, das hat mich viel saufen lassen. Im Jahr 1993 ging ich dann wieder in die AA, allerdings in eine andere Gruppe, der ersten Gruppe wollte ich meinen Rückfall (falls es ein solcher war, vielleicht war einfach noch weitersaufen erforderlich um das Ende zu finden) nicht erzählen. Da war ich dann mehrere Monate trocken, getrunken hab ich wieder bei einer Feier als ich eben nicht die Ausnahme sein wollte. Ja und da mußte ich dann trinken bis zu jenem legendären 30.12.1993, als ich die ganze Woche schon viel getrunken hatte. Ich war auf einem Geburtstag erzählte dem Pfarrer, dass ich das vergangene Jahr zum Blauen Kreuz gegangen bin, was gar nicht stimmte, es war ja die AA bei mir, und nächstes Jahr wieder gehe. Plötzlich rief meine Frau an und sagte ich muß heim zu den Kindern, was ich auch machte. Dies hat mir zwar einen weiteren Filmriss erspart, aber am nächsten Tag hatte ich so einen moralischen, dass ich fast den ganzen Tag mit der Telefonseelsorge sprach und nur noch den Wunsch hatte mit dem Saufen aufzuhören. Dieser Wunsch war dann so stark, dass er bis heute anhielt, und ich hoffe noch weiter anhält, ich hab in meinem Leben dann so viele Dinge gemacht, die mit Saufen nicht mehr möglich gewesen wären, viel Sport mein kreatives Hobby mit Holz, usw.. Ich hab natürlich auch mein Leben mal rückwirkend betrachtet und dabei festgestellt, dass ich schon als 16-jähriger mehr getrunken hab als andere um mir meine Hemmungen wegzusaufen, nur waren die Abstände zwischen den einzelnen Räuschen noch relativ groß, so dass ich lange brauchte bis ich zu der Einsicht kam, auf diesem Gebiet krank zu sein. Auch hat meine Familie, speziell Vater und Mutter keine gute Rolle dabei gespielt, mein Vater hat Wasser gepredigt und Wein getrunken, meine Mutter hat mir viel zu spät erzählt, dass mein Vater doch viel getrunken hat und dabei auch fürchterliche Auftritte hatte. Heute bin ich bei mir in der Firma Suchtkrankenhelfer und würde gern Leuten helfen, die in Anführungszeichen auch so saufen, wie ich gesoffen habe, vielleicht noch nicht körperlich abhängig, aber weit davon entfernt mit dem Alkohol noch gut umgehen zu können; denn speziell diese Gruppe sieht am wenigsten ein, dass nur die NULL-Lösung hilft. Auch wenn ich keine Entgiftung, keine stationäre Therapie brauchte, so war doch trotzdem der Alkohol so lange ich ihn konsumierte, ständiges Thema, ständiges Problem, ständiges Gedankenkarusell. In den Gruppen male ich mir oft aus, wie es wäre wenn ich wieder hinlangen würde, dass ich nicht beim ersten mal besoffen wäre, vielleicht auch nicht beim 2. mal; aber irgendwann wäre wieder der Filmriss da und alles was ich an Psyche aufgebaut habe wieder dahin. Ich lasse auch nicht den Satz gelten von der hinterfotzigen Krankheit oder ich armer Alkoholiker - hinterfotzig sind andere Krankheiten viel mehr und arm sind andere dran mit ganz anderen Leiden, ein Alkoholiker braucht nur eine Substanz wegzulassen, dann geht es ihm gut - sagen Sie das mal einem anderen Kranken. Die Annoymiatät selber ist mir auch ziemlich egal, wichtiger ist mir, dass ich nicht mehr hinlange, Sie dürfen mir gerne auch unter heinz.eigner@t-online.de antworten, das ist meine private Adresse oder abends unter 09107/1037 (tagsüber 0911/80258786) anrufen wenn Sie irgendwelche Fragen haben. Herzlichen Gruß Heinz Eigner


Ein Brief aus den USA
Meine Geschichte ist auch nicht viel anders, als die anderer Alkoholoker. aber trotzdem will ich sie erzaehlen. Mein Leben war in Ordnung bis ich mit 17 auf eine Jugendherbergstour ging, mit meiner Freundin. Wir lernten eine andere Reisegruppe kennen und gingen abends mit ihnen aus. Die Maedchen haben alle Limo getrunken, die Jungen Bier. Na, da musste ich es ihnen ja zeigen, dass Maedchen das auch koennen....und habe zum 1x in meinem Leben 3 Glas Bier getrunken. Die Folge davon war ,dass ich besoffen war und der 10 Jahre aeltere Mann aus der anderen Reisegruppe das aus genutzt hat. In einer Nacht habe ich beides verloren, meine Unschuld und meine Freiheit. Von da an habe ich getrunken, immer zuviel, bis ich stockbesoffen war. Niemals nur ein bisschen.
Mit dem Trinken kamen auch zuviele Maenner und Drogen. Irgendwie habe ich es geschafft von harten Drogen wegzubleiben. Wahrscheinlich weil ich Alkohol immer bevorzugt habe. Mit 19 habe ich meine grosse Liebe kennegelernt. Wir lebten 7 Jahre zusammen und aus Respekt fuer seine Religion habe ich nicht viel getrunken. Ja, sogar fast ganz aufgehoert. Aber als ich herausgefunden habe, dass er fremdgeht, war mein erster Gedanke und die erste Reaktion die Flasche.
Wir haben uns getrennt und Alkohol wurde meine 2. grosse Liebe, waehrend alle anderen Beziehungen zerbrachen, wurde unsere `Freundschaft` immer staerker. Ich zog um, weit weg von meinem Ex-boyfreund und meiner Familie, versuchte so einen neuen Anfang. Die Flasche zog mit, also gab es keinen neuen Anfang nur eine andere `Buehne`.
Mit 26 lernte ich in Bamberg amerikanische Soldaten kennen und ihren Lebensstil. Ich war sofort Feuer und Flamme. Nicht alle Soldaten trinken, aber viele. 1 Jahr lang habe ich jedes Wochenende gefeiert, nur dafuer gelebt. Ich und meine Saufkumpannin haben Wetten abgeschlossen wieviele Telefonnummern wir in einer Nacht bekommen. Total besoffen haben wir jeden Samstag eine Show abgezogen, fuer die die Soldaten in einem Stripclub bezahlt haetten. Aber wir dachten , dass wir so cool sind. Das endete abprupt als meine Freundinn an einem Samstagabend in einer dieser Bars einen Selbstmordversuch begang. Sie wurde in eine geschlossene Anstalt gebracht und ich sah sie nicht mehr oft.
Alleine waren die woechentlichen Sauftouren nicht mehr soviel Spass, aber ich konnte nicht aufhoeren. Also begann ich mich umzusehen nach einer ernsten Beziehung. Ich fand beides sehr schnell, an einem dieser Abende brauchte ich einen Ride nach Hause, weil ich mal wieder den letzten Zug verpasst hatte. So traf ich meinen Exehemann. Er fuhr mich an diesem Abend nach Hause und verschwand nicht mehr aus meinen Leben. Bis heute weiss ich nicht ob das gut war oder nicht, aber wir haben 2 Kinder zusammen, also muss es ja gut gewesen sein. Kurz danach fand ich raus dass ich schwanger war und hoerte sofort auf zu trinken. Wir hatten unsrere Probleme, aber irgendwie haben wir es geschafft 3 Jahre in Deutschland zusammenzuleben, und noch ein Kind zu haben. Ich war 30 als ich mit ihm und unsreren 2 Kindern nach Amerika ging. Weitere 2 Jahre habe ich es geschafft einigermassen nuechtern zu bleiben. Die Kinder waren noch klein und hielten mich staendig auf Trapp. Mein Exehemann beschloss ein LKW-fahrer zu werden und liess mich monatelang alleine. Alles konnte ich verkraften bis meine Eltern zu besuch kamen , mit ihrem abendlichen Genuss von Alkohol. Als sie nach 3 Wochen wieder nach Deutschland zurueckflogen, blieb ich alleine zurueck. Mein Ehemann , der jetzt ,Gott sei Dank,mein Ex ist, ging wieder auf die Strasse mit seinem LKW und ich hatte meine 2. grosse Liebe wiedergefunden, die Flasche. Nur diesmal waren es Dosen, da ich ja in den USA war. Ganz schnell war ich wieder da wo ich aufgehoert hatte und weiter. Jetzt begann ich auch schon morgens zu trinken um den Kater loszuwerden.Ich war sehr einsam und fing eine Affaere mit einem Nachbarn an, der auch sehr gerne trank. Auf dem Trip zum Kindergarten, den mein Sohn inzwischen besuchte, kaufte ich mir mein erstes Sixpack fuer den Tag. Nachts ging ich mit meinem `Lover` in Bars und liess meine Kinder alleine zu Hause. Eines Nachts kam ich zurueck und die Kinder hatten mich ausgeschlossen, also brach ich in meine eigene Wohnung ein und log nachher ueber das zerbrochene Fenster. Eines nachts kam ich um 3 Uhr nach Hause und eine Nachbarin stand vor meiner Haustuer. Sie hatte dort stundenlang gestanden, weil sie die Kinder weinen gehoert hat und sie nicht alleine lassen wollte. Sie hat mich nicht der Polizei gemeldet. Mein Exehemann bekam langsam mit, dass alles anders war und wurde gewalttaetig. Er hoerte auf LKW zu fahren und ich trank noch mehr. Eine Weile arbeitete ich 2 Jobs: Hausmeisterin tagsueber und Prostituierte nachts. Niemand konnte mich stoppen. Meine eigene Familie war weit weg und ueber meinen Ehemann habe ich gelacht, auch wenn er gewaltaetig war.
Wir zogen mehrmals um, trennten uns, zogen wieder zusammen. Seine Schwester hatte unsrere Kinder fuer 6 Wochen, weil wir keine Wohnung mehr hatten. Wir fanden eine Wohnung, bleiben ein Weile zusammen , stritten uns wieder, ich ging immer wieder fremd. 3x wurde ich verhaftetet weil ich in der Oeffentlichkeit betrunken war. Es war die Hoelle und Bier und Tequilla war immer dabei. Im Sommer 2000 starb mein kleiner Bruder in Deutschland. Er starb an den Folgen von zuviel Drogen und Alkohol. Fuer mich nur ein Grund mehr zu trinken. Inzwischen kannte ich natuerlich schon die furchtbaren Entzugserscheinungen die der Missbrauch von Alkohol mit sich bringt, also hatte ich immer irgendwo Bier versteckt. Unser Haus stank nach Bier. Mein Exehemann war machtlos. Mein anderer Bruder und seine Ehefrau kamen aus Deutschland um uns zu besuchen. Er ist auch ein Alkoholiker war aber damals schon jahrelang trocken. Er war der erste der mir sagte, dass ich ein Problem habe Und dass das Problem der Akhol und nichts anderes ist.
Neujahr 2001/2002 war ich am Ende. Wir hatten meinen alten Babysitter besucht und ich habe mich furchtbar mit ihm gestritten. Wir waren beide besoffen. Alleine zu Hause, meine Kinder und Exehemann blieben bei unserem Babysitter, setzte ich mich ans Telefon und rief alle Organisationen an ,die Hilfe am Telefon anbieten. Ein 24 Pack stand neben mir, aber das Bier schmeckte wie Uebergebenes fuer mich. Irgendwann in dieser Nacht wurde ich mit einer Frau von AA verbunden. Sie war kristallklar: HOER AUF ZU TRINKEN, DAS IST DEIN PROBLEM. Ich versuchte Entschuldigungen zu machen, warum ich trinke, aber sie machte mir klar , dass Alkohol mein groestes Problem und die Ursache fuer die anderen Probleme ist. Sie bot mir an, mich abzuholen und zu einem AA-Meeting zu bringen, wenn ich fuer die naechsten 24 Stunden nuechtern bleibe. In dieser Nacht trank ich mein letztes Bier bis zum heutigen Tage. Das 24 Pack habe ich spaeter mit dem Muell rausgestellt. Die Muellmaenner haben sich bestimmt gefreut. Die Frau holte mich am naechsten Abend ab und bei meinem ersten AA-Meeting hatte ich noch einen dicken Kater. Aber als sie mir den Token in die Haende gedrueckt haben und sagten:`Du musst nicht mehr trinken, wir helfen Dir,` sah ich zum erstenmal einen Hoffnungsschimmer. Zu Hause habe ich angefangen Puzzles zu machen und Handarbeiten um mich zu beschaeftigen. Fast jeden Abend bin ich zu Meetings gegangen. Bald darauf bot mir jemand einen Job an, und ich griff schnell zu. Nach 6 Monaten zog ich mit meinen Kindern von meinem Ex weg. Er war kein Alkoholiker aber er hatte andere Probleme. Jetzt bin offiziel geschieden, habe einen festen Job und manchmal ein Auto das faehrt. Ich habe immer noch Probleme, mit meinen Kindern und finanziell, aber nichts was sich nicht loesen laesst. Inzwischen bin ich auch in Deutschland gewesen, und habe meine Familie besucht, ohne zu trinken!!!! Wir alle trauern noch um meinen kleinen Bruder. Das leben ist kein Paradies, aber ich weiss eins ganz genau, wenn ich einen kleinen Schluck Alkohol trinke, lande ich direkt wieder in meiner selbstgemachten eigenen Hoelle. In AA sagen wir dass Alkoholismus progressiv ist, auch wenn man nicht trinkt. Ich moechte nicht rausfinden, wie weit fortgeschritten meine Krankheit inzwischen ist. Da ist Hoffnung fuer jeden Alkoholiker, gebe es zu und suche Hilfe. Fuer mich war es AA. Fuer andere kann es eine andere Gruppe oder Arzt sein. Das Wichtige ist dass man sich helfen laesst und aufhoert zu trinken.


Ike aus Belgien:
Aufhoeren mit trinken kann man vergleichen mit dem grossem Schoenmachen. Solange du nicht weisst wo du anfangen musst, oder willst, tust du nichts daran.
Aber einmal musst du beginnen denn so geht es nicht weiter. Um so motivierter du bist, um so besser die Resultate.
Der erste Schritt ist und bleibt der schwerste. Hast du ihn einmal gemacht ist es leichter, denn dann stellst du dir noch Fragen, Fragen die du dir zuerst nicht stellstest. Du siehst dein eigenes Ich zurueck.
Es ist nicht immer einfach, die schlechten Augenblicke werden durch die guten besser und diese koennen wir besser gut behalten. Je mehr du daran arbeitest um so mehr spass hast du daran.
Jetzt, so viele Monate spaeter, ist mein Leben total veraendert. Wenn ich weiter getrunken haette dann haette ich weiter ungluecklich gelebt. Aber jetzt versuche ich das beste daraus zu machen.
Ps: Ich bin noch nicht fertig mit dem grossen putzen, es wird noch eine weile dauern. Aber es faengt schon ein bischen an zu glaenzen.
Allen viel Kraft euer ike aus Belgien


Medizinerin:
Da ich selbst viel von Betroffenen gelesen habe ,kann ich vielleicht auch mit meinen Erlebnissen helfen. Als Medizinerin,die selbst beratend im Suchtbereich tätig ist, müßte man die besten Voraussetzungen haben... Je weiter ich mich in meine Suchtkarriere begab,desto weiter rutschte mein eigenes Wissen darüber weg- gewußt habe ich von Anfang an: dass ich Probleme habe mit kontrolliertenm Alkoholtrinken, dass ich meine Depressionen mit Alkohol bekämpft habe, dass ich mich zu erst mit Alkohol aufgeputscht habe,um noch mehr leisten zu können, dann meine Depressionen und Schlafstörungen damit bekämpft habe bis ich schließlich aus dem Leben scheiden wollte, eine außereheliche Beziehung anfing, einen schweren körperlichen Zusammenbruch hatte, nach antidpressiver und Psychotherapie wieder lebenfähig wurde, 3 Jahre mit Selbstheilungs- und vielen Abstinenzversuchen und vielen Ausflüchten herumlarvierte bis ich erneut einen Zusammenbruch erlitt, massive Probleme am Arbeitsplatz und zu Hause schließlich 2 Schlüsselerlebnisse (Führerscheinverlust im direkten Umfeld mit dem hautnahen Erlebniss,wie es mir hätte passieren können -Scham,Ärger...- und Verlust einer Freundin durch Krebstod ,ohne sie je wieder zu sehen,da stattdessen mit eigenem Suff und dessen Verdecken beschäftigt) die mich auf den" richtigen Weg" brachten,den richtigen Arzt (Arzt für Abhängigkeitserkrankungen) aufzusuchen,die Diagnose anzuerkennen, den Willen etwas dagegen tun zu wollen, ambulante Psychotherapie (Verhaltentherapeutische Alkoholismustherapie) und Gruppenanschluss und nun nach 18 Monaten Abstinenz,PT (Einzel-,Familien;Paar-) auf dem richtigen Weg, wachsam,das Leben mit der Familie genießend, mit gestärktem Selbstbewußtsein und guten Freunden,am Ball........... Umwege sind keine Irrwege sondern ein mehr an Erfahrung
Herzlichst
xxx


Pia:
Hallo! Hab ein bißchen im Internet gestöbert, Ihre Seiten gefunden und war ganz angetan. Ich wollte schon lange auch meine Geschichte in Kürze erzählen um anderen Mut zu machen! Ich hoffe es gelingt und ich würde mich freuen, wenn Sie sie in die "Sammlung" aufnehmen könnten... Hier ist sie:
Bevor ich anfange, stelle ich mich mal kurz vor: Pia heiße ich, bin 34, habe eine 8-jährige Tochter und bin von Beruf Fremdprachenkorrespondentin. Ich bin froh, dass eines Tages der Zeitpunkt kam an dem ich nicht mehr konnte und ich nur noch von dem Willen geleitet war, trocken zu werden. Vieles ist bis dahin passiert,Trennung/Tod/Krankheit/Arbeitslosigkeit/Zwangsräumung... ich könnte darüber viel erzählen, aber es waren nicht die Ursachen für meine Sucht, sondern nur die sichtbaren Symptome dafür, dass ich zutiefst unglücklich war.- Dies im übrigen eine Erkenntnis, die unter vielen anderen erst nach meiner Rückkehr ins Leben so richtig begriffen habe. Bevor ich einen Platz in der Klinik bekam, hatten wir einen erbärmlich heißen Sommer, 2003, man erinnert sich... Ich wußte ja, was mit mir los ist. Ich wußte auch, daß "alle" bescheid wußten, aber niemand ahnte, wie dreckig es mir ging. Wie entsetzlich das schlechte Gewissen gedrückt hat gegenüber meiner Tochter und meiner Familie; wie hilflos und verzweifelt ich war; wie ich mich vor mir selbst geekelt habe, wenn ich morgens gekotzt habe und in den Spiegel schauen mußte; wie ich mich geschämt habe, mit meiner Tochter auf die Straße zu gehen; wie mein Körper mir immer mehr signalisierte, daß er die Belastungen nicht mehr lange aushält... Im Grunde habe ich darauf gewartet, endlich umzukippen, endlich irgendwo eingeliefert zu werden damit die "anderen" begreifen, wie es um mich steht! Ich habe nicht gewollt, daß es mir schlecht geht, aber offenbar war es nötig, um mit mir gründlich aufzuräumen und mich und mein Leben wieder auf die Beine zu bringen und zu ändern. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das hinkriegen sollte, ich wußte nicht genau wohin ich wollte, ich wußte nur: So geht es nicht. Natürlich hatte ich Angst. Angst vor der Abstinenz, Angst vor Veränderungen, Angst davor, das alles aus mir heraus schaffen zu müssen, und das bei meiner Inkonsequenz auf allen Gebieten. Aufs Saufen dauerhaft verzichten zu "müssen" hieß für mich damals noch, keinen Spaß mehr zu haben. Immerhin hatte ich fast die Hälfte meines Lebens keine Party, kein Wochenende nüchtern verbracht! In der Entgiftung sah ich das erste Mal die Welt wieder in Farbe, buchstäblich. Ich freute mich auf den nächsten Sommer, die Vorstellung, mit eiskalter Apfelschorle im BIERgarten zu sitzen, reizte mich ungeheuer. Natürlich habe ich mich in einen Kollegen aus der Entgiftung verliebt, empfänglich wie ich nun mal für alles Schöne wieder war... Um es vorwegzunehmen, er fand in mir die "Liebe seines Lebens", dennoch habe ich mich von ihm noch vor Sylvester 2003 getrennt. Lieber Kerl, aber nix für mich. Tja, was habe ich in der Therapie gelernt? Zunächst einmal bin ich in einen geschützten Raum ohne Alkohol gekommen. Um mich herum eine Menge Therapeuten, Ärzte und Krankenschwestern, in meinem direkten Umfeld 11 Abhängige mit dem gleichen Ziel, vom Alkohol wegzukommen. Klasse Leute übrigens. Ich habe sehr schnell zu schätzen gelernt, wie viel Unterstützung man von Gleichgesinnten bekommen und wie viel man ihnen auch geben kann! Ich bin ganz allmählich zur Ruhe gekommen, der Therapieplan von Gruppengesprächen über Sport zu Ergotherepaie war recht voll und wie ich finde sinnvoll aufgeteilt. Ich sage nur:Speckstein! Ich und "therapeutisches Gestalten"... Allein dieser Begriff löst bei mir Beschwerden aus, und diesen und viele anderen zur Therapie gehörigen Ausdrücke kann ich nicht mehr hören! Glücklicherweise war ich körperlich völlig gesund, die Fettleber hat sich rasch erholt, ansonsten war ich schon immer sportlich gewesen und habe die Zeit in der Klinik genutzt, meinen Körper auf Vordermann zu bringen. Ich habe mich auf die Therapie gut einlassen können und viele Ansätze für die eigentliche, spätere "Therapie" in der Freiheit gefunden. Apropos Freiheit, die Empfindung, den Alkohol nicht mehr zu brauchen, also frei zu sein, ist die schönste Erfahrung für mich gewesen, und diese mache ich immer und immer wieder. Nun ja, alles geht aber auch nicht. So rauche ich immer noch und stelle es mir weit schwieriger vor, davon "glücklich abstinent" zu sein. Aber dies mehr so am Rande.... Wie lebe ich jetzt? Einen Tag nach Ende der Therapie habe ich einen neuen Job angefangen, mit dem ich rundrum glücklich bin. Ich hatte noch während der Therapie recht halbherzig eine Beziehung mit einem Kollegen aus meiner Gruppe begonnen (jawohl, noch nach der anderen Geschichte aus der Entgiftung), der in mir ebenfalls die Liebe seines Lebens sah. Warum es den beiden und dem davor (aus schlimmen Tagen) so ging, habe ich auch mittlerweile begriffen. Die Trennungen gingen sämtlich von mir aus. Ich war auch auf der Suche nach Liebe gewesen - die Form von Liebe, die mir diese Jungs durch ihre Anhänglichkeit, Bewunderung und ihre Fixierung auf mich unter Vernachlässigung von allem anderen in ihrem Leben gegeben haben, habe ich nicht ertragen. Es hatte auch Schlimmes zur Folge, worauf ich nicht eingehen möchte. Ich bin nach der Therapie brav jeden Donnerstag in meine Nachsorgegruppe gegangen, tue dies auch heute noch. Das ist gut und wichtig für mich; auch wenn ich dort nicht viel sage, weil es nicht viel zu sagen gibt, tut es mir doch geradezu unheimlich gut! Seit knapp 3 Monaten bin ich wieder verliebt und so glücklich wie nie! Er ist auch trocken, schon wesentlich länger als ich, "und das ist gut so..." Hätte ich alles nie gedacht. Es geht nicht mehr darum, keinen Alkohol zu trinken. Ich in in allererster Linie Pia und nicht Alkoholikerin. Es geht darum, jeden Tag an mir zu arbeiten. Meine Therapieziele werden immer die gleichen sein: Neinsagen, Grenzen setzen, auf mich achten und auf Signale aus meinem Unterbewußtsein und von meinem Körper zu hören. Mich ernst und wichtig nehmen, mich respektieren und - was viel schwieriger ist - achten und mich auch ab und an mal loben. Mir fällt immer noch schwer, mir als Leistung anzuerkennen, was ich erreicht habe - dabei ist das ja bei Licht betrachtet schon sehr viel! Wann bin ich geheilt? ist die Frage, die ich mir oft gestellt habe. Müßig, nach einer Antwort zu suchen. Gar nicht. Aber den Sinn meines Lebens habe ich gefunden: ich möchte glücklich sein und das Glück an meine Nächsten weitergeben. Ich möchte für mich und meine Tochter gut sorgen, meine Arbeit anständig machen und genießen, genießen, genießen. Nie wieder möchte ich, dass ein STOFF mich regiert, ich möchte selbst verantwortlich für mich sein können. Immer möchte ich Gefühle, Situationen, Eindrücke so wahr nehmen können, wie sie sind, ungetrübt und von Alkohol unbeeinflußt. Und es funktioniert! Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, die ich gerne und neugierig annehme. O nein, ich bin nicht immer glücklich, ausgeglichen, stolz auf mich. Das aber empfinde ich als gesund - so ist mein Leben nunmal. Wer will schon ewige Glückseligkeit? Ich nicht, nicht in diesem Leben. Das soll genügen, oder...? Ich wünsche Euch allen, die ihr es "noch vor Euch habt", viel Kraft und den Mut, Euch Euch selber zu stellen, so an Euch zu arbeiten, dass am Ende das Glück einkehren kann. Ich wünsche Euch, dabei gute Berater und Begleiter zu haben. Es ist ein fürchterlich abgedroschener Spruch aber er stimmt:
ES LOHNT SICH AUFZUHÖREN!!!


Tom:
Als ich abhängig wurde, war ich noch sehr jung, habe über Abhängigkeit nicht nachgedacht, dies „Bewusstlose“ hat wohl einen großen Teil meiner Gefährdung ausgemacht. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich froh gewesen wäre, hätte ich ehrliche, klare Rückmeldungen von anderen Menschen bekommen, was meinen Umgang mit Suchtmitteln betrifft. Leider gab es nur wenige Reaktionen. Ich schaffte mir aber auch recht zügig lästige Menschen wie Partnerin oder Arbeitgeber „vom Hals“, d.h. ich war meist Single (inzwischen bin ich verheiratet) und arbeitslos, oder doch nur „Bummelstudent“, u.ä. Ursachen für meine Sucht gab es wahrscheinlich viele, ich denke, da gibt es nie nur eine! Eine emotionale Vernachlässigung durch das Elternhaus mag mitgespielt haben (ich mache hierbei meinen Eltern keine Vorwürfe und schiebe keine „Schuld“ ab; sie sind nun beide verstorben: ich habe seit einiger Zeit meinen inneren Frieden mit beiden gemacht). Soziale Ängste haben ganz sicher eine große Rolle gespielt (Angst vor Menschen, Gruppen, Angst frei zu reden, u.ä.). Das ist übrigens heute VÖLLIG anders. Ich brauche keinen Alkohol mehr, um mit anderen Menschen zurecht zu kommen. Meinen ersten Kontakt zu Suchtmitteln hatte ich mit „Ende 15“, „Schluss“ war zwischen 30 und 32. Dazwischen wurde ich... irgendwann.... abhängig. Mein Suchtmittelkonsum hat sich eher langsam vermehrt, bzw. er wurde für mich sozusagen unmerkbar häufiger. Ich habe aber damals sehr viel konsumiert. Ich war Polytoxikomane (Mehrfachabhängig). Ich habe viel experimentiert. Nach wenigen Jahren war ich nur noch selten ohne Einfluss zumindest irgendeiner Substanz. Ich kannte Haschisch, verschiedene Medikamente, hatte einige wenige Kontakte zu LSD und sogar Heroin. In späteren Jahren konzentrierte es sich auf rezeptfreie Schlafmittel, Tranquilizer (wie Valium) und eben Alkohol. Eine nicht untypische Dosis für einen normalen Wochentag (nach langem Ausschlafen): sechs Halbliterflaschen Bier, ein Minifläschen Schnaps, eine „Halbmond“ (Schlafmittel) mit der letzten Flasche runtergespült. Das reichte zur Not. Ging aber nur wenn ich allein war und keinen Stress hatte. Ging ich z.B. am Wochenende unter Leute wurde es mehr (Kontrollverlust) und es kam evtl. auch mal anderes dazu (Wein, Valium, Haschisch - dies aber zunehmend seltener). Gar nicht mal „so wild“ möchte man evtl. meinen, aber ansonsten hatte ich nur noch wenige Interessen und Kontakte. Ich habe damals nie über viel Geld verfügt, sodass ich mir später öfter mal billigere Sachen (Sarabande und „Treppenschmeißer“ = 2 Liter - Flaschen billigen Wein, den habe ich dann oft gezuckert), kaufen musste, aus Kostengründen. Erst spät habe ich erkannt dass ich abhängig bin. Es ist schwierig sich das einzugestehen. Mit ca. 25 erhielt ich einen „Warnschuß“ (Zwangseinweisung in Entgiftung) – keine echte Reaktion von mir. Mit ca. 29 hatte ich ein Delirium – noch immer begriff ich nicht. Erst mit ca. 30 machte ich einen derartigen Blödsinn, das ich Angst bekam und mich auf den Weg in die zufriedene Abstinenz machte. Es hat demnach also nach dem ersten Suchtmittelkontakt 10 Jahre, nach dem ersten „Warnschuss“ noch ca. 5 Jahre gedauert, bis ich Hilfe gesucht habe. Ich habe deshalb Hilfe gesucht, weil ich Angst den Verstand zu verlieren und Angst andere Menschen ernsthaft durch meine Handlungen zu gefährden hatte. Hilfe bekam ich dann bei einer Selbsthilfegruppe (BLAUES KREUZ, Marl –Danke, Freunde!) in der qualifizierten Entgiftung in Herten, in der Entwöhnung in Fredeburg (Herr Prof. Wernado, Herr Dr. Klein: Ihnen beiden Dank !). In anderen Selbsthilfegruppen (z.B. Freiwillige Suchtkrankenhilfe Ludwigshafen, BLAUES KREUZ HASSLOCH, etc.). Auch Psychotherapie nahm ich in Anspruch. Die Therapie war nicht einfach. Schwierigkeiten bereitete mir zum Beispiel endlich mal die Klappe zu halten, zu begreifen, dass es um MICH geht, nicht um die Gesellschaft, irgend jemand anderes, nüchtern mit anderen Menschen zu reden und zu meinen eigenen Gefühlen zu stehen. Eine Sucht kann man auch trotz Therapie nie im üblichen Sinne „im Griff“ haben. Entweder man nimmt Suchtmittel oder man tut es nicht. Ein kontrollierter Genuss bleibt für Süchtige lebenslang unmöglich! Von der ersten Erkenntnis meiner Sucht bis zu einer Stabilität hat es bei mir etwa 2 Jahre gedauert. Aber danach war der Wiedereinstieg in mein „normales“ Leben gar nicht so schwer. Es gab viel Verständnis, ich entdeckte auch meine eigene Leistungsfähigkeit wieder (wobei Leistung allein nicht das Entscheidende im Leben ist) und entwickelte verschiedene –teils neue- Interessen, das war positiv. Jetzt lebe ich seit ca. 14 Jahren durchgehend zufrieden abstinent und ohne Schlaf-, Beruhigungs- und Aufputschmittel (exklusiv 2 Tassen schwachen Kaffees morgens). Aber dennoch gibt es natürlich Folgen meiner ehemaligen Sucht, die ich seitdem zum Stillstand gebracht habe. Ich habe mich damals sozial, medizinisch und insbesondere emotional stark geschädigt und meine persönliche Entwicklung zum Stillstand gebracht. Meine Umwelt: die habe ich zumindest wohl oft und stark „genervt“; Menschen die mir näher standen habe ich wohl auch bekümmert und traurig gemacht, wenn nicht Schlimmeres. Klar muss ich natürlich sagen, dass die Möglichkeit, dass ich wieder in eine Sucht zurückfalle bis an mein Lebensende besteht. Wenn ich das vergesse, bin ich schon wieder halb auf dem Weg nach unten! Ich rechne andererseits nicht mit einem Rückfall: der Kampf ist vorbei- ich habe verloren: nun ist es Zeit zu leben. Ich wüsste nicht warum ich trinken oder Pillen einwerfen sollte. Generell muss ich sagen, dass es meiner Meinung nach keine Suchtpersönlichkeit gibt. Es gibt Gruppen die etwas gefährdeter sind, aber JEDE/R kann süchtig werden, besonders wenn nicht früh genug gegen eine mögliche Sucht angekämpft wird. So früh wie irgend möglich. Letztlich schon nach der Befruchtung: die werdende Mutter sollte keinen Alkohol trinken, das Baby braucht genug ehrliche Liebe, usw. Abgesehen davon finde ich, dass unsere Jugend zuviel trinkt. Sie hat trinken nicht nötig. Menschen sind stark genug, ohne Alkohol das Leben zu meistern. Die Jugend ist nicht unfähiger als die früherer Zeiten und die Zeiten: die waren auch früher schon mal schlecht (vielleicht noch schlechter als heute): also- kein Grund zu trinken. Was ich schlimm finde sind diese Alcopops. Da werden Grenzen verwischt, die klar erkennbar bleiben müssen (Genuss, Sport, Entspannung, Alkohol), diese Getränken gehören gesetzlich verboten! Abschließend bleibt zu sagen, dass ich auf absolut der Meinung bin, dass sich unsere Gesellschaft doppelmoralisch zum Thema Alkohol verhält. Die Leistungsgesellschaft baut auf ähnlichen Prinzipien auf wie die Sucht, verurteilt diese aber. Weiterhin darf und soll jeder Alkohol trinken, Alkoholismus ist jedoch nach wie vor eher etwas Peinliches (nicht mehr überall ist es so- glücklicherweise). Abschließend möchte ich sagen, dass bei mindestens 5 – 10 % der Alkoholabhängigen in der Bevölkerung (und deren Angehörigen) die Regierung in Hinsicht auf das Thema Sucht zu wenig aufmerksam ist und sich zuwenig darum kümmert.


Thorsten:
Ich heiße Thorsten und bin seit 8 Jahren trocken. Kurz zu meiner Geschichte, ich bin 42 Jahre alt und habe ab meinem achtzehnten Lebensjahr getrunken.
Die ersten Jahre hat mir das Trinken geholfen, meine Ängste zu überwinden. Ich habe versucht, Gefühle völlig aus meinem Leben zu verbannen. Bis auf Wut und Angst ist es mir auch gelungen.
Zum Ende meiner Saufzeit habe ich nur noch Wut empfunden und war extrem aggressiv. Allerdings bin ich nie körperlich gewalttätig geworden, sondern habe mit Worten " zugeschlagen", was oftmals viel schlimmer war.
Durch einen Lärmschock während meiner Arbeit habe ich mir einen Tinitus eingefangen.
Da dieser mich sehr belastet hat (um es vorsichtig auszudrücken), habe ich eine Rehamaßnahme beantragt. Als diese bewilligt wurde, bin nach Bad Salzuflen zur Kur gefahren, natürlich volltrunken.
Nachdem ich untersucht worden war, musste ich zum Oberarzt der Klinik. Dieser legte mir einen Vertrag vor, in welchem ich mich verpflichten musste, während meines Klinikaufenthaltes nicht zu trinken. Ansonsten würde er mich zur Entgiftung in eine Suchtklinik schicken. Zu meinem Schutz, wie er sagte. Also unterschrieb ich diesen Vertrag. Da ich mich bis dahin immer an geschlossene Verträge gehalten habe, tat ich es auch in diesem Fall. Das bedeutete, dass ich das erste Mal seit 15 Jahren keinen Alkohol getrunken habe und zwar über einen längeren Zeitraum.
Meinen Entzug habe ich in einer Kneipe in der Nähe der Klinik gemacht. Die nächsten vierzehn Tage habe ich jeden Abend in der Kneipe verbracht, habe die Flaschen angestarrt, gezittert, geschwitzt und eine unglaubliche Wut auf mich und diese Flaschen empfunden.
Anstatt vier Wochen, blieb ich zehn Wochen in der Rehaklinik. In dieser ersten Zeit meiner Trockenheit bin ich fast " abgedreht". Alle Gefühle, die bis dahin verschüttet waren, kamen an die Oberfläche. Ich glaube in tausend Puzzleteile zu zerspringen und war völlig und Panik. Die Ärzte gaben mir Beruhigungsmittel um mich überhaupt nach Hause schicken zu können. In dieser Zeit begriff' ich das erste Mal, dass ich ein Alkoholproblem hatte. Ich beschloss mit dem Trinken aufzuhören.
Zu Hause angekommen, habe ich mir noch ein " Besäufnis gegönnt". Am nächsten Tag rief ich bei den AA's an. Über die LVA bekam ich eine Langzeittherapie bewilligt und ging für vier Monate in den Hansenbarg. Dort habe ich viel gelernt, über meine Vergangenheit, meine Eltern und mich selbst natürlich.
Nach der Klinik habe ich mein Leben völlig umgekrempelt, habe Freundschaften auf ihre Tauglichkeit geprüft und die meisten beendet, da sie mir geschadet haben. Von meiner damaligen Partnerin trennte ich mich auch. Das Ganze war ein absoluter Neustart. Einige Zeit besuchte ich noch die AA's, nach einiger Zeit fühlte ich mich bei ihnen nicht mehr wohl und ging nicht mehr hin. Mit Hilfe eines Verhaltenstherapeuten versuchte ich meine Ängste in den Griff zu bekommen, mit nur mäßigem Erfolg.
Da ich keine Gruppe mehr besuchte, und der Therapeut auch nicht half, wurden die Ängste und Wut wieder sehr stark. Um nicht zu saufen, ging ich für eine zeitlang wieder zu den AA's. Aber das Unwohlsein war so stark wie zuletzt, also blieb ich wieder weg. Wut und Angst wurden immer stärker und meine neue Partnerin stellte unsere Beziehung in Frage.
Ich liebe meine Frau sehr, also suchte ich nach einer Alternative zu den AA's. Ich fand sie bei Elas. In dieser Gruppe fühle ich mich zu Hause und geborgen. Freunde aus dieser Gruppe gaben mir den Rat in die Suchtambulanz eines Krankenhauses zu gehen um mit einem Therapeuten zu sprechen, welcher mir bei der Suche nach einer geeigneten Therapie weiterhelfen würde.
Also ging ich in die Suchtambulanz und hatte Riesenglück. Die Therapeutin, mit der ich sprach, bot mir eine Langzeittherapie an. Ich bin heute noch bei ihr in Behandlung und lerne ganz langsam mit meinen Gefühlen zu leben. Das Leben ist trocken wesentlich schwerer als "breit", aber ich bin glücklich über jeden Tag den ich klar denken kann. Ich habe eine tolle Frau und eine elfjährige Tochter, außerdem habe ich eine Umschulung bewältigt, neue Arbeit und neue Freunde.

Es lohnt sich auf alle Fälle mit dem Saufen aufzuhören.


Bernd (Auszug aus seinem Buch):
...Leider begann in dieser Zeit auch die Geschichte meiner Krankheit. Vorausschickend muss ich sagen, dass ich im Grunde ein unglaublich schüchterner und zerrissener Mensch bin. Das hat manchmal nicht den Anschein, aber wie Sie wissen, bin ich ein Meister im Tarnen und Täuschen.

Nicht einmal meine Frau wusste lange Zeit, dass ich unter heftigen Panikattacken litt, die es mir zeitweilig unmöglich machten am Leben und an der Musik, was für mich dasselbe war, teilzunehmen.
Begonnen hatte dies, im schon erwähnten Cafe Waldhorn, wo ich mir nach einer ziemlich heftigen Nacht einen Kaffee genehmigte. ( Nebenbei bemerkt, die letzte Tasse, die ich in meinem Leben zu mir genommen hatte.) Plötzlich hörte ich sämtlich Laute wie aus weiter Ferne, mit starkem Echo.
Da ich der Meinung war, in aller Öffentlichkeit das Bewusstsein zu verlieren, und mir nichts peinlicher erschien, verließ ich fluchtartig das Lokal.
Ich erreichte mit Müh‘ und Not die elterliche Wohnung, wo ich mich aufs Sofa legte, meine Mutter nach dem Notarzt schickte und in der Zwischenzeit darauf wartete, zu sterben.
Ich war felsenfest davon überzeugt, dass meine Uhr abgelaufen war, zumal ich am ganzen Körper vollkommen gefühllos war. Das ist die Kälte die sich beim Sterben so von unten heraufschleicht.
Zu meinem Pech hatte an diesem Sonntag ausgerechnet ein Neurologe Notdienst. Das sind die Schlimmsten!
Nach einer kurzen Untersuchung stellte er seine „Diagnose“: „ Frau Kleiner, Ihr Sohn ist Alkoholiker und das Ganze sind nur Entzugserscheinungen.“ Na Bravo! Da ich ein kluges Kerlchen war, wusste ich, dass man in diesem Fall nur nachschütten musste, und die Beschwerden sind wenigstens zeitweilig weg.
Falsch gedacht! Das Ergebnis war, dass ich von nun an betrunken und panisch war. Immerhin verhalf mir der gute Doktor auf diesem Wege wenigstens noch zu einer körperlichen Alkoholabhängigkeit.
Da hatte die Krankheit einen Namen. Er konnte schließlich nichts dafür, dass Panikattacken zu jener Zeit (genau wie Salmonellen und dreistimmiger Satzgesang) noch nicht erfunden waren. 
So erfand ich neben erwähntem Satzgesang auch die Panikattacke, was mich aber nicht sonderlich stolz macht.
Reiß dich doch mal zusammen, das war eine der normalen Unmöglichkeiten, die ich täglich zu hören bekam.
Trotzdem musste ich weiterhin Musik machen. Wir hatten schließlich Verpflichtungen. Wie ich das damals gemacht habe, ist mir schleierhaft.... Ich möchte mich auf diesem Wege bei meinem Freund Hebbe bedanken, der oft für mich einsprang, wenn ich vom Alkohol in die Knie gezwungen wurde.
Einen Ausweg sah ich nicht, außer vielleicht, mich selbst zu entleiben. Das habe ich tatsächlich mal versucht. Gott sei Dank war das Abschleppseil mittels dem ich mich erhängen wollte, zu lang. Die einzigen körperlichen Schäden die ich davontrug, waren aufgeschlagene Knie. Von den psychischen Schäden wollen wir nicht reden.
Das Ganze schleppte sich dann bis zu meinem 27 Lebensjahr dahin, und ohne die Hilfe meiner Frau hätte ich es wahrscheinlich nicht überlebt.

Eines Abends hatte ich die Wahl zwischen einem Sprung aus dem Fenster und einer Entgiftung. Ich entschied mich für letzteres. Grund dafür war, dass meine völlig verzweifelte Frau sämtlichen Alkohol im Ausguss entsorgt hatte. Leider fand ich bei meiner Großmutter nur einen alkoholfreien Wein und war der Verzweiflung nahe, weil dieses Gesöff nicht zündete!
Am nächsten Morgen (fragen Sie nicht nach der Nacht!) bestellte ich den Notarztwagen - zwei Straßen tiefer-, damit die Nachbarn nichts merken sollten, und wies mich selbst ins PLK nach Winnenden ein. Was ich dort in diesen 2 Wochen erlebte, brachte mich zu dem Entschluss, lieber mit einem Skateboard die Niagarafälle hinunter-, als dort noch einmal freiwillig hineinzugehen.

Ein halbes Jahr später fing ich dann noch eine Therapie in Bad Tönisstein in der schönen Eifel an.

Leider waren Panikattacken auch dort noch gänzlich unbekannt, und als man mich schließlich verdächtigte, ich würde heimlich trinken oder Drogen nehmen, wollte man mich wieder in die Psychiatrie einweisen. Ich habe mich schließlich selbst entlassen, was ich nie bereute.

Sporadische Panikattacken sind mir bis heute geblieben, aber Dank autogenen Trainings und ärztlicher Unterstützung bin ich bis heute in der Lage meinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.
Der Gemeinschaft bin ich jedenfalls nie zur Last gefallen. Das ist doch immerhin etwas.
Ich habe es sogar geschafft, die ganze Welt zu bereisen, was für mich früher im Reich der Illusionen angesiedelt war.


Mike (Auszug aus meinem Buch - geschrieben im Sommer 2002):
Vor etwa vier Jahren war ich so ungefähr am Tiefpunkt meiner zweiten Ehe (und vielleicht meines Lebens!?) angekommen, dem Tode näher als dem Leben. Ich litt an erheblichem Übergewicht, starkem Bluthochdruck, Herzschmerzen und akuter Infarktgefährdung, Depressionen, Angstzuständen, Allergien, war zutiefst unglücklich (ohne dies jedoch wahrnehmen zu können) und soff stark. 

Ich begann (wieder mal) eine Psychotherapie, schon die dritte oder vierte (die erste bereits vor 20 Jahren während meiner ersten Ehe), aber diesmal hatte ich wohl Glück - und die (für mich) "passende" Therapeutin gefunden. 

Nach anfänglicher Orientierungslosigkeit musste ich dann vor etwa drei Jahren erkennen, dass eine schreckliche Krankheit sich meiner bemächtigt hatte - ich bin Alkoholiker - suchtkrank. Ich entschloss mich, in eine Selbsthilfegruppe, zu den Anonymen Alkoholikern ("AA") zu gehen. Es war ein schwerer Gang, ich setzte mich dort an den Tisch und sprach es zum ersten Mal aus "Ich heiße Mike, und ich bin Alkoholiker". Doch das zu sagen und es wirklich im Inneren zu glauben, sind zwei "paar Schuhe". Ich habe fast ein Jahr gebraucht, um auch innerlich für mich davon überzeugt zu sein. Heute weiß ich es. 

Habe also vor drei Jahren angefangen, gegen die Sucht zu kämpfen. Bei AA habe ich viel gelernt, über mich, über das Leben, über die Menschen, über den (wahren) Wert des Lebens. Auch traf ich dort Leute, die ich vorher nicht mit dem Arsch angeguckt hätte, und lernte von ihnen. Und lernte sie schätzen, lernte, ihnen - teilweise - mit Hochachtung und Bewunderung zu begegnen. 
Wenn jemand als Alkoholiker "ganz unten" ist, ein Wrack, ohne Wohnung, ohne jeden gesellschaftlichen Halt, verwahrlost und körperlich total fertig, kurz vor dem Exitus und es dann schafft, aus eigener Kraft - mit Hilfe einer Gruppe - zu sagen "Ich möchte mit dem Saufen aufhören, ich will leben", das dann auch packt und ins Leben zurückkehrt, das ist eine Leistung!! 

Wenn man so etwas sieht und lernt zu verstehen, dann erscheinen einem dagegen die Dinge von Geld, Macht, Erfolg, Prominenz u.ä., die in der "normalen" Welt immer so große Bedeutung haben nur noch klein und nebensächlich.

Ich lernte bei AA unter anderem, dass ich nur eines (wirklich) MUSS in diesem Leben, nämlich sterben eines Tages. Alles andere kann ich so ziemlich selbst bestimmen. Was ich möchte oder nicht. Was mir gut tut oder nicht.
Auch lernte ich, dass ich auf der Welt bin, damit ich mich um mich selbst kümmere und nicht (immer nur und zuerst) um andere. Das hört sich zunächst sehr egoistisch und "unsozial" an, jedoch - das Gegenteil ist der Fall! Erst wenn ich gut zu mir bin und ehrlich mir selbst gegenüber, nach meinem Gefühl handele, ein gutes Gefühl mir selbst gegenüber habe, dann - und erst dann !! - bin ich fähig zu echtem Sozialverhalten und (MIT-)Gefühl anderen gegenüber.

Es gibt noch viel zu sagen und zu erzählen über dieses Thema. Das ganze hat ja auch eine spirituelle Seite. Wir sprechen bei AA von der "höheren Macht", nicht vom (Kirchen)Gott oder Allah o.ä. Dabei bleibt es jedem selbst überlassen, wie er "seine" höhere Macht für sich definiert oder ob überhaupt. "Meine" höhere Macht nenne ich den "Großen Geist" (wie die Indianer!?), den Großen Geist in allem und in uns allen. 

Diese Organisation AA hat für mich etwas faszinierendes. Dort habe ich zum ersten Mal die echte Verwirklichung der Ideale aus der französischen Revolution erlebt. Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit, dort an den Tischen von AA - da sind diese Dinge Realität.

Ich war jedenfalls in der Lage vor drei Jahren, als ich in die Gruppe ging, zum ersten Mal in meinem (Erwachsenen-)Leben mit dem Saufen aufzuhören. Hatte diverse Rückfälle, bin aber immer wieder zur Trockenheit gekommen. Habe gelernt, die Angst zuzulassen, damit sie (freiwillig) geht, die Schlaflosigkeit und diesen fürchterlichen Entzug durchzustehen, das ganze Säuferelend, immer wieder. 

Vor zwei Jahren fing ich an zu schreiben. Keine Ahnung mehr, wie ich darauf kam. Eine Art Tagebuch. Ich schrieb, meistens nachts, wenn ich nicht schlafen konnte, was mir so einfiel. Erinnerungen aus dem Leben, der Kindheit, Dinge, die gerade passierten, alles was mein Kopf (oder Bauch!?) gerade "produzierte". Sind schon über 80 Seiten. Später dann faszinierten mich Bilder, Fotos, was ich so gerade fand, meist im Computer, im Internet. Dann fielen mir Sprüche oder Sprichwörter ein zu den Bildern und zuletzt dann - Gedichte. Ich konnte es selbst kaum fassen, was da passierte mit mir, in mir.

Seit der Trennung von meiner (zweiten) Frau hat sich die Trockenheit stabilisiert, kommt jetzt von innen heraus, aus dem Gefühl, dem Bauch oder so. Bin sehr glücklich darüber, genau so hatte ich mir das immer gewünscht. Seit ziemlich langer Zeit spüre ich schon sehr oft überhaupt kein Bedürfnis mehr nach dem "Stoff", denke manchmal über Tage gar nicht mehr dran. Konnte also schon ein bisschen mit dem Kämpfen aufhören. Es ist schön, muss ich sagen! Ich lebe gern! Wieder. Und ich bin dankbar. Sehr sogar. Das Leben ist gut zu mir.

Der Zusammenhang mit der Trennung von meiner Frau heißt aber keinesfalls, dass sie "schuld" ist an meiner Krankheit. Unsinn! "Schuld" (ist eh ein blödes Wort) - besser: VERANTWORTLICH bin ich allein. Für mich und für mein Leben.

Habe auch lange Zeit gehadert mit meinem Schicksal (80 Millionen verdammte Deutsche, aber ausgerechnet ICH muss ein Scheiß Alkoholiker sein etc....). Aber heute bin ich fast glücklich irgendwie. Die Krankheit hilft mir. Wenn der Saufdruck kommt, weiß ich, dass etwas nicht in Ordnung ist, etwas gegen mein Gefühl, gegen meine ureigensten Interessen läuft. Dann muss ich etwas ändern. An meinem Leben, an der Situation, die gerade "ist". 

Habe schon viel geändert, aber es gibt noch genug zu tun, genug, was ich noch für mich ändern möchte. Geht alles nicht so schnell, da braucht es Geduld. Das lernte ich auch bei AA, die 3 wichtigsten Sachen für einen Alki, die 3 G's: Geduld, Geduld und noch mal Geduld! Das "Gebet" der AA's (am Ende jeden Meetings stehen wir auf, fassen uns im Kreis an den Händen und sprechen es zusammen) geht so: 

Gott gebe mir 
die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und
die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

Alles Dinge, die für den "Rest der Welt" auch taugen oder passen würden, sehr gut sogar, sehr hilfreich auch. 

Aber der Rest braucht ja nicht, ist ja nicht süchtig oder krank ! Oder doch vielleicht??


Stephan:
Ich trank seit ich 17 Jahre alt war mehr oder weniger regelmäßig. Gern und viel je nach Gelegenheit. Ich wurde mit 17 Jahren damit konfrontiert, dass ich vermutlich nicht alt werden darf. Eine Erbkrankheit im meiner Familie veranlasste mich mich bereits in diesem Alter sterilisieren zu lassen. Die Wahrscheinlichkeit zu erkranken lag damals bei ca. 50 zu 50 Prozent! Sie stieg jedoch mit der Zeit durch ein Weiterkommen in der Forschung.
Ich sah meinen Vater elendig verrecken, meine Schwester starb vor Jahren ebenso erbärmlich und mein Bruder ist mittlerweile auch erkrankt. Für mich war klar: ich werde nicht alt und auch ich werde elendig verrecken; also kann ich rauchen und saufen denn dann gehts bestimmt auch schneller. Vor ca. zwei Jahren dann (die Forschung war endlich soweit) konnte ich meine Gene darauf überprüfen lassen ob ich Genträger.
Nach langem Kampf entschloss ich mich dazu. Ergebnis: kein Genträger, ich kann alt werden ! Was sagte mir der Arzt bei Eröffnung des Untersuchungsergebnisses: "Ich habe eine gute und eine schechte Nachricht für Sie ! --- Ich: "?????? " Die gute ... Sie sind kein Genträger! << - die schlechte .... Sie werden nach über 20 Jahren mit dem Gedanken lebend eine harte Zeit erleben damit fertig zu werden <<< Wie recht er hatte.
Statt mich zu freuen begann ich jetzt gezielt zu trinken, mehr und mehr. Wollte ich auf jeden Fall sterben ?? Hatte mich doch soooo lange und so gut darauf vorbereitet!
Dann kam der Tag an dem ich feststellte, dass der Alkohol mein Leben bestimmt, meinen Tagesablauf, meine Gedanken..... Mit meiner Tochter unternahm ich fast nichts mehr, blieb lieber allein als auf Feiern mit "Freunden" zu trinken oder ging eher als alle anderen nach Hause -  denn nur allein konnte ich soviel und so schnell trinken wie ich wollte !!!!
Noch in in der gleichen Nacht dieses Tages (Nachschicht) eröffnete mir ein lieber Kollege, dass er Alkoholiker sei und jetzt mit dem Trinken endlich aufhören wolle mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker (AA). Ich begann zu weinen; er hatte mir einen Spiegel vorgehalten; wir unterhielten uns noch lange in dieser Nacht. Morgens schüttete ich zuhause angekommen alle angefangenen Flaschen Alk. weg und nahm mir vor schnellstmöglich einen Arzt und eine Gruppe der AA´s aufzusuchen. Ich outete mich im Kollegenkreis, beim Chef und im Freundeskreis als Alkoholiker und mir ging es gut dabei; eine Last fiel mir vom Herzen und ich schnitt mir vermeintliche Hintertüren ab.
Ich ging zum Arzt, noch am gleichen Abend zum ersten AA-Meeting.
Es sind erst vierzehn Tage ohne Alkohol, doch die Gruppe gibt mir Zuversicht, mein Kopf ist klarer, alle Probleme sind noch die gleichen wie zuvor, aber ich fühle eine gewisse Stärke in mir. Je klarer ich werde, je zuversichtlicher werde ich. Habe keine Angst vor dem Rückfall solange ich in die AA-Meetings gehe. Sollte es tatsächlich sooooo..... einfach sein ??? Ich weiß es noch nicht, aber ich habe in meinem Leben schon so viel geschafft, das schaffe ich auch !
Möchte euch allen, auch Angehörigen Zuversicht geben mit meinen Zeilen ! Macht nur diesen einen ersten Schritt, sucht Menschen die euch in jedem Falle verstehen, geht zu den AA´s oder auch anderen Gruppen. Ihr werdet so herzlich aufgenommen, werdet feststellen, dass ihr Freundschaft bekommt ohne jede Erwartung ! 
Ihr geht in einen Selbstbedienungsladen, nehmt daraus mit was euch gefällt, lasst einfach dort, was ihr nicht braucht und..... am Ausgang steht nicht mal eine Kasse ! 
(Zitat eines AA-Freundes in meinem 1. Meeting)  - in diesem Sinne, mach den 1. Schritt !!!


Ludger:
Nun, nach ca. sieben Jahren Trockener Alkoholiker denke ich, auch etwas zu diesem Thema sagen zu können, da es nicht selbstverständlich ist, diese Trockenheit zu schaffen. Ich bin jetzt 60 Jahre als und habe von meinem 18 Lebensjahr an regelmäßig (Pegeltrinker) gesoffen.
Bis zum 40 Lebensjahr ging alles normal gut aber die Abhängigkeit wurde immer deutlicher Trotzdem war noch keine Einsicht vorhanden,. Meine Frau hatte mich dann irgendwann im Jahre 1985 nachts, als ich besoffen nach Hause kam, ausgesperrt und ich war froh, endlich die Meckerei zu Hause nicht mehr hören zu müssen und konnte gleichzeitig beruhigt ausziehen, da meine Frau mich ja heraus geworfen hatte.
Danach folgten über 30 Endgiftungen, 3 Therapien und seit 1988 regelmäßiger Gruppenbesuch.
Trotz der regelmäßigem Gruppenbesuche kamen immer wieder Rückfälle, da ich mein normales 
Leben noch nicht geändert hatte. Da ich als Geschäftsmann und selbstständig, viel auf Geschäftsreisen war, war es sicher auch nicht einfach.
Trotzdem hatte ich im Jahr Rückfälle a ca. acht Tage und dann immer ca. acht Tage Krankenhaus.
Letztendlich haben mir die Gruppenbesuche, AA geholfen und auch gute Freunde außerhalbn der Gruppe
Ich musste schon einen langen Weg gehen, der aber nie mehr rückwärts sondern immer vorwärts ging nach dem ersten Besuch der Gruppe und der Absolvierung der Therapien.  Ich bin immer noch selbstständig, finanziell wieder sehr sehr gut situiert und kann nur jedem empfehlen, einfach mit dem Gruppenbesuch anzufangen und damit nicht wieder aufzuhören. Es lohnt sich wirklich und das Leben war noch nie so schön, die Freunde so life real und das Leben ebenso real. Ich bin heute froh und dankbar, dass ich diesen Weg gehen durfte, denn mein Leben ist einfach pur authentisch und damit auch für meine Freunde voll akzeptierbar.


Ruby:
15.08.2003

Heute Morgen bin ich durch den Wald gelaufen und habe geheult vor Glück........... Das hat mich dazu veranlasst diese Zeilen zu schreiben. Vor einem knappen Jahr bin ich morgens durch den Wald gelaufen (ging immer wenn der Alkoholexzess nicht zu schlimm war am Abend zuvor) und habe geheult vor Angst. Ich habe geschlottert, gebetet "wenn es da irgendetwas gibt....bitte hilf mir ich weiß nicht mehr weiter". Am Nachmittag des gleichen Tages bekam ich einen Anruf von einem Bekannten, ob ich nicht einen Job übernehmen wollte. Einen tollen Job, gut bezahlt, flexible Arbeitszeiten und... für mich ein absoluter Knackpunkt ...ganz eigenverantwortlich. Wie sollte ich das denn schaffen? Wo ich morgens nie genau wusste, wann ich das erstemal alkoholgeschwängert aufs Sofa fiel um zu schlafen. 
Geregelte Arbeitszeiten waren wichtig, im Job habe ich nie getrunken, auch wenn ich morgens bei Arbeitsbeginn selten "durch" war. Trotzdem ich sagte zu, hatte das Vorstellungsgespräch (davor nur zwei Glas Wein und viel Pfefferminz).......ich hatte den Job. Jubel.......und jetzt?
Ich kramte den alten Zeitungsartikel über kontrolliertes Trinken raus. Wunderbar, Infoveranstaltung nächste Woche. Da gehe ich hin und dann....Morgen hör ich auf……Nein, das war nicht mein Weg. Viel zu anstrengend für mich und nicht zu leben. Ich weiß und wusste seid Jahren, wenn dann muss ich ganz aufhören. Abstinenz.......mein Leben lang... welche fürchterliche, wahnsinnige und doch auch so beruhigende Vorstellung. Aber es ist mein Weg und ich wusste es seit Jahren.
Ich komme aus einer sogenannten Suchtfamilie. Mein Vater hat sich tot gesoffen (war nie besonders schade drum )...mein Bruder ebenfalls Alkoholiker mit nur 42 Jahren viel zu jung und auch viel zu lieb zum Sterben. Meine Mutter nach Jahren mit Kaffee und 60zig Zigaretten am Tag im Alter von 50. an Speiseröhrenkrebs verstorben. Viel zu früh und weiß Gott kein schöner Tod.....ich wusste schon früh, das wollte ich alles nie....und doch. Da war ein Band, eines dieser widerlichen Gummis die stinken und kleben wenn ich sie anfasse. Es hatte mich im Sog. Mein Leben war geregelt, lieber Mann, liebe Kinder, schönes Haus auf dem Land und doch.....es zog mich immer nähere heran....an die Angst, das Grauen, das Verderben. Hört sich schon sehr theatralisch an, aber es ist für mich nicht anders zu beschreiben. Ich habe gesoffen und hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Ich konnte nicht aufhören und wusste nicht mehr was ich tun sollte.
Den Morgen beim Laufen habe ich vor Angst geweint, geschlottert und das Grauen gespürt. Am 24. Oktober 2002 habe ich nach einer Jägermeistersession den letzten Alkohol getrunken. Bin die Woche drauf zu einer Beratungsstelle gegangen und mache seit  Anfang Mai eine ambulante Therapie. Ich bin trocken, mein Leben ist nicht mehr so geordnet es hat sich viel verändert, ist nicht leichter geworden…aber auch das gehört dazu.
Heute Morgen habe ich vor Glück geweint, ich habe die Angst überwunden. Sie ist nicht weg und ich schau ihr oft in die Augen, aber ich bin nüchtern und dann bin ich stark und komme gegen sie an. Alkohol macht schwach, kaputt und Angst….und Angst frisst Seelen auf. 


Gloria: 
Ich selbst nenne mich jetzt mal Gloria, bin seit 30 Jahren AA und abstinent. Ich bin Angehörige und Betroffene und hätte ich damals nicht liebe Menschen gefunden, die mir geholfen haben, meine alkoholkranke Mutter zu ertragen, hätte ich vielleicht längst aufgegeben und wäre nie dahintergekommen, dass man auch nach kurzer Trinkzeit und geringen Mengen schon auf dem Weg in eine Abhängigkeit sein kann, denn ich bekam wegen reaktiver Depressionen starke Medikamente. Irgendwann wollte ich diese nicht mehr, geriet in einen furchtbaren Entzug, von dem ich heute weiß, dass er lebensgefährlich war. Und dann kam der Alkohol, ganz leise, Schluck für Schluck, denn ich wollte doch nur meine Ängste loswerden. 
Ich wollte meine Mutter bei einem AA-Meeting entschuldigen, denn sie hatte mich darum gebeten. Ich suchte Hilfe für sie und fand sie für mich. 
Ich fand Liebe und Wärme, wie ich sie niemals erlebt hatte. Nachdem ich zwei Monate lang Trinksysteme aufgebaut hatte, nach denen ich meine "Medizin" nahm, die mir letztlich doch nicht half, habe ich den Tot meiner Großmutter zum Anlass genommen herauszufinden, ob ich meine Probleme ohne Alkohol lösen kann, denn Bruno, mein AA-Freund hat mir gesagt, dass wenn ich meine Probleme nicht ohne Alkohol lösen könnte, ich möglicherweise Alkoholikerin werden könnte und genau das wollte ich nicht, denn die Sorgen mit meiner seit 26 Jahre trinkenden Mutter, waren gerade groß genug. Als Omi beerdigt wurde, habe ich gesagt, dass ich heute nicht trinken will und dabei ist es geblieben. Ich habe die schlimmsten Stunden meines Lebens mit nüchternen Alkoholikern überstanden, ohne trinken zu müssen, oder auch nur eine Tablette zu nehmen. Mein Mann starb, nachdem er nach 12jähriger Abstinenz wieder anfing zu trinken mit nur noch 40 Kg am 19.1.88 und mein jüngster Sohn wurde am 19.12.88 beerdigt. Er hatte in der letzten Klasse des Gymnasiums mit anderen chemische Tests gemacht, die ihn an einen Schnüffelstoff brachten, von dem er abhängig wurde und an dem er auch starb. Ich fand ihn am 6. 12. 88 tot in seiner Wohnung. An beiden Gräbern standen mit mir meine Alkis, die mich seelisch trugen und vor einem Selbstmordversuch schützten. 
Ich weiß sehr wohl, dass Alkohol für mich Gift ist und dass der Kummer den wir ertränken wollen, gut   schwímmen kann und es hat Jahre gedauert, bis ich auch nur eine Stunde wieder leben wollte.
Ich habe im vergangenen Jahr ein über 10 Jahre dauerndes Verlöbnis gelöst, weil mein Partner Dipl. Psychologe jeden Tag nicht wenig Alkohol trank und ich es irgendwann, nachdem die Ärzte ihn gewarnt hatten und er nicht hören wollte, nicht mehr ertragen konnte. Ich habe innerhalb von 5 Minuten mehrere halbe Flaschen Alkohol ausgegossen. Nun weiß ich, dass wenn man einem trinkenden Alkohol weggießt, dieser sich neuen beschafft, aber nicht mehr in meiner Wohnung, denn wenn mir der Stoff des Anderen zur Gefahr wird, muss ich handeln und Dinge ändern, die ich ändern kann. 
Ich will nie mehr mit einem Mann zusammensein, der trinkt und nie mehr einschlafen oder aufwachen und neben mir jemanden haben, der nach Alkohol stinkt. Ich habe bevor ich diesen Mann kennen lernte 18 Jahre lang in meiner Wohnung keinen Alkohol gehabt und mir hat nichts gefehlt und seit dem er nicht mehr bei mir ist, ist es wieder so und es geht mir gut. Ich kann zu jeder Festlichkeit gehen und gönne jedem Menschen sein alkoholisches Getränk und ich kann Karneval in Köln und anderswo ohne Alkohol feiern und fröhlich sein, denn wer trocken lebt, muss nicht verdorren und außerdem kommt Fröhlichkeit aus dem Herzen und nicht aus der Flasche. 
So, das wollte ich Euch einfach erzählen, denn schließlich sitzen wir alle in einem Boot, aber vor 30 Jahren hätte ich über Alkoholismus mit niemandem reden können. Wer weiß, ob ich überhaupt noch leben würde. Ich weiß nur eines, dass je mehr Menschen in unserem Boot sitzen, um so besser können wir alle überleben und ich denke auch, dass wir dem Alkohol gegenüber nur machtlos sind, wenn wir trinken, sonst nicht. Ich habe auch in der ersten, deutschen Übersetzung der 12 Schritte gelesen, dass es nicht heißt, eine Macht, größer als wir selbst, sondern eine Kraft, denn Power heißt Kraft und nicht Macht. Und Kraft entsteht immer da, wo Menschen gemeinsam durch ihr Handeln etwas bewirken, ob bei AA, oder A-Connect, oder sonst wo. Der Weg ist das Ziel und so weit ich weiß, trägt sich ein Kasten Wasser immer leichter zu zweit, oder nicht?
Ob Gott, wenn es ihn gibt damit was zu tun hat, weiß ich nicht, denn es gibt ja Leute, die sagen, lass den nur machen. Ich kenne den nicht mal und zum Anderen sagt man doch: "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!", Außerdem sagt Ernst Barlach und da stimm ich ihm zu: "Wenn es einen Gott gibt, dann hat er mich und ich nicht ihn!"
Wenn ich, wenn ich Glück habe, gut auf mich achte und bis dahin nicht trinke, am 21. September 2003 dreißig Jahre trocken leben darf, manchmal bin ich wohl auch nüchtern, weiß ich, dass ich zwar viel dafür getan habe, aber dass das sicher nicht allein mein Verdienst ist, sondern viele, viele, liebe Alkis mir dabei geholfen haben und ich selbst bin immer und zu jeder Zeit bereit, so lange ich lebe jemandem zu helfen und beizustehen, wenn er ehrlich aufhören will zu trinken. Und ich bin für jeden Angehörigen da, der genau so Hilfe braucht, wie ich damals. Als mir gesagt wurde, dass meine Mutter tot ist, habe ich wörtlich gesagt: "Gott sei Dank, sie braucht nicht mehr zu trinken!" Und dann hat es noch sieben Jahre gedauert, bis ich um meine Mutter trauern konnte. Welche bitteren Erkenntnisse und eigene Erfahrungen dahinterstecken, muss ich Euch sicher nicht erklären.
Lasst es Euch gut gehen und seit herzlich gegrüßt von "Gloria" aus dem Rheinland, die Euch allen viele, glückliche 24 Stunden wünscht.


Norbert:
Hallo ich heiße Norbert 34 Jahre alt und trockener Alkoholiker und komme aus Aachen. Eines vorweg ohne eigenen Willen klappt gar nichts, Hilfe die angeboten werden, sollte man annehmen. Bei mir fing auch alles harmlos an und endete fast auf der Straße. Als ich merkte, dass ich richtig körperlich abhängig war, hatte ich die Schnauze voll. Beim Plus (Discounter) zu stehen mit zitternden Händen für ein paar Dosen Bier, damit das Zittern aufhört. Es war nur ein Grund aufzuhören, aber es ist nur ein kleinstes Teil warum ich aufhören wollte vor allem auch körperlich. Denn es stimmt der Alkohol ist ein TOD auf RATEN glaubt es mir. In meiner Therapie ist einer gestorben. Hilfe habe ich beim Gesundheitsamt bekommen - in meiner Stadt wirklich zu empfehlen. Du wirst zu nichts gezwungen, was du nicht willst. Bin zu jedem Termin hingegangen (auch mal betrunken). aber ich habe mich dazu entschlossen eine Langzeittherapie zu machen.( vier Monate). Es hört sich lang an ist aber nicht so. Die Zeit ging um wie im Fluge. Dort wird es einmal erforscht warum man trinkt z.B.: Ängste, Konflikte, Arger, Depri und vieles mehr. Heute fühl ich wieder gut. Aber es ist ein Kampf, die Versuchungen sind groß aber mit dem Wissen was ich gelernt habe in der Therapie bin ich gut gewappnet. Lass Dich beraten, du wirst zu nichts gezwungen. Meine Therapie war für mich ein Erfolg und vor Rückfällen ist keiner wirklich keiner befreit. Aber mit dem Wissen aus der Therapie ist ein gutes Pflaster gelegt für die Zukunft.


S*:
Bin 34 Jahre alt, Alkoholikerin (trocken) und habe vor drei Jahren eine Entgiftung im Krankenhaus gemacht. In den Jahren meiner nassen Zeit, habe ich oftmals nach Gründen gesucht, wieder etwas trinken zu können oder mich mit Alkohol zu belohnen oder um einfach nur abschalten zu können und meine persönlichen Probleme weit weg zu schieben. Bei Firmenfeiern oder mit Kollegen was trinken gehen, Alkohol, gehört in meiner jetzigen Firma wie das Amen in der Kirche. In meiner krassen Zeit hatte ich mir meine Mixe mit in die Firma
genommen. Gemerkt hat es niemand, habe immer darauf geachtet, dass niemand was riecht. Doch meist hatte ich alleine Zuhause getrunken, mir die besten Verstecke ausgesucht, damit mein Partner nichts merkt. Oder ich bin nachts heimlich raus in die Kneipe und keiner hat was bemerkt. Aber ich und eine Alkoholikerin? Daran hatte ich nie ein Gedanken verschwendet.

Einen Tag vor meiner Entgiftung habe ich meinen ganzen Restalkohol in mich reingeschüttet, weil ich Angst vor der mir bevorstehenden Zeit im Krankenhaus hatte. Am Tag meiner Einlieferung hatte ich dann noch einen Restpegel von 1,3 Promille. Zum Glück hatte ich während dieser Zeit keinen Saufdruck und den Schritt zur Entgiftung habe ich nie bereut. Im Gegenteil, ich habe dort sehr viel über mich erfahren können, was mich im vollen Zustand nicht sonderlich interessiert hatte. Ich war halt ein Mensch, der keinen Mut zu sich selbst hatte. Mir fehlte es an Selbstbewusstsein, woran ich auch heute noch an mir arbeite, aber es geht voran.

Warum ich aufgehört habe zu trinken? Ich habe meine Beziehung und Freunde versoffen, die sich nach und nach ganz still und leise verabschiedet hatten und eine neue Beziehung war am aufblühen, die wollte ich nicht zerstören. Und ich wollte MICH kennen lernen, MICH wahrnehmen, spüren, auch wenn sich die eine oder andere negative Situation ergab. Das Leben mit klarem Verstand genießen und mich nicht mehr vom Alk täuschen lassen.

Ich hatte eine anschließende 1 1/2 jährige Therapie gemacht. Doch während dieser Zeit wurde ich zwei mal rückfällig. Die vielen Probleme der anderen hatten mich belastet und ich grübelte ständig mit mir selbst, meinen Hemmungen und irgendwie war da immer der Gedanken: Nie wieder Alkohol? Ein Leben lang? ... unvorstellbar. Meine Rückfälle der Gruppe zu erzählen, ich hatte mich so geschämt und war heil froh, es
ausgesprochen zu haben. Letztendlich habe ich den Halt in der Gruppe bekommen, die mir mein Selbstwertgefühl bestärkte.

Heute lebe ich vor allem gesünder, von Ernährungsumstellung bis hin zu sportlichen Aktivitäten. Ich gestalte meinen Tag sinnvoller und habe Freude am Leben und neue Freunde, die mich sehr bereichern. Auch meine Beziehung verläuft, nach anfänglichen Differenzen, prima. Natürlich geht es mir nicht immer blendend, jeder hat seine Höhen und Tiefen, aber ich kann mit allem recht gut umgehen und will weiterhin versuchen nicht mehr zu trinken.

... ich hoffe es gelingt mir, denn ... ein versoffener Tag ist ein verlorener Tag ...
... und ich möchte noch sehr viele Tage genießen können, denn mir ist bewusst ...
... ein kontrolliertes Trinken kommt für mich niemals in Frage !


Rainer:
Ich heiße Rainer und bin Alkoholiker. In meiner Kindheit spielte Alkohol immer eine große Rolle. Mein Vater war Alkoholiker. Ich war fünf Jahre alt als meine Mutter nach Jahren der Hölle die Familie verließ. Nur hatte sie mich vergessen und mich bei einen gewalttätigen Säufer gelassen. Aber ich habe überlebt!! Um etwas Liebe zu bekommen habe ich als Zwölfjähriger mit meinen Vater getrunken. Da war ich dann in seinen Augen ein richtiger Mann! Ich habe dann als Achtzehnjähriger die Hölle verlassen und meine Freundin geheiratet. Aber ich habe die Fehler meines Vater kopiert!! Es wurde für meine junge Frau auch die Hölle!! Ich war zu meinen Vater geworden! Obwohl ich das Elend doch kannte!!
Meine Frau hat mich auch verlassen und ich habe noch intensiver gesoffen. Brauchte ich mich doch nicht mehr vorsehen! So rutschte ich immer tiefer. Meine Kneipen wurden auch immer mieser aber ich war ja kein Alkoholiker!
Ich konnte noch immer einige Trinker finden die besoffener waren als ich!! Dann war aber das Ende der Fahnenstange erreicht - es gab keine mehr auf die ich herabschauen konnte!! Also dachte ich ,aufhören mit den saufen. Zig Versuche gestartet (alle alleine), alle gescheitert! Ich war so fertig, dass ich drei Selbstmordversuche gemacht habe!! Selbst da war ich zu blöd zu! Also weiter saufen! Ich wollte mich tot saufen und habe zu Hause eine halbe Flasche Whiskey auf Ex getrunken. Ich stürzte und lag gelähmt in Wohnzimmer. Voll bei Verstand, aber bewegungsunfähig. Was jetzt geschah, hört sich seltsam an, aber es ist die Wahrheit!!! Es breitete sich ein grelles blaues Licht aus. Ich lag immer noch am Boden, als aus diesen blauen Licht schwarze, gesichtslose "Menschen" kamen und mit mir sprachen!! Die Wesen sagten zu mir, ich
solle aufhören mit den trinken, Ich würde sonst elendig zugrunde gehen.
Dann, als wenn man einen Lichtschalterumdreht, war alles wieder normal. Auch konnte ich mich wieder bewegen!! Am nächsten Tag bin ich anstatt in die Kneipe zum Arzt gegangen. Mein Arzt gab mir einen Zettel, wo Adressen von Selbsthilfegruppen in meiner Nähe vermerkt waren. Das war gar nicht so einfach, die Tür der Selbsthilfegruppe zu öffnen. Bin ich wirklich ein Trinker?? Kurze Zweifel - ich bin ein Trinker, Tür auf!!- und....alles Menschen die das gleiche Problem haben!! Ich wurde sehr herzlich in der Mitte aufgenommen! Ich wurde verstanden, ich konnte mit diesen fremden Menschen über alles reden!! Das war eine wundervolle Erfahrung für mich!! 

Von da an wollte ich den Teufel besiegen, NIE MEHR SKLAVE EINER FLASCHE sein!!!
Natürlich war es ein schwerer Weg. Jeden Tag habe ich Gruppen besucht - Jahre lang .Aber nie den ersten Schritt bereut!! Ich LEBE wieder!! Und das schönste an meiner Trockenheit - meine Frau ist zurückgekommen. Wir haben einwundervolles Leben . Ohne Alkohol!! Die Gruppen besuche ich immer
noch, allerdings nicht mehr jeden Tag. Ich kann nur jeden Alkoholiker sagen, wage den ersten Schritt in die Trockenheit!! Es lohnt sich!! Ich bin jetzt elf Jahre trocken und hoffe das noch viele 24 Stunden dazukommen. Ich heiße Rainer und bin Alkoholiker


Danny:
Hallo, ich bin Danny, 29 Jahre alt und betroffen. Ich habe letzten Sommer eine Langzeittherapie gemacht, in der Fachklinik "Schloss Mackenzell", im Kreis Fulda. Die Therapie dauerte insgesamt zwanzig Wochen, ursprünglich sechzehn Wochen, aber ich habe sie um vier Wochen verlängert. Diese Zeit war die wichtigste und auch härteste in meinem Leben, denn ich habe MICH selbst wieder gefunden und ich habe MICH selbst wieder kennen- und lieben gelernt. Ich war die typische Problemtrinkerin, die meistens abends nach der Arbeit getrunken hat. Ich brauchte den Alkohol um zu entspannen, um Enttäuschungen zu ertragen, um mit dem Stress fertig zu werden und um einfach abzuschalten. Meine damalige Beziehung war auch nicht das wovon ich träumte, ehrlich gesagt trank ich in dieser Beziehung am meisten. Ich wollte aber lieber mit diesem Kotzbrocken zusammenbleiben, als allein zu sein und irgendwie brauchte ich das auch, um wieder trinken zu können. 
Später in der Therapie begriff ich auch, dass ich viele Situationen selbst inszeniert hatte um nur wieder trinken zu können. Ich provozierte Streit oder Probleme um dann in Selbstmitleid zu versinken und um mich dann wieder richtig zu betrinken! Ich habe den Alkohol als Partnerersatz und als Liebesersatz eingesetzt. In der Therapie bekam das Wort SEHNSUCHT eine ganz andere Bedeutung für mich. SEHNSUCHT . Ich sehnte mich nach Liebe, als Kind nach der meines Vaters um die bettelte und für die ich zu Höchstleistungen in der Lage war. Doch ich bekam nichts, nur Prügel, Missachtung und Beschimpfungen. 
Ich habe nie erfahren, wie es ist, dass ein Vater stolz auf seine Tochter ist und sie lobt oder in den Arm nimmt. Ich wollte es partout nicht kapieren, ich kämpfte um etwas was ich nie bekommen konnte! Denn er hat selbst keine Liebe erfahren, wie sollte er sie weitergeben können? Das wurde mir in meinen Einzelgesprächen in der Klinik bewusst. Ich machte immer dasselbe und dachte, irgendwann würde sich etwas ändern, doch ich habe mich geirrt. Wer immer dasselbe tut und glaubt, dass etwas anderes dabei herauskommt, der irrt!!! Ich habe mich schon vor der Therapie (Juni-Oktober 2002) von meinen Eltern distanziert, denn sie konnten es nicht verstehen, dass ich eine Therapie machen wollte. Für sie bin ich "tief gesunken" und sie haben sich in den 20 Wochen nicht ein einziges Mal bei mir gemeldet! Meine Mutter hat mir einen Brief geschrieben, aber nur deshalb, weil ich ihr zuerst schrieb. Sie machte mir nur Vorwürfe, sie hat nichts begriffen. Sie hat selbst große Alkoholprobleme, aber sie würde es nie zugeben. Sie meint, weil sie jederzeit damit aufhören kann, ist sie nicht abhängig! Ich kann es nicht ändern. Ich jedenfalls habe die Therapie bis zum Ende durchgehalten, ich weis heute, warum ich getrunken habe und warum ich mir immer die falschen Männer ausgesucht habe. Die Männer, die mir genauso wenig Liebe geben konnten, wie mein Vater und die Männer für die ich mich aufopferte und für die ich alles tat nur um etwas Zuneigung zu empfangen. Das tat weh! Als ich das in der Klinik erfuhr und begriff, hat es mir fast mein Herz gebrochen, was ich mir selbst angetan habe, nur um etwas Liebe zu bekommen, von Männern die es nicht besser wussten! 
Ich habe immer geglaubt, Anerkennung durch Leistung definieren zu müssen. Immer alles geben, besser 150 %, als 80 % Leistung, die auch gereicht hätten. Dieses erhöhte Anspruchsdenken hat mich immer wieder unter Druck gesetzt, mich zermürbt. Im Job wie auch in meinen Beziehungen, ich wollte immer alles 150 %-ig machen. Sogar mein Aussehen, ich bin nie ungeschminkt aus dem Haus, obwohl jeder gesagt hat, ich sei auch ungeschminkt hübsch und könnte mich sehen lassen. 

Ja und 1997 hatte ich ein tragisches Erlebnis, ich habe meinen damaligen Ehemann durch Suizid verloren, ich habe ihn 1995 geheiratet. Wir haben ein Haus zusammen gebaut, direkt bei meinen Eltern. Ich würde es heute anders machen. Ich habe auch nicht aus Liebe geheiratet. Mein Ex-Mann hat auch sehr viel getrunken, heute begreife ich das erst richtig.
Aber dieses Erlebnis und sein Tod habe ich erst in der Therapie richtig verarbeitet, ich war voller Schuldgefühle. Das alles hat mit zu meiner Sucht beigetragen. Insgesamt habe ich ca. drei bis vier Jahre und davon zwei Jahre exzessiv getrunken, aber immer nur Bier. Ich hatte zum Schluss jeden Abend meine 6-8 Dosen und 40 Zigaretten am Tag. Und wisst ihr was?
Seit dem 23.09.2002 bin ich Nichtraucherin und seit dem 02.06.2002 habe ich keinen Tropfen mehr getrunken! 

WEIL ICH ES MIR WERT BIN!!!!!!

Ich habe es geschafft und ich bin sehr glücklich. Ich habe seit November 2002 wieder eine Beziehung und bin sehr glücklich. Im Job könnte es etwas besser laufen, aber es liegt an mir es zu ändern. Ich selbst habe die Verantwortung für mein Leben.


Matronula: 
Ich bin Jahrgang 1962, meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 14 Jahre alt war. Das war für mich damals eine richtige Erleichterung, weil ich mein Elternhaus seit jeher eh nur mit Streit und Krawall kannte. Zu trinken angefangen habe ich so etwa mit 16 Jahren. Weil ich dazugehören wollte, weil das Bier geschmeckt hat, und weil es einfach die Stimmung gehoben hat. Das Übliche eben, viele werden das kennen. Es hat sich dann ziemlich schnell eine gewisse Regelmäßigkeit eingestellt, nicht täglich, und noch nicht auf einem sehr hohen Niveau. 1983 habe ich das Abitur gemacht, anschließend Zivildienst in einer Fachklinik für Drogenabhängige (nichts im Leben ist Zufall...).
Damals bin ich zum ersten Mal aufgefallen, weil in meiner Zivibude eine Unmenge leere Bierflaschen rumstanden. Das hat mir aber nur kurz zu denken gegeben, schließlich habe ich ansonsten noch völlig „normal“ funktioniert. 1985 habe ich mit einem Studium angefangen, war bald auch an der Uni politisch engagiert, habe demonstriert, besetzt, in Gremien mitgearbeitet. Und, weil Revolution ja auch Spaß machen soll, viel gefeiert und, weil’s dazugehört hat - und ich wahrscheinlich auch schon nicht mehr anders konnte - viel getrunken.
Im November 1988 hatte ich ein einschneidendes, mein Leben völlig veränderndes Erlebnis: eine Panik-Attacke. Denjenigen, die das aus eigener Erfahrung kennen, brauche ich nicht viel zu erklären. Für die anderen: Es ist ein plötzlicher, durch keinen äußeren Anlass zu erklärender Anfall von (letztendlich) Todesangst. Bei mir hatte sich die Angst manifestiert in der Befürchtung, meine Beine würden mich nicht mehr tragen, ich würde ohnmächtig, kurz: totale Panik. Ich habe deshalb eine Therapie gemacht, die aber nur wenig und nur vorübergehend Besserung brachte. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es ein mir wohlbekanntes „Medikament“ gibt, das kurzfristig sehr schnell wirkt und die Angst deutlich lindert: den Alkohol. Damit habe ich mich sehr ausgiebig selbst „therapiert“. Natürlich hat sich meine Situation insgesamt keinen Deut verbessert, aber ich habe mich mit einem gewissen Pegel eindeutig besser gefühlt.
Anfang der 90-er Jahre sind innerhalb von zwei Wochen meine beiden Großeltern mütterlicherseits gestorben. Ich hatte sie lange nicht gesehen, weil ich eine - für mich damals weite - Reise aufgrund meiner Angstzustände und vor allem wegen des Alkoholmanagements nicht gepackt habe. Eine Tatsache, die mir bis heute nachgeht und bei mir noch immer Schuldgefühle erzeugt. Inzwischen kann ich aber einigermaßen damit umgehen. Damals war es für mich DAS Alibi, um auch tagsüber - schon morgens - zu trinken. Das war wohl auch die Zeit, in der ich eine körperliche Abhängigkeit entwickelte. Davor hatte ich einmal zwei Wochen lang nichts getrunken, um mir (und meiner Freundin) zu beweisen, dass ich kein Alki war, was - körperlich - auch ohne Probleme funktionierte. Jetzt aber ging unter zehn bis zwölf Bier am Tag gar nichts mehr.
Meine Angstzustände spitzten sich in den Folgejahren mehr und mehr zu, bis ich wochenlang nicht in der Lage war, einen Schritt vor die Türe zu setzen, mal abgesehen von den paar Metern zum Laden um die Ecke, bei dem ich mich mit Bölkstoff eindeckte. Manchmal habe ich es aber nicht geschafft, zum Zähneputzen ins Bad zu gehen, so allmächtig war die Angst. Ich habe dann eine zweite Therapie wegen der Attacken gemacht, die sehr gut war, in der ich gelernt habe, zumindest die alltäglichen Anforderungen einigermaßen zu meistern. Das Thema Alkohol wurde da allerdings nicht besprochen, mein Management war inzwischen so gut, dass ich es geschafft habe, ohne Fahne in den Sitzungen zu erscheinen.
Irgendwie habe ich es mit meinem versoffenen Hirn sogar geschafft, mit Ach und Krach das erste Staatsexamen abzulegen. Ich weiß bis heute nicht, wie das geklappt hat. Mir war aber inzwischen klar, dass ich nie ein guter Lehrer werden würde, und schlechte Pädagogen gibt es an unseren Schulen schon genug. Ich habe dann nach einiger Zeit einen Werkvertrag an der Uni bekommen, habe bei einem Projekt Bücher editiert, englische Beiträge redigiert etc. Natürlich bei freier Zeiteinteilung, feste Arbeitszeiten hätte ich längst
nicht mehr auf die Reihe gekriegt. Auch hier ist es mir bisher ein Rätsel, dass ich diese Arbeit, die sehr viel Konzentration fordert, zur allgemeinen Zufriedenheit leisten konnte. Allerdings habe ich körperlich ziemlich
abgebaut. Ich zitterte häufig, mir war dauernd kalt, und oft hatte ich mit Schwindel zu kämpfen (ist die deutsche Sprache nicht herrlich: ich habe mich beschwindelt...). Irgendwie war mir längst klar, dass ich Alkoholiker war,
aber die Ähnlichkeit der Symptome mit denen der Panikattacken hat mir geholfen, mir immer wieder selbst etwas vorzumachen. Als es mir wieder einmal richtig dreckig ging, habe ich mir von einem Neurologen ein angstlösendes Medikament verschreiben lassen. Wie so oft war aber der Arztbesuch schon so beruhigend, dass ich das Mittel erst mal nicht genommen habe. Zwei Wochen später kam aber die nächste Krise und ich wollte es einnehmen. Blöderweise stand da auf dem Waschzettel etwas von „nicht einnehmen bei akutem
Delirium“. Wie gesagt, irgendwie wusste ich ja, dass ich Alkoholiker war. Also habe ich bei dem Arzt angerufen und ihn gefragt, wie das mit dem Delirium sei. Er hat mir dann die Entzugserscheinungen bei Alkohol aufgezählt und mir damit einen Spiegel vor das Gesicht gehalten. Er hat genau beschrieben, wie ich mich in dem Moment gefühlt habe. Das sagte ich ihm dann auch, woraufhin er mich sofort in seine Praxis einbestellte. Seine Diagnose war die befürchtete: Alkoholismus. Jetzt war es also amtlich und ich KONNTE
die Augen nicht mehr verschließen. Er hat mir dann angeboten, zuhause mit Valium zu entziehen, was ich Gott sei Dank ablehnte. Die Alternative war - natürlich - eine Therapie. Über einen anderen Arzt habe ich dann Adresse und Telefonnummer einer Klinik bekommen, die eine sechswöchige stationäre Therapie mit anschließendem ambulanten Jahr anbietet. Nach zwei Beratungsgesprächen habe ich einen Aufnahmetermin zwei Wochen später bekommen. Da stand ich nun mit diesem Termin in der Tasche und wollte eigentlich alles - bloß keinen Entzug und keine Therapie. Auf der anderen Seite ging es mir körperlich dermaßen besch..., und zudem hatte meine Freundin mir die Pistole auf die Brust gesetzt: In einem Brief hatte sie geschrieben, was sich in unserer Beziehung ändern muss, damit sie Bestand haben kann. Neben einigen Punkten stand da auch mein Alkoholkonsum auf der Liste. Mir wurde beim Lesen klar, dass eigentlich ALLE anderen Punkte von diesem einen abhingen, unter anderem meine (gelinde gesagt) mangelnde Ordnungsliebe, meine Unzuverlässigkeit, meine Neigung, unangenehme Dinge einfach zu ignorieren und sie damit noch unangenehmer zu machen etc.
Es gab also eine ganze Anzahl guter Gründe, die für diese Therapie sprachen und nur einen, der dagegen sprach: Die damals furchterregende Vorstellung, dann nie wieder in meinem ganzen Leben Alkohol trinken zu dürfen. Obwohl ich mir keineswegs sicher war, dass ich die Therapie tatsächlich antreten würde, habe ich in diesen zwei Wochen gesoffen was nur reinging. Zwischenzeitlich habe ich immerhin den Mut aufgebracht, meinem näheren Umfeld „reinen Wein“ einzuschenken, was wiederum nur möglich war, weil ich jetzt ja auch was dagegen unternehmen wollte. Über meine Freundin, meinen Vater, meine besten Freunde bis hin zu den ProjektmitarbeiterInnen an der Uni haben alle super reagiert und mir jede Unterstützung zugesagt. Nur meine Mutter hat verhalten reagiert, was kein Wunder ist: Sie trinkt selbst. Ansonsten kein blödes Wort, nur Erstaunen und Hilfsangebote. Ich stand dann an jenem 2. Dezember 1998 tatsächlich am Eingang der Klinik,
mit knapp zwei Promille morgends um acht Uhr, und bin auch reingegangen. Ich hatte mir gesagt, anschauen kannst Du es Dir ja mal, es ist eine offene Einrichtung, gehen kannst Du jederzeit wieder.

Dieser Tag war der Wendepunkt in meinem Leben.

Vor dem Entzug hatte ich einen Mordsschiss. Tatsächlich wurde ich am Nachmittag furchtbar unruhig, ich bin den Gang rauf und runter gerannt, habe gleichzeitig geschwitzt und gefroren wie ein Schneider. Das Personal hat zum Glück recht schnell gemerkt, was los war. Der Blutdruck lag knapp unter 200 zu 160, der Puls irgendwo in astronomischen Höhen. Ich habe dann ein Medikament bekommen, dessen Namen ich leider vergessen habe, viele werden es kennen (kann mir jemand auf die Sprünge helfen...?). Was ich nicht für möglich gehalten hätte: Innerhalb von einer Viertelstunde war ich (für meine Verhältnisse!) total ruhig und habe die erste Gruppenbesprechung (über zwei Stunden) sitzend durchgestanden (was für eine Formulierung...). Das Medikament wurde dann über zwei Wochen ausgeschlichen. Ich kannte und kenne viele Horrorgeschichten, was den Entzug angeht, und ich kann nur sagen: Bei mir war es dank der hervorragenden ärztlichen Betreuung wirklich halb so wild. Eine meiner größten Sorgen war, nachts nicht einschlafen zu können. Nüchtern ins Bett zu gehen hatte es schließlich bei mir seit Jahren nicht mehr gegeben. Doch siehe da: Ich habe geschlafen wie ein Stein! Die nächste positive Überraschung am nächsten Morgen. Frühstücken kannte ich schon lange nicht mehr, vielleicht eine Banane oder eine Milchschnitte am Mittag, damit sich der Magen nicht ganz im Alkohol auflöst. An diesem Morgen habe ich reingehauen als gäbe es zwei Wochen nichts mehr zu essen, so einen Appetit hatte ich.
Was in der Therapie wirklich passiert ist, kann ich im Einzelnen nicht beschreiben. Natürlich waren da die Gruppensitzungen, Rollenspiele, Sport, Einzelgespräche und so weiter. Das erklärt sicher Einiges. Dass aber schon nach einer Woche meine Freundin sagte, dass ich mich total verändert hätte und sie jetzt wieder den Menschen erkennen könne, in den sie sich einmal verliebt hat, (und ein ähnliches Feedback bekam ich von fast allen Leuten, die mich besuchten) das hat für mich im wahrsten Sinne des Wortes etwas wunderbares. Ich möchte an dieser Stelle auch noch mit einem Vorurteil aufräumen, das zumindest ich hatte, nämlich dass es in einer solchen Therapie nur ernst zugehe und die Stimmung sehr gedrückt sei: Ich habe in dieser Zeit das Lachen wieder gelernt, teilweise waren ich und einige MitpatientInnen albern wie pubertierende Backfische, was einen der Pfleger zu dem Spruch veranlasste „Wir sind doch hier nicht in einem Jungschar-Zeltlager“. Um
keine falschen Vorstellungen zu wecken: Vieles war harte Arbeit, auch Trauerarbeit um das verlorene Alkileben, oft war es hart, und einmal stand ich kurz vor dem Abbruch. Ich hatte das Gefühl, dass ich es sowieso nicht schaffe, warum sollte ich mir also die ganze Mühe machen. Ein gutes Gespräch und die Tatsache, dass es spätabends war, haben mich „gerettet“. Am nächsten Morgen sah die Welt wieder viel freundlicher aus und ich hatte meinen Mut wiedergefunden.
Die sechs stationären Wochen gingen recht schnell vorbei (ich hoffe, dass ich das nicht im Nachhinein verkläre), zumal wir die letzten drei Wochenenden ohnehin nach Hause entlassen wurden. Die Schwierigkeiten waren damit natürlich noch lange nicht ausgeräumt, aber es war ein Anfang gemacht, alte Denk- und Verhaltensmuster waren aufgebrochen, neue Perspektiven angedacht. Aber ich war arbeits- und mittellos, ohne rechte Berufsausbildung, und da lag mein größtes Problem. Ich wollte gerne in einem Verlag arbeiten, als Lektor oder Korrektor. Unzählige Bewerbungen blieben aber erfolglos, mein Lebenslauf und die mangelnde Berufserfahrung haben bewirkt, dass ich kaum einmal überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Ohne die finanzielle Unterstützung meines Vaters hätte ich diese Zeit wohl kaum überstanden. Sie hat es mir auch ermöglicht, dass ich ein halbes Jahr später eine vom Arbeitsamt bezahlte einjährige Fortbildung zum Fachzeitschriftenredakteur absolvieren konnte. Über ein Pflichtpraktikum habe ich meinen heutigen Arbeitsplatz in einer Redaktion bekommen. Mit Angstzuständen habe ich hin und wieder immer noch zu kämpfen. Allerdings in einem Maß und einer Intensität, mit der ich umzugehen und zu leben gelernt habe. Kein Vergeich mehr zu meiner nassen Zeit!
Die Beziehung zu meiner Freundin, mit der ich seit einem Jahr zusammenwohne, ist nicht einfacher geworden, eine Erfahrung, die sicher viele andere auch gemacht haben, die den Wechsel von einer Beziehung Abhängiger/Co-Abhängiger zu einer Lebensgemeinschaft vollzogen haben. Aber sie ist intensiver, offener, ehrlicher geworden, kurz:viel, viel besser. Ich kann heute zu meiner Krankheit stehen. Das heißt nicht, dass ich es jedem auf die Nase binde, der mir über den Weg läuft, nach dem Motto „Hallo, ich bin Alkoholiker, und außerdem heiße ich ... und bin 40 Jahre alt“. Aber ich verstecke mich nicht, und wenn jemand wissen will, warum ich im Restaurant nachfrage, ob in einem Gericht Alkohol ist und es im Zweifelsfall nicht bestelle, sage ich es ihm/ihr. Ich habe den Alkoholismus in meiner nassen Zeit um jeden Preis verheimlicht, das hat mich unglaublich viel Aufwand und Stress gekostet, darauf habe ich keinen Bock mehr. Und ich habe damit zu 99%
positive Erfahrungen gemacht.

Soweit meine Geschichte bis dahin. Wer Fragen oder Anregungen hat, kann mir
gerne unter matronula@aol.com eine Mail schicken.


Peter B.:
Ich bin 47 Jahre alt, in zweiter Ehe verheiratet. Mein Beruf ist Handwerksmeister, ich war 17 Jahre am Niederrein selbstständig. 1955 wurde ich in Oberhausen geboren, meine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt 36+39 Jahre alt. Sie machten in meiner Erziehung ziemliche Fehler, die ich allerdings nicht alleine für meinen späteren Alkoholismus verantwortlich mache. Es gibt für mich auch keine anderen Verantwortlichen, außer mir selbst. 
Die Schule besuchte ich von 1961 bis 1970, anschließend machte ich eine Ausbildung, von 1975 bis 1976 war ich 15 Monate wehrpflichtiger Soldat . Von 1978 bis 1981 neben meinem Beruf, Meisterschule. Selbstständig von 1980 bis 1997. 
Meine Alkoholkrankheit entwickelte sich so harmlos wie bei den meisten Alkoholikern , mit 15 Jahren trank ich mit Freunden des Abends eine Flasche Bier, obwohl sie mir nicht schmeckte, aber ich wollte doch auch erwachsen sein und zur Clique gehören. 
Bereits nach kürzester Zeit schmeckte mir das Bier auch, den ersten Rausch hatte ich bereits mit 17 Jahren.
Bei der Bundeswehr tranken wir jeden Abend, wenn Geld vorhanden war. Ich wusste nicht warum ich dieses tägliche Trinken nicht später fortsetzen sollte, zumal ich ja sehr fleißig war und mir dieses ja auch jeder sagte. Wahrend meiner Meisterschulzeit trank ich schon morgens auf der Arbeit, abends nach der Schule gingen wir mit vier Klassenkammeraden in die gegenüber liegende Kneipe tranken jeder vier Magenbitter und vier Altbier 0,3Liter.

Zu diesem Zeitpunkt dachte ich schon manchmal, ob die Trinkerei bei mir Sucht ist oder dazu wird. Weil ich ja über den Dingen stand, verwarf ich diesen Gedanken sofort, oder zog ihn ins Lächerliche. Später in meiner Selbstständigkeit trank ich ebenso täglich, wenn Kunden oder Mitarbeiter oder andere Bekannte es wagten sich dazu zu äußern (Der trinkende Meister ) reagierte ich schroff mit der Bemerkung , dass ich nicht mich, sondern nur meine Produkte verkaufen wolle. 
Zu diesem Zeitpunkt war nach meiner Meinung noch alles in Ordnung, weil ich ja meinen Betrieb im Griff hatte und selbst auf grund meiner fachlichen Fähigkeiten das beste Pferd im Stall war. Das ich Alkohol jetzt schon nicht mehr nur des Geschmackes wegen trank, wollte ich nicht war haben. Jetzt trank ich schon um abzuschalten, um bessere Launen zu bekommen, um mich zu belohnen usw.  Der Alkohol war für mich bereits das Mittel für alles.

Im Jahr 1995 stürzte ein Auszubildender von einer Leiter direkt vor meine Füße, er erlitt schwerste Verletzungen. Nachdem ich während meiner beruflichen Laufbahn selber zwei mal gestützt war , es aber verkraftet hatte, konnte ich diesen Unfall nicht verkraften oder verarbeiten, da ich nicht mehr schlafen konnte und den Unfall auch nicht mehr vergessen konnte, griff ich zu meinem Hilfsmittel den Alkohol und zwar so heftig, dass ich nach Monaten jede Kontrolle über mich verlor . 
Meinen Betrieb habe ich dann geschlossen. Ich selber hatte dann mal hier und mal dort einen Job, immer bis die Arbeitgeber merkten, was mit mir los war, oder ich den Anforderungen nicht gewachsen war.
In der Zeit von 1998 bis Ende 2000 hatte ich bestimmt 8 mal versucht trocken zu werden, es gelang mir aber immer nur für wenige Tage oder Wochen, weil ich kein Alkoholiker nach meiner Meinung war und es ja auch manchmal gelang für kurze Zeit trocken zu sein. Mein Gesamtzustand wurde immer schlechter. 
Ich erlitt einen Gehirnkrampf und mehrere Schwächeanfälle , mehrmals kam ich so in verschiedenen Krankenhäusern aus. 
Alle Ärzte sagten mir das gleiche, dass ich eine Therapie benötige und nie mehr Alkohol trinken dürfe. Obwohl ich mittlerweile genau wusste, wie es um mich stand, schlug ich diese Ratschläge in den Wind. Außerdem konnte ich mich mit dem Gedanken mich Psychologen anzuvertrauen überhaupt nicht anfreunden, denn die hatten für meine Begriffe doch alle ein Semester zu viel studiert und waren nach meiner Meinung total verrückt. Angst an meiner Krankheit zu sterben hatte ich nicht mehr, manchmal dachte ich, dass es bestimmt schnell geht. Das was mich am meisten störte und mir ein schlechtes Gewissen bereitete war, dass die Frau, die ich innig liebte, darunter litt, anstatt sich an meiner Seite wohl zu fühlen. 

Als ich wieder meinen Hausarzt konsultieren musste, weil es mir sehr schlecht ging, sagte dieser zu mir , dass ich unverantwortlich sei. Ich müsse doch merken wie meine Frau unter meinen Alkoholproblemen leide……
Dieses war der Zeitpunkt an dem ich alle Arroganz und Wiederworte aufgab .Am nächsten Tag leitete ich alle Schritte ein, um mich einer Therapie zu unterziehen. 

Während meiner Therapie und nachher führte ich ein Tagebuch aus dem hervor geht, wie mein Weg in die zufriedene Trockenheit verlief.

Dieses veröffentliche ich, weil ich Leuten die alkoholkrank sind mit diesem Beitrag Mut machen will, damit sie sich helfen lassen und ihren Weg in ein zufriedenes und trockenes Leben finden.

Wer mein Tagebuch lesen möchte, kann mir gerne schreiben unter PeterTagebuch@aol.com
Ich sende die Datei zu ( 36 DinA4 Seiten, 202 KB ). 


Bernd:
Mit 15 Jahren habe ich das erste Bier getrunken, mit 25 Jahren lag ich am Boden. Zuerst war Trinken nur am Wochenende angesagt, weil ich meine Ausbildung begonnen hatte. Man war locker drauf, fühlte sich stark und mit den Mädchen klappte es auch besser, anfangs jedenfalls. Mit 17, 18 Jahren wurden daraus Trinkgelage, die an einem Sonntag dermaßen ausarteten, dass ich am Montag total groggi und verkatert zur Arbeit erschien. Mir ging es hundeelendig und ein Kollege sagte mir: Der Hund , der dich abends gebissen hat, den musst du morgens wieder treten. Trink einen, dann gehts dir besser. Ich versuchte es und es ging mir besser. So fing ich morgens das Trinken an. Das ging bis 1984, bis zu einem Sonntagmorgen. Ich saß mit meinen Kumpels am Tresen zum Frühschoppen und wollte mein Glas erheben, aber ich konnte es nicht. Ich hatte meinen ersten Flattermann. Da ich mich vor meinen so genannten Freunden nicht blamieren wollte, täuschte ich einen Vorwand vor, verließ die Kneipe, ab ins Auto und zur Tanke. Ich hab mir einen Flachmann besorgt und auf dem Weg zurück ausgetrunken. Das Glas Bier war dann kein Problem mehr. Von diesem Augenblick an war ein Flachmann immer in meiner Tasche und im Auto,  dass mir dieses nicht noch einmal passiert. 

Das war der Anfang vom Ende. Ich hatte den Weinbrand oder Whisky am Ende im Spülkasten meiner Toilette, das war das einzige Versteck, was meine Mutter nicht gefunden hat. Ich bin Spiegeltrinker, das heißt, ich musste immer meinen Pegel halten. Ging der Pegel runter, ging es mir schlecht. Jeden Morgen dieses trockene Kotzen, danach Spülkasten auf und die Flasche an den Hals. Jeden Tag, tagein tagaus das selbe Spiel. Aber in meinem Kopf war ich kein Alkoholiker. Ich trank ein bisschen viel aber Alkoholiker, das waren die Penner am Bahnhof, aber ich doch nicht. Der Fusel hat mein Leben bestimmt. Er hat die Entscheidung getroffen, wann und wie viel ich zu Saufen hatte. Ich war die letzten drei Jahre nie nüchtern und bin immer Auto gefahren. Ich muss einen Schutzengel gehabt haben, weil zum Glück nie etwas passiert ist. 

Das ging bis zum Oktober 1986, bis mein Arbeitgeber, nach mehreren Vergehen von mir, mich richtig vor die Wand laufen ließ. Ich wurde vom Dienst suspendiert, mir wurden 60% meiner Bezüge einbehalten. Von den restlichen 40% musste ich meine Schulden bezahlen. Saufen kostet ja schließlich Geld. Mir blieben zum Leben 45 DM. Ich saß zuhause, soff und schimpfte über die Schweinehunde, die mich fertig machen wollten. Aber Alkoholiker war ich immer noch nicht. So ging mein Vorrat zur Neige, der Schnaps meiner Mutter war auch kein Problem und ich wäre bestimmt kriminell geworden, wenn meine Mutter nicht meinen Hausarzt gerufen hätte. Total besoffen, wie ich war, ließ ich mich am 16 Oktober 1986 zur Entgiftung ins Krankenhaus einliefern aber Alkoholiker war ich immer noch nicht. Am ersten Abend im Krankenhaus, ich hatte noch genug drin, also keinen Entzug, saß ich im Tagesraum mit einem älteren Mann zusammen. Der klappte plötzlich zusammen, schlug um sich, hatte Schaum vor dem Mund und wälzte sich am Boden. Die Pfleger holten ihn ab und nach 30 Minuten war der Mann wieder da, als wenn nichts geschehen wäre und er wusste auch nichts von dem Vorfall. Das machte mich nachdenklich. Ich hatte plötzlich Angst, so wollte ich nicht enden. 

Am nächsten Abend kamen die Anonymen Alkoholiker in die Klinik und erzählten aus Ihrem Leben. Ich stellte fest, dass Ihre Lebensgeschichten, ihr Suchtverhalten, das trockene Kotzen, im Grunde genommen, meine Geschichte ist. Ich war nicht mehr allein und wollte von diesem Abend an nicht mehr trinken. Jetzt war ich Alkoholiker und habe eingesehen, dass ich mein Leben nicht mehr meistern konnte. Meine einzige Chance, meinen Job zu retten, war eine Langzeittherapie. Es stellte sich als problematisch heraus, weil mein Kostenträger die Krankenkasse war und nicht die LVA oder andere. Die Kasse weigerte sich zu zahlen, weil ich ich ja sowieso entlassen worden wäre. Ich musste nach der Entgiftung zu meinem höchsten Chef und zur Amtsärztin, die beide ihre Zustimmung geben mussten. Ein AA-Freund fuhr mich hin, ich war nicht in der Lage dazu. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, mir war kotzübel aber ich war ehrlich und bin von meinem hohen Ross runtergekommen und ich habe die Zustimmung bekommen. Ich habe das erste mal ein Problem gelöst, ohne einen Flachmann in der Tasche gehabt zu haben. 

Die dreimonatige Wartezeit auf meine Therapie habe ich Dank der Gruppe nüchtern überstanden und bin am 3. Februar 1987 in die Klinik am Hellweg nach Oerlinghausen gefahren. Der Abstand von Zuhause war sehr gut für mich. Ich habe in der Therapie viel für mich getan, habe mitgearbeitet, und nicht auf die Dinge gewartet, die da auf mich zu kommen. Es war manchmal recht hart aber die Selbsthilfegruppen, die die Klinik besuchten, haben mir die Kraft gegeben, durch zu halten. Am 3. August 1987 wurde ich entlassen und saß wieder Zuhause mit 45 DM im Monat. Für jede Schachtel Zigaretten, für eine neue Jeanshose oder sei es das Benzin , musste ich meine Mutter fragen. Einen Nebenjob durfte ich nicht anfangen, sonst wäre mein Job weg gewesen. Aber montags, mittwochs und freitags war ich im Meeting von AA. Ich habe am Anfang nicht viel sagen können. Ich habe die Lebensgeschichten der Freunde richtig gehend gefressen, so gut taten die mir. Ich habe jeden Abend etwas mitnehmen können, was auf mich zutrifft. 

Anfang Januar 1988 bekam ich ein Schreiben vom hiesigen Amtsgericht, dass mein Verfahren auf Grund krankhaften Alkoholismusses eingestellt wurde. Zwei Tage später schrieb mir mein Arbeitgeber, dass ich mich umgehend in der Personalstelle zu melden hätte, zwecks Wiedereintritt in den Dienst. Die einbehaltenden 60% meiner Bezüge wurden mir auch nachgezahlt. An diesem Abend war Meeting und ich habe erzählt und erzählt und habe geheult aber aus Freude und Dankbarkeit. Ich durfte noch einmal von vorne anfangen, aber hätte ich die Gruppe, die vielen Freunde ,die man dort findet, nicht gehabt, wäre ich vor die Hunde gegangen. Ich konnte meine Schulden bezahlen und habe meiner Mutter jeden Pfennig zurück bezahlt. Heute bin ich 40 Jahre alt, mir geht es sehr gut und bin zufrieden nüchtern. Ich gehe jeden Montag mit drei anderen AA-Freunden in die Entgiftungsstation des hiesigen Krankenhauses und erzähle aus meinem Leben und versuche den Patienten die Gruppe näher zu bringen. Ich sage immer, welche Selbsthilfegruppe ihr aufsucht, ist egal. Wo ihr euch wohl fühlt, da bleibt sitzen. Es lohnt sich. Macht hier im Chat mit, stellt eure Fragen, ihr werdet Antwort und Hilfe bekommen. Es ist keine Schande krank zu sein, aber es ist eine Schande nichts dagegen zu tun.


La Loba*:
Einleitung: Alkohol war in meinem Leben normal, meine Mutter ist Quartalalkoholikerin, war es schon vor meiner Geburt. Mein Vater hat auch ein Alkoholproblem, was er aber nie zugeben würde ... wer trinkt schon ne Flasche Rum um eine Grippe loszuwerden ... und gibt das an seine Kinder weiter ... ich denke nur einer der ein Alkoholproblem hat.

Ich habe mir eingeredet kein Alkoholproblem zu haben .. .meine Mutter trank immer Kellergeister (Weißwein) und Bier ... für mich also klar, wenn ich das nicht trinke werde ich keine Alkoholikerin. Ich habe Bacardi und anderes getrunken, wie Wasser, als Jugendliche ... hab Drogen genommen... Dazu sagen muss ich, ich bin seelisch, körperlich und sexuell, in meiner Kindheit, missbraucht worden, von meiner Mutter, meinem Vater und von sogenannten Saufkumpanen meiner Mutter bzw. von Männern die meiner Mutter dafür Alkohol gaben. (Darunter auch ein Ex-Arbeitskollege meines Vaters und mein Stiefopa)

Aber irgendwann trank ich auch Bier, aber da waren die Selbstlügen schon zu gut, das sich selbst belügen um trinken zu können ... der Kreislauf aus lügen war "fast" perfekt...

Wie war die Situation kurz vor dem Aufhören?

Die Vergangenheit kam zurück ... ich bin Disso ... heißt mein ganzes Kinderleben, war/ist abgespalten ... ich hatte "fast" keine Erinnerungen an meine Kindheit ... bis ein "Auslöser" den Stein ins Rollen brachte. Vieles kam zurück, Erinnerungen, Bilder, Flashbacks von den Vergewaltigungen, von dem Missbrauch etc.

Ich ging den Bach runter, endgültig (wo mir der Alkohol noch sagte, das ich so ein schönes Leben hätte)...und bin in ein Notfallzentrum gegangen. Dort geriet ich an einen Therapeuten, der sich auf Alkoholprobleme/sucht spezialisiert hatte. Er sagte mir, nachdem ich ihm von mir erzählt habe, direkt auf den Kopf zu, dass ich ein Alkoholproblem habe, das ich Ventiltrinkerin bin ... auf dem besten Weg Quartalalkoholikerin zu werden.

Ich weiß nicht was ich erwartet hatte ... aber das nicht.

Was hat mich letztlich dazu bewegt, aufzuhören?

Die Wahrheit, der Schock...

Das ich auf dem besten Weg war ... wie meine Mutter zu werden, meine Mutter zu werden ... ich habe zwei Töchter ... und wenn mir eins klar war, dann ... dass ich meinen Töchtern so was nie antun will, wollte.

Und so nach und nach kam dazu ... für mich leben zu wollen, wirklich leben zu wollen...

Was habe ich unternommen?

Ich bin wegen dem Missbrauch in eine Klinik (psychosomatische) gegangen/ gekommen ... und das erst was ich lernte ... was ich begriff ... war, nur Ehrlichkeit ... bedingungslose Ehrlichkeit, anderen gegenüber und mir selber gegenüber... kann mir helfen ... aus diesem Teufelskreis rauszukommen.

.Wie ging es weiter?

Immer wieder kommt die Sehnsucht ... Sehnsucht, nach Ruhe ... Sehnsucht, nach einfach nur mal so lachen können ... Sehnsucht, nach Freiheit ... innere Freiheit und äußere Freiheit ...Sehnsucht, nach meinem Sohn (habe vor ca. 14 Jahren meinen Sohn im sechsten Monat verloren)...und viele Sehnsüchte mehr. Immer wieder kommt der Wusch, diese Sehnsucht, wegzutrinken bzw. sie durch trinken zu erfüllen...

Immer wieder passierte es, das ich nicht mehr konnte und trotzdem zur Flasche griff ... bis ich endlich damit leben konnte, mit dem Druck , der Sehnsucht, den Sehnsüchten. In extremen Fällen, habe ich Notfalltropfen ... die mich ausnocken ... wenn ich nicht mehr dagegen ankomme...

Ich bin heute halbtrocken ... vom Kopf her trocken ... aber von den Gefühlen, dem Schmerz, wegen meiner Kindheit und meinem Sohn, in mir ... schaff ich es nicht immer ... deswegen sag ich immer "halbtrocken"...ich lüg mich nicht mehr an ... aber ich verzeihe mir auch, wenn ich es mal nicht schaffe...

.Wie gehts mir heute?

Manchmal gut, dann kommt auch Stolz auf, es bis hierhin geschafft zu haben ... aber oft sehr schlecht, weil ich vor allem was mir sehr weh tut ... nicht mehr weglaufen kann/will ... es nicht mehr wegtrinken will. Für mich heißt das, mich jeden Tag dem Schmerz, den Ängsten etc. stellen zu müssen...

Ein harter, schmerzvoller Weg, ohne Alkohol ...aber immer länger halt ich es ohne Alkohol aus ... und wenn der Wunsch, der Druck zu groß ist ...reicht oft schon ein kleines Alsterwasser ... und sofort wird mir klar ... halt Stop!!!

********

Und auch wenn ich nicht ganz "trocken" bin ... bin ich stolz auf mich ... ich weiß heute, ich wurde meinen Kindern nie das antun, was meine Mutter durch ihre Alkoholsucht (und auch mein Vater) uns angetan hat. .. heute kenne ich andere Wege, um Druck abbauen zu können ... und ich schaffe es immer öfter, sie auch zu gehen ...und nicht den alten Weg "Alkohol"...

(Angst so zu werden wie meine Mutter ließ mich trinken ... und das verlangen, alles zu vergessen, was sie mir angetan hat ... gleichzeitig, wollte ich wohl irgendwie beweisen, das ich nie so werden würde ... ein wahnsinniger Kreislauf, der mich fast endgültig zerstört hätte ... und meine Töchter, meinen Mann)...


Uschi: 
Hallo, meine Name ist Uschi, 54 Jahre, geschieden, ein Kind und zwei Enkel, selbst betroffen und seit drei Jahren abstinent. Meine erste Therapie habe ich 1990 (sechs Monate) gemacht und 1996 bin  ich rückfällig geworden, habe zwei Jahre versucht ohne Hilfe klar zu kommen,  was aber letztendlich dann dazu geführt hat, dass ich 1998 bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wurde und danach eine zweite Therapie gemacht
habe. Direkt nach der Therapie wurde ich dann wieder rückfällig, bis dann im August 1999 ich fast meine Familie durch mein Trinken verloren hätte und das war der Punkt, dass ich mich entschieden hatte, mit dem Trinken aufzuhören. Im August 2001 habe ich dann zusammen mit der Beratungsstelle eine Selbsthilfegruppe für Frauen ins Leben gerufen, um meine Erfahrungen weiterzugeben und anderen Frauen vielleicht damit zu helfen. 


Tommie:
Ich bin froh Alkoholiker zu sein!

Wann ich den ersten Alkohol trank weiß ich noch genau: es war zu meiner Konfirmation, am 15. März 1970, zum Mittagessen. Ein "Achtele" Weißwein; schmeckte grässlich und ich konnte nichts tolles daran finden. Ich war 14 Jahre alt. Wann ich den letzten Schluck aus der Flasche genommen habe, das weiß ich nur allzu genau: es war am Montag den 14. Juni 1999, gegen 9.00 Uhr, kurz bevor ich in das Taxi Richtung Klinik stieg. Eine hastig hineingeschüttete Flasche Bier, damit der Pegel stimmte. Da war ich 43 Jahre alt. Was war passiert ?
Nun, irgendwann zwischen 1970 und 1999 bin ich zum Alkoholiker geworden. Dabei schien alles nach Wunsch zu verlaufen: glückliche Kindheit, tolle Eltern (na ja, wenn die das jetzt lesen würden) , Schule so la la, aber immerhin ein gutes Abitur, danach sofort Studium ----. Stop.

Die Feiern unserer Klasse, besonders während der Oberstufenzeit, waren berühmt-berüchtigt. Damals habe ich so manchen Vollrausch heimgeschleppt und mir geschworen NIE wieder Alkohol zu trinken. Und, zwischen Abitur und Studium habe ich sechs Wochen gejobbt um mit zwei Freunden für drei Wochen nach London fahren zu können. Es war mein erster Urlaub ohne Eltern - und wir ließen - na ja - so richtig die Sau raus. Wenn ich zurückblicke muss ich gestehen, ich habe schon damals immer etwas mehr als die anderen getrunken und war meist der letzte der ging ... oder wankte. Viel Kopfzerbrechen darüber habe ich mir nicht gemacht, schließlich war ich ein ausgezeichneter Sportsmann, fit wie ein Turnschuh, lebenslustig und - "vertragen" konnte ich auch etwas.

Nach den durchzechten und durchfeierten Londoner Nächten habe ich ab dem Wintersemester 1975/76 in Mainz, Stuttgart und Köln studiert, auch viel gefeiert und geliebt. 1982 begann ich mit dem, was man als Berufsleben bezeichnet. Und ich konnte gleich realisieren, wovon andere nur träumen: ein toller Job im Ausland, Sonne, Strand und Meer, ein sagenhafter Verdienst, so gut wie keine Ausgaben (alles gespart - da kam der Schwabe in mir durch) und bei allen beliebt und begehrt. Arbeitergott, was willst du mehr. Im ersten Jahr musste ich zwar kurz wegen einer Sportverletzung zur medizinischen Behandlung nach Deutschland zurückfliegen, aber ansonsten verlief die erste Saison als "richtiger Arbeiter" wie im Traum. Während des Winters 1982/83 gönnte ich mir 4 Monate Nichtstun, lebte auf meiner Trauminsel in den Tag hinein, lernte viele Menschen und angebliche Freunde kennen. Es war fast ein kleines Paradies, ein Paradies mit reichlich Alkohol, teilweise ausschweifend mit Feiern "nach Art des Landes", also über 3 Tage hinweg. Das gefiel mir. Die kommende Saison gestaltete sich nicht so wie es hätte sein können. Zwar hatte ich noch Spaß an der Arbeit und am Feiern, dennoch hatte ich bei allem ein ungutes Gefühl. Und als ob ich es hätte kommen sehen - mein Körper streikte gegen Saisonende, die Knochen machten nicht mehr mit. Ich war für meinen Arbeitgeber - obwohl ich eigentlich so eine Art Selbstständiger war - unbrauchbar, flog zurück und versuchte mein Glück in Deutschland. Jedoch - ohne Erfolg. Ich hatte keine Chance etwas gleichwertiges zu bekommen und musste mich nun auf neues Terrain begeben: auf Arbeitssuche. Ich bekam auch welche, aber sie schien mir nicht gerade dazu geschaffen den Rest meines Lebens damit zu verbringen. 

Alkohol spielte fast täglich eine Rolle in meinem damaligen Leben. Ich trank zwar nicht übermäßig, jedoch so gut wie täglich. Auch nicht viel, aber ab und zu "einen über den Durst". Na ja...nach einigem hin und her bekam ich eine feste Anstellung im Öffentlichen Dienst, ganz gut bezahlt und mit guten Aufstiegsmöglichkeiten. Das war im Oktober 1985. Und es zeigte sich fast eine Parallele zu meiner früheren Schulklasse, denn: unsere Abteilung war bekannt und berüchtigt für ihre Feiern. Wie es letztendlich dazu kam dass ich ohne den Schluck Alkohol, auch schon während der Arbeit, nicht mehr leben konnte, das weiß ich bis heute nicht. Es ist für mich auch nicht wichtig. Viel bedeutsamer war dass ich einige wenige Arbeitskollegen hatte, die meine Veränderung bemerkten und mich darauf auch ansprachen. Sie wussten mit der Situation zwar anfangs auch nicht richtig umzugehen, es war für mich aber mitentscheidend zu wissen dass man merkte wie und wie viel ich trank. Mir selbst gegenüber hatte ich mir meinen Alkoholismus längst eingestanden; oft genug stand ich betrunken vor dem Spiegel, schaute mich an und sagte zu dem Spiegelbild: "Du blöder schei... Alkoholiker". Ich konnte aber nichts dagegen tun. Insgesamt 3 mal habe ich es mit einem trockenen Entzug versucht, an langen Wochenenden und während eines Urlaubs, aber - das Zittern und der Alkohol waren stärker. Empfehlen kann ich das niemandem, mit Delirien und Wahnvorstellungen ist nicht zu spaßen. Bis heute weiß ich teilweise nicht was Traum war und was Realität. Während der letzten 2 Jahre meiner nassen Zeit musste ich schon nach dem Aufstehen anfangen zu trinken. Das Zittern wäre sonst zu stark geworden. Komischerweise hat keine meiner damaligen Freundinnen (angeblich) etwas von meiner Sucht bemerkt. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, dass ich es so gut hätte verheimlichen können.

Im Frühjahr 1999 besuchte ich zum ersten mal eine Selbsthilfegruppe. Erst jetzt wurde mir so einiges richtig bewusst: auf einmal musste ich mich nicht mehr schämen, ich brauchte nichts zu verheimlichen. Und - ich stand mit meiner Krankheit nicht mehr alleine da. Ein Grund dafür, dass ich immer noch wöchentlich dorthin gehe. Am 14. Juni 1999 ließ ich mich zur Entgiftung in die Klinik einweisen, oder - besser gesagt - mein Arbeitgeber setzte mir das Messer auf die Brust und sagte: "geh' da hin, oder deine Sauferei wird Konsequenzen haben". Der übriggebliebene Rest Verstand in meinem Hirn befahl mir, mich behandeln zu lassen, der Wille dazu war schon lange da gewesen. Es fehlte nur noch der letzte Tritt in die richtige Richtung.
Und der kam ziemlich schnell und heftig, noch vor besagtem 14. Juni: An einem Donnerstag, 5 Tage vor dem Termin für meine Entgiftung, musste ich zu einer amtsärztlichen Untersuchung. Mein Arbeitgeber bestand darauf. Ich startete also, beginnend mit Mittwochnachmittag, den verzweifelten und hoffnungslosen Versuch, zu dieser Untersuchung nüchtern erscheinen zu können. Das Unglaubliche geschah: Ich trank ganze 17 Stunden keinen Tropfen Alkohol und dachte, dadurch einen 'normalen' Eindruck hinterlassen zu können. Die Ärztin sah natürlich sofort was mit mir los war. Als klapperndes Häufchen Elend stand ich vor ihr, konnte mich kaum auf der Waage halten, musste mich an der Wand abstützen damit ich nicht hinfiel. An ein kontrolliertes ent- und bekleiden zur Untersuchung war überhaupt nicht zu denken. Sie wusste Bescheid über meine Alkoholabhängigkeit, ich sagte ihr auch, ohne gefragt zu werden: "Ich bin Alkoholiker und will in eine Entgiftung". Zuerst wollte sie mich bis zu dem anstehenden Termin gar nicht mehr arbeiten gehen lassen. Ich habe ihr dann dargelegt, dass ich, 5 Tage Freizeit und den Termin im Hinterkopf, mich wohl vollends kaputt saufen würde. Erst als ich ihr versprach, sofort nach der Untersuchung meinen Alkoholpegel wieder auf ein für mich 'normales Niveau' zu bringen, ließ sie mich gehen. Nicht ohne mir zu raten, 'einigermaßen nüchtern' montags in der Klinik zu erscheinen. Natürlich habe ich das nicht geschafft, mit 1,72 Promille tauchte ich dort auf, für mich damals ein Wert am unter Teil der Promilleskala; ich dachte wirklich, ich sei nüchtern.
Einige Monate später erfuhr ich von ihr, dass sie damals etwas gemacht hatte, was ihr in über 20 Jahren Suchtbetreuung noch nie passiert war: sie hatte sich persönlich darum bemüht und eingesetzt, mir schnellstmöglich einen Therapieplatz zu besorgen.

Meine mich damals behandelnde Ärztin sehe ich jetzt schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen - sollte sie diese Zeilen lesen. Aber - auch ihr möchte ich ein Dankeschön sagen, genauso wie all den anderen die mir, wissend oder nicht, geholfen haben. Auch wenn mir oft gesagt wird: "Das hast du alleine geschafft", so wäre mein heutiges Leben ohne diese Helfer kaum mehr möglich.

Denn - alleine hätte ich es nicht geschafft.

Und – es ist schön nicht alleine zu sein.

Tommie - ich muss mit Alkohol leben, aber ich muss ihn nicht trinken.


A.*:
Ich wurde unter Familienumständen groß, die die Psychologie als ungünstig beschreibt. Es fehlte an Halt und Unterstützung. Grenzüberschreitungen gehörten zum Alltäglichen. Der auszuhaltende Druck war sehr groß. Mit fünfzehn betrank ich mich zum ersten mal.  Nicht nur so ein bisschen, sondern gleich bis zum Vollrausch. Ich kann mich noch heute an dieses Gefühl der Erleichterung erinnern. Kurze Zeit betrank ich mich dann nur am Wochenende, doch die Abstände wurden sehr schnell kürzer. Mit 18 war ich schwanger und saß bald mit Kind und Familie in einer Situation die mich hoffnungslos überforderte. Morgens fand ich mich schon mal am Kühlschrank und trank aus der Flasche einen Schluck Schnaps. Nach acht Jahren nahm ich meine Sachen und ging ohne Kind in eine unbekannte Zukunft. Ich fing im sozialen Bereich an zu arbeiten und hatte nun auch Zugang zu Medikamenten. Es folgen Jahre, in denen ich es nicht mehr schaffte nur einen Tag nichts Alkoholisches zu trinken. Obendrauf warf ich dann wahllos manche Pille ein.

Ich war 32 Jahre als es noch mal zu einer neuen Ehe kam. Mein damaliger Mann ist ebenfalls in die Sucht verstrickt. Einige Jahre finde ich in dieser Beziehung Halt und mein Saufen pegelt sich runter. Meine beiden Kinder werden geboren...............und danach bricht alles zusammen. Unsere Kinder sind 5 und 3 Jahre alt, als diese Ehe auseinander geht. Die Söhne blieben bei mir. Ich stürzte komplett ab. An die alltägliche und emotionale Versorgung der Kinder ist nicht mehr zu denken. Wir versackten im Chaos. Und ich trank über den ganzen Tag, dämmerte so vor mich hin. Von meiner Arbeitsstelle hatte man mich entfernt.

1,5 Jahre nach der Trennung von meinem Mann  ich war 38 Jahre alt, geschieht Folgendes:
Ich bin eines Morgens in einen schrecklichen Entzugzustand gekommen: einen Tag bewusstlos oder bewusstseinseingeschränkt, Krämpfe und so weit ich in Erinnerung habe, hatte ich große Angstzustände. Viel später klärten mich Ärzte auf, dass ich in ein Prädelir gefallen war. Als ich daraus wieder aufwachte und an der Wand lang ins Bad gekrochen bin, sah ich im Spiegel eine Frau, die ich scheinbar nicht kannte. Aber dieser für mich so lebenswichtiger Satz kam über die Lippen: Ich bin Alkoholikerin. Als es mir körperlich etwas besser ging bin ich in mein erstes Meeting der Anonymen Alkoholiker gegangen. Und von diesem Tag an, bin ich fast ein Jahr lang täglich hingegangen. Ich wurde trocken und lebe heute im neunten Jahr - jeden Tag aufs Neue meine Alkoholabstinenz.

Im zweiten Jahr meiner Trockenheit, habe ich eine dreimonatige stationäre psychosomatische Therapie gemacht. Meine Kinder erhielten ebenfalls fachmännische Hilfe, für ihre Not, in die ich sie in meiner nassen Zeit getrieben hatte. Unser gesamtes Leben hat sich gewandelt. Wir haben zu einem liebevollen und ich besonders zu einem verantwortungsvollen Miteinander gefunden. Ich bin heute wieder berufstätig. Sämtliche Schulden waren irgendwann mal abgetragen. Es gibt Bekannte und Vertraute in meinem Leben. Ich habe immer noch, und das möchte ich auch nicht verändern, viel Kontakt zu Betroffenen. Für mich gilt der Satz: "Nur ich kann es schaffen, doch ich schaff es nicht allein".

Auch in meinem trockenem Leben gibt es Schwierigkeiten und Probleme, die zu lösen sind. Doch bisher hat mich nichts so geängstigt, dass ich glaubte, ich kann es nicht tragen. Ich bin ein Mensch geworden, der Lust auf sein Leben hat und der hoffnungsvoll auf jeden neuen Tag schaut.


Dirk: 
Dass ich mir selber eingestanden habe, alkoholabhängig zu sein, war ungefähr eineinhalb Jahre bevor ich trocken wurde. Ich war am Ende einer "Saufsession", die bei mir gewöhnlich ca. zwei Wochen anhielt. Körperlich am Boden, also mit dem notwendigen Leidensdruck, habe ich mich im Internet mit dem Thema Sucht auseinandergesetzt. Ich erinnere mich noch heute an das weinende Häufchen Elend, das verzweifelt auf dem Bett saß und ob des gelesenen nicht mehr weiter wusste. Ich wollte mit niemandem reden, war mir selber noch nicht klar, was denn nun mit mir ist, stand noch regelrecht unter Schock. Letztlich habe ich mich via E-Mail an einen Menschen gewand, dem ich zwar zu dem Zeitpunkt nicht so nahe stand, aber von dem ich mir Verständnis erhofft und auch bekommen habe. Von da an fand eine Auseinandersetzung mit mir und meinem Problem statt - Trinkpausen begannen und endeten wieder. Mit daran schuld war auch der Irrglaube, kontrolliert trinken zu können. Dazu muss ich sagen, dass ich auch während meinen heftigsten Trinkzeiten in der Öffentlichkeit NIE die Kontrolle verloren habe, immer in der Kneipe mit Freunden mein "Bierchen" getrunken habe, auch gern ein zweites und dann war gut. Ich war der Meinung, wenn ich nur in Suchtsituationen das Trinken vermeide, reicht das. Heute weiß ich, dass das nicht so ist. Selbst "alkoholfreies" Bier meide ich, da ich ihm auch mindesten einen Rückfall "verdanke".
 
Meinen persönlichen Tiefpunkt, ohne den kein Abhängiger aus der Such rauskommen kann, hatte ich im August 2000, zwei Wochen vor meinen 37. Geburtstag. Heute sage ich, dass ich im August zweimal Geburtstag habe. Ich war zwei Wochen (natürlich unter fadenscheiniger Begründung...) der Arbeit fern geblieben und körperlich am Ende. Mein Arbeitgeber hat dann Druck gemacht und wollte das Ende meiner "Krankheit" wissen und erfahren wann ich wieder dem Betrieb zur Verfügung stehe. Diese Nachricht erhielt ich am Mittwoch via E-Mail. Ich habe zurückgeschrieben, dass ich am Montag definitiv wieder komme, ohne die verlangte Begründung beizufügen. Ich wusste, ich benötige ca. zwei Tage, um die schlimmste Phase des Entzugs zu überstehen. Folglich musste ich am Freitagabend mit dem Trinken aufhören. Mit dem äußeren Druck, mich nicht meinem Arbeitgeber offenbaren zu müssen, habe ich den Freitagstermin eingehalten. Aber es fand in meinem Kopf noch was anderes zu diesem Zeitpunkt statt. Ich habe angefangen, mich meinem Körper zu stellen. Ein wesentlicher Punkt für mich, aus der Sucht raus zu kommen. Mein schlechter körperlicher Zustand hat wesentlich zum Trocken werden beigetragen. Ich habe Arzttermine vereinbart, mich meinem Hausarzt sofort als Alkoholiker zu erkennen gegeben und wurde von ihm entsprechend behandelt. Die Diagnose: Ein sehr schlechter körperlicher Allgemeinzustand, eine Leber, die nur ganz knapp einer Zirrhose entkam sowie eine leichte Diabetes. Die erinnert mich nun täglich an den Missbrauch meines Körpers, ist aber auch Begründung, warum ich nicht (mehr) trinke in Situationen, in denen ich mich nicht als Alkoholiker outen will oder kann. Gerade am Anfang meiner Trockenheit waren solche "Brücken" eine wichtige Hilfe, in einer Welt, in der Alkohol etwas selbstverständliches ist, alkoholfrei zu leben und trotzdem nicht vorverurteilt zu werden. Ich nehme mir das Recht, selber zu entscheiden, wem ich meine Alkoholabhängigkeit anvertraue und wem nicht, bis heute raus und werde es auch in Zukunft tun. Als Alkoholiker lernt man Lügen. Ich setze diese "Fähigkeit" heute manchmal bewusst ein, um trocken zu bleiben, mich vor Situationen zu schützen, die mich rückfallgefährden. Auch wenn ich es hasse! 

Den Entzug, die ca. zwei bis drei Wochen, in denen der Körper verrückt spielt, habe ich alleine und ohne Klinik überstanden. Heute erinnere ich mich mit einem Schmunzeln, aber auch mit Stolz, an Episoden in der Firma, in denen ich zum Kaffeeautomat ging und leichtsinnigerweise die Kollegen fragte, ob ich ihnen einen Kaffee mitbringen solle. Zu viele sagten "ja" und man wollte mir schon in freundlicher Absicht ein Tablett reichen, um die vier Kaffeebecher nach oben zu bringen. Ich habe dankend abgelehnt und mir lieber die Finger verbrannt, statt mit zitternden Händen das Tablett fallen zu lassen. Und das Tragen von schweren Gegenständen vor Publikum habe ich in diesen Tagen auch tunlichst vermieden. In dieser Zeit habe ich mich auch nach einer Gruppe hier vor Ort umgesehen. Auch hier half mir das Internet sehr weiter. 

Trocken werden ist eine Sache, aber trocken bleiben eine andere. Trocken werden kann man alleine (mal abgesehen von gegebenenfalls notwendiger medizinischer Betreuung!), trocken bleiben ohne ein neues konstruktives Umfeld halte ich für kaum möglich, vor allem macht man es sich alleine unnötig schwer. Der Kontakt und Austausch mit anderen Betroffenen ist gerade am Anfang unheimlich wichtig. Es ist einfach angenehm, mit jemandem über seine Sucht zu sprechen und nicht erklären zu müssen, wie beim Entzug das Gefühl ist oder was Suchtdruck ist. Ich bin einige Wochen nach dem Entzug zu den Guttemplern gegangen und fühle mich dort sehr wohl. Natürlich war in der ersten Zeit das Trockensein nicht einfach. Getragen hat mich aber auch sehr der Erfolg. Plötzlich hat mein Körper nicht schon am Nachmittag nur noch an den Rausch am Abend gedacht, mit der Zeit ging das Zittern weg, ich wurde auch im Kopf klarer, habe meine Umwelt plötzlich nicht nur gesehen sondern erlebt. Ich habe auch körperlich den Tag überstanden, hatte abends noch Zeit, was zu machen, zuhause oder mit Freunden, die ich in meiner Trinkzeit immer mehr gemieden und von denen ich mich zurückgezogen habe. 

Sehr bald wurde der Erfolg zum Selbstläufer. Aus den Erfolgen, die ich durch meine Trockenheit erzielte, bekam ich neue Kraft für den nächsten Tag. Eine Euphorie, die mehrere Monate anhielt und zum Teil auch heute noch da ist. Manchmal, wenn ich heute im Supermarkt vom Nudelregal zur Wursttheke gehe, wähle ich bewusst den Weg durch die Schnapsregale und es erfüllt mich mit viel Stolz, nicht beim billigen Wodka stehen zu bleiben und mich, sowohl körperlich als auch symbolisch nach ihm zu bücken.

Aber auch die höchste Euphorie endet irgendwann einmal. Es kommt nicht plötzlich aber nach und nach holt einen der Alltag ein. Ich glaube, Menschen, die eine stationäre Therapie gemacht haben, haben es da noch schwerer. Es ist, wie in einer guten Partnerschaft. Die Qualität zeigt sich nicht in den guten Tagen sondern in den schlechten. Ich musste lernen, mit diesen Tagen zu leben, zu akzeptieren, dass das bewusste Leben auch das bewusste Erleben von schlechten Tagen bedeutet. Das hört sich sehr einfach an, ist es aber für mich ganz und gar nicht. Oft am Wochenende, wenn ich alleine zu hause bin, leide ich unter Suchtdruck, bin ganz damit beschäftigt, ihn abzuwehren. Letztlich läuft es zumindest im Ansatz auf Suchtverlagerung hinaus. Ich versuche, es zu akzeptieren, das Leben zu nehmen wie das Leben nun mal ist, wechselhaft und nicht immer nur gut drauf. Bis heute habe ich es geschafft. Als nicht religiöser Mensch kann ich zu niemandem beten, der mir Kraft gibt. Ich bin auf mich alleine angewiesen. Aber ich entdecke auch Eigenschaften an mir, die mir Kraft geben. Die ich aber erst gesehen habe, als ich trocken und nüchtern war. Ich musste erst trocken werden, um zu sehen, wie es ist trocken zu sein.

Fortsetzung 2001
Ich bin abstinent geblieben und habe gute Chancen, es auch weiterhin zu sein. Ich hüte mich vor Überheblichkeit aber ich spüre doch langsam ein gewisses Maß an Routine und Gewöhnung. Die Dinge haben sich verändert. Abstinenz und alles was damit zusammen hängt, steht nicht mehr im absoluten Vordergrund meines Lebens (so wie es früher der Mittelpunkt des Lebens die Beschaffung und "Verkonsumierung" von Alkohol war). Auch der gesellschaftliche Umgang mit Abstinenz in einer nicht abstinenten Welt kann mittlerweile auf einen Erfahrungsschatz aufbauen, der Angst und Unsicherheit genommen hat. Aufkommenden Suchtdruck in bestimmten Situationen, denen ich mich nicht entziehen kann, gehe ich mit einem Werkzeugkasten aus Gegenmaßnahmen an, auf die ich mich mittlerweile sehr verlassen kann. Andere Dinge in meinem Leben sind wichtig geworden, stehen im Vordergrund. Ich gestalte meine Freizeit, fühle mich frei und nicht mehr unter dem Diktat der Sucht, lerne mit dieser Freiheit umzugehen, sie anzuwenden, mittlerweile gewohnheitsmäßig aber nicht weniger dankbar. 

Ich habe mich beruflich stabilisiert, aus einem "von-der-Hand-in-den-Mund"-Arbeitsverhältnis (mit anderen Worten: freiberuflich) habe ich im Februar dieses Jahres die Chance genutzt, bei meinem Hauptkunden ein festes Arbeitsverhältnis einzugehen. Die Strategie hieß und heißt immer noch: "stabilisieren". Erst mal in die Horizontale des Lebens kommen. Das hat gut getan. Ich bin seit Februar 2001 Mitglied in einer Guttemplergemeinschaft in meiner Heimatstadt. Diesem "Auch-Abstinenzverband" verdanke ich im Übrigen sehr viel. Heute weiß ich, dass ohne die zeitlich unbefristete Nachsorge in einer Selbsthilfegruppe (welche auch immer, Hauptsache, sie sagt einem zu) eine dauerhafte zufriedene Abstinenz nicht möglich ist. Mittlerweile machen die Kontakte zu Gemeinschaftsmitgliedern einen wesentlichen Teil meiner örtlichen sozialen Beziehungen aus. Die Philosophie der Guttempler ist es, dass das Leben nach der stoffgebundenen Abhängigkeit weiter geht, der Mensch sich weiter bewegt und die Sucht hinter einem liegt, nicht vergessen ist (nicht vergessen werden darf) aber nicht mehr das Lebenszentrum ist. Dies entspricht auch meiner Ansicht und persönlichen Auffassung. So langsam gehe ich auch wieder privat längerfristige Projekte an, versuche, mich in der Freizeit persönlich und auch teilweise beruflich besser zu qualifizieren. Nicht, dass jeder Tag Sonnenschein ist. Ganz sicher nicht. Aber jeder dunkle Tag, an dem ich nicht getrunken habe zählt doppelt und ich arbeite sehr dran, mich auch doppelt zu freuen. Wie ich weiter oben schon erwähnte: Aus dem Erfolg eines abstinenten Tages kann man die Kraft für einen neuen abstinenten Tag ziehen. Und aus einem doppelten Erfolg... Nur: man muss eben lernen, sich dessen auch bewusst zu werden. Und das, so wissen wir Suchtabhängigen, ist manchmal das schwerste überhaupt. Aber: ohne Selbstwertgefühl geht es nicht und Selbstwertgefühl bekommt man am ehesten durch Stolz auf sich selber. Und mit der Zeit.......



Von Ike aus Belgien:
Das leben probieren ohne Alkohol zu durchlaufen ist ein harter Weg mit Fallen und Aufstehen. Der eine hat es einfacher oder schwerer als der andere, aber global genommen ist es ein schwerer Kampf gegen den Alkohol. Für jemanden mit Trinkproblemen ("Alki") ist das nun einmal im Leben. Die Außenwelt die von diesen Problemen nichts kennen oder wissen will, reagiert manchmal auf eine dumme oder unbegreifliche Weise so dass wir des öfteren auf unsere Zähne beißen müssen.
Viele Menschen haben Spaß daran wenn man rückfällig wird, doch andere haben auch Bewunderung für uns.
Es bestehen so viel Fragen: Warum kann ausgerechnet ich nicht mit Alkohol umgehen (sozial trinken)? Die antwort darauf ist für mich daher verschieden:

1) Ich habe beschlossen nicht mehr zu trinken
2) Ich probiere nicht mehr zu trinken und das geht mit Fallen und Aufstehen.
3) Einige, die schon einmal rückfällig waren müssen nicht verzweifeln solange sie ehrlich gegenüber sich selbst sind
Wir werden auch nicht schief angesehen, denn das kann niemand sagen: So was überkommt mir nicht oder das soll mir nicht passieren. Wir sind alle Menschen mit ein Problem - es ist der Alkohol auf dem wir konstant aufpassen müssen. Ich persönlich finde, dass es ein harter weg zu laufen ist. Aber es gibt Selbsthilfegruppen mit der Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Ein anderes (neues) Leben aufbauen, so schwierig es auch ist, wir sollten noch öfters am Rande des Weges sitzen und Fragen stellen an uns selber:
Muss es so weiter gehen? Kann ich so weitermachen? Ist es die Mühe wert, dass ich so weiter gehe? Meine persönliche Antwort ist JA. Meine Nüchternheit probiere ich festzuhalten Schritt für Schritt. Hören auf Ratschläge und sie nicht in den Wind schlagen. Nüchtern werden oder sein ist ein Prozess von Stufen. Jede/r erfährt es auf seine/ ihre eigene Manier. Der eine sieht es durch die rosarote Brille der andere sieht schwarz.
Das Nüchtern sein ist eine Sache für sich und mit dem Rest muss ich noch lernen umzugehen und das ist dann der LANGE HARTE WEG.

Martha:
Ich habe mit 18 bemerkt, dass ich für Alkohol sehr empfänglich bin. Immer, wenn ich allein zu Hause war trank ich heimlich. Mein natürliches Wesen wurde durch den Alkoholkonsum gänzlich zugedeckt und ich tat Dinge (im betrunkenen Zustand) die mir gänzlich fremd und unangenehm waren. Meine - viel zu früh eingegangene Ehe - ging kaputt. Ich fing mich wieder un
d war beruflich erfolgreich; lernte meine große Liebe kennen und bekam mit 23 meine Tochter. In der Schwangerschaft trank ich - aus Angst um mein Kind - nicht. Allerdings der innere Kampf war schwer es zu lassen. Nach der Geburt meiner Tochter war ich arbeitslos und daher viel zu Hause. Der Vater meines Kindes ging ständig fremd und ich betäubte mich  - heimlich - mit Alkohol. Der Konsum wurde immer mehr. Als meine Tochter 2 Jahre alt war begann ich wieder halbtags zu arbeiten. Am Nachmittag trank ich heimlich. Wie viel meine Tochter in dieser Zeit mitbekommen hat weis ich nicht. Ständig war der Kampf da weniger zu trinken und ständig versagte ich wieder. Es war so eine schlimme Zeit, da ich mir durchaus bewusst war, wie sehr mir der Alkohol schadet und ich doch immer wieder kapitulierte, wenn ich mir neuen Alkohol besorgte. Oft fuhr ich morgens meine Tochter mit Restalkohol in den Kindergarten. Starke Kopfschmerzen und immer die Angst im Nacken in eine Polizeikontrolle zu gelangen. Mein Arbeitgeber und meine Umwelt bekamen von meinem Kampf nichts mit. Meine Familie schon. Mein Lebenspartner ignorierte die Situation. Zum einen war ich eine tolle Geliebte (im betrunkenen Zustand), zum anderen hinterfragte ich nicht wo er war. Außerdem bekam ich nicht mit, wann er nach Hause kam. Ich konnte fast nicht mehr vor mir bestehen und zerbrach innerlich. Der Konsum wurde erheblich mehr. 

In der Nacht vom 22. auf 23. Februar 1991 hatte ich wohl meinen schlimmsten Zusammenbruch. Mein Kind schlief - ich habe das ganze Wohnzimmer demoliert und bin irgendwann wohl eingeschlafen. Aus meinem Inneren heraus weis ich, dass ich an der Schwelle zum Tod stand. Ich hatte so viel Alkohol und Tabletten konsumiert, dass ich meinem Schutzengel gegenüber stand. Dieses Erlebnis was ich hatte hat in mir ausgelöst, dass ich ab dem 23.02.91 nicht mehr trinken wollte. Ich habe 18 Tage zu Hause entgiftet. Meine Mutter hat mir geholfen. Diese Zeit war jämmerlich. Am 19. Tag bin ich zu einem Therapeuten und bat um Hilfe. Dieser Arzt stellte sich vor mich hin und sagte mir ins Gesicht - SIE SIND ALKOHOLIKERIN UND MÜSSEN VON DER STRASSE!!. Er rief die Landesklinik in Langenfeld an und teilte mir mit, dass ich unverzüglich nach Hause gehen sollte, meinen Koffer packen und mich stationär aufnehmen lassen soll. Ich fiel in ein so großes Loch, wo ich doch so stolz auf meine 18 Tage Trockenheit war. Ich fuhr nach Hause und packte meine Tasche, nahm meine kleine Tochter und meine Mutter und fuhr in die Klinik. Ich musste durch den ganzen Park gehen um zur Suchtambulanz zu kommen. An meiner Hand meine Tochter, die ich über alles liebte und vor mir ein Weg der mir schwerer als alles zuvor erschien. In der Ambulanz wurde ich von einer Oberärztin empfangen, welche sich 2 Stunden mit mir unterhielt. Danach teilte sie mir mit, dass ich aus ihrer Sicht her doch sehr stark sei und sie mir eine ambulante Behandlung anbot. Ich konnte wieder nach Hause!!!! 

Die Sonne erschien mir heller als ich mit meinem Kind an der Hand zurück zum Ausgang ging. Ich erklärte mich einverstanden vier mal in der Woche morgens um sieben (vor der Arbeit) in die Klinik zu gehen. Entweder wurde mir nur die Hand geschüttelt, oder ich musste pusten oder mir wurde Blut abgenommen. Ich wusste es vorher nicht. Zwei mal in der Woche ging ich zusätzlich in die offene Gruppe in der Klinik, welche von einem Arzt geleitet wurde und einmal in der Woche hatte ich Einzeltherapie bei einem Psychologen. Zwei Jahre ging das so. Dann nur noch die Einzeltherapie weitere zwei Jahre lang. In dieser Zeit bin ich eine ganz andere Frau geworden. Ich war zwar trocken aber nicht mehr EINFACH. Ich hinterfragte Dinge die ich vorher hingenommen habe. Ich bin ein sehr stiller und in sich gekehrter Mensch geworden. Meine Beziehung ging kaputt da ich sein ständiges Fremdgehen nicht mehr aushalten konnte. Aber mit der "neuen Frau" kann ich mich viel besser identifizieren. Diese ruhige, oft auch traurige Frau ist mir sehr nahe und vertraut. Es ist nicht immer leicht mit dieser "neuen Frau", dass ich mich mit ihr innerlich auseinandersetzen muss und sie so gar nicht einfach mehr ist. Aber ich bin glücklicher in der Haut dieser "neuen Frau".

Heute bin ich 10 Jahre und 10 Monate trocken. Oft wache ich noch morgens auf und danke Gott,  dass ich trocken bin. Es ist ein schwerer Weg gewesen, aber jeder Tag hat sich gelohnt. Ich wünsche allen, die diesen Weg noch vor sich haben viel, viel Kraft und Durchhaltevermögen. Und ich wünsche mir und allen denen, die ein ähnliches Schicksal haben, toi, toi!! Es wird immer ein Kampf bleiben. Aber es lohnt sich diesen Kampf zu kämpfen. Mit jedem Tag wird man stärker. Sicher gibt es auch Zeiten, wo man glaubt jetzt kommt ein Rückfall. Zum Glück bin ich bis zum heutigen Tage davon verschont geblieben, aber ich bin mir auch immer und jeder Zeit bewusst wie sehr ich nach wie vor gefährdet bin. Und jeden Tag fange ich neu an. Am 23. 2. 91 begann ein für mich neues Leben. Dafür bin ich dankbar und daher feiere ich auch zweimal im Jahr Geburtstag.


Elmundo:
Wo fängt man an und wo endet es? Ernsthaft angefangen mit Trinken habe ich in der Armeezeit (NVA). Und das ist mittlerweile runde zwanzig Jahre her. Aber es ging dort schon hart zur Sache (auch mit technischen Alkohol). Mit der Zeit hat es sich so eingebürgert das zu jeden Anlass gesoffen wurde. Meine Familiengründung verbunden mit einen Wohnortwechsel hat nichts an allem geändert. Nein es wurde nur noch mehr . Ich „war“ immer der Meinung, dass ich alles im Griff habe und ich doch nicht zu denjenigen gehöre, die ständig am Kiosk waren. Ich war doch etwas „Besseres“ - dachte ich, weil ich ja „nur“ zu Hause getrunken habe (...aber das eben gewaltig!). Eine 0,7-Liter-Flasche Weinbrand in 30 Minuten beim Kohlen holen.  Eines Tages jedoch merkte ich, dass meine Frau zweimal die Woche abends weg war und statt dessen mein Schwiegervater da war. Aber auch den „dachte“ ich, kannste austricksen . Meine Frau war zu dieser Zeit schon zu einer Angehörigen-Gruppe. 

Wie es kommen musste, verlor ich auch noch meine Fahrerlaubnis. Dies war auch kein Grund aufzuhören. Statt dessen ging es munter weiter. Tagsüber Arbeiten ohne Alk und kaum zu Hause alles nachholen. Gesundheitlich fing ich an rapide ab zubauen. Dies machte sich hauptsächlich im Gewicht aus und, dass ich mich morgens übergeben musste. Das Verhältnis zu meinen Schwiegervater wurde immer schlechter und es schalteten sich meine Geschwister und Eltern ein. Aber von alledem wollte ich ja nichts wissen, denn ich war ja kein „Säufer“. 

Bei der Arbeit hatte ich dann auch schon zweimal Probleme mit den Kreislauf und so langsam merkte ich, dass da was nicht stimmte. Ich ging ganz allein ohne jegliches Mitwissen meiner Verwandten zu einen Physiologen und der verwies mich zur Suchtberatung . Dort habe ich erst einmal angefangen mich mit diesen Thema auseinander zu setzen . Ich war natürlich nicht immer nüchtern wenn ich dort hin ging aber es gab  schon alkoholfreie Tage. Es wurde ein Termin zur Entgiftung ausgemacht, welche ich auch erfolgreich schaffte. Bloß die Rückfahrt war schon wieder mein Verhängnis, weil es mir ja wieder so gut ging. Ich beantragte eine Langzeit-Therapie, die ich auch brauchte um im Gedanken klar zu werden über mein weiteren Lebensweg. Das kuriose ist,  dass ich fünfzig Tage vor Antritt der „Kur“ aus einen ernsthaften Streit mit meinen Schwiegervater aus „Sturheit“ mit denn Trinken aufgehört habe. 

Was ich vergessen habe zu erwähnen ist, dass ich während meiner Entgiftung die Kündigung erhalten hatte. Nach Abschluss der Kur fing ich an, mein Leben im aufrechten Gang wieder neu zu erlernen.

Aber ich ging alles der Reihe nach an. Der erste Schritt war eine Umschulung – der zweite die Fahrerlaubnis – der dritte eine Arbeitsstelle nicht zu vergessen ist die persönliche Aufarbeitung des Lebens.

Wenn ich jetzt nach sechs Jahren der Trockenheit zurückblicke bin ich stolz auf das Erreichte und kann jeden nur Mut zusprechen denn es ist lebenswert, einen Strich  zu ziehen. Wie fühlt man sich nach sechs Jahren? Es ist wunder bar!  Wichtig ist, dass man nie aufgeben darf, denn jeder Rückfall bringt auch eine neue Chance hervor. Ich habe auch gelernt, offen darüber zu reden und zu der Krankheit zu stehen - denn dadurch lösen sich viele Probleme.

GEDULD - TOLLERANZ - OFFENHEIT -  MUT - UND HILFE ANNEHMEN - das sind Grundgedanken zum Gelingen.


B.D.:
Ich bin 45 Jahre alt und
Alkoholiker und wollte das aber lange Zeit gar nicht wahr haben. Ich habe ja nicht unter der Brücke oder auf der Parkbank gepennt. Bei mir war das ja alles nicht so schlimm - die anderen saufen ja viel mehr. Meine Frau hat mich immer gebeten nicht so viel zu trinken , ich habe Ihr dann jedes Mal versprochen nicht mehr so viel zu trinken. Nur eingehalten habe ich das nie. Ich wusste nicht das ich es gar nicht einhalten konnte.
An meinem Arbeitsplatz habe ich mich gut verstecken können. Ich habe erst abendsgetrunken. Aber mit meiner Gesundheit ging es immer mehr bergab. Im Mai 1994 habe ich meine Ärztin angerufen und ihr gesagt:, ich habe ein Problem, Alkohol, das war Ihr bekannt, nur mir nicht. Sie bestellte mich mit meiner Frau für den nächsten Tag in ihre Praxis. Hätte ich da schon gewusst was ich jetzt anfange dann hätte ich wahrscheinlich nicht angerufen. Heute bin ich froh das ich angerufen habe. Wir haben über die Krankheit geredet und das ich da alleine nicht wieder heraus komme. Sie gab mir dann die Telefonnummer von einem Suchtberater beim Gesundheitsamt. Mit dem machte ich einen Termin. Dann folgte die erste stationäre Entgiftung, im Krankenhaus war mir das sicherer. Das war noch ziemlich harmlos. Nach sieben Tagen kam ich wieder raus und war entgiftet. Danach schloss ich mich einer Selbsthilfegruppe für Alkoholkranke Menschen an.  Danach habe ich ein paar Wochen nicht getrunken aber dann fühlte ich mich wieder stark und habe langsam wieder angefangen zu trinken. Zur Selbsthilfegruppe bin ich dann auch nicht mehr gegangen, ich trank ja sowieso wieder. Es wurde dann sehr schnell immer mehr, bis zu 0,7l Schnaps am Abend. Meine Gesundheit ging wieder runter.
Zum Schluss ging nicht mehr und ich machte die zweite Entgiftung. Die dauerte auch sieben Tage aber diesmal mit Krampfanfall und der war hart. Ich habe Dinge gesehen die gar nicht seien konnten, ich wurde am Bett festgeschnallt. Ich glaube das waren drei Tage auf der Intensivstation. Danach wusste ich was ich meinem Körper angetan hatte. Von dem was ich da in geistiger Abwesenheit erlebt habe müsste zur Abschreckung ein Film gedreht werden. Noch vom Krankenbett aus habe ich meinen Suchtberater angerufen und mich um einen Therapieplatz bemüht.  Ich wusste jetzt, dass ich es alleine nicht schaffe und wenn ich nicht aufhöre zu Trinken verliere ich alles, meine Frau, meinen Arbeitsplatz, meine Wohnung, meinen Führerschein,
eben alles. Ich habe von da an keinen Alkohol mehr angefasst. Ich wollte so etwas nicht noch einmal miterleben.
Nach acht Wochen habe ich eine Therapie in den Kliniken Wied angetreten, sie dauerte vier Monate. Ich habe mich gefragt mit was für Chaoten und versoffenen Idioten kommst du jetzt wohl zusammen, warum musste es so weit kommen? Dann habe ich feststellen können, so schlimm waren Die gar nicht, es waren alles ganz normale Menschen mit dem gleichen Problem wie Ich. Bis dahin habe ich geglaubt ganz alleine mit meinem Problem zu sein. Während dieser Therapie habe ich Zeit gehabt über mich nachzudenken, so viel Zeit für mich ganz alleine werde ich wohl nie wieder haben. Ich habe dort Freunde gefunden wie ich sie in der sogenannten normalen Welt nicht finden konnte. Jetzt  bin ich ca. sieben Jahre trocken und tue alles um meine zufriedene Abstinenz zu erhalten. Das erster Glas stehen lassen, meine Wohnung als alkoholfreie Zone und regelmäßig die Selbsthilfegruppe besuchen. Hätte ich vor sieben Jahren diesen Weg nicht eingeschlagen dann wäre ich schon drei Jahre TOT.


E.M.:
Ich kann Ihnen nur schreiben, wie es mir erging. Ich bin selbst alkoholabhängig und Mitglied der Selbsthilfegruppe Püttlingen. Ich war früher Maurer und trank bis zu einem Kasten Bier am Tag, allerdings noch einige Alibischnäpse (Magenbitter) dazwischen. Dann wurde mir gekündigt und das Arbeitsamt bot mir eine Umschulung an. Mir wurde klar, dass ich unter Alkohol diese Maßnahme nicht schaffe, und so habe ich mir selbst eine Frist gesetzt: Ab dem 1.1. wird kein Alkohol mehr getrunken! Und das habe ich gehalten! Es ist mir zwar schwergefallen, aber ich bin jetzt seit 1978 trocken. Aus diesem Grund war ich dann vor einiger Zeit sehr erschrocken, als ich bemerkte dass meine Frau auch immer mehr Alkohol brauchte. Bei ihr hat es schleichend angefangen, allerdings gab sie nie zu, abhängig zu sein. Sie meinte nur, sie würde trinken und es würde immer mehr werden. Da ich die ganze Problematik von meiner nassen Zeit kenne, wollte ich ihr helfen, allerdings ist von ihrer Seite jedes Gespräch abgewürgt worden. Es flogen zwar Gegenstände durchs Zimmer, sie wurde handgreiflich und ich wurde in der übelsten Weise von ihr beschimpft. Immer noch leugnete sie ab, alkoholabhängig zu sein und fuhr in diesem Zustand sogar Auto. Es war ihr nicht einmal peinlich, wenn sie leichtbekleidet zu sehen war. Eines Morgens zitterte sie dann einmal wie "Espenlaub" und ich merkte, dass jetzt Etwas geschehen musste. Zum Arzt wollte sie nicht und so bekam sie von mir weniger Geld. Daraufhin fühlte sie sich unterdrückt und bevormundet und zog aus unserem gemeinsamen Haus aus. Das nächste, was ich von ihr hörte, war die Unterhaltsforderung von ihrem Anwalt. Ihrer ganzen  Verwandtschaft erzählte sie, meine Ausführungen würden nicht stimmen, und sie würde nicht trinken. Scheinbar ist der Alkoholkonsum dann aber doch schlimmer geworden und aufgefallen,  jedenfalls ging meine Frau mit einer ihrer Schwestern zum Arzt und hat anschließend eine stationäre Entgiftung gemacht. Das weiß ich sowie unsere 2 Kinder allerdings nur über Dritte, denn meine Frau fand es nicht für nötig, uns zu verständigen. jeder Vermittlungsversuch von mir und auch von den Kindern in mündlicher sowie schriftlicher Form wurden von ihr abgewürgt, und so habe ich bis heute keinen Kontakt zu ihr, obwohl ich weiß, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Meine Kinder und auch ich sind sehr auf ihr Wohl bedacht und würden gerne wieder zusammenleben. 


Axel:
Ich habe mir grade diese Seite angeschaut und stelle fest, dass ich das alles kenne. Ich bin Jahre auf Alk und kann euch sagen, dass ich nicht wusste, dass ich alkoholkrank bin bevor ich nicht eine Entgiftung gemacht habe. Ich war ein Mensch immer schon ohne Lebens Freude oder richtigen Gefühlen Ich habe alles um mich herum nie wahrgenommen für mich war es normal Alkohol zu trinken. Ich habe damit angefangen als ich 11 Jahre war und mit 15 Jahren war ich richtig drauf - lernte meine große Liebe kennen. Alles fing ab dann an schief zu gehen. Trank immer mehr - auf Grund des Trinkens wurde ich auch noch angstkrank (Angstzustände) und konnte nicht mehr aufhören! Machte meine Arbeit zwar noch, aber alles im Suff. Fing an, mich mit meiner Frau jeden tag an zu streiten nur damit ich trinken kann, dachte aber nie das ich Alki bin.  Als sie dann schwanger wurde sagte ich zu mir ich will nicht mehr saufen. Ich tat es weiter, als alles schon ihn Scherben lag, in ich zur Entgiftung gegangen aber erst da merkte ich, dass ich alkoholkrank bin. Es war schön wieder am Leben teil zu nehmen ich hatte Gefühle und ich konnte leben und lieben! PS: Ich musste grade sehr weinen ,als ich diese Seite gelesen habe. Ich dachte, dass ich heute was trinken muss, weil ich heute meine Kündigung bekommen habe! Aber nun nicht mehr DANKE Axel.


Ute:
wenn ich von Rückfällen und dem Kampf ums Trockenwerden lese, dann fällt mir die grauenvolle Zeit ein, als ich bereits wusste wo ich Hilfe finde, jedoch keinen Mut hatte, mit dem Aufhören zu beginnen. Ich soff noch sechs Jahre weiter. Nach meiner ersten Entgiftung hatte ich bereits fünfzehn Jahre Sucht hinter mir und nahm auch einiges andere dazu wie beispielsweise Kokain. Immer mit dem Wissen, ich sterbe jeden Tag ein bisschen und mit den inneren Qualen.

So ging es nicht weiter, ich wollte nicht sterben. Ich konnte nicht mehr arbeiten, hatte keine Sozialkontakte mehr, kein Geld, Schulden, Führerschein weg, Auto Schrott und mein Vermieter und die Nachbarn machten mobil gegen mich. Ich sah schrecklich aus, ganz aufgedunsen und traute mich nur noch mit Schirm, Mütze oder Sonnenbrille zur Bude gegenüber - ich verkümmerte regelrecht. Ich war so eine gequälte Kreatur, im Nachhinein bin ich der Meinung, dass Gott sehr gut auf mich aufgepasst hat, damit ich dies überlebte.

Nach vielen Tiefpunkten und Krisen war dann am 28. Juni 2000 der Tag gekommen, an dem ich endlich aufgab. Ich wusste nicht, was kommen wird, aber es würde besser werden, als es war. Es war wie eine radikale innere Umkehr. Es gab keine Zweifel mehr, dass ich genesen würde. Wie das geschehen würde wusste ich nicht, aber ich fing einfach an und trank nicht mehr. Nach sechs Tagen war ich in der Lage in ein Meeting der Anonymen Alkoholiker zu gehen. Seither weiß ich, dass Gott mir geholfen hat, weil ich ihn darum gebeten habe. Ich habe abgegeben, in dem Moment, als ich die letzte Flasche Schnaps in den Ausguss leerte.

Die guten Gedanken und die Aufnahme bei den Anonymen Alkoholikern, die 90 Meetings und freundliche Worte habe ich so dankbar angenommen. Es war Balsam für meine Seele, ich habe wieder Hoffnung und gute Aussichten. Inzwischen bin ich neun Monate und drei Tage trocken und clean! Ich habe ein gutes Leben geschenkt bekommen. Meistens bin ich ganz zufrieden. Ich achte auf meine Gefühle und Gedanken. In Gedanken bin ich oft bei meinen neuen Freunden und dem Programm von den Anonymen Alkoholikern. Ich gehe in Meetings und lese viel. Ich bete, ich arbeite, ich kümmere mich um mich selbst, meine Eltern und meinen Bruder, meine neuen Bekanntschaften bei AA, um meine Tiere und um meine Kolleginnen. Ich habe wieder Anteil am normalen Leben. Ich habe Verantwortung für mich und mein Leben übernommen und es macht Spaß! Meine Liste der Dinge, für die ich dankbar bin, ist unendlich lang.


Wolfgang:
Vor 15 Jahren etwa merkte ich bei mir, dass ich den Alkohol immer öfter als Problemlöser einsetzte. Ich habe dann unzählige Male probiert das Problem selbst in den Griff zu bekommen, was natürlich immer schon von vorn herein nicht klappen konnte. Meine Trinkerei wurde immer schlimmer und meine Frau drohte mir oft mit Scheidung. Ich suchte und fand immer wieder Ausreden und trank weiter. Da ich kaum etwas essen konnte (Appetitlosigkeit) konnte ich auch nicht mehr viel Alkohol vertragen. Meine Trinkgewohnheiten änderten sich - ich fing an heimlich zu trinken. Ich brauchte immer einen gewissen Spiegel damit ich dem Zittern ausweichen konnte. Es war eine sehr schlimme Zeit, die ich da durch gemacht habe. Zum Schluss ernährte ich mich ausschließlich nur noch vom Alkohol und dementsprechend sah ich auch aus. Das blieb natürlich auch meinem Arbeitgeber nicht verborgen. Er stellte mir auch öfter die Rute ins Fenster, was ich aber in meiner inzwischen zur Krankheit gewordenen Trinkerei für ungerecht hielt.

Ich konnte meine Arbeiten nur noch mit größter Anstrengung und unter Alkoholeinwirkung schaffen. Ich musste auch schon vor der Arbeit Alkohol zu mir nehmen um die unangenehmen Nebenwirkungen (Zittern, Übelkeit, Unsicherheit) zu vertuschen. Das ging auch eine zeitlang gut. Meine Frau merkte kaum etwas davon, da ich Spezialist im "Alkverstecken" war. Meine Vorräte waren überall, sodass ich mich immer wieder dopen konnte. Mir ging es inzwischen so dreckig, dass ich sogar an Selbstmord meine Gedanken verschwendete - so konnte es natürlich nicht weitergehen. Immer die Angst, beim Autofahren erwischt zu werden, in der Firma nicht aufzufallen und zu Hause schauspielern.

Ich ging zum Arzt und lies mir helfen. Er wies mich in eine Klinik für Alkohol- und Drogenabhängige ein. Ist bei mir ganz in der Nähe - eine Superklinik, eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt. Meine Frau verstand die Welt nicht mehr, denn ich hätte für meine schauspielerischen Leistungen den Oskar verdient. Sie hat es nie mitbekommen, wie ernst es eigentlich um mich stand. Am 17. April 1989 trat ich meine Therapie an, wo ich natürlich noch mit Restalkohol eintraf. Es ging mir die erste Woche ziemlich schlecht, aber mit Medikamenten klappte es dann doch. Durch die vielen Gruppengespräche war ich überzeugt, dass ich den Alkohol niemals mehr anfassen würde. Die Therapie dauerte sechs Wochen und ich wurde in das normale Leben zurückgeschickt. Ich war nach der Therapie sehr motiviert und hatte ein riesiges Selbstvertrauen. Es gelang mir, in der Firma wieder einen guten Ruf zu erarbeiten und ich wurde auch befördert. Des weiteren besuchte ich fünf Jahre regelmäßig eine Selbsthilfegruppe, was mir auch sehr viel half.

Es schlich sich jedoch der Gedanke ein, dass ich jetzt stark genug wäre, um es alleine zu schaffen. Das ging auch zwei Jahre lang gut. Der Abstand von der Gruppe lies mich natürlich die schlimmen Zeiten vergessen. Im Urlaub auf Mallorca versuchte ich es mit kontrolliertem Trinken, was auch den ganzen Urlaub gelang. Ich habe dann wieder einige Monate (fünf oder sechs) keinen einzigen Tropfen mehr getrunken, aber mich im Hinterkopf schon auf die nächste Gelegenheit vorbereitet. So ging es dann weiter: eine Woche getrunken, dann wieder eine zeitlang nichts. Die Abstände wurden immer kürzer und die Therapie vergaß ich vollkommen. Im letzten Jahr meines vierjährigen Rückfalls wurde es aber so schlimm, dass ich wieder in mein vor Jahren erlerntes Trinkverhalten zurückfiel. Ich soff mehr als vor der Therapie, auch hatte ich einen neuen Chef, der mich immer zum Trinken animierte und dadurch von seinem Alkoholproblem ablenkte. Nun war ich wieder so weit wie vor elf Jahren.

Ich erinnerte mich an einen jungen Arzt, den ich in der Therapie kennen gelernt hatte und wandte mich an ihn vertrauensvoll. Er versprach mir zu helfen und ich wollte mir auch helfen lassen. Ich musste die ersten Sitzungen selbst bezahlen (war ein Bruchteil, was ich sonst im Monat für Alk ausgegeben hatte). Ich machte dann zu Hause mit seiner Unterstützung einen Entzug - war echt eine schlimme Woche. Ich vertrug die Medikamente, die er mir verschrieb, nicht. Aber nach einer Woche ging es mir von Tag zu Tag besser. Das war letztes Jahr im September. Von da an besuchte ich auch wieder regelmäßig die Selbsthilfegruppe. Das hilft mir auch sehr viel. Den A-Connect-Chat lernte ich Ende Dezember kennen - zum Glück rechtzeitig. Ich hatte an Silvester so eine richtige Krise, wo ich mein ganzes Leben wieder in Frage stellte. Die Chatfreunde haben mich da wieder rausgeholt und ich habe bis heute kein Problem mehr mit dem Alkohol. Ich hoffe auch, dass es so bleibt. Mein wirklicher und innerlichster Wunsch ist es von da an, auch an Betroffene meine jahrelange Erfahrung weiterzugeben und zu versuchen auf diese Weise zu helfen.


Rolf:
13 Jahre war ich mit meiner ersten Frau verheiratet bevor sie an den Folgen der Alkoholkrankheit starb. Während meiner Ehe hatte ich mich nie als Alkoholiker empfunden. Ich konnte doch jeder Zeit aufhören! Gut, ich trank manchmal zuviel, aber im Vergleich zu meiner Frau, die jeden Tag ihr Quantum brauchte um wenigstens halbwegs zu funktionieren, doch relativ wenig. Bis zu ihrem Tod. Danach hat es nur etwa 4 Wochen gedauert, bis es mit mir steil bergab ging. Die Trinkpausen wurden immer kürzer, dafür die Trinkmengen immer größer. Es kam was kommen musste: ich hatte einen Autounfall mit über 2 Promille Alkohol im Blut. Gott sei Dank ohne Personenschäden. Die Führerscheinstelle empfahl mir eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen, die mich vorsichtig aber bestimmt auf meine Trinkproblematik aufmerksam machte.

Durch regelmäßige Besuche einer Selbsthilfegruppe und eine ambulante Therapie ist mir nicht nur ein Licht sondern ein ganzer Tannenbaum mit Lichtern aufgegangen. Meine eigene Suchtproblematik wurde mir immer deutlicher. Nach der Therapie und fester Einbindung in meine Selbsthilfegruppe fasste ich den Beschluss das Thema "Alkoholismus" zu meinem Lebensthema zu machen. Ich nahm an Seminaren teil und wurde Suchtgefährdetenhelfer. Ich gründete in der Nähe eines Kreiskrankenhauses eine Gesprächsgruppe. Durch regelmäßige Information der Patienten, die sich zwecks Entgiftung im Krankenhaus aufhielten, gelang es den einen oder anderen für das Hilfsangebot zu interessieren. Außerdem kommen manchmal Menschen, die aus der lokalen Tageszeitung darüber erfahren haben. Das wichtigste für mich: Die ständige Konfrontation mit Suchtkranken und der Problematik hilft mir, als einer von ihnen, trocken leben zu können.

Zum Glück hatte ich nicht meine Arbeit verloren. Meine Fahrerlaubnis bekam ich auch problemlos wiedererteilt. Inzwischen bin ich 4 Jahre trocken und auch wieder verheiratet und hoffe so lange wie möglich nüchtern leben zu können. Ob mir das den Rest meines Lebens gelingt, ich bin 49 Jahre alt, weiß ich natürlich nicht. Ich kann nicht in die Zukunft sehen aber ich kann heute und morgen und jeden weiteren Tag an meiner Zukunft arbeiten und mich weiterentwickeln. Das ist manchmal ganz schön anstrengend aber ich bin sicher es lohnt sich.


Gitte:
Ich hatte bereits zahllose Entgiftungen, kalte Entzüge sowie stationäre Therapien, hinter mir, als ich mich in grausamer Verzweiflung am 21.12.1997 dazu entschloss meinem Leben ein Ende zu setzen. Rien ne va pluè, nichts ging mehr.... Weihnachten stand vor der Tür, ich hatte kein Geld mehr und keine Kraft, meinen Kindern etwas zu schenken oder ein schönes Fest zu bereiten. Es war alles kaputt... so dachte ich. Ich trank, so wie die Tage zuvor schon wieder, meine Flaschen Schnaps, schluckte Unmengen Tabletten hinterher und schnitt mir an beiden Handgelenken die Pulsadern auf. ----- Doch dort oben wollte man mich noch nicht.... Am nächsten Morgen fand mich meine Mutter bewusstlos, total vergiftet und halb verblutet in meinem Bett. 

Ich kam ins Krankenhaus auf die Intensivstation und am Heiligen Abend morgens wurde ich, nach einem Gespräch mit einer Nervenärztin in eine Klinik gebracht. Die Ärztin hatte mich schon vorher gekannt, aufgrund meiner zahlreichen Entgiftungen im Krankenhaus. Sie stellte mich vor die Wahl - entweder ich ginge freiwillig zur Therapie, oder sie würde mich zwangseinweisen. Ich kann es heute nicht mehr erklären, was in mir vorging. Ich ging freiwillig, flehte sie sogar darum, mir den Platz in dieser Klinik zu verschaffen, in der ich schon beim ersten Mal Therapie gemacht hatte. Irgendetwas in mir war ganz stark im Wachsen, ich denke heute es war der Wille zum Leben. Der Wille, es diesmal ernst zu nehmen. Der Wille, nicht mehr zu trinken, war geboren. Er war stark. Nicht mehr im Kopf allein, auch im Bauch. 

Dieses Gefühl kann ich bis heute nicht richtig beschreiben. Ich machte diese Therapie, knappe 13 Wochen lang und anschließend noch ein Jahr lang einmal wöchentlich ambulant, in Verbindung mit Selbsthilfegruppe. Ich hatte viele Scherben zurückgelassen zu Hause. Bei meiner Familie, die damals nur aus
meinen Kindern bestand und meiner Eltern. Doch die hielten auch nicht mehr
viel von mir. Ich hatte zu viel kaputt gemacht, durch den Alkoholkonsum. Ich lebte vom Sozialamt. Ich hatte nur noch eine Freundin, die tapfer und unerschütterlich zu mir gehalten hatte in der ganzen Zeit. Ich lebte in einer häuslichen Umgebung, die sehr heruntergekommen war, denn ich hatte nicht die finanziellen und auch nicht die geistigen Mittel, diesen Zustand zu beenden. 

Nach der Therapie nahm ich mein Leben in den Griff. Ich bekam durch das Arbeitsamt noch einmal die Chance, eine Weiterbildungsmaßnahme mitzumachen. Als kaufmännische Fachkraft für Dienstleistung, Handel und Handwerk. Während der Maßnahme fand ich eine hübsche Wohnung für mich und meine Kinder. Ich stellte vieles auf den Kopf, verhandelte mit dem Sozialamt wegen der Kostenübernahme für die Renovierung dieser Wohnung, organisierte einiges an Möbeln und auch den Umzug machte ich fast alleine, während der Maßnahme. Plötzlich ging es, ich konnte etwas leisten. Schritt für Schritt lernte ich zu laufen. Es war ein Weg in ein anderes, schöneres und wertvolleres Leben. Das Laufen fiel oft schwer, doch mit jedem Schritt vorwärts ging es besser und ich wurde stärker. Es gab auch viele Rückschläge, doch keiner ließ mich an dem Weg, den ich eingeschlagen hatte, zweifeln. Es konnte nur besser werden, schlimmer ging nicht. Ich lernte, mit meinen Problemen umzugehen. Es gelang mir mit der Zeit auch das Vertrauen meiner Kinder zurück zu erringen und auch das meiner Eltern, meines Bruders und seiner Frau. Heute habe ich ein liebevolles Verhältnis zu meinen Kindern und meiner Familie. Und viele Freunde, ehrliche Freunde. Ich habe ein geregeltes Leben, habe nach einigem Suchen und nach Gelegenheitsjobs endlich eine feste Arbeitsstelle, in der ich nicht schlecht verdiene. Und die Arbeit macht mir Spass. Mein LEBEN macht mir Spaß ...... mit jedem neuen Tag, den ich trocken bleiben darf. Es lohnt sich !


Peter:
Um dazu Stellung nehmen zu können muss ich zunächst erst einmal mit wenigen Worten meine letzten Tage als nasser Alki schildern. Diese Tage verbrachte ich in einer Obdachloseneinrichtung in Neuruppin wo ich meine Zeit zwischen schlafen und saufen verbrachte. Dementsprechend sah es natürlich auch mit meinem Gesundheitszustand aus und so kam was kommen musste, nämlich das ich in eine Klinik eingewiesen wurde. Dort bot mir der behandelnde Arzt eine Entgiftungsbehandlung an, welcher ich auch erleichtert zustimmte. Die folgenden Tage waren die Hölle und ich musste mit Medikamenten ruhiggestellt werden. Dennoch versuchte ich etwas von dem was in dieser Klinik an Informationen über die Krankheit angeboten wurde aufzunehmen und zu verarbeiten. Ich war fest entschlossen endlich mit dem Saufen Schluss zu machen. 

Nach meiner Entlassung erhielt ich Unterkunft in einer Obdachloseneinrichtung für Suchtaussteiger, wo wir zunächst nur wenige Personen waren. Die Leiterin dieser Einrichtung half mir, wo Sie nur konnte und so konnte ich alle Kraft einsetzen meinen begonnenen neuen Weg  fortzusetzen. Ich ging fast täglich zu irgendeiner Selbsthilfegruppe und beschäftigte mich auch darüber hinaus mit meinem Problem. Ich musste die Zeit in der ich früher getrunken hatte irgendwie ausfüllen. Das Beste jedoch war für mich das ich in diesen Gruppen zum ersten Male Freunde gefunden habe welche uneigennützig Ihre Hilfe gewährten und mich auch so manches mal auf den berühmten Boden der Tatsachen zurück holten. Nach etwa einem halben Jahr hatte ich durch meine ständigen Aktivitäten endlich meine eigene  Wohnung und kurze Zeit später auch einen Arbeitsplatz gefunden. Auch entschied ich mich in dieser Zeit für die Selbsthilfegruppe des Diakonischen Werkes, wo ich noch heute aktiv tätig bin. 

Nach einem Jahr dann lernte ich meine jetzige Frau kennen und lieben und ich erzählte Ihr gleich zu Beginn unserer Beziehung meine Geschichte. Sicher war das für meine Frau sehr schwierig sich dennoch für mich zu entscheiden  aber heute teilt sie meine Arbeit und verzichtet seit etwa zwei Jahren selbst auf den  Genuss von Alkohol. Den beiden Kindern meiner Frau versuche ich heute ein guter Vater zu sein und ich kann sagen, das gerade mir diese neue Verantwortung erheblich auf meinem Weg in die Trockenheit geholfen hat.


Uwe:
Zu Beginn muss ich erst mal sagen, dass ich ein heimlicher Trinker war, es wusste niemand, ich wurde nie angesprochen, nicht an der Arbeit, nicht von den wenigen Freunden, die ich noch hatte, nicht mal meine Freundin hat was gemerkt. Wir hatten ja getrennte Wohnungen. Ich zog mich nur immer mehr zurück, das Saufen wurde immer wichtiger. Wenn irgendwelche Einladungen kamen, habe ich immer Ausreden gesucht, um nicht hinzumüssen, nur um mir die Kante zu geben. Mit der Freundin ging es immer mehr auseinander, wir sahen uns zum Schluss kaum noch, ich igelte mich immer mehr ein. Die Freunde zogen sich nach und nach zurück, denn nach immer mehr Absagen von mir, rief dann auch niemand mehr an. War mir aber alles egal, Hauptsache mein Vorrat an Alkohol war immer da und ich konnte mir nach der Arbeit die "wohlverdiente Entspannung" gönnen! 

Ich kam dann an den Punkt, wo ich mir dachte, dass kann doch nicht alles sein, merkte, ohne ging es nicht mehr und allein schaffe ich das nicht. Wie komme ich da raus? Da kam mir die Vorsorgeuntersuchung in meiner Firma gerade recht. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und ging hin. In meiner Position hätte ich mich ohne weiteres drum drücken können, doch ich wollte und konnte nicht mehr. Sagte mir, noch hab ich doch alles, hab ne Wohnung, nen Job, hab meinen Führerschein und ein Auto und eine Beziehung, auch wenn es mit der nicht so rosig aussah.

Also, ich zum Arzt, Untersuchung, Blutabnahme, und dann rein zum Gespräch. Er sagte mir, ihre Werte gefallen mir nicht. Und ich: "Das kann ich mir vorstellen, ich habe da auch ein riesiges Problem mit." Doch anstatt Vorwürfen oder was weiß ich, was ich mir da so vorgestellt habe, war der Arzt sehr verständnisvoll und ich fing an zu reden. Ich konnte das erste Mal reden! Es war, als wenn eine riesige Last von mir genommen worden ist. Er nannte mir Kontaktadressen in meinem Ort und ich fragte ob er gleich einen Termin machen könne. Jetzt gleich, ja!

Dann ging es erst richtig los, meinen Vorgesetzten informieren, meine Freundin, die ist aus allen Wolken gefallen, hat sich Vorwürfe gemacht, hab doch nie was gemerkt, den Spruch hörte ich noch öfter, mein gesamtes Umfeld informiert.
Habe eigentlich mit jeder Menge Vorwürfen gerechnet und dummen Sprüchen, nichts, absolut nichts. Es waren eigentlich alle sehr verständnisvoll und standen hinter mir, fanden es sogar mutig, dass ich was dagegen unternehmen will.
Nachdem alles raus war, war der Rest eigentlich gar nicht mehr so schlimm. Ich habe gleich die kommende Woche eine Entgiftung gemacht, wo ich das erste Mal gesehen habe was es heißt auf Entzug zu sein. Nicht bei mir, ging eigentlich so einigermaßen, aber ich habe andere Patienten gesehen mit Krampfanfällen usw.
Nach der Entgiftung folgten dann 6 Wochen warten, bis Antrag für die LVA durch war. Habe dann eine Therapie in der Fachklinik des Blauen Kreuzes gemacht. Acht Wochen Stationär, danach noch mal vier Wochen teilstationär. Und ich fing wieder an zu leben! Habe in der Therapie gelernt, dass es Ursachen gibt, die teilweise sehr schmerzhaft waren, mit denen ich mich aber auseinander gesetzt habe. Dass ich mit meinem Problem nicht allein bin, und ich habe gelernt zu reden! Reden ist das A und O, nicht alles in sich rein fressen, auch mal sagen, hey Leute, mir geht es echt beschissen. Wenn man erst mal so weit ist, merkt man, dass es auch Menschen gibt, die einem zuhören, die einem auch Hilfe anbieten, wenn man bereit ist auch Hilfe anzunehmen.

Das ganze ist jetzt über 1 Jahr her, ich gehe immer noch regelmäßig in meine Selbsthilfegruppe, die für mich sehr wichtig geworden ist, denn man kann bei diesen Gesprächen immer etwas mitnehmen oder anderen mitgeben, die noch nicht so weit sind! Heute kann ich sagen, es geht mir gut, ich habe mein Leben geändert, habe neue Hobbys, meine Freunde sind wieder alle da, nur das mit der Freundin hat dann doch nicht mehr hingehauen. Aber auch da ist wieder was in Sicht. Ich kann nur jedem raten, redet mit jemandem, dem ihr vertauen könnt, wendet euch an eine Suchberatung oder halt hier auf diesen Seiten!


Ferris *:
Mein dreißigster Geburtstag sollte mein letzter sein - ich wollte nicht mehr leben. Schon seit frühester Jugend habe ich getrunken. Zum damaligen Zeitpunkt war ich drauf und dran, durch meine Sauferei alles zu verlieren: Meine Wohnung (ich saß so gut wie auf der Straße), meinen Job und letztlich meine Gesundheit, die schon ziemlich ruiniert war. Als der Tag da war, wurde mir klar, dass ich mich entscheiden musste - entweder leben ohne Alk oder sterben mit Alk. Ich weiß nicht mehr genau, was mich letztlich dazu bewegt hat, aber ich habe mich fürs Leben entschieden. Ich dachte, dreißig, das darf´s doch wohl noch nicht gewesen sein. Plötzlich wollte ich alles, bloß nicht mehr trinken! Also tat ich etwas, was ich nach meinem heutigen Kenntnisstand nicht mehr tun würde, denn es ist ein gefährliches Spiel. Ich entgiftete allein zu Hause! Die ersten Tage des Entzugs waren höllisch, ich sah Spinnen aus der Wand kriechen, war nicht in der Lage mich zu waschen und mir ging es saudreckig. Ich war am Schlottern, wie Espenlaub.

Nach ca. 10 Tagen war ich wieder einigermaßen durch. Mein erster Weg führte mich zu einer Suchtberatungsstelle. Dort erzählte man mir etwas von Therapie und Selbsthilfegruppen. Noch am selben Abend saß ich das erste Mal in einer solchen Gruppe. Das tat mir sehr gut. Ich wurde dort herzlich aufgenommen und stellte fest, dass ich mit meinem Saufproblem nicht alleine war. Der Erfahrungsaustausch und auch die spontane Hilfsbereitschaft der Gruppe gaben mir neuen Lebensmut. Ich habe dort echte Freunde gefunden. Von nun an, ging es bergauf. Ich lernte meine Probleme ohne Alkohol zu lösen. Meinen Job und meine Wohnung konnte ich behalten. Eine Therapie habe ich nicht gemacht, was ich heute im Nachhinein doch etwas bereue, denn sicherlich wäre es mit Therapie einfacher gewesen. Heute bin ich 36 Jahre alt, brauche nicht mehr zu trinken und bin verdammt froh, dass ich mich fürs Leben entschieden habe!

Hier noch ein Text zum Nachdenken, den uns Helfried hat zukommen lassen...

Lieber Alkohol,
 
bis ganz zum Schluss hatte ich die Hoffnung, dass wir doch Freunde bleiben könnten. Unser beider Wunsch kann nicht in Erfüllung gehen. Ich muss Dir die nur für Dich traurige Mitteilung machen, dass ich mich erneut zu einer Entzugsbehandlung entschlossen habe. Ich fühle mit Dir, weil ich aus Erfahrung weiß, wie es ist, einen lieb gewordenen Freund zu verlieren. Es wird Dich trösten, dass auch ich leiden muss.
 
Ich erinnere mich noch genau daran, als wir uns kennen lernten. Ich höre die Mahnungen und dachte, alle seien gegen unsere innige Verbindung. Immer wieder fühlte ich mit Dir. Dein herzliches Wesen, Deine einnehmende Art verhalfen mir oft zu Humor und zu Schaffensfreude und ließen mich immer vergessen, dass Du in meinem Leben nicht so breiten Raum einnehmen darfst. Du warst oft für mich da und hast mir Verständnis und Kraft gespendet.
 
Aber jetzt weiß ich, dass es auch ohne Dich weitergehen und ich neue Freunde finden muss, die mir bei der Trennung von Dir zur Seite stehen. Ich weiß, dass es den Gedanken an ein „Vielleicht“, an es ein bisschen mit Dir versuchen, nicht mehr geben darf und die Gedanken, an was Du angerichtet hast und an was Du immer wieder anrichten wirst, werden mich daran hindern, wieder mit Dir das Zusammensein zu suchen.
 
Du solltest wissen, dass ich richtig froh bin, Dir Ade zu sagen, dass mir diese Unwiderruflichkeit, dieses „Vorbei“ wirklich gut tut und mir meine Gesundheit und Lebensfreude wieder geben werden.
  
Dein Helfried

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Zuletzt aktualisiert am: 05.10.2016




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