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Angehörigenseminar

In den meisten Therapie-Einrichtungen werden sogenannte Angehörigenseminare angeboten. Wie so ein Seminar abläuft und welche Gedanken sich dabei entwickeln schildert uns im folgenden Beitrag Ellen:

>>Nun war ich also auf dem Weg zum Angehörigen-Seminar... Schon als fest stand, dass mein Mann eine Therapie machen würde war ich mir sicher das sich so eine Seminar mitmachen wollte! Nie hätte ich damit gerechnet, dass schon eine Woche nach seiner Aufnahme in der Klinik so ein Seminar statt finden würde. Am Tag seiner Aufnahme bekam ich auch schon die Einladung dafür! Ich war hin und her gerissen muss ich sagen. Gedanken wie: "Ohh schön, dass so ein Seminar angeboten wird" ..oder "Wo um Himmels willen soll ich die Kinder so schnell unterbringen" ..oder auch:" Das ist viel zu früh!" ..wechselten sich ab!

Nun, zum Glück konnte ich meine Kinder gut unterbringen , und mir beruflich frei nehmen, sodass ich tatsächlich fahren konnte!
Irgendwie hatte ich schon so meine Vorstellung vom Seminar, doch natürlich kam alles ganz anders! Als ich spät nachmittags in der Klinik ankam wurde ich von meinem Mann begrüßt. Nachdem er mir die Klinik gezeigt hatte und wir zu Abend gegessen hatten fuhren wir gemeinsam in das Hotel wo je ein Zimmer für uns und auch die anderen Angehörigen (teilweise mit Partner) reserviert war. Da er ja recht neu in der Klinik war, hätte er eigentlich keinen Ausgang, aber das Seminar zählte als Ausnahme, und so durfte er mit in dem Hotel übernachten! Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen fuhren wir alle gemeinsam zur Klinik.

Als erstes fand eine Vorstellungsrunde statt, bei der wir auch die anderen Gruppenmitglieder und die Therapeutin kennen lernten.
Die Gruppe meines Mannes bestand aus zwölf Männern. Nur sechs von ihnen hatten Angehörige dabei: vier hatten ihre Ehepartner dabei , einer seine Mutter, und von einem anderen Gruppenmitglied war die Schwester angereist. So waren wir schon eine recht große Runde! Sechs Gruppenmitglieder hatten zum Teil keinen Kontakt zu ihren Angehörigen bzw. wollten nicht, dass sie kommen. Oder auch die Angehörigen selbst wollten nicht kommen. Ich fand das schon sehr schade da ich glaube, dass es für beide Partner wichtig ist so etwas mitzumachen! Aber jeder denkt da ein wenig anders und das sollte man akzeptieren!

Jeder erzählte in der Runde etwas von sich, der eine als Betroffener, der andere als Angehöriger. Jeder konnte das sagen was er wollte, niemand wurde gedrängt etwas zu sagen wenn er nicht wollte, das fand ich schon sehr wichtig und so fühlte ich mich gleich zu Anfang wohl in der Runde! Irgendwie hatte man das Gefühl: wir sitzen im selben Boot, ja und gleiches Leid verbindet! Ich erfuhr schon einiges über die anderen, und einiges über menschliche Schicksale. So manches mal musste ich schlucken! Vieles konnte ich gut nachfühlen und mich in vielen Dingen wieder erkennen!

Für alle Angehörigen war es das 1. Seminar und es wurde wirklich sehr schnell deutlich, dass der Leidensweg der Angehörigen oft sehr ähnlich ist, wie auch der Weg der Betroffenen oft ähnelt. Jeder von uns Angehörigen kannte die Phasen der anfänglichen Zweifel ..des nicht wahr haben wollen, des Verdrängens, ..des Zweifelns an der eigenen Wahrnehmung! Zeiten des Verharmlosens: "ach es ist doch nicht so schlimm"! ..Zeiten der Hoffnung: "Wir schaffen das schon gemeinsam ... Er hört mit dem trinken auf" ..ja und dann auch die Zeiten der totalen Niedergeschlagenheit, der Wut, der Trauer, des gelähmt seins, der Kraftlosigkeit. Gefühle dieser Art hatte jeder von uns angehörigen durchlebt. Lange Zeit haben wir Angehörigen die Schuld bei uns gesucht . das schlechte Gewissen das uns von unseren Partnern gemacht wurde verfehlte seine Wirkung nicht! Sehr deutlich kam auch hervor, dass alle von uns nach außen den schönen Schein wahren wollten. So haben wir unsere Partner lange Zeit gedeckt, haben ihr Verhalten vor uns und auch vor anderen entschuldigt, das haben wir in gutem Glauben gemacht, richtig zu handeln!

Lange Zeit dachten wir, wir seien allein mit diesem Problem! Auch ich habe jahrelang so gedacht - bis ich im Internet Informationen fand! Erst auf Info-Seiten, dann durch den A-Connect-Chat! Vor allem dort stellte ich zu meiner Erleichterung fest, dass ich nicht allein da stand! Durch den Chat wiederum fand ich den Mut mich einer Al-Anon Gruppe anzuschließen, wo ich regelmäßig 1x die Woche hingehe! Auch sie gibt mir sehr viel. Ja, dies alles erwähnte ich natürlich in den Gesprächsrunden. Von den Angehörigen war ich die einzige die eine Selbsthilfegruppe besuchte, vieles was den anderen zum ersten mal bewusst wurde kannte ich schon, und so konnte ich wohl recht überzeugend davon berichten! Sie waren mir schon dankbar dafür, und so saßen wir auch nach Tagesabschluss noch zusammen und diskutierten.

Während des Seminars sahen wir dann den Film: "Rückfälle" mit Gunther Lamprecht. Ich muss schon sagen, er ging mir unter die Haut. Die innere Zerrissenheit eines Alkoholikers wurde sehr gut dar gestellt. Das Schwanken zwischen nicht trinken wollen - und trinken müssen ... das aufhören wollen ... aber nicht können ... ja es war schon beeindruckend! Anschließend wurde rege über den Film diskutiert! Im Rahmen des Seminars machten wir auch einen Stunde :"Musiktherapie" - ein Musikstück wurde uns vorgespielt und wir sollten unsere Gedanken und Gefühle dabei beschreiben. Einen Arztvortrag beinhaltete das Seminar auch, auch der war sehr interessant.

Der Hauptteil des Seminars aber bestand aus Gesprächen in der Runde. Natürlich war es interessant von den anderen zu hören, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass wir Angehörigen zumindest einmal ein Rundengespräch allein mit der Therapeutin gehabt hätten. Mit dieser Ansicht stand ich auch nicht allein da. Jede Klinik handhabt es wohl anders, aber vielleicht lag es diesmal auch daran, dass so viele Therapeuten erkrankt waren in der Zeit des Seminars. Aber trotz anderer Vorstellung kann ich wirklich sagen: das Seminar hat mir schon sehr viel gebracht! Zum einen konnte ich mich überzeugen, dass mein Mann in der Klinik in guten Händen ist. Zum anderen war es auch ein gutes Gefühl meine Gedanken und Gefühle auszubreiten im Beisein meines Mannes und anderer .. auch zu sehen: man ist wirklich nicht allein!

Ja, ich bin schon mit positiven Gefühlen nach Hause gefahren und werde auch beim 2. Seminar, was hoffentlich stattfinden wird, versuchen dabei sein zu können. Jedem der vor der Entscheidung steht zu so einem Seminar zu gehen möchte ich Mut machen dazu! Man kann nichts verlieren dabei sondern nur gewinnen! Niemand wird gezwungen sein Seenleben preis zu geben, sondern sagt nur das was er möchte, und auch zuhören bringt einen ja oft weiter!

In diesem Sinne:
Nur Mut!!<<


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Zuletzt aktualisiert am: 19.05.2017




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